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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Scharmotte - Schärpe
Scharmotte, soviel wie Chamotte ff. d.).
Scharmützel, s. Gefecht.
Scharmützelsee, See bei Fürstenwalde ff. d.).
Scharn, wahrscheinlich entstanden aus Schranne
is. d.), Verkaufsstelle für Fleisch, Brot u. s. w.
Scharnhorst, Gerh. Ich. David von, preuß.
General, geb. 12. (nicht 10.) Nov. 1755 zu Vordenau
bei Neustadt am Rübenberge in Hannover, stammte
von bürgerlichen Eltern und wurde bis in sein
17. Jahr zum Landwirt erzogen. 1773 erlangte S.
durch den Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe
Eintritt in die Kriegsschule zu Wilhelmsstein und
trat 1778 als Fähnrich in das hannov. Dragoner-
regiment Estorf. 1780 wurde er als Lieutenant zur
Artillerie versetzt und 1782 Lehrer an der nach seinem
Plane reorganisierten Artillerieschule in Hannover.
1792 zum Stabshauptmann befördert, wohnte er
1793-94 als Chef einer reitenden Batterie den
Feldzügen in Holland und Flandern bei und zeich-
nete sich bei der Verteidigung der Festung Mcnin
(April 1794), die er in einer Schrift "Verteidigung
der Festung Menin u. s. w." (Hannov. 1803; neue
Aufl. 1856) schilderte, glänzend aus, so daß er zum
Major im General-Quartiermeisterstabe und 1796
zum Oberstlieutenant aufrückte. Auf eine schon 1797
an ihn ergangene Aufforderung hin trat S. 1801 als
Oberstlieutenant in das 3. preuß. Artillerieregiment
über und wurde alsbald zum Direktor der Lehranstalt
fürjungeInfanterie-undKavallcrieoffiziere ernannt.
Seine Reformen im Unterricht, vorzüglich aber feine
eigenen Vorlesungen hatten bedeutenden Einfluß
auf den Geist des preuß. Offizierkorps. 1801 stiftete
S. die "Militärische Gesellschaft" zu Berlin. Diese
Thätigkeit erweckte ihm aber viele Gegner unter den
starren Anhängern der alten Formen, so daß er 1803
um Versetzung bat. Er kam als Quartiermeister-
Lieutenant in den Generalstab und wurde 1804
Oberst und in den Adelsstand erhoben. Als General-
stabschef des Herzogs von Vraunfchweig ging er
1806 in den Krieg, wurde bei Auerstedt leicht ver-
wundet und schloß sich auf dem Rückzüge dem Vlü-
cherschen Korps an. Bei Lübeck wurde er gefangen,
9. Nov. aber ausgeweckfelt und focht 8. Febr. 1807
wieder mit bei Preußifch-Eylau, wo er durch die
den Truppen des Generals Lestocq angewiesene
Marschrichtung die glückliche Wendung der Schlacht
herbeiführte. Nach dem Tilsiter Frieden zum Ge-
neralmajor (Juli 1807) und Generaladjutanten
(Juni 1808) des Königs befördert, war S. Vorsitzen-
der der Militär-Reorganisationskommission und
leitete als Direktor des allgemeinen Kriegsdepartc-
ments bis 1810 die Verwaltung des gesamten
Kriegswesens.
Seine umsichtige Wirksamkeit in diesem Zeit-
raume wurde für den preuft. Staat von der höch-
sten Wichtigkeit. Er richtete das System der Krüm-
per (s. d.) ein, sorgte unter den schwierigstell Ver-
hältnissen für Wiederherstellung und stete Vermeh-
rung des Waffenmaterials, für Hebung der wissen-
schaftlichen Ausbildung des Offizierkorps, für die
Neuformation der Armee in Provinzialbrigaden
und für Reglements im Sinne der neuern Taktik.
