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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sachsen, Königreich (Bergbau und Hüttenwesen. Industrie und Gewerbe)
öffentliche Plätze, Gewässer, Teiche und Wasserläufe u. s. w. 48625 ha. 1882 bestanden 192921 landwirtschaftliche Betriebe und 19,98 Proz. der Bevölkerung war in der Bodenbenutzung und Tierzucht erwerbsthätig. Auf 3,18 Haushaltungen entfiel 1 landwirtschaftlicher Betrieb, im Deutschen Reiche auf 1,82 Haushaltungen. Hieraus ist der vorwiegend industrielle Charakter des Landes zu erkennen, und selbst die Landwirtschaft bat die Tendenz, mehr und mehr einen gewerblichen Charakter anzunehmen. S. hat 919 Rittergüter; davon bilden 895 selbständige Gutsbezirke, 24 geboren zu Stadt- und Landgemeinden. Güter mit einer landwirtschaftlich benutzten Fläche von mehr als 500 ha giebt es nur 7, darunter 4 in der Amtshauptmannschaft Grimma (1 mit mehr als 1000 ha). Der beste Getreideboden findet sich in den sog. Pflegen von Pegau, Leisnig, Chemnitz, Bautzen, Zittau und bei Lommatzsch. Die Lommatzscher Gegend wurde schon im Mittelalter "des Landes Meißen große Korntenne" genannt. Der schlechteste Boden liegt im obern Erzgebirge und den Waldgegenden des Vogtlandes, die schönsten Wiesen im Erzgebirge und den Elbniederungen. Außer den gewöhnlichen Getreidearten werden Heidekorn in der Kreishauptmannschaft Dresden rechts von der Elbe, Kartoffeln im Erzgebirge und im Vogtland, Flachs im mittlern Erzgebirge und der Oberlausitz, Raps und Rübsen besonders bei Dresden, Meißen, Oschatz und Leipzig, Karden für Tuchmacher bei Großenhain und Lommatzsch, Arzneikräuter bei Bockau, Schwarzenberg, Borna und Leipzig und Küchengewächse vorzüglich bei Dresden, Großenhain, Zittau, Leipzig und Zwickau gebaut. Der größte Teil der landwirtschaftlich benutzten Fläche ist mit Roggen (1893: 216925 ha) bestellt, dann folgen Hafer (186162), Kartoffeln (121764), Klee zu Futter und zu Samen (84610), Weizen (51324), Gerste (29138), Futterrüben (19508), Kraut (15094), Misch- und Mengfrucht (8628), Zuckerrüben (4246), sonstige Rüben (3230), Buchweizen (2814), Wicken (2620), Erbsen (1906) und Raps (1737 ha). Der Ernteertrag belief sich (1893) auf 397672 t Roggen (im Werte von 51788825 M.), 170532 Hafer (27890509), 107693 Weizen (15633793), 40546 Gerste (6915120), ferner 1545850 t Kartoffeln, 383658 Futterrüben, 112042 Zuckerrüben, 35045 sonstige Rüben, 159533 Kleeheu und Kleestroh, 352873 Wiesenheu, 1735 Buchweizen, 1235 Erbsen, 1624 Wicken, 6363 Misch- und Mengfrucht, 2504 t Raps und 235919 Krauthäupter. Der Weinbau tritt nur vereinzelt auf und hat in den letzten Jahren durch die Reblaus erheblich gelitten. Hopfen wird in der sog. Sächsischen Schweiz gebaut. Der Tabakbau, welcher 1858 noch 5100 Centner Tabak lieferte, ist verschwunden.
