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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schienbein - Schießbaumwolle
wärts schielt, so fällt im linken Auge das Bild
von ^ auf F, den gelben Fleck, im rechten Auge da-
gegen auf l, nasenwärts vom gelben Fleck. Das
Bild des linken Auges wird richtig nach ^. projiziert,
das des rechten dagegen nach ^ und es ent-
stehen so zwei nebeneinander stehende Doppelbilder.
Das Doppelsehen verliert sich meistens im Laufe der
Zeit, besonders beim muskulären S., durch Unter-
drückung des schwächern Bildes, daher um so eher,
wenn das schielende Auge eine verminderte Seh-
schärfe hat, so daß sein Bild gegen das Bild des
fixierenden Auges wesentlich zurücktritt.
Siud die sämtlichen der Bewegung dienenden
Muskeln eines Auges gelähmt (Ophthalmoplegie),
fo ist dasselbe völlig unbeweglich und starr (1>.n8-
citas). Ein ähnlicher Zustand sowie Beschränkung
der Beweglichkeit in einzelnen Richtungen kann
auch auf rein mechan. Wege, durch Geschwülste in
der Augenhöhle, Narben- und Strangbildungen in
den das Auge umgebenden Gewebsteilen zu stände
kommen. - Vgl. Schweigger, Klinische Untersuchun-
gen über das S. (Berl. 1881).
Schienbein (1idia,s. Tafel: Das Skelett des
Menschen, Fig. 1,48, Fig. 2, 41), der stärkere der
beiden Unterschenkelknochen, dessen vorderer Rand
sehr scharf ist und deshalb beim Stoßen an das S.
der straff darübergespannten äußern Haut heftigen
Schmerz bringt; es liegt am innern Rande des Unter-
schenkels, in der Richtung der großen Zehe, und giebt
den benachbarten Muskeln, Gefäßen und Nerven
ihre Namen (Schienbeinmuskeln, Schienbeinpuls-
adern, Schienbeinnerven). Auf feinem breiten obern
Ende bewegt sich der Oberfchenkelknochen, sein un-
teres umfaßt zur Hälfte (mit dem innern Knöchel)
die Fußwurzel, während diefer auf der äußern Seite
das untere Ende des Wadenbeins anliegt.
Schienbeinnerv, f. Bein.
Schienen, f. Eifenbahnbau (Bd. 5, S. 837 a).
Schienenbrüche, f. Eisenbahnunfälle (Bd. 5,
S. 910 d und 911a).
Schienenumfchalter, s. Elektrische Telegraphen
<Bd. 5, S. 1013d) sowie Tafel: Elektrifche Te-
legraphen III, Fig. 1. sS.834d).
Schienenunterlagen, s. Eisenbahnbau (Bd. 5,
Schierke, Dorf im Kreis Wernigerode des preuß.
Reg.-Bez. Magdeburg, im Harz, 563 ni ü. d. M.,
links an der Kalten Vode, am Fuße des Brockens,
ist Sitz einer fürstl. stolberg-wernigerodischen Ober-
försterei, hat (1890) 428 E., Postagentur, Telegraph,
Fernsprechverbindung, mehrere Hotels und wird als
Lustkurort sehr besucht.
Schierling, drei in Deutschland einheimische
weißblütige Giftpflanzen aus drei verschiedenen
Gattungen der Familie der Umbelliferen: der ge-
fleckte S. (f. (^oiiinin), der Gartenfchierling
(f. ^.6t1iii3N) und derWafferfchierling (f. (üicutg.).
Schierlingstanne, f. Hemlockstannen.
Schiermonnikoog (spr.schihr-), westfries. Insel,
zur niederländ. Provinz Friesland gehörig, zwischen
der Nordsee und den Wadden, im N. und W. durch
eine Dünenkette, im S. durch einen Damm gegen
das Meer geschützt, hat 933 E., die hauptsächlich
von der Kauffahrtci und dem Fischfang leben. Das
einzige Dorf ist S.
Schiers, Kreis im Bezirk Unterlandquart des
schweiz. Kantons Graubünden.
Schierstein, Dorf im preuß. Reg.-Vez. und
Landkreis Wiesbaden, rechts am Rhein und an der
Linie Frankfurt a. M.-Niederlahnstein der Preuß.
Staatsbahnen, hat (1890) 2519 E., evang. und kath.