Er hatte schon damals den Plan einer National-
oder Landmiliz; doch hinderte der Pariser Trattat
von 1808 vorläufig deren Einrichtung, und der Ge-
danke ruhte einstweilen, bis er in anderer Form
1813 durch die Landwehr (s. d.) zur Ausfi'chrung
kam. S. trat Juni 1810, auf Verlangen Napoleons,
vom Kriegsdepartement zurück, blieb aber Chef des
Generalstabes und wurde zum Cbcf des Ingcmeur-
korps ernannt, leitete indes, auf Grund cmes ge-
heimen Kabinettsbefehls, die militär. Angelegen-
heiten auch fernerhin und empfahl, wie schon 1809,
so auch 1811 die Waffenerhcbung Preußens gegen
Napoleon. Als sich Preußen Febr. 1812 mit Frank-
reich verbünden mußte, behielt S. nur die Aufsicht
über die Kriegsschulen, die Waffenanfertigung und
die Festungen. Er bewirkte, daß Jorck den Befehl
über das prcuß. Hilfskorps erhielt und bereitete,
nach der Konvention zu Tauroggen Ende Jan. 1813
zum König nach Breslau berufen, alles zum
Kriege vor. Vom König beauftragt, schloß er das
Bündnis zu Kalisch (28. Febr.) mit Rußland ab
und organisierte die Landwehr, wie vorher schon
die freiwilligen Iägerkorps und die Verstärkung
des Linienhecrs; auch erreichte er jetzt die Auf-
hebung der bisherigen Befreiungen vom Heeres-
dienst wenigstens für die Dauer des Krieges. Beim
Ausbruch des Krieges begleitete er als General-
lieutenant und Chef des Generalstabes Blücher
nach Sachsen. Indessen endete seine Lausbahn schon
2. Mai mit der ersten Schlacht, bei Großgörschen
(s. Lützen), wo er einen Schuß in den Schenkel er-
bielt. S. wollte nach Wien gehen, um in Österreich
für die Verbündeten zu wirken, starb aber an den
Folgen seiner Wunde 28. Juni 1813 zu Prag. Sein
von Rauch gefertigtes Marmorstandbild wurde 1822
zu Berlin aufgestellt. Das preuß. 10. Feldartillerie-
rcgiment führt feit 1889 den Namen S.
Sein ältester Sohn Wilhelm von S., geb.
16. Febr. 1786, trat 1808 in die preuß. Armee ein,
nahm 1809-13 in engl. Diensten an den Kämpfen
auf der Pyrenäenha'lbinsel und 1813 - 15 in
Blüchers Hauptquartier an den Befreiungskriegen
teil. 1816 trat er wieder in preuß. Dienste und starb
13. Juni 1854 als General der Infanterie. Mk
feinem Sohn August von S. erlosch 11. Nov. 1875
die Familie im Mannsstamm.
Unter S.s Schriften sind besonders zu nennen:
"Handbuch für Offiziere in den angewandten Teilen
der Kriegswissenichaften" (3 Bde., Hannov. 1781
-90; 4. Aufl. von Hoyer, 4 Bde., ebd. 1815-29),
"Militär. Tafchenbuch zum Gebrauch im Felde"
(ebd. 1793; 3. Aufl. 1815), "Neues militär. Jour-
nal" (ebd. 1788 fg.; mit der Fortfetzung: "Militär.
Denkwürdigkeiten", 6 Bde., 1797-1805), "Die
Wirkung des Feuergewehrs" (Berl. 1813).
Vgl. vor allem Lehmann, Scharnhorst (2 Bde.,
Lpz. 1886-87); ders., Stein, S. und Schön (ebd.
1877); H. von Boyen, Beiträge zur Kenntnis des
Generals von S. und seiner amtlichen Thätigkeit
in den 1.1808-13 (Berl. 1833); K. von Clausewitz,
Über Leben und Charakter von S. (Hamb. 1832);
Büchner, S., ein Lebensbild (2. Aufl., Lahr 1894).
Scharnier (Charnier, frz. ciiarnieve), zwei
um einen Verbindungsstift drehbare Teile, die zur
Befestigung beweglicher Organe an Werkzeugen,
des Deckels an Kästen, Dosen, Uhren u. s. w. dienen.
Scharnierband, s. Band.
Scharniergelenk, s. Gelenk (Bd. 7, S. 728d).
Scharnierzirkel, eine Art Greifzirkel (s. d.).
Schärpe, Dienstzeichen der Offiziere, ist ein Band
aus Wolle oder Seide in den Landesfarbcn mit
Silber- oder Goldfäden durchwirkt, meist mit Quasten
verziert und wird um die Taille oder (bei Adjutan-
ten und Generalstabsofsizieren der Kommanoo-
behörden) von der rechten Schulter zur linken Hüfte
getragen. In der deutschen Armee tragen nur die