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Brockhaus' Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: San Stefano; Santa; Santa Ana; Santa Ana de Coro; Santa Ana de Cuenca; Santa Anna

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San Stefano – Santa Anna

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Sanssouci'

helm II. im Sommer, ebenso wie sein Vater. Südöstlich vom Neuen Palais lehnt sich am den Park von S. der von Charlottenhof, der die schöne, von Friedrich Wilhelm IV. als Kronprinz bewohnte Villa enthält, mit der Büste Schinkels von Rauch, einem von Peter d. Gr. aus Stahl und Silber gefertigten Stuhl, einem Ganymed von Wredow, einem David von E. Wolff und zwei Zimmern mit Erinnerungen an Alexander von Humboldt. Das einfache Landhaus wurde 1826 von Persius nach Entwürfen Schinkels zu einer ital. Villa umgeschaffen und die Gärten (darunter der schöne Rosengarten) von Sello und Morsch nach Lenne's Plänen angelegt. Westlich von Charlottenhof die Fasanerie (mit dem Hippodrom). Im NW. wurde der Park von S. schon von Friedrich Wilhelm III. nach dem 1779 erbauten Belvedere und dem Drachenhäuschen (Chinesischer Turm) hin erweitert. Friedrich Wilhelm IV. ließ noch die röm. Villa bei Lindstedt und jenseit der histor. Mühle auf den ehemaligen Weinbergen des Bornstedter Feldes 1851–50 die großartige, von Stüler im florentin. Stil entworfene Orangerie erbauen, einen mit den Seitenflügeln 298 m langen Bau, 1856 nach Plänen von Hesse vollendet, mit einem mit Aussichtstürmen gekrönten Mittelbau und zwei Eckpavillons. Im Mittelbau (59 m lang, 44,9 m tief, 29 m hoch) befindet sich der Raffaelsaal mit 49 Kopien Raffaelscher Werke. Vor dem Mittelbau die Marmorstatue Friedrich Wilhelms IV. von Bläser (1873); sonst enthält der Bau viele Prachträume (Malachitsaal, Loggia, Bernsteinzimmer, Schildpattzimmer) mit Marmorwerken und andern Kunstgegenständen. Westlich schließt sich der Paradiesgarten mit Atrium im griech. Stil, östlich der Nordische Garten (Pinetum) an das mit prächtigen Teppichgärten geschmückte Plateau der Orangerie an. Nördlich liegt das königl. Schatullengut Bornstedt (Musterwirtschaft). Östlich von Bornstedt der Ruinenberg, eine Anhöhe mit künstlichen, von Friedrich d. Gr. erbauten Ruinen, die das Becken der Wasserwerke von S. (47 m im Durchmesser) enthalten, und ein Aussichtsturm (1842); das Wasser wird aus der Havel durch Dampfkraft hierher getrieben. – Vgl. Bergau, Inventar der Bau- und Kunstdenkmäler in der Provinz Brandenburg (Berl. 1885); Sello, Potsdam und S. (Bresl. 1888).

San Stefăno (grch. Hagios Stephanos, so genannt von einem byzant. Kloster), Hafenort am Marmarameer, 15 km westlich von Konstantinopel, mit etwa 2000 E., denkwürdig durch den hier 3. März 1878 geschlossenen Präliminarfrieden, der den Russisch-Türkischen Krieg von 1877 und 1878 (s. d.) beendigte. Die Hauptbedingungen, die durch die russ. Grafen Ignatiew und Nelidow sowie die türk. Paschas Safvet und Sadullah vereinbart wurden, waren: Die Türkei tritt an Montenegro, dessen Unabhängigkeit anerkannt wird, einen ungefähr 37 km breiten Grenzdistrikt im Norden, Osten und Süden des Fürstentums ab und gestattet den Montenegrinern freie Schiffahrt auf der Bojana. Auch Serbien und Rumänien werden als unabhängige Staaten anerkannt, Serbien wird durch Altserbien mit Nisch und Sjenica vergrößert, Rumänien erhält von der Türkei eine angemessene Entschädigung für die aufgewendeten Kriegskosten. Bulgarien wird ein tributpflichtiges, im übrigen selbständiges Fürstentum unter einem christl. Fürsten und umfaßt außer dem Gebiet zwischen Donau und Balkan fast ganz Rumelien, mit Einschluß der Küste bei Kavala, so ↔ daß nördlich des Ägäischen und Marmarameers nur die Chalcidische Halbinsel mit Saloniki sowie Thrazien mit Adrianopel unter direkter türk. Verwaltung bleiben. Kreta, Thessalien, Epirus, Bosnien und Herzegowina erhalten durch eine europ. Kommission die erforderlichen Reformen der innern Verwaltung, deren Ausführung von seiten der Mächte dauernd überwacht wird. Die Türkei zahlt 1410 Mill. Rubel Kriegsentschädigung an Rußland und tritt die Dobrudscha, das vormals russ. Bessarabien sowie die Gebiete von Ardahan, Kars, Batum, Bajasid und alles Land östlich des Soghanlü-Dagh definitiv ab, wofür 1100 Mill. Rubel an der vorgedachten Kriegsentschädigung erlassen werden. Diese Bestimmungen erlitten durch den Berliner Vertrag vom 13. Juli 1878 wesentliche Abänderungen. (S. Berliner Kongreß.)

