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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schackenburg - Schädel
Gedichte fanden, veranlaßte ihn, auch andere zum Teil
in frühern Jahren entstandene Dichtungen heraus-
zugeben, von denen das Trauerspiel "Timandra" und
das epische Gedicht "Die Plejaden" (4. Aufl., Stuttg.
1883) am meisten Aufsehen erregten. Seine ältern
"Dramat. Dichtungen" erschienen in 2 Vändcben
<Ewttg. 1879), seine "Gesammelten Werke" in 6 Bän-
den (ebd.1882-83) und in 8 Bänden (ebd.1885-91);
nach seinem Tode erschienen vermischte Schriften
u. d. T. "Perspektiven" (2 Bde., edd. 1894). Die
von S. gesammelte wertvolle Gemäldegalerie (Bilder
von Genelli, Feuerbach, Böcklin, Schwind, Lenback
u. a.), worüber er selbst einen vorzüglichen Fübrer:
"Meine Gemäldesammlung" (6. Aufl.^Sluttg. 1892),
veröffentlichte, vermachte er dem Deutschen Kaiser;
sie bildet eine hervorragende Eebenswürdigkeit Mün-
chens; 73 Gemälde wurden in Heliogravüre mit
Text von S. (Münch. 1892) herausgegeben. - Vgl.
Rogge, Adolf Friedrich Graf von S. Eine litterar.
Skizze (Berl. 1882); Heinr. und Iul. Hart, Kritische
Waffengänge, Heft 5: Graf S. als Ticktcr (Lpz.
1884); E. Vrenning, Graf A. F. von S. Ein litterar.
Essay (Vrem. und Lpz. 1885); E. Torer, Graf Ad.
Fr. von S. (1885); 3Nanssen, A. F. Graf von S.
Ein Poet. Charakterbild. Aus dem Holländischen
(Stuttg. 1888).
Schalkenburg, Grafschaft, s. Tondern.
Schadchen oder Scbadchan (jüdisch-deutsch),
Ehestifter, Heiratsvermittler.
Schade, Oskar, Germanist, geb. 25. März 1826
zu Erfurt, studierte zu Halle und Berlin, lebte feit
1854 in Weimar, habilitierte sich 1860 in Halle und
wirkt seit 1863 als ord. Professor in Königsberg.
S.s Hauptwerk ist fein "Altdeutsches Wörterbuch"
(2. Aufl., Halle 1872-82). Er gab heraus: "Cres-
centia, ein Gedicht des 12. Jahrh." (Berl. 1853), "Die
Ursulasage" (Hannov. 1854), "Geistliche Gedichte
des 14. und 15. Jahrh, vom Niederrhein" (ebd.
1854), "Vergreihen" (Weim.1854), "Deutsche Zand-
werkslieder" (Lpz. 1865), "Satiren und Pasquille aus
der Rcformationszeit" (2. Ausg., 3 Bde., Hannov.
1863), "Altdeutsches Lesebuch" (2 Tle., Halle
1862-66), "Paradigmen zur deutschen Grammatik"
(4. Aufl., ebd. 1884) u. a. Mit Hoffmann vonFallers-
leben redigierte S. das wertvolle "Weimar. Jahr-
buch" (Weim. 1854-57), in dem er viele größere
Abhandlungen veröffentlichte, allein die "Wissen-
schaftlichen Monatsblätter" (Königsb. 1873-79).
Schädel (Oaninni), im weitcrn ^inne die
Gesamtheit der Kopfknochen, im engern dagegen
nur derjenige Teil des knöchernen Kopfes, der
die Hülle (Kapfel) für das Gehirn bildet lHirn-
fchädel). Derselbe wird von den beim Menschen
hald verwachsenden Stirnbeinen (0535 li-ontis,
088H li-onwiia, s. Stirn und die Tafel: Der
Schädel des Menfchen, Fig. 1,1), den Scheitel-
beinen (088I. Mlietalia, f. Scheitel und Fig. 1, 2),
den Schläfenbeinen (0333. tem^oi-uin 8. t^in^or^iin,,
s. Schläfe und Fig. 1, 4, 14; Fig. 2, 9, 10, 11 u. 13),
dem Keilbein (03 Lpkknoiäeani 8. xi^Iioideuin,
s. Keilbein und Fig. 1,3; Fig. 2, 8 u. 14), dem Hin-
terhauptsbein (08 occipius, s. Hinterhaupt und
Fig. 2, 12, 15 u. 17), welche beide letztcrn nach voll-
endeter Körperentwicklung mit dem Grundbein (08
dk8i1ai'6) verschmolzen sind, und dem Sieb- oder
Riechbeine (08 etkmoiäeuin, s. Ricchbein) gebildet.