Kirche, Vorschußverein; Schaumwein-, Cement-,
Konserven- und Cigarrenfabrikation, Seifensiederei,
Dampfsägewerk, Ziegelei, Obst- und Weinbau (Höll-
berger) und einen Hafen.
Schiertuch, soviel wie Segeltuch (s. Leinwand).
Schießarbeit, im Bergbau, s. d. (Bd. 2, S. 756 d).
Schießbaumwolle, Schießwolle, Pyrory -
lin, eine durch Umwandlung gewöhnlicher Baum-
wolle mittels Einwirkung rauchender Salpetersäure
und konzentrierter Schwefelsäure sich bildende Tri-
(Hera-)nitrocellulose (s. Nitrocellulose), die in der
Sprengtechnik eine sehr große Rolle spielt. Die Dar-
stellung der S. wurde, nachdem schon vorher Bra-
counot sowie Pelouze ähnliche Wirkungen der Sal-
petersäure auf Stärke, Papier u. s. w. beobachtet
hatten, 1846 von Schönbein in Basel und gleich-
zeitig von Böttger in Frankfurt a. M. veröffentlicht.
Osterreich nahm 1860 die S. als Treib- und Spreng-
mittel in sein Waffensystem auf, ließ dieselbe aber
bald wieder fallen, nachdem mehrfach Selbsterplo-
sionen in Magazinen vorgekommen waren. 1865
ist es jedoch dem Chemiker Abel des engl. Kriegs-
departements gelungen, in der sog. komprimierten
S. ein Produkt von hoher Vollkommenheit herzu-
stellen. Die S. findet daher jetzt, und zwar als
Verbindung feuchter mit trockner S., ausgedehnte
Verwendung zu Sprengpatronen, zu Sprengarbei-
ten, als Sprengladung für Geschosse, Torpedos und
für Seeminen.
Reine Schießwolle ist nicht zersetzlich; die An-
wesenheit geringer Säuremengen ruft jedoch eine
langsame Zersetzung hervor, die, sich immer mehr
beschleunigend, schließlich bis zur selbstthätigen De-
tonation steigert. Trockne S. ist empfindlich gegen
Stoß und Schlag und explodiert bei Erwärmung
auf 136-200° 0. Bei der Explosion bleiben keine
festen Rückstände. Durch Zusatz von Wasser (feuchte
S.) wird die S. unempfindlich^ Feuchte S. enthält
gewöhnlich 18-20 Proz. WaMr. Die gleiche Un-
empfindlichkeit, welche S. durch Wasserzusatz er-
reicht, wird auch durch Imprägnieren mit Pa-
raffin erlangt. (S. Parafsinierte Schießbaumwolle.)
Die feuchte S. bedarf zu ihrer Entzündung des Zu-
satzes eines leicht detonierenden Sprengstoffes;
meist wird hierzu die trockne S. verwendet. Um
als Sprengstoff verwendet zu werden, wird die
stockige S. nach dem Verfahren von Professor Abel
in Woolwich komprimiert. Zu diesem Zweck wird
sie in einem der Stoffmühle der Papierfabriken ähn-
lichen Apparat zu Brei zerkleinert und dieser zuerst
mit Hebelpressen und dann mit starken hydraulischen
Pressen zu Blättern, Scheiben oder Cylindern ver-
dichtet oder in Körnerform übergeführt. Die Pres-
fung erfolgt jedoch nur infoweit, daß die S. den
oben angegebenen Prozentsatz Wasser behält. Die
Wirkung der S. ist etwa fünfmal fo groß als die
des Schwarzpulvers.
Als Sprengfüllung für Geschosse hat die E. viel-
fach Verwendung gefunden. Deutschland hat durch
Einführung der S. als Geschoftfüllung feiner Artil-
lerie zuerst einen weiten Vorsprung gesichert. An-
dere Staaten sind dann bald nachgefolgt, z. V. Ita-
lien, Ruhland und Frankreich, indem sie gleichfalls
die S. oder andere neuere Sprengstoffe einführten,
so z. B. Frankreich das Melinit.
Nach Angaben von Vrialmont in " ^ortiticHtion
äu t6inp8 pi-686iit" durchschlägt die 21 cni-Granate
mit 26 kF S. geladen und mit verlangsamter Zün-