Santa (ital., span., portug.), weibliche Form zu Santo (San) und São, heilig. Zusammensetzungen mit S., die man hier vermißt, sind unter dem betreffenden Hauptnamen zu suchen; s. auch Saint, Sainte, San, Sankt, São.

Santa Ana, Hauptort des Departamento S. A. in Salvador, nicht weit von der Westgrenze, über Ateo mit Ajacutla durch Bahn verbunden, ist Sitz eines deutschen Konsuls, hat 30420 E., lebhaften Indigohandel, Kaffee- und Zuckerkultur.

Santa Ana de Coro, s. Coro.

Santa Ana de Cuenca, s. Cuenca.

Santa Anna, Antonio Lopez de, auch Santana, Präsident und Diktator von Mexiko, geb. 1797 zu Jalapa, beteiligte sich seit 1821 an dem Unabhängigkeitskampf, half 1823 den Kaiser Iturbide stürzen und zog sich dann auf sein Landgut bei Jalapa zurück. Erst 1828 mischte er sich wieder als Vorkämpfer der Yorkinos in die öffentlichen Angelegenheiten, wurde 1829 Kriegsminister und Oberbefchlshaber des Heers und 1. April 1833 Präsident. Eine Empörung, in der S. A. bei San Jacinto 21. April 1836 geschlagen wurde, stürzte ihn und brachte ihn in Gefangenschaft. (S. Mexiko, Bd. 11, S. 844a.) Nachdem er 1837 wieder freigelassen worden, nahm er teil an der Verteidigung von Veracruz gegen die Franzosen (Dez. 1838), wobei er ein Bein verlor. 1841 wieder zum Präsidenten ernannt, schaltete er ziemlich unbeschränkt bis Dez. 1844, wo eine neue Revolution ihn stürzte und in die Verbannung nach Habana führte. 1846 wieder zurückgerufen, übernahm er die Stelle eines Generalissimus im Kriege gegen die Vereinigten Staaten von Nordamerika und ward, obgleich 22. und 23. Febr. 1847 bei Buenavista von Taylor gänzlich geschlagen, abermals zum Präsidenten gewählt. Nach einer abermaligen Niederlage, die er 18. April 1847 bei Cerro-Gordo durch General Scott erlitt, ließ er sich zum Diktator ernennen, mußte aber, als 15. Sept. 2347 die mexik. Hauptstadt von Scott erstürmt wurde, nach Jamaika entfliehen. Um der zunehmenden Anarchie zu steuern, wurde er Febr. 1853 von seinen Anhängern abermals zurückgerufen und begann nun als Diktator mit großer Entschiedenheit eine neue Ordnung herzustellen. Die wiederholten Empörungen der Föderalisten unterdrückte S. A. und arbeitete im Bunde mit den Häuptern der klerikalen Faktion auf die Herstellung einer Monarchie hin, wodurch seit Febr. 1854 die republikanische und antiklerikale Partei in allen Teilen des Landes zum Aufstande gebracht wurde. Nach längerm Kampfe wurde S. A. gestürzt

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 294.