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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

201

Saint Pons de Thomières – Saint Riquier

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Saint-Pol-sur-Ternoise'

Ackerbaukammer, Collège, Spital für Greise, Sparkasse; Tabakslagerhaus, Mineralwasser, Brauerei, Strumpfwirkerei, Ölmühlen, Lohgerberei, Ziegelei und Handel besonders mit Vieh (Schweinen), Mehl, Getreide und Wein.

Saint Pons de Thomières (spr. ßäng pong dĕ tomĭähr). 1) Arrondissement im franz. Depart. Hérault in Languedoc, hat auf 1253,89 qkm (1891) 42115 E., 5 Kantone und 48 Gemeinden. –

2) Hauptstadt des Arrondissements S. P., am Südfuß des Mont-Saumeil (1019 m) der Monts de l'Espinouse, am Jaur (rechten Nebenfluß des Orb), an der Linie Castres-Bédarieux (Montpellier) der Südbahn, hat (1891) 2501, als Gemeinde (einschließlich Courniou, 1602) 4849 E., einen Gerichtshof erster Instanz, Ackerbaukammer, Kleines Seminar, eine Kathedrale aus dem 12. Jahrh. (Umbau im 18. Jahrh.) mit altem Portal und hübschen Holzschnitzereien; Tuchfabrikation, Wollspinnerei, Marmorbruch und Eisengrube.

Saint Pourçain-sur-Sioule (spr. ßäng purßäng ßür ßĭuhl), alte Stadt im Arrondissement Gannat des franz. Depart. Allier in Bourbonnais, links an der Sioule (linken Zufluß des Allier), an der Lokalbahn (Moulins-)Varennes-Marcillat des Mittelmeernetzes, hat (1891) 3322, als Gemeinde 4998 E., ein Krankenhaus, eine frühere (Abtei-)Kirche mit einem merkwürdigen «Ecce homo» aus Stein (15. Jahrh.); Mahl- und Schneidemühlen, Wollspinnerei, Fabrikation von Handschuhen, Kämmen, Leder und Weinbau sowie Handel.

Saint Privat-la-Montagne (spr ßäng priwá la mongtánj), Dorf im Landkreis und Kanton Metz, 15 km nordwestlich von Metz, hat (1890) 506 kath. E., Postagentur und Fernsprechverbindung. S. P. war in der Schlacht von Gravelotte-Saint Privat (s. Gravelotte) 18. Aug. 1870 der Stützpunkt des rechten franz. Flügels und wurde gegen Abend von der 1. Garde-Infanteriedivision unter Pape und Truppen des 12. (königl.-sächs.) Armeekorps erstürmt.

Saint Quay (spr. ßäng keh), Seebadeort im Arrondissement St. Brieuc des franz. Depart. Côtes-du-Nord in der Bretagne, 20 km im NNW. von St. Brieuc, hat (1891) 367, als Gemeinde 2727 E., Hafen mit Leuchtturm und wird besonders von Geistlichen besucht. 2 km im SO. liegt der zugehörige bekannte Seebadeort Portrieux (1010 E.) mit Reederei und Zufluchtshafen, von wo im Mai die große Fischerflotte der Bai von St. Brieuc mit bis 4000 Menschen nach Neufundland abgeht.

Saint Quentin (spr. ßäng kangtäng). 1) Arrondissement im franz. Depart. Aisne, in der Picardie, hat auf 1073,09 qkm (1891) 145988 E., 7 Kantone und 128 Gemeinden. –

