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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schaefer (Joh. Wilh.) - Schaff
eigentliche Arbeitsgebiet der Geschichte" (Jena 1888),
"Geschichte und Kulturgeschichte" (ebd. 1891), eine
Fortsetzung (Bd. 4) von Dahlmanns "Geschichte von
Dänemark" (Gotha 1893) und giebt die "Württemb.
Geschichtsquellen" (Bd.1 u. 2, Stuttg. 1894) heraus.
Schaefer, Joh. Wilh., Literarhistoriker, geb.
17. Sept. 1809 zu Seehausen bei Bremen, studierte
seit 1827 in Leipzig Philologie und Geschichte,
wurde 1831 Lehrer an der Hauptschule in Bremen
und starb daselbst 2. März 1880. S. schrieb einen
"Grundriß der Geschichte der deutschen Litteratur"
(Brem. 1836; 12. Aufl., Verl. 1877), der mit gro-
ßem Beisall aufgenommen wurde; eine "Geschichte
der deutschen Litteratur des 18. Jahrh." (3 Bde.,
Lpz. 1855 - 57; 2. Aufl., hg. von Muncker, ebd.
1885), "Zur deutschen Litteraturgeschichte, kleine
Schriften" (Brem. 1864) u. a. Seine tüchtigste
Leistung war aber die auf forgfältiger Durchforschung
der zerstreuten Quellen beruhende Darstellung von
"Goethes Leben" (3. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1877).
Als Dichter hat sich S. bekannt gemacht durch "Liebe
und Leben" (Brem. 1851; 2. Aufl. 1858).
Schäfer, Karl, Architekt, geb. 18. Jan. 1844
zu Casscl, bildete sich auf dem Polytechnikum da-
selbst, wurde 1868 Nachfolger Ungewitters als Lehrer
der Baukunst an dieser Anstalt und 1870 Universi-
tätsbaumeister in Marburg. Der mittelalterlichen
Bauweise sich anschließend, schuf er eine Reibe got.
Villen, Wohnhäuser und Kirchen, das Universitäts-
gebäude zu Marburg, das Botanische Institut da-
selbst, das Schloß in Holzhausen bei Kirchhain. Seit
1878 nach Berlin übergesiedelt, wirkte er hier als
Privatdocent, seit 1884 als Professor für mittelalter-
liche Baukunst an der Technischen Hochschule. Von
seinen neuern Bauten ist der Palast der Equitable-
gesellschaft inVerlin hervorzuheben. 1884-88 leitete
er das "Centralblatt der Bauverwaltung" und die
"Zeitschrift für Bauwesen". 1894 wurde er als Ober-
baurat und Professor nach Karlsruhe berufen. S. gab
heraus: "Glasmalerei des Mittelalters und der Re-
naissance" (Berl. 1881; fortgesetzt in Gemeinschaft
mit A. Noßteuscher, 3 Lfgn., ebd. 1885-88), "Holz-
architektur Deutschlands" (zum Teil mit Cuno, ebd.
1884fg.), "Die Bauhütte" (Bd.1u.2, ebd. 1883-
86), "Bauornamente der roman. und got. Zeit", Lfg. 1
(ebd. 1889), "Die mustergültigen Kirchenbauten des
Mittelalters in Deutschland" (ebd. 1892 fg.).
Schäfereigerechtigkeit, ehemals das dem
Gutsherrn oder gewissen Gemeindegliedern zu-
stehende Recht, Schafe auf den in der Gemeinde-
markung liegenden Feldgrundstücken weiden zu
lassen. <S. Hutungsrecht.) Nicht zu verwechseln
damit ist das Schäfereirecht, d. h. das dem
Gutsherrn oder gewissen Gemeindemitgliedern aus-
schließlich zustehende Recht, Schafe zu halten. Beide
Gerechtsame sind jetzt fast überall abgelöst. (S.
Grunddienstbarkeit.)
Schäferhunde, s. Hunde (Bd. 9, S. 429".).
Schäferlied, s. Pastourelle.
Schäferpfeife, eine Art Dudelsack (s. d.).
