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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Russisch-Turkestan; Russisch-Türkischer Krieg von 1828 und 1829; Russisch-Türkischer Krieg von 1877 und 1878

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Russisch-Turkestan - Russisch-Türkischer Krieg von 1877 und 1878

Russisch-Turkestan, häufig vorkommende Bezeichnung für das russ. Generalgouvernement Turkestan (s. d.).

Russisch-Türkischer Krieg von 1828 und 1829. Bereits nach Abschluß des Vertrages zu Akjerman (s. d.) 6. Okt. 1826, dessen Ausführung seitens der Pforte sehr lau betrieben wurde, begann Rußland Truppen an den Grenzen zu konzentrieren und benutzte nun auch die griech. Angelegenheit (s. Griechenland, Bd. 8, S. 335 b) zu seinen Zwecken. Es schloß 6. Juli 1827 mit England und Frankreich einen Vertrag ab zur Herstellung eines selbständigen griech. Staates. Auf die Weigerung der Pforte, in diesem Sinne zu handeln, erfolgte 28. April 1828 die Kriegserklärung Rußlands an die Pforte.

Am 7. Mai überschritt die für die Balkanhalbinsel bestimmte russ. Armee (65000 Mann) unter Wittgenstein den Pruth. Sie besetzte die Moldau und Walachei, ging 8. Juni bei Satunowo (unweit Isaccea) über die Donau, belagerte Braila, das 17. Juni kapitulierte, worauf sich die andern festen Plätze der Dobrudscha ergaben. Wittgenstein war inzwischen aus Pasardžik vorgerückt. General Roth blockierte Silistria und Giurgiu, und Geismar hatte den äußersten rechten Flügel zu decken und Nikopoli und Vidin zu beobachten. Der Hauptangriffspunkt sollte ursprünglich Varna sein, doch ging das Hauptheer schließlich gegen Schumla vor, wo sich Hussein Pascha verschanzt hatte. Die Russen schlugen mehrere Ausfälle zurück, mußten sich aber schließlich durch Mangel und Krankheit gezwungen wieder aus Novipazar sowie zur Belagerungsarmee bei Silistria zurückziehen. Vor Varna war Ende Juli der Admiral Greigh mit der russ. Flotte angekommen und hatte Truppen unter Menschikow zur Belagerung ausgeschifft. Varna ergab sich 10. Okt. und wurde von den Russen besetzt. Bei Silistria füllte Regen die russ. Trancheen, und Fürst Tscherbatow sah sich genötigt, 10. Nov. die Belagerung aufzuheben. General Geismar wurde 18. Aug. vom Pascha von Vidin auf Crajova zurückgeworfen, schlug aber 27. Sept. den Feind wieder.

Auf dem asiat. Kriegsschauplatz gingen die Russen mit 22000 Mann unter Paskewitsch vor, erstürmten 5. Juli Kars und nahmen 25. Juli Poti ein. Es folgte darauf die Kapitulation von Achalkalaki. Am 21. Aug. schlug Paskewitsch zwei Paschas an der Kura und eroberte Achalzych; es ergaben sich ferner Aikur, Bajasid, Diadin und Topra-Kale, und Paskewitsch bezog nun Winterquartiere. Der Sultan hatte die Absicht, während des Winters den Russen alle Eroberungen wieder zu entreißen. Varna sollte unter allen Umständen genommen werden; die Besatzungen der Festungen an der Donau und in Asien wurden verstärkt. Die russ. Armee litt im Winter durch Krankheiten und erschwerte Zufuhr. Den Oberbefehl übernahm jetzt Feldmarschall Diebitsch-Sabalkanskij (s. d.). Schon im Mai begann wieder die Belagerung von Giurgiu und Silistria. Am 27. Febr. hatte der Konteradmiral Kumany zur See Sisebolu eingenommen. Am 10. Mai brach Diebitsch auf, ging nach einem Gefecht bei Silistria über die Donau, schloß diese Festung vollends ein und sicherte zugleich die Verbindungslinien mit Varna und Provadia. Am 11. Juni wurden die Türken bei Tscherkovna entscheidend geschlagen und auf Schumla zurückgeworfen. Am 30. Juni ergab sich Silistria. Diebitsch bewerkstelligte nun den Übergang über den Balkan und ging mit der Hauptarmee gegen Adrianopel vor, das 20. Aug. kapitulierte. Unterdessen führten die russ. Truppen an der Donau einen kleinen Krieg mit den türk. Streifkorps, die aus dem Lager von Nikopoli ausbrachen. Deshalb erstürmte es Oberst Gowarow 25. Juli, sah sich aber 14. Aug. in Turna eingeschlossen, wobei ihn nur die schnelle Hilfe Kisselews rettete. Kurz darauf eroberten die Türken Rahovo und stellten dadurch die Verbindung zwischen Nikopoli und Vidin wieder her. In Asien schlug Paskewitsch 1. Juli den Seraskier unweit Kainli sowie 2. Juli Hagki Pascha bei Milli Dugow, eroberte Erzerum, schlug 8. Aug. den Pascha von Trapezunt bei Gümüsch-Chana und nahm letzteres ein.

