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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlafäpfel - Schlafstellenwesen
das Gehirn anämisch und bewirken somit S.; übn-
lich wirken starke Kälte, Verminderung oder ein-
förmige Beschaffenheit der üusiern Sinnesreize und
der Genuß von Alkohol und andern narkotischen
Giften. Umgekehrt wird der S. verscheucht, wenn
das Gehirn reichlich mit Blut versorgt wird. Gewisse
Erfahrungen weisen ferner darauf hin, daß ein be-
stimmtes Ernührungsmaterial vorbanden fein mun,
wenn der S. tief und kräftig fein foll. Man fchläft
schwer ein und fchläft unruhig, wenn man hungrig
ist, und es ist Thatfache, daß ein gut genäbrter Kör-
per weniger E. bedarf als ein schleckt genährter; d. b.
mit wenig Material braucht der Körper mebr Zeit,
die im Wachen eingetretene Abnutzung auszugleichen,
als mit viel. Kinder bedürfen mehr S. als Erwach-
sene, ja der Neugeborene erwacht in den ersten Le-
benswochen nur, um Nahrung zu sich zu nebmen
und sofort wieder einzuschlafen. Im allgemeinen
bedarf das fechs- bis siebenjährige Kind 10-12, der
Erwachfene durchschnittlich 7 Stnnden, der Greis
noch weniger S.
Im S. ist der körperliche Stoffwechsel, entsprechend
der völligen Ruhe der willkürlichen Muskeln, wesent-
lich herabgesetzt, namentlich die Wärmcproduktion
beträchtlich vermindert, weshalb ein lebhaftes Be-
dürfnis nach Schutz gegen Abkühlung empfunden
wird. Die Atmung erfolgt langsamer und ober-
flächlicher, die Pulsfrequenz ist herabgesetzt, die
Harnstoffausscheidung fast um die Hälfte verringert.
Reflexbewegungen (s. d.) werden oft sehr ausgeprägt
im S. beobachtet: dagegen vermögen die pfychifchen
Thätigkeiten sich nur in der verschwommenen und
unvollkommenen Form des Traums (s. d.) zu äußern.
Unter krankhaften Zustünden kommen ebensowohl
Schlafsucht (f. d.> vor als Schlaflosigkeit ls. d.).
Die Mittel, deren sich der Arzt bedient, um S. her-
vorzurufen, sind mannigfaltiger Art. Kühlen des
Kopfes, Verdunkeln des Zimmers, Vermeidung von
Sinneseindrücken kann den S. fördern; eigentliche
schlaferzeugende Arzneien oder Schlafmittel
(somnitLra) sind namentlich der Mohn und seine
Präparate (Opinm, Morphium, Narcein), Brom-
kalium, Paraldehyd, Chloroform und Chloralhydrat
sowie Amylcnhydrat, Trional, Tetronal und Sul-
fonal u. a. - Vgl. Preyer, über die Ursache des S.
(Stuttg. 1877); Spitta, Die Ecklaf- und Traum-
zuständc der menschlichen Seele (Tüb. 1878); Nade-
stock, Schlaf und Traum (Lpz. 1879). ^S. 991 a).
Schlafäpfel, s. Gallwespen und Nose (Bd. 13,
Schlafbaas, s. Heuerbaas.
Schlafburschen, s. Schlafstellenwesen.
Schlafdeich, s. Deich (Bd. 4, S. 879 a).
Schläfe, die seitlich am Kopfe zwischen dem
äußern Augenwinkel und dem Ohr, der Stirn und
dem Iochbogen gelegene Gegend, der das Ecklü-
fenbein (08 teinpoi-um, s. Tafel: Der Schädel
des Menschen, Fig. 1, 4) zu Grunde liegt. Letz-
teres ist cin paariger, schuppen- oder muschelförmiger,
dünner Knochen, an dem ein Stück des Ioch-
bogens (Iochfortfatz, ?roc688ii3 2)'F0inaticu8) liegt,
unten und vorn die Gelenkgrube für den Unter-
tiefer, unten und hinten der unten hinter dem Ohre
fühlbare Warzcnfortsatz (?i'0cL83u3 maLtoiäen?,
Fig. 1,i4) und hinten in der Mitte das Felsenb ein
(karg i)6tro8a) mit dem Gehörorgan (f. Gebor) be-
findlich ist. Außerdem besitzt das Schläfenbein noch
eine Anzahl Löcher für Nerven und Blutgefäße (Ge-
sichtsnerv, Kopfschlagader). Am Schläfenbein fetzt
sich ferner ein starker Kaumuskel (Schläfenmuskel,
^lu8cnw8 temporal, s. Tafel: Die Muskeln
des Menfchen, Fig. 1,3 und Fig. 2,2) an, und
unmittelbar unter der Haut verläuft die Schläfen-
schlagader (^rtsrici temporal^, s. Tafel: DieBlut -
gefäße des Menschen, Fig. 1,2). Wegen der
Dünnheit und Sprödigkeit des Schläfenbeins find
Stöße oder Schläge auf die Schläfengegend beson-
ders gefährlich.
