Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

394
Schaumburg (Schloß) - Schaumburg-Lippe (Fürstentum)
Schaumburg. 1) Schloß im Unterlalmkreis des
preuh. Reg.-Bez. Wiesbaden, bei dem Dorfe Val-
duinstein, an der Lahn, auf bewaldetem Vasaltkegel,
wurde 1850 vom Erzherzog Stephan von Osterreich z
durch Baumeister Voos (Wiesbaden) in engl.-got.
Stil neu gebant. Die ältern Teile des schon 1194
erwähnten Schlosses stammen aus dem 18. Jahrh.
Einst Sitz der 1812 ausgestorbencn Fürsten von
Anhalt-Schaumburg, später Eigentum des Erzher-
zogs Stephan, dann des.Herzogs Georg Ludwig
von Oldenburg, gehört es seit 1887 dem Fürsten zu
Waldcck und Pyrmont und bildet mit der Gras-
schaft .Holzapfel (s. d.) die Standesherrschaft Schaum-
burg (s. d., S. 393 d). Bei dem Dorfe Valduinstcin
die großartigen Trümmer des Schlosses Balouin-
stein, 1319 von Erzbischof Valduin von Trier er-
baut. 5 Km entfernt das Dorf Laurenburg mit
455 E., einem Silber- und Bleibergwerk, einer Sil-
berschmelzhütte sowie einem kleinen Schloß und den
Trümmern der nassauischen Stammburg Lauren-
burg, 1093 zuerst erwähnt und seit 1643 verfallen;
sie gab jahrhundertelang dem Hanse den Namen, ehe
es den von Nassau annabm. Zwischen Laurenburg
und Valduinstcin das Dorf Geilnau (s. d.). -
2) Ruine bei Schalkau (s. d.) in Thüringen.
Schaumburg-Lippe, ein zum Deutschen Reiche
gehöriges Fürstentum, dem Flücheninhalt nach der
23., der Einwohnerzahl nach der 26. Vundesstaat,
umfaßt den westl. Teil der ehemaligen Grafschaft
Echaumburg, der von den preuß. Provinzen Han-
nover, Westfalen und dem prcuß. Teile der Grafschaft
Schaumburg umschlossen wird, und bat 340,2 cikin.
Das Land liegt am nördlichsten Zweige des Weser-
gebirgcs, hat im N. das Stcinhuder Meer, im O. die
Vückeberge und im W. den Schaumburger Wald zur
Grenze und ist von Natur durch Fruchtbarkeit des
Bodens sowie durch Reichtum an Holz und Stein-
kohlen ausgezeichnet. Auch hat es gute Gesund-
brunnen, z! B. die starken Schwefelbäder in Eilfen
und eineStahlqnelle in Stadthagen. (Vgl. die Karte:
Hannover, Schleswig-Holstein, Vraun-
schweig und Oldenburg, Bd. 8, S. 790.)
S. hatte 1885: 37 204, 1890: 39163 (19435
männl., 19 728 weibl.) E., d. i. 115 E. auf 1 ^m,
darunter 38160 Evangelische, 607 Katholiken und
366 Israeliten. Haupterwcrbsquellen sind Acker-
bau, Garnspinncrei und Leinwcberci sowie der mit
Preußen gemeinschaftlich betriebene Steinkohlen-
bau. 1892 waren bebaut mit Roggen 4598, Weizen
1751, Gerste 748, Kartoffeln 1254, Hafer 2499
und Wiesenheu 3955 ka; gcerntct wurden 9876 t
Roggen, 3646 Weizen, 1301 Gerste, 21954 Kar-
toffeln, 4248 Hafer und 11885 t Wiesenheu. Am
1. Dez. 1892 wurden gezählt 3075 Pferde, 10 910
Stück Rindvieh, 2682 Schafe, 19 473 Schweine,
6127 Ziegen und 1684 Bienenstöcke.
S. ist eine im Mannsstamm des gleichnamigen
Hauses erbliche Monarchie. Nach derVerfassung
vom 17. Nov. 1868 besteht der Landtag aus 15 Mit-
gliedern, von denen 2 vom Fürsten ernannt, je 1
von der Ritterschaft, der Geistlichkeit und den ver-
einigten Juristen, Medizinern und stndierten Schul-
männern, die übrigen 10 von den nicht aufgezählten
Wahlberechtigten gewählt werden. Zur Wahl ist
das 25. Lebensjahr erforderlich. Im Bundesrat
ist S. durch einen Bevollmächtigten, im Reichstag
durch einen Abgeordneten (1895: Langerfeldt, frei-
sinnige Vereinigung) vertreten.