Durch diese Erfolge der Russen wurde der Sultan den Mahnungen der Diplomatie zu Friedensverhandlungen gewogener und schloß 14. Sept. 1829 den Frieden von Adrianopel. (S. Osmanisches Reich, Bd. 12, S. 684 a.) Nach dem Friedensschluß rückte Mustafa Pascha mit 30000 Albanesen gegen Adrianopel vor, wurde jedoch 16. Okt. bei Arnaut Kaljessi gänzlich geschlagen.

Litteratur, von Witzleben, Darstellung des Feldzugs von 1828 und 1829 (2 Bde., Magdeb. 1829 u. 1831); Uschakow, Geschichte der Feldzüge in der asiat. Türkei 1828 und 1829 (russisch, 2. Aufl., Warsch. 1843; deutsch von Lämmlein, Lpz. 1838): Lukjanowitsch, Beschreibung des türk. Krieges in den J. 1828 und 1829 (russisch, 4 Bde., Petersb. 1844-48); von Moltke, Der russ.-türk. Feldzug in der europ. Türkei 1828 und 1829 (Berl. 1845; 2. Aufl., ebd. 1877).

Russisch-Türkischer Krieg von 1877 und 1878. Schon während der Konferenz der Großmächte in Konstantinopel (s. Osmanisches Reich, Bd. 12, S. 686 a) ließ Rußland sechs Armeekorps in den Militärbezirken Kiew, Charkow und Odessa mobil machen und brachte außerdem einen Teil der Truppen in Kaukasien und im Militärbezirk Moskau auf Kriegsstärke. Als dann die Pforte die Forderungen der Konferenz ablehnte, auch nach ihrem Friedensschluß mit Serbien (1. März 1877) die Rüstungen fortsetzte und selbst die im Londoner Protokoll, 31. März, aufgestellten Forderungen der europ. Mächte zurückwies, schloß Rußland 16. April mit Rumänien einen Vertrag über Regelung des Durchmarsches ab und erklärte 24. April der Pforte den Krieg; auch Montenegro berief 16. April seine Unterhändler aus Konstantinopel ab.

Am 24. April 1877 waren operationsfähig auf russ. Seite: in Kaukasien 164000 Mann, an den Küsten des Schwarzen Meers 56000 Mann und in Bessarabien 136000 Mann. Die nach den Donauländern bestimmte Operationsarmee, die durch weitere Nachschübe bis 15. Juni auf 216000 Mann anwuchs, verfügte über 24 zerlegbare Dampfbarkassen. Den Oberbefehl in Europa führte Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch der Ältere, in Asien Generaladjutant Loris-Melikow. Die türk. Streitkräfte waren folgendermaßen verteilt: die Donauarmee unter Abd ul-Kerim Pascha war etwa 160000 Mann stark, und zwar standen 35000 Mann unter Osman Pascha bei Vidin, etwa 100000 Mann im Festungsviereck Schumla-Rustschuk-Silistria-Varna und längs der Donau, in der Dobrudscha schwache Abteilungen, der Rest bei Tirnova, Schipka u. s. w. Außerdem wurden Reserven in Sofia und Konstantinopel gesammelt. Die Donauflottille war durch 6 Schiffe der Meeresflotte verstärkt worden und be-^[folgende Seite]