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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sasse - Sathas
207 Manuskripte), Kliniken u. a. Institute. Die Ein-
wohner treiben Handel mit Getreide, Käse, Schaf-
und Ziegenfellen, besonders aber mit Al, das aus den
Olivenpflanzungen der Umgegend gewonnen wird.
Die Hafenstadt von S., Porto-Torres (die röm.
Kolonie Inri-ig I^idv880ni8, seit dem ausgehenden
Altertum nur 'Iurrs8), 1073-1441 Sitz eines Erz-
bistums, liegt an der Bai von Asinara und hat
1799, als Gemeinde 3228 E., eine Kirche San Ga-
vino (13. Jahrh.), eine Basilika mit 28 antiken
Säulen und offenem hölzernem Dachstuhl, Ruine
von einem röm. Fortunatempel, jetzt Palazzo del
Re Barbaro genannt, eine röm. Brücke von sieben
Bogen, eine Wasserleitung und Felsengräber. Porto-
Torres ist Station der ital. Dampferlinien zwischen
Livorno, Genua und Bastia.
Sasse, in der alten Gerichtssprache jeder Be-
sitzer von Grundeigentum: man unterscheidet Frei-
sassen <s. Freigut), Landsassen (s. d.) und Hinter-
Sasse, Waffe, s. Sar. Msen (s. d.).
Safsenage (spr. ßass'nahsch), Flecken im Arron-
dissement Grenoble des franz. Depart. Isere in der
Dauphins, 6 km westlich von Grenoble, am Fuß
eines steilen Berges und am Furon, bei der Mün-
dung des Drac in die Isere, hat (1891) 1549 E., ein
Schloß mit vielen Kunstschätzen (die Evangelisten
von Murillo); Fabrikation von Tuch und berühmtem
Käse. In der Nähe die Grotten des Furon und ein
Fall desselben.
Sasfi (8tr6p8ic6i'08 cki-vicapra I^i??a5, oder
Hirschziegenantilop e,s. Tafel: Antilopen II,
Jig. 1), eine mehr als einen Meter lange Antilope
Indiens, deren Behaarung in der Farbe nach Alter
und Geschlecht sehr schwankt, immer aber ist die
Unterseite des ganzen Körpers, die Innenseite der
Ohren und Beine sowie die Gegend um den After
und die Spitze des 15 cin langen Schwanzes weiß.
Die bis 40 cin langen, schwarzen Hörner des Bocks
sind fast gerade, zeigen im Alter 30 Ringel und
machen drei und einen halben Spiralumgang.
Satznitz, Dorf im Kreis Rügen des preuß. Reg.-
Vez. Stralsund, auf der Iufel Rügen, an der Nord-
westküste des Prorer Wiek, an der Südseite des alteu
Buchenwaldes Stubnitz auf der Halbinsel Iasmund,
am Ausgange einer Schlucht und an der Nebenlinie
Stralsund-S. (Station Crampas-S.) der Preuß.
Staatsbahnen, hat (1890) 560 E., Post, Telegraph,
Fischereihafen, im Sommer regelmäßige tägliche
Dampfschiffverbindung mit Swinemünde und Stet-
tin, ferner häufige Verbindung mit Arkona, Stub-
benkammer, Vinz, Göhren u. a. und wird als See-
bad (kalte, warme und mediz. Bäder) sehr besucht
(1894: 8000 Kurgäste).
Sassoferrato (lat. 8axum keri'awm), Stadt in
der ital. Provinz Ancona in den Marken, am Ost-
fuh des röm. Apennin, hoch über dem Sentino
<linkem Nebenfluß des Esino) gelegen, besteht aus
Ober- und Unterstadt, hat (1881) mit Borgo 1589,
als Gemeinde 7776 E. und in den Kirchen Gemälde
(Madonnen) des hier geborenen Giambattista Salvi,
genannt il Sassoferrato (s. d.). In der Nähe Rui-
nen des alten Sentinum.
Sassoferrato, mit seinem wirklichen Namen
Giambattista Salvi, ital. Maler, geb. 11. Juli
1605 zu Sassoferrato, lernte die Malerei bei seinem
Vater Tarquinio Salvi, dann bei den Schülern der
Carracci. Er starb 8. April 1685 zu Rom. Er
malte besonders Madonnen (Maria das schlafende
Kind mit dem Schleier bedeckend oder den Schleier
sorglich aufhebend). Seine Köpfe sind sehr lieblich
und voll religiöser Innigkeit, in der Draperie des
Gewandes zeigt er große Kunstfertigkeit. Indes
wird er vielfach süßlich, ist kreidig im Ton und meist
nur Nachempfinder. Seine Bilder sind sehr häusig
in den Galerien vertreten. S.s größtes Werk ist
ein Altarblatt in der Kirche zu Montesiascone, den
Tod des heil. Joseph darstellend.