2) S. Q., Hauptstadt des Arrondissements S. Q. und früher der Grafschaft Vermandois, auf einem Hügel, 104 m ü.d.M., an der Somme, am Zusammenfluß des Kanals von S. Q. (zur Schelde) mit dem Kanal Crozat (zur Oise) und an den Linien Paris-Hautmont(-Brüssel), S. Q.-Guise (40 km), S. Q.-Vélu (52 km, nach Arras) und S. Q.-le Catelet (24 km) der Nordbahn, ist Sitz des Kommandos der 8. Infanteriebrigade, eines Gerichtshofs erster Instanz, Handels- und Schiedsgerichts, einer Handels-, Gewerbe- und Ackerbaukammer und einer Filiale der Bank von Frankreich, hat (1891) 44209, als Gemeinde 47551 E., in Garnison das 87. Infanterieregiment; prot. Kultus, ein Lyceum, Spital, ↔ Pensionate, öffentliche Bibliothek, Theater und Cirkus; die 113 m lange, got. Kollegiatkirche S. Q. (12. bis 15. Jahrh.) mit 3 Schiffen, 2 Querschiffen, 40 m hoher Wölbung, prächtigen Fenstern und Basreliefs aus dem Leben des heil. Quintin (Sohn eines röm. Senators, geb. 284) und seiner Begleiter Victoric und Gentien; vor der Kirche das Bronzestandbild des Pastellmalers Quentin de Latour von Langlet; das monumentale Rathaus (14. und 15. Jahrh.) mit prächtiger Façade, Turm und Glockenspiel; den Justizpalast, ein ehemaliges Kloster mit Museum, worin 80 Pastellbilder und Zeichnungen von de Latour. Vor dem modernen Lyceum steht die Bronzestatue des Geschichtschreibers Henri Martin von M. de Vasselot, und auf dem Platze des achten Oktober ein schönes Bronzemonument des Kampfes von 1870 gegen die Deutschen von Barrias. S. Q. ist Mittelpunkt eines bedeutenden Industriebezirks mit 130000 Arbeitern, es hat Woll- und Baumwollspinnerei, große Tüllfabriken, Stickereien und Weberei von Tafelleinen, Leinen- und Baumwollwaren, genannt Artikel von S. Q., ferner Salzdepot, Seife- und Posamentenfabriken und lebhaften Handel.

S. Q. hieß bei den Galliern Samarobriva, bei den Römern Augusta Veromanduorum, erhielt den Namen S. Q. nach dem Märtyrer Quintinus; es ist in der Geschichte durch zwei für die Franzosen unglückliche Schlachten bekannt; in der ersten (1557) besiegte die Armee Philipps II. von Spanien unter Emanuel Philibert von Savoyen die französische Heinrichs II., die andere fand 1871 statt. Am 17. Jan. besetzte die franz. Nordarmee die Stadt, am 19. fand die entscheidende Schlacht statt, in welcher die Armee des Generals Faidherbe (franz. 22. und 23. Korps) und deutscherseits unter Goeben das 8. und Teile des 1. Korps und der 3. Kavalleriedivision, sowie die sächs. Kavalleriedivision, das sächs. Jägerbataillon Nr. 12 und die sächs. 2. reitende Batterie (zusammen etwa 30000 Mann) kämpften. Goeben hatte am Abend des 18. Jan. seine Armee halbkreisförmig im Süden und Westen von S. Q., und zwar auf einer Front von 2 deutschen Meilen konzentriert. Die Schlacht drehte sich wesentlich um den Besitz der Dörfer Javy, Grugis, Neuville, St. Amand und Gauchy, die von den Franzosen besetzt waren. Nach mehrstündigem Kampfe wurden sie genommen, beide Flügel Faidberbes umgangen und dadurch die franz. Linie zurückgedrängt. Ein Vorstoß wurde abgeschlagen, und um 4 Uhr befanden sich die franz. Truppen überall auf dem Rückzuge, der um 7 Uhr abends in eiligste Flucht auf Cambrai und Guise ausartete. Die Folge des Sieges war die völlige Auflösung der franz. Nordarmee. Diese verlor 3000 Tote und Verwundete, 10000 Gefangene und 6 Geschütze; der deutsche Verlust betrug 94 Offiziere, 3000 Mann. – Vgl. Lecocq, Histoire de la ville de S. Q. (Par. 1875).

Saint Remy (spr. ßäng remih), franz. Dorf im Arrondissement St. Dié des Depart. Vosges, nahe dem Walde von St. Benoit, 8 km südlich von Raon l'Etape gelegen, hat 584 E. In der Nähe von S. R., Etival, Nompatelize und St. Dié fand 6. Okt. 1870 ein für die bad. Brigade unter Degenfeld siegreiches Gefecht statt.

Saint-René Taillandier (spr. ßäng), s. Taillandier.

Saint Riquier (spr. ßäng rikĭeh), früher berühmte, jetzt verfallene Stadt im Arrondissement Abbeville des franz. Depart. Somme, in der Pi-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 202.