Die Verwaltung des Landes geschieht durch
das Ministerium, welches auch Lehnskammer ist.
Die Hofkammer führt die Verwaltung der fürstl. Do-
mänen, Finanzregale, Bergwerke und Forsten. Das
Konsistorium besorgt die luth. Kirchenangelegen-
hciten, wogegen die Reformierten unter der Ober-
aufsickt des Ministeriums zu dem Synodalverband
der Niedersächsischen Konföderation und die Katho-
liken zu der Nordischen Mission gehören, mit deren
Provikariat zur Zeit der Bischof von Osnabrück
beauftragt ist. Durch das Gesetz vom 31. Dez. 1877
ist die Organisation des Landes geordnet. Danach
sind untere Verwaltungsbehörden die Magistrate
der beiden Städte Vückeburg und Stadthagen und
die Amter in Bückeburg-Arensburg und Stadthagen-
Hagcnburg.
Die Rechtspflege wird ausgeübt duich 'das nüt
Oldenburg gemeinschaftliche Obcrlandesgencht zu
Oldenburg, das Landgericht Bückebnrg und 2 Amts-
gerichte. Das Fürstentum trat 1837 dem Steuer-
vercin und mit diesem 1854 dem Zollverein bei. Das
fürstl. Haus bekennt sich zur reform. Konfession. Das
Fürstentum stellt seine Mannschaft zu dem westfül.
Iägerbataillon Nr. 7, welches in Bückeburg in Gar-
nifon liegt. Die Einnahmen betrugen (1894-95)
1223895 M., die Ausgaben 1150067 M.; die
Staats fchuld besteht in einer Anleihe vom I.
1869 im Betrage von 360000 M., die in 40 Jahren
zu amortisieren ist, und einer Anleihe vom 1.1882
im Betrage von 150000 M., die für 1. Jan. 1895
gekündigt ist. An stelle des lippischen Ehrenkreuzcs
(s. d.) isi 18. Sept. 1890 der sürstl. schaumburg-lip-
pische Hausorden in vier Klassen gestiftet. Residenz-
stadt ist Vüäevurg. An Schu-
len bestehen 35 Volksschulen,
drei höhere Bürgerschulen,
eine höhere Mädchenschule,
ein Schullehrerseminar und
das Gymnasium Adolfinum
in Vückeburg. Das Wap-
pen hat ein silbernes, iu
. ,,^>^c^i ^, drei Teile zerschnittenes Nessel-
^vWRM M blatt in rotem Felde um einen
/ ^T-rÄ^ Xlül silbernen Schild mit der roten
Rose (Lippe), in dem drei sil-
berne Nägel mit den Spitzen
stecken. Die Landesfarben
sind Weiß-Rot-Blau.
Geschichte. Die Linie Schaumburg oderauch
Vückeburg des Hauses Lippe (s. d.) wurde von
des Grafen Simon VI. jüngstem Sohne Philipp
gestiftet, der 1613 als Apanage die Amter Lipperode
und Alverdisscn erhielt und von seiner Schwester
Elisabeth, der Gemahlin des letzten Grafen Georg
Hermann von Schaumburg, 1640 zum Erben der
Grafschaft Echaumburg (s. d.) eingesetzt wurde, von
der er aber nur die Ämter Stadthagen, Vückeburg,
Arensburg und Hagcnburg von Hessen - Cassel zu
Lehn erhielt. Er führte 1668 das Erstgeburtsrecht
in seinem Hause ein und starb 1681. Ihm folgte
sein ältester Sohn FriedrichChristian, gest. 1728,
während der zweite, Philipp Ernst, das Amt Alver-
dissen als Apanage erhielt und die Linie Alverdissen
stiftete. Als 1709 die lippische Linie Brake erlosch,
bemächtigte sich der Graf von Lippe der Erbschaft,
und erst Friedrich Christians Sohn und Nachfolger,
Albrecht Nolfgang(geft.1748), kam 1748 in den
Besitz von Vlomberg und Echieder. Mit dem als
Feldherr berühmten Grafen Wilhelm (s. d.) erlosch