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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schleswig-Angeler Eisenbahn - Schleswig-Holstein
vertrieben. Die sog. Gemeinsame Negierung und
dieStatthalterschaftEchleswig-Holstcins hatten hier
ibren Sitz; nach der Schlacht bei Idstedt aber siel
die Stadt 25. Juli 1850 wieder in die Hände der
Dänen. Zur Strafe für ihre patriotische Haltung
verlor sie jetzt den Rang der Landeshauptstadt, die
Ständeverfammlung und alle obersten Provinzial-
bebörden, die nach Flensburg verlegt wurden. Am
6. Febr. 1861 wurde S.,nachdem die Dänen die Dane-
werkstellung geränmt hatten, von den Österreichern
besetzt. Ende 1861 nahm die kaiserlich österr. nnd
königlich preuß. Civilbehörde für Schleswig-Holstein
und Lauenburg ihren Sitz in S., und vom Sept.
1865 bis Juni 1866 residierte daselbst der königlich
preuß. Gouverneur des Herzogtums S. - Vgl.
Heldvadcr, Kurze und einfältige Veschrcibung der
alten weltberühmten Stadt S., aufs neue gedruckt
im I. 1637; Schröder, Geschichte und Beschreibung
der Stadt S. (Scklcsw. 1827); Sach, Geschichte der
Stadt S. (ebd. 1875).
Tchleswig-Angeler Eisenbahn, Privatbabn
von Schleswig nach Süderbrarup (Station der Kiel-
Eckernförde-Flensburger Eisenbahn), s. Teutsche
Eisenbahnen Od. 4, S. 1000).
Schleswig-Holstein, Provinz im prcuß.
Staate, gebildet aus den bis 1861 zu Dänemark
gehörigen Herzogtümern Schleswig (s. d.), Holstein
(s. d.) und (seit 1876) Laucnburg (s. d.), grenzt im
N. an Iütland, im O. an die Ostsee, Lübeck und
Mecklenburg, im S. an Mecklenburg, Hamburg
und Hannover und im W. an die Nordsee, und hat
einschließlich Helgoland einen Flächcnraum von
18 997,i? hkm. (S. die Karte: Hannovcr, Scdles -
wig-H ölst ein, Braun schweig und Olden-
burg, Bd. 8, S. 790.)
Obcrftächengestaltung, Gewässer, Klima. Die
Provinz besteht aus dem von Süden nach Norden
scbmaler werdenden Festland und vielen Inseln, wie
Alscn, Fchmarn, Aaröc in der Ostsee, Nöm, Sylt,
Föhr, Amrum, Pellworm, Nordstrand und den Hal-
ligen (s. d.) in der Nordsee. Von den Enklaven im
Süden gehören vier zu Hamburg, fünf zu Lübeck
und drei zu Mccklcnbnrg-Strelitz. S. gehört zum
großen norddeutschen Tiefland; man unterscheidet
drei Teile: das fruchtbare Hügelland im Osten, das
Marschland (s. d.) im Westen und zwischen beiden
eine Hochfläche, das unfruchtbare Heideland, eine
Fortsetzung der Lüneburger Heide. Die höchsten
Punlte des Landes sind der Bungsbcrg (159 m) im
Kreis Oldenburg, der Pilsberg oder Hessenstcin
(128 m) nordwestlich von Lütjenburg, beide in einer
landschaftlich schönen Gegend, und der Scheelsberg
(106 m) bei Eckcrnförde. Die Marfch besteht aus
Alluvionen des Meers und der Flüsse, das übrige
Land gehört dem Dilnvium an, das fruchtbare
Hügelland dem Gefchicbethon, das Heideland dem
Geschiebcsand und der unsrnchtbaren Ahlformation
oder der Geest (s. d.). Die Ostsee bespült S. auf
eine Länge von 525, die Nordsee auf eine Länge von
330 km. Die Nordfecküste ist weniger entwickelt
als die Ostsccküste mit ihren zahlreichen kleinern und
größcrn Buchten. Da die Wasserscheide beider
Meere der Ostsee näher liegt, so sind die Zuflüsse
derselben kürzer als die der Nordsee. Ebbe und
Flut sind an der Ostseeküste kaum bemerkbar, um so
mehr aber an der Nordsceküste. Überschwemmungen
bringen der Westküste besonders die Nordweststürme,
der Ostküste die Nordoftstürme. Die Elbe bcrübrt