Die meisten dieser Knochen geboren zu den breiten,
und alle nehmen teil an der Bildung der das Gehirn
(s. d.) aufnebmcuden Schädelhöhle (ckvita3 cr".-
nii). Sowohl untereinander als mit denen des Ge-
sickts (s. d.), ausgenommen den Untertieferknochen,
find sie durch unbewegliches Gelenk, vorzüglich durch
die sog. Näbte verbunden, die jedoch erst gegen das
Ende der Kindheit zur Vollkommenheit gelangen,
indem bei jüngern Kindern weiche, knorplige Zwi-
schensubstanzen, die sich später auf die fog. Fonta-
nellen (s. d.) beschränken, vorhanden sind. Die Naht
zwischen dem Stirnbein und den Scheitelbeinen ist
die Krauznaht isutur^ coi-0n^i8, s. Fig. 1, 15), zwi-
^ schen Schuppe des Hinterhauptbeins und den Keil-
^ beinen die Lambdanaht (8utui-a lamdäoiäLa), zwi-
^ schen Sckläsenbeinschuppe, großem Keilbeinflügel,
Scheitelbein und Hinterhauptsbein die Schuppen-
naht (8utui'3. t6mi)oi'llli8, s. Fig. 1, 16) und zwischen
den beiden Scheitelbeinen die Pfeilnaht (8uwi-3,
intei-Mi-ietai^). Gelegentlich tretm in den Näbten
namentlich an der Spitze der Lambdanaht felbstän-
dig verknöcherte Knockenstückchen auf, die Schalt-
knochcn oder Zwickclbcine (0333. ^oimiana). Ver-
! schiedene Öffnungen der Schädclhöhle dienen zum
Eintritt und Austritt von Gefäßen und Nerven; die
größte von allen, das sog. Hinterbai.ptsloch (kora-
inen mg^nnm, Fig. 2,17), mündet in den Kanal
der Wirbelsäule und wird durch das verlängerte
Mark zum größten Teil ausgefüllt. Das Gewicht
des lufttrocknen S. beträgt beim erwachfenen Mann
im Mittel 730^, bei der Frau 550 F, der Kubik-
inhalt ldie Kapacität) der Scbädelhöble beim Mann
durchschnittlich 1450, bei der Frau 1300 ccm.
Die Entwicklung des S. steht mit der des
Gehirns in innigster Wechselbeziehung; während
auf der einen Seite vorzeitige Verknöcherung der
zwischen dem Schädelgrundbein befindlichen Knorpel-
massen fast immer zu einer beträchtlichen Verkümme-
rung des Gehirns, zu Blödsinn und Kretinismus
führt, bewirken auf der andern Seite Anhäufungen
von Wasser oder Geschwülsten in den Hirnhöhlen
oft eine enorme Vergrößerung des S., dessen ein-
zelne Knochen dann dünn, weich und vorgewölbt
sind und offene, große Fontanellen zeigen. (S. Ge-
birnwassersucht.) Die S. der Menschen sind unter-
einander sehr verschieden, sowohl bei den einzelnen
Menschenrassen als bei verschiedenen Personen eines
und desselben Stammes. Hierauf hat jedenfalls
die Form und Entwicklung des Gehirns großen Ein-
fluß; diese Annabme bildet die Grundlage der von
Gall begründeten Schüdellchre. (S.Phrenologie.)
Nur die Wirbeltiere besitzen, bis auf den Lanzett-
fisch (s. d.), einen S., der sich aus zwei Teilen, dem
eigentlichen S. und dem Gesichtssckädel (Visceral-
slelett), zusammensetzt. Seine Gestalt und sein ana-
tom. Aufbau find in der ganzen Reihe sebr mannig-
faltig, obne daß man aber sagen könnte, daß sie,
aufsteigend, komplizierter würden. Bei den Rund-
mäulern ls. d.) ist der S. eine aus häutigem Knorpel
gebildete Blase mit knöchernem Grundteil und stärker
verknorpelten seitlichen Blasen zur Aufnahme der
Gehörorgane. Das Visceralskelett ist nur schwach
cutwickelt in Gestalt von den Gaumen und Schlund
umgebenden Kuorpelspangen und einigen Knorpel-
stücten in den Lippen, hingegen ist ein verwickelt ge-
bautes Kuorpelgerüft der Kiemen vorhanden. Bei
Rocken und Haifischen (s. die betreffenden Artikel) stallt
der S. gleichfalls eine gleichmäßige Kapfcl dar, die bci
den Rocken und der Seekatze (s. d.) gelenkig mit der
Wirbelsäule verbunden ist. Der hier knorplige Unter-
kiefer verbindet fich mit den Seiten des S. durch be-
sondere Kuorpelstücke (k^oinNnäidnicTi-ia). Der pri-