Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

454
Schildkiemer - Schildläuse
nähreu sich von niedern Pflanzen und sind bisweilen
den Runkelrüben sehr schädlich geworden.
Schildkiemer l 8cutidi-ancln3, 8. ^Lpiäodi-km-
cbia), eine Familie der Vorderkiemcr ts. d.) mit stach
schüsselsörmiger oder spiralig erhabener Schale. Den
Männchen fehlen die äußern Vegattungswerkzeuge,
daher sie die Samen ins Wasser ausspritzen müssen.
Die S. haben entweder nur eine einzige feder-
förmige Kieme, wie die Neritiuen und die Kreisel-
schnecken (s. d.), oder zwei zum Teil verwachsene,
wie die Eeeohren (s. d.).
Schildklee, Futterpflanze, s. Esparsette.
Schildknappe, s. Knappe.
Schildknorpel, s. Kehltopf.
Schildkrot, s. Schildpatt.
Schildkröten (^likloui^), eine Ordnung der
Reptilien, charakterisiert durch einen eigentümlichen,
Rücken und Bauchseite der Tiere bedeckenden Haut-
knochenpanzer. Dieser wird auf dem Rücken gebildet
aus den sich blattartig verbreiternden und eng anein-
ander legenden Nippen, zu denen sich vielfach beson-
dere Hautverknöcherungen gesellen, auf der Bauch-
seite lediglich durch Hautknochen. An den Seiten sind
Rücken- und Bauchschild mehr oder minder fest ver-
bunden. Die äußerlich über diese Knochenbildungen
hinziehende Körperhaut bleibt selten weich und leder-
artig lFlußschildkröte); meist verhornt sie und bildet
nach Form und Zahl vielfach wechselnde Platten,
deren Stoff als Schildpatt (s. d.) oder Schild-
krot mannigfache Verwendung findet. Infolge
des Einschlusses in die feste Knochenkapscl bleibt der
Rumpf der S. natürlich vollkommen starr und un-
beweglich, nur Kopf und Schwanz fowie die Ex-
tremitäten sind beweglich und können völlig unter
die Schale zurückgezogen werden. Der Kopf, dessen
einzelne Knochen fest verwachsen sind, ist öfters
von kleinen Schildern bekleidet, der zahnlose Mund
nur ausnahmsweise von fleischigen Lippen </Irio-
n^ckiä^s) umgeben, meist aber, ähnlich wie bei
den Vögeln, mit.hornscheiden, mit denen die S.
oft ganz empfindlich, sogar gefährlich zu beißen
vermögen. Die Füße sind nach Bewegungs- und
Lebensweise verschieden und tragen teils Hornnägcl
^Landschildkröten), teils Krallen (Flußschildkröten),
teils sind sie vollkommene Flossen (Seeschildkröten).
Daß sie infolge ihrer Befestigung innerhalb des
Panzers nur horizontal bewegt werden können, ist
bemerkenswert, ebenso die Bildung des Schulter-und
Beckengürtels, deren Knochen sämtlich in den Innen-
raum des Leibes hinein verlegt sind. Beim Einziehen
des Kopfes in den Panzer entweicht ein Teil der in
den Lungen vorhandenen Luft pfeifend durch die
Nasenlöcher. Die Atmung wird durch Verschlucken
der Luft bewirkt, da sie nicht durch Erweitern und
Verengern des Brustkorbes vollzogen werden kann.
Die Nahrung der S. ist bei den einzelnen Arten ver-
schieden; alle S. sind außerordentlich zählebig; sie
können sehr lange Zeit hindurch der Nahrung ent-
behren und auch stundenlang ausharren, ohne ein
einziges Mal zu atmen. Die S. pflanzen sich durch
Eier fort, die rundlich sind, eine lederartige, kalkige
Schale besitzen und viel tierisches OI enthalten. Sie
werden an geschützte Orte und in von den Müttern
selbst gegrabene Erdlöcher abgelegt, oder auch ganz
im Sande verscharrt; die Vcbrütung erfolgt durch
die Sonne. Die nach längerer Zeit auskricchenden
Jungen besitzen die Gestalt ihrer Eltern, wachsen
aber sehr langsam und brauchen lange Jahre bis zur
Geschlechtsreife. Das Fleisch der S. wird vielfach,
ebenso wie die Eier, als sehr schmackhaft genossen.