Sasfolllt, ein triklines, gewöhnlich in feinen
schuppigen (sechsseitigen) oder faserigen, losen oder zu
Aggregaten vereinigten Individuen krystallisieren-
des Mineral. S. ist farblos oder gelblichweih, perl-
mutterglänzend und nach der Basis spaltbar. Che-
misch ist der S. Vorsäure, ÜO^. Er findet sich
als Sublimat mancher Vulkane und als Absatz hei-
ßer Quellen, z. V. auf der Insel Volcano und zu
Sasso in Toscana.
Sasfuölo, Stadt in der ital. Provinz und im
Kreis Modena in der Emilia, am Nordfuß des
etrusk. Apennins, rechts von der Secchia, an der
Linie Neggio-S. (22 km) und S.-Modena (17 km)
des Adriatischen Netzes, hat (1881) 3081, als Ge-
meinde 6133 E., eine herzogt. Villa (1640) mit Park;
Papierfabrikation, Töpferei. 3 kin südlich der ehe-
malige Vulkan Monte-Zibio mit Steinölquellen.
Sastra, andere Schreibung für Aastra (s. d.).
Satan (hebr., d. i. Feind, Widersacher), Bezeich-
nung für Teufel (s. d.); satanisch, soviel wie
Satansaffe, s. Schweifaffen. ^teuflisch.
Satanspilz oder Vlutpilz (Volswä satan^
/.6N5, s. Tafel: Pilze II. Giftige Pilze, Fig.7),
einer der giftigsten Pilze mit hellgelbem oder gelb-
braunem Hut, der einen Durchmesser von 20 bis
25 cm besitzt und sich klebrig anfühlt. Der Stiel ist
rot gefärbt; die aus Röbrchen bestebende Hymenial-
schicht an der untern Seite des Hutes zeigt eine
blaßrote Färbung. Das Fleisch ist beim Bruche
anfangs weiß, später nimmt es eine blaue Farbe
an. Der S. ist nicht häufig, läßt sich an seiner eigen-
tümlichen Färbung leicht erkennen und kommt be-
sonders in Laubwäldern und zwar vorzugsweise an
deren Rändern vor.
Satellit (lat.), Leibwächter, Begleiter, Trabant;
auch soviel wie Nebenplanet (s. d.).
Saterland, eine rings von Hochmooren um-
gebene Gegend im oldenb. Amt Friesoythe, etwa
20 km lang und 8 km breit. Der Boden ist eben
und besteht zum größten Teil aus Moor, zum klei-
nern aus sandiger Geest. Auf letzterer, die aus dem
Moor hervorragt, liegen die Kirchspiele Strücklingen,
Ramsloh, Scharret und Neuscharrel mit zusammen
4215 kath. E. Durchflossen wird das S. von der
Marka, die in ihrem untern schiffbaren Lauf den
Namen Saterems führt, und der Ohe. (S. Karte:
Fehnkolonien und Fehnkanäle in Ostfries -
land, Bd. 6, S. 630.) Die Bewohner haben noch
ihre alte Sprache (f. Friesifche Sprache) bewahrt.
Sathas, Konstantin, neugriech. Geschichtsforscher
und Literarhistoriker, geb. 1842 in Galaxidi, be-
suchte das Gymnasium in Athen und widmete sich
besonders dem Studium des mittelalterlichen griech.
Schrifttums; er fand viele für die neugriech. Ge-
schichte und die Gestaltung der griech. Sprache be-
deutende Werke in den Bibliotheken Europas auf
und gab sie heraus in: "Hl5?"'.<ov.x^ ß'.ßX^^/zx^"
(7 Bde., Vened. 1872-94) und "vocumeutZ in-
<^äit3 lkiatifg 3. 1'ki3t0ir6 äs 1a (^r^ce an m0^6u
HF6", Bd. 1-8 (Par. 1880-88). Ferner veröffent-
lichte er: "'NXX-^xa Hvix3^2" (2 Bde., Athen 1867),