die Provinz auf 104 km und nimmt hier die Ville,
Alster, Pinnau, Krückau und Stör auf. In die Ost-
see münden die Schwentine und Trave, in die Nord-
see die Königsau, Wiedau und Eider. Zahlreiche
Landseen finden sich in der frnchtbaren Hügelland-
schaft des nordöstl. Holsteins: der Plöncr See (s. d.,
der größte der Provinz) und der Selentersee (23
cikm); im Scbleswigschen ist der Wittensee (10 hkm)
der größte. Ilntcr den Kanälen sind hervorzuheben:
der Schleswig-Holsteinische oder Eiderkanal (s. d.),
der durch den Nordostscekanal (s. d.) ersetzt wird;
der Stecknitzkanal (11,5 km), einschließlich der kana-
lisierten ^tecknitz und Delvenau 72 km lang, wel-
cher die Dclvcnau (Elbe) mit der Etccknitz (Travc)
verbindet und einer der ältesten Kanäle Europas
ist (1391-98); die Süderbootfahrt, 6,3 km lang,
zwifckcn Garding und Katingsicl; der Kudenfce-
kanal (die kanalisierte Burger Au, 15 km) in Süder-
dithmarfchen und der Tondernsche Kanal zwischen
Tondcrn und Wiedau (2,5 km). - Das Klima
ist dnrch die Einwirkung der Meere gemüßigt und
gilt im ganzen für sehr gefund. Die Witterung ist
unbeständig, feucht und oft nebelig, die Durchschnitts-
temperatur aber beträgt im nördl. Schleswig etwa
7^/.. bis 8° l^., in den südl. Kreisen über 9° (^. und
bleibt im Mittel selbst im Dezember und Januar
über Null; die mittlere jährliche Niederschlagshöhe
beträgt in Kappeln 63, Kiel 67, Westerland auf Sylt
72, Scgebcrg 73, Tondern 76 und Apenrade 77 cm.
Bevölkerung. Die Provinz hat (1890) einschließ-
lich Helgoland 1219 523 (617 430 männl., 602 093
wcibl.) E., 161162 bewohnte, 3162 unbewohnte
Wohnhäuser, 1033 andere bewohnte Vanlichkeiten,
266 770 Haushaltungen und 1216 Anstalten mit
35 201 Insassen. Dem Religionsbekenntnis nach
waren 1190 793 Evangelische, 21807 Katholiken,
2649 andere Christen, 184 Dissidenten und 3571
Israeliten; der Staatsangehörigkeit nach 1181572
Rcichsangebörige, 32198 Neichsausländcr, dar-
unter 29 765 Dänen. Der Muttersprache nach sind
die meisten Bewohner Deutsche, mit Ausnahme von
135131 Dänen (westjütische Mundart).
Land- und Forstwirtschaft. Von der Gesamt-
stäche kamen (1893) auf Acker- und Gartenland
1085557 Im, Wiesen 205244, Weiden und Hu-
tungen 222773, Öd- und Unland 114132, Haus-
und Hofräume 16842, Wegeland, Gewässer u. s. w.
130667 dll. Landwirtschaft und Viehzucht stehen
auf einer hohen Stufe. 1882 waren 37,76 Proz. der
Bevölkerung in der Bodenbenutzung und Tierzucht
beschäftigt. Der größte Teil der landwirtschaftlich
benutzten Fläche ist mit Hafer bebaut (1893:192175
iill), dann folgen Roggen (148 779), Gerste (53323),
Weizen (46142) und Kartoffeln (31114 ka). Der
Ernteertrag belief sich (1893) auf 208455 t Roggen,
97977 Weizen, 66237 Gerste, 286011 Kartoffeln,
205059Hafer und 375832 t Wiefenheu. Die Pferde-
zucht ist sebr ansehnlich; die Nindviehzucht ist in
keiner Provinz so hoch entwickelt wie in S. und ke-
sert unter andern große Massen von Mastvieh nach
dem Rhein und ins Ausland; auch die Imkerei ist
hervorragend. Der Viehbestand betrug (I.Dez. 1892)
172107 Pscrde, 823 539 (1893: 796305) Stück
Rindvieh, 289 521 Schafe, 344 968 (1893: 362962)
Schweine, 44653 Ziegen und 107 849 Bienenstöcke.
Im Wattenmeere wurde früher eine ausgedehnte
Austcrnzucbt betrieben; die Austernbänke sind Do-
mäne, aber an Private verpachtet.
S. ist die waldärmste Provinz der Monarchie;
nur in Lauenburg ist die Forstwii^chaft Dvn Ne-