Die meisten ^. bewohnen die Tropen, wo sie auf
manchen Inseln, wie auf den Galapagos- und
Aldabrainseln, früher auch auf den Seychellen,
gewaltige Größen erreichen, nur wenige Arten die
gemäßigten Zonen, keine die Polarländer. Die
ältesten fossilen S. finden sich im Jura; ihre Blüte-
zeit erreichten sie in Kreide und Tertiär, von wo
uns riesige Formen (^oio^ockei^ atlHZ F^le.
et <7an^., von 4 m Schildlänge) bekannt geworden
sind. Die Zahl der lebenden Arten beträgt etwa 260.
Man teilt sie ein in: I. 0k6r86in^iäH6, mit ovalem,
meist stark gewölbtem, völlig verknöchertem Rücken-
schilde, Brustschild meist aus 11 oder 12 Schildern
bestehend, Kopf und Gliedmaßen meist völlig zurück-
ziehbar; Füße vorn mit 5, selten mit 4, hinten mit
4, selten mit 5 oder 3 Krallen. Hierher gehört die
griechische Schildkröte (Isäwäo Fi-g.6C3.1^., s.
Tafel: Schildkröten, Fig. 2) aus Südosteuropa,
die Waldschildkröte (I63wäo tadulkta 2)au<6.,
Fig. 6) vom tropischen Südamerika, die euro-
päische Sumpfschildkröte (Oiswäo 8. Nm^g
wtariH Fp., Fig. 3) aus dem östl. Mittel- und Süd-
europa sowie aus Nordafrika, dieGroßkopfschild -
kröte (k1at)^t6i'num in6Aac6pQHiuin ^a^/, Fig. 4)
von China und die Schnapp schildkrote (Okei^-
ära 86rp6ntina, Fig. 8) von Nordamerika. II. OIisi^-
äiäas, Brustschild^stets aus 13 Hornplatten, Kopf
nnd Gliedmaßen meist nicht rückziehbar, sondern seit-
lich einzuklappen, Krallen vorn und hinten 4 oder 5.
Hierher gehört die Matamata (s. d., 0k6i^3
kmdriatI. /3c/^6i<7F67-, Fig. 1) von Südamerika.
III. ^i-ion^eliiäas, mit sehr flachem Rückenschild,
das meist nur in der Mitte verknöchert, Brustschild
mit uuverwachsenen Knochen, der ganze Panzer
mit weicher Haut bedeckt. Leben in süßen Wässern.
Hierher gebort die Dreiklauenschildkröte (s. d.,
'Iri0Q)'x j^i-ox Hc/^eiiM?-, Fig. 7) von Nord-
amerika. IV. 0Q6lcmiiäH6, Seeschildkrüten, mit
berzförmigem Rückenschild, Füße zu Flossen umge-
staltet, meerbewohnend. Hierher gehört die Leder-
schildkröte (s. d., 8pNHi-Fi8 coriacsa. ^,., Fig. 5)
aus dem Mittelmeer, Atlantischen, Indischen und
Stillen Ocean und die Karettschildkröte (s. d.,
(^Ii6l0U6 iiüdrioHta. _Dnm. ei Zib?'., Fig. 9) aus dem
Atlantischen, Indischen und Stillen Ocean.
Schildkröten-Inseln, s. Galapagos-Inseln.
Schildläuse (^occiäaL), eine Familie der Hemi-
pteren. Die Weibchen sind ungeflügelt und nur in
der Jugend beweglich; nach der Begattung saugen
sie sich meist dauernd auf ihrer Nährpflanze fest, ver-
kümmern derartig, daß sie eher einem Auswuchs der
Pflanze gleichen, und bilden noch nach ihrem Tode
eine Hülle für ihre Eier. Die Männchen machen
eine vollkommene Verwandlung durch: sie verpuppen
sich in einem Gespinst. Sie können im ausgebil-
deten Zustaud, da ihr Saugrüssel verkümmert ist,
keine Nahrung zu sich nehmen, besitzen zwei häutige
Vorderflügel, aber meist keine Hinterflügel. Die
Eier können sich auch parthenogenetisch entwickeln.
Die S. vermehren sich schnell und schaden den von
ihnen bewohnten Pflanzen fehr. Sie sind schwer, am
besten noch durch Abbürsten und Waschen mit Ta-
baksabkochung, zu vertilgen..In Treibhäusern sind
verschiedene aus fremden Ländern eingeschleppte
Arten oft eine große Plage. Nützlich sind: die
Gummilackschildlaus ss. d.), die Kermes-
! schildlaus (s.Kermes) und die Cochenilleschild-
! laus (s.Cochenilleuud Tafel: InsektenIV,Fig.8).