Die früher blühende Schafzucht ist, seitdem es keine Brache, keine Lehden und keine Hutgerechtigkeiten mehr giebt, sehr Zurückgegangen, ebenso die Feinheit der Wolle, weil die meisten Landwirte weniger auf diese als auf möglichst großes Schurgewicht sehen, so daß die einst so berühmten Schäfereien hierin jetzt von den schlesischen überflügelt werden, und weil seit 1856, wo man aus den edelsten Zuchten Englands größere Stämme einzuführen begann, die Mästung der Schafe sich mehr und mehr verbreitet hat. Die Schweinezucht hat seit 1846 durch Einführung engl. Nassen außerordentlich gewonnen. Ziegen werden am meisten im Erzgebirge, Gänse und Hühner in der Oberlausitz, namentlich in der Bautzener Gegend gehalten; in der Leipziger Gegend sind auch große Gänseherden nicht selten. Die Bienenzucht ist zurückgegangen, Seidenraupenzucht kommt nur vereinzelt vor. Der Viehbestand betrug (1. Dez. 1892) 148499 Pferde, 664833 (1893: 612744) Stück Rindvieh, 105194 Schafe, 433800 (454035) Schweine, 128562 Ziegen und 57662 Bienenstöcke, ferner 1433296 Hübner, 372350 Gänse, 41924 Enten und 10210 Truthühner. Obst wird besonders bei Dresden, Meißen, Leipzig und Colditz gebaut. Hervorragend ist die Erdbeerenzucht in der Lößnitz unterhalb Dresden.
Von dem Waldbestand (1893: 387728 ha) waren 197063 ha Privat-, Stiftungs- und Genossenschafts-, 168804 Staats- und 21861 ha Gemeindeforsten. Der Wald besteht zu 88,36 Proz. aus Nadelwald; unter dem Laubholz sind Buchen und Birken am häufigsten, Eichen seltener. Der Ertrag der Waldungen stellte sich 1893 auf 822564 Festmeter im Werte von 6927258 M.
Bergbau und Hüttenwesen. Der Betrieb des Berg- und Hüttenwesens ist durch das Gesetz vom 16. Juni 1868 geregelt; an der Spitze der fiskalischen Verwaltung steht das Bergamt in Freiberg, dem die sechs Revierausschüsse Freiberg, Schneeberg, Johanngeorgenstadt, Altenberg, Marienberg und Scheibenberg untergeordnet sind. Der Erzbergbau umfaßte (1892) 101 Gruben mit 6880 Beamten und Arbeitern, die 48538 t Erze im Wert von 5097412 M. ausbrachten; 1893 förderten 35 Steinkohlengruben mit 21267 Arbeitern (darunter 350 Frauen) 4274064 t Steinkohlen und Anthracit im Wert von 40515744 M., 113 Braunkohlengruben mit 2366 Arbeitern (darunter 160 Frauen) 940988 t Braunkohlen im Wert von 2655325 M.
Im J. 1892 war eine Eisenhütte (in Cainsdorf bei Zwickau) mit einem Hochofen im Betrieb und lieferte mit 170 Arbeitern 24062 t Masseln (Gänze) im Wert von 1332439 M. und 225 t Gußwaren erster Schmelzung im Wert von 15811 M. 1894 fand zeitweilig keine Roheisenerzeugung statt; 1893 erzeugten 138 Eisengießereien mit 7251 Arbeitern 110830 t Gußwaren (20115315 M.); endlich lieferten 4 Schweißeisenwerke 33894 t Fabrikate aus Schweißeisen für 3989780 M. und 4 Flußeisenwerke mit 2202 Arbeitern 55901 t Blöcke (Ingots) zum Verkauf und Fabrikate aus Flußeisen im Werte von 7816228 M. Die Gesamtzahl der im Betrieb befindlichen Steinbrüche betrug (1893) 365, die Zahl der in denselben beschäftigten Arbeiter 3580, die gesamte Warenproduktion schätzungsweise 180-190000 cbm.
Industrie und Gewerbe. Die Industrie ist hoch entwickelt und nimmt eine bedeutende Stellung ein.
Die 1. Mai 1893 ausgeführte Zählung gewerblicher Anlagen (mit mindestens 10 Arbeitern oder durch elementare Kraft bewegten Triebwerken oder Hüttenwerke, Zimmerplätze, Werften, Ziegeleien u. s. w. oder die nach §. 16 der Gewerbeordnung besondere Genehmigung bedürfen) und der daselbst beschäftigten Arbeiter ergab im ganzen 14808 Anlagen, darunter 5595 mit Dampfbetrieb und 5462 mit sonstigen elementaren oder tierischen Motoren, und 394426 (260207 männlichen, 134219 weiblichen) Arbeitern, darunter 1849 (588 weibliche) im Alter von 12 bis 14 und 31379 (13419 weibliche) im Alter von 14 bis 16 J.
Nach der Gewerbezählung vom 5. Juni 1882 gab es 359447 Gewerbebetriebe (313140 Haupt- und 46307 Nebenbetriebe) mit 815683 Arbeitern.