Schäferpoesie, Schäferroman, Schäfer-
spiel, eine Art der Idylle, die ihre Helden in der
Schäfer- oder Hirtenwelt fucht. Wenn die ältesten
Vorbilder dafür schon im Alten Testament und in
Homers Odyssee gefunden werden können, fo gehört
ihre Ausbildung als besondere Gattung doch erst
solchen Zeiten an, deren sittliche und gesellschaftliche
Verderbnis und Überbildung sich nach einfachern
Sitten und Zuständen, ja womöglich zur erträumten
Herrlichkeit des ursprünglichenNaturzustandes zurück-
sehnte. Theokrits Idyllen, denen Bion und Moschus
glücklich nacheiferten, gehören der aleranorinischen
Zeit, Virgils Eklogen dem Zeitalter des Augustus an.
Der erste eigentliche Schäferroman ist die Erzählung
von Daphnis und Chloe von Longus. Auch bei den
südfranz. Troubadours finden sich einzelne Anklänge
der Schüferdichtung. Dagegen wurde diese Dicht-
gattung erst zur höchsten Kunst und reichsten Ent-
faltung bei den Italienern der Renaissanceperiode
erhoben. Den Anfang bildet Boccaccios Idylle
"^in6w"-, darauf folgte gegen das Ende des
15.Jahrh, des Neapolitaners Sannazaro "^.i-ckäik".
Tassos "^niinta" (1572) und Guarims "^agtor
üäo" (1590) führten diese Motive mit Glück auch in
das Drama ein. Aus Italien verpflanzte sich diese
Dichtart nach Spanien und wurde hier eine Zeit
lang von den vorzüglichsten Dichtern mit Vorliebe
behandelt. Montemayors "Diana." (1545) ist der
älteste regelmäßige Schäserroman. Cervantes gab
in seiner "(^I^tsa" eine seiner lieblichsten Dichtun-
gen. Nach Frankreich hatte Nicolas de Montreux
den Schüferroman mit seinen "Vki^risL äs ^u-
1i6tte" gebracht. Hier aber, wo bereits alles höfischer
Ausschließlichkeit zueilte, ging der Schäferroman
sogleich in den galanten Hofroman über. Der
Gründer dieses neuen Zweigs ist Houore d'Urfe' mit
seinem berühmten Roman "^8tr66", dessen erster Teil
1609 erschien. Unter dem durchsichtigen Gewände
galanter Schäfer und Schäferinnen giebt der Roman
Anspielungen auf die nächsten Hofereignisse. Da-
her entwickelte sich hier auch sehr bald aus diesem
Schäferroman der galante Hofroman des Herrn
de la Calprcmöde und der Mademoiselle Madeleine
de Scude'ry. In England wurde der Schäferroman
durch Philipp Sidneys "^rcaäia" (1590) heimisch.
In Deutschland ist die "Schäferei von der Nymphe
Hercynia" von Martin Opitz eine Nachahmung
Tassos und Guarims; auch die Pegnitzschäfer pfleg-
ten die S. Der fpan. und franz. Schäferroman
wurde hier viel in Übersetzungen verbreitet, und
Diederich von dem Werder und Philipp von Zesen
versuchten Nachahmungen; doch gewann bald die
Nachahmung des franz. Hofromans die Oberhand.
Einen neuen Aufschwung gewann die Schäferdich-
tung im Zeitalter des Rokoko, namentlich auch im
Lustspiel und Singspiel. Die Nachwirkungen sind
bis auf Goethes Lustspiele und Singspiele zu ver-
folgen. Aus diesem Zeitgeschmack ist der Beifall zu
erklären, den Sal. Geßners süßliche Idyllendichtung
überall fand. Erst durch die mächtige Einwirkung
Rousseaus und der deutschen Sturm- und Drang-
periode wurde diese Art von Dichtung allmählich
in die ihr gebührenden Grenzen zurückgedrängt.
Schäferfekte, s. Pastorellcn.
Schäferspiel, s. Schüferpoesie.
Schäferwand, Felsen bei Bodenbacb (s. d.).
Schafeuter, Pilz, s. ^ol^poi-uZ.
Schaff, bayr. Getreidemah, s. Metze.
Schaff, Philipp, deutsch-amerikanischer prot.
Theolog, geb.1. Ian.1819 zu Chur (Schweiz), studierte
in Tübingen, Halle und Berlin, habilitierte sich 1842
in Berlin und folgte 1843 einem Ruf als Professor
der Kirchengeschichte und Exegese an dem deutsch-
reform. Seminar zu Mercersburg in Pennsylva-
nien; 1863 zog er nach Neuyor! und wurde daselbst
1869 Professor am reform. Union lIiOolo^ical
äerüjQHr?. S. starb 23. Okt. 1893 in Neuyork.
S. war recht eigentlich der Vermittler zwischen