Schlafende Augen, s. Knospe und Veredelung.
Schläfer, s. Siebenschläfer.
Schlafgänger, f. Schlafstellenwesen.
Schlafkraut, Bilsenkraut, s. II^c^muZ.
Schlafleute, s. Schlafstellenwefen.
Schlaflosigkeit (^i^Mia). S. kann als ein vor-
übergehender Zustand durch Gemütsunruhe, unge-
wohnte Lebensart u. s. w. erzeugt werden, ohne
Zeichen eines krankhasten Zustandes zu sein. Sie
ist ferner ein Symptom sehr vieler und besonders
fieberbafter oder schmerzhafter Krankheiten, tritt
aber öfters auch mit einer gewissen Selbständigkeit
auf, ohne daß eine Störung der übrigen Thätigkeit
des Organismus bemerkt wird; oft genug ist habi-
tuelle S. ein überaus lästiges und hartnäckiges
Symptom vorhandener Nervenschwäche (s. d.). Ge-
wöhnlich besteht die von Patienten und Ärzten so ge-
nannte S. mebr in zu kurzer Dauer und geringer Tiefe
als in gänzlichem Mangel des Schlafs. Die Ursachen
sind meist solche, die das Gehirn zu sehr in Er-
regung erhalten (Überanstrengung, Tabakrauchen,
übermäßiger Genuß von Thee und Kaffee), oder
dessen Ermüdung verhindern; Hunger, kalte Füße,
zu große Wärme und juckende Hautausschläge hin-
dern gleichfalls oft das Einschlafen. Sehr gewöhn-
lich ist karger Schlaf im höhern Alter. In jedem
Falle wirkt die S. entkräftend und stört Appetit und
gute Laune; in hartnäckigen Fällen verursacht sie
nicht selten völligen Lebensüberdruß und kann sogar
zum Selbstmord führen. Die Behandlung erfordert
in allen Fällen strenge Vermeidung aller aufregen-
den Schädlichkeiten und ein zweckmäßiges diäteti-
sches Verhalten hinsichtlich aller geistigen und körper-
lichen Fnnktionen. Jüngere und kräftige Personen
müssen ihren Körper am Tage tüchtig ausarbeiten;
das Schlafzimmer fei kühl, gut gelüftet, das Bett
nicht zu warm. In vielen Fällen leisten vor dem
Schlafengehen ableitende Fußbäder, kalte Klystiere,
kalte Wafchungen des Oberkörpers, ein kalter Um-
fchlag auf den Kopf oder Nacken, ein Trunk kalten
Wassers, ein Brausepulver treffliche Dienste; bei
geschwächten und ältern Personen wirkt oft ein Glas
guten Biers oder alten Weins, in andern Fällen ein
halbstündiges warmes Bad, am Abend genommen,
beruhigend und schlafbringend; auch die des Abends
ausgeführte allgemeine Faradisation (f. Elektro-
therapie) des ganzen Körpers wird von manchen
Kranken als fchlafbefördcrnd gerühmt. (S. auch
Schlafmittel, f. Schlaf. lSchlaf.)
Schlafmohn, f. I'apaver.
Schlafstellenwesen, die Beherbergung der-
jenigen Personen, die ohne eine eigentliche Woh-
nung zu haben sich für die Nacht mit einer Ruhe-
stätte in der Wohnung eines andern (Schlafstelle) be-
gnügen ; sie bat namentlich dnrch das Anwachsen der
städtischen und großindustricllen Bevölkerung sehr zu-
genommen und betrifft hauptsächlich im jugendlichen
Alter stehende Arbeiter und Arbeiterinnen (Schlaf-
gänger, Schlafleute, Schlafburschen). In
Berlm waren 1880 in 32 289 Haushaltungen
(15,3 Proz. aller Haushaltungen überhaupt) 59087