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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schießpulver
jenige, das die meisten Gase und die höchste Tem-
peratur im Gefolge hat) als das richtige angesehen
werden kann, so findet man dennoch in dem ur-
sprünglichen Mengungsverhültnis oder der Dosie-
rung des S. in den verschiedenen Staaten wesent-
liche Unterschiede, die dadurch erklärlich sind, daß
in der Art der verwendeten Holzkohle und im
Fabrikationsverfahren Abweichungen vorkommen.
Die Mengungsverhältnisfe der Kriegspulver:
Bestandteile
Deutschland
Osterreich
Rußland
England
Frankreich
Salpeter . Schwefel . Kohle. . .
74 10 16
75,5 10
14,5
75 10 15
75
10 15
74 10,5 15,5
Ursprünglich kam das S. in Mehlform zur Ver-
wendung; gegenwärtig wird mehlförmiges Pulver
nur zu Raketen gebraucht, da es sehr hygroskopisch
ist, sich leicht entmischt und zu langsam abbrennt. Es
wird stets zu runden oder eckigen Körnern geformt.
Anfänglich wurden die Bestandteile des S. mit
der Hand zerkleinert und vermengt, später benutzte
man Stampfmühlen. Nach dem neuern Verfahren
zerkleinert man den Schwefel und die Kohle ge-
trennt in Drehtrommeln unter Mitwirkung von
kleinen Kugeln aus Bronze, und mengt sie dann
in ebensolchen Trommeln auf trocknem Wege zu-
sammen. Das Verdichten dieser Mengen zu Pul-
verkuchen geschieht nach Zusatz von Wasser durch
Walzenpressen unter sehr hohem Druck. Auch wen-
det man zur innigern Vermengung des Pulvers
nach der vorläufigen Zerkleinerung der Bestandteile
(der Salpeter wird durch die Läuterung in zerklein-
tem Zustande gewonnen) eine Bearbeitung des Pul-
versatzes unter rotierenden Walzen, sog. Läufern
an, welche einen hohen Verdichtungsgrad liefern.
Der Pulverkuchen wird dann dem Körnerwerk über-
geben, in dem die in Sieben von verschiedener
Maschenweite hin und her gerüttelten Stücke die
Form größerer oder kleinerer Körner annehmen,
die in der Poliertrommel noch geglättet werden.
Mit Hilfe von erwärmter Luft wird die Feuchtigkeit
und der bei dieser Vehandlungsweise entstandene
Staub durch längeres Auf- und Niedergleiten in
Säcken von nicht zu dicht gewebter Leinwand
maschinenmäßig entfernt. Das Sortieren und Ver-
packen des fertigen Fabrikats bildet den Ecbluh der
in den einzelnen Stadien der Bearbeitung nickt un-
gefährlichen Herstellung des S. Die ganze Fabrik-
anlage wird als P ulv ermüh l e, P u l v er l ab o ra-
torium oder Pulverfabrik bezeichnet.
Für die glatten Feuerwaffen gab man dem S.
eine Körnergröße von höchstens 2 mm und sonderte
es in feineres S. für Gewehre und Wurfgeschütze
und gröberes für Kanonen. Mit der Einführung
der Perkussionszündung bei Gewehren trat die
Notwendigkeit ein, nur so große Körner zu formen,
daß der Eintritt des S. in den engen Zündkanal
des Gewehrs erfolgen konnte. Für Büchsen und
Jagdgewehre kam ein noch kräftigeres und feineres
S., das Birsch- und Iagdpulver vor. Mit der
Annahme der Züge bei Geschützrohren, durch welcke
dem Geschoß bei seiner Bewegung im Rohr ein
vergrößerter Widerstand erwächst, der sich bei der
Hinterlaoung durch den Wegfall des Spielraums
noch steigert, ließen sich unter Beibehaltung des
bishengen Geschützpulvers nur geringe Ladungs-
verhältnisse und Geschoßgeschwindigkeiten erzielen,
deren Steigerung indes durch die Aufgabe, starke
Panzerungen zu bewältigen, bald als unabweis-
bares Bedürfnis sich herausstellte. Zu diesem
Zweck mußte die Einleitung der Verbrennung des
S. verlangsamt, die erste Einwirkung der Pulver-
gase auf das Geschoß zu einer mehr druck- als
stoßartigen umgestaltet werden. Das mit geringer
Geschwindigkeit in die Züge eingeführte Geschoß
mußte durch die nachhaltige Wirkung eines lang-
samer als bisher sich zersetzenden S. eine allmäh-
liche Steigerung seiner Geschwindigkeit im Rohr
erlangen, der Gasdruck, statt wie bei dem bisheri-
gen, rasch verbrennenden S. sich vorherrschend auf
den hintern Teil des Rohrs zu konzentrieren, mußte
sich mehr auf die ganze Länge desselben verteilen.
Hierdurch liehen sich die Pulvermengen erheblich
steigern. Die Mittel lagen in der vermehrten Größe
und Dichtigkeit des Korus und in der Zuhilfenahme
einer von innen nach außen fortschreitenden Ver-
zehrung des Pulverkorns, mit der ein Zunehmen
der Brennflächen verbunden war. Die ebenfalls
versuchte Verdichtung der ganzen Ladung zu einem
zusammenhängenden Körper (komprimierte Ladun-
gen) erwies sich nicht als günstig.
Zu den verbesserten Pulversorten gehören die
Grobkörnigen Schießpulver (s. d.) und die
Komprimierten Pulver (s. d.). Von letztern
babcn Körner von regelmäßiger Gestalt das eng-
lische Pelletpulver in Form von Cylindern,
18 mm stark, 10,5 min hoch, mit einer Ausbohrung
von 5,05 mm Weite und 7,575 mm Höhe, und das
Prismatische Pulver (s. d.). Bei beiden Sor-
ten findet eine regelmäßige Lagerung der einzelnen
Körner und infolgedessen eine sehr gleichmäßige
Verbrennung der Ladung statt; durch die Kanäle
ist ein gleichzeitiges Abbrennen von innen nach
außen, also mit wachsender Vrennfläche gesichert.
Als verbessertes S. ist auch das Braune Pulver
(s. d.) zu nennen.
Für Hinterladungsgewehre ist ein gröberes S. als
vordem zulässig, doch ist bei dem geringen Wider-
stand, den das leichte Geschoß leistet, eine rasche Zer-
setzung vorteilhaft. Man fördert diese durch Anwen-
dung einer Kohle von geringem Verkohlungsgrad.
Bei dem kleinen Kaliber der heutigen Gewehre
mackt sich der Rückstand des S. in sehr nachteiliger
Weise geltend; man verringert diesen durch eine
innige Mengung der Pulverbestandteile, die zugleich
die Gleichmäßigkeit der Wirkung des S. erhöht. Für
das Gewehr M71.84 bestand das S. aus 76 Teilen
Salpeter, 15 Kohle (30prozentig) und 9 Schwefel
und hatte eine Körnergröße von 0,76 bis 1,55 mm.
Aus nachstehenden Figuren ist die Gestalt und
Korngröße einiger Pulversorten ersichtlich (Fig. 1:
Gewehrpulver N/71; Fig. 2: älteres Geschützpulver;
WM
c.,;'
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 3: grobkörniges Pulver; Fig. 4 u. 5: pris-
matisches Pulver 0/75 und O/68). Fig. 1-3 sind in
natürlicher Größe, Fig. 4 u. 5 nach den beigeschrie-
benen Maßen wiedergegeben.
Bevor das rauchschwache Pulver allgemein an-
genommen war, sind noch verschiedene Versuche