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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schmarotzerwespen - Schmätzer
Wasserlungen bei Holothurien durch Innewohnen
von Krebsen) doch von nachteiligem Einfluß sein.
Eine andere Art vorübergehenden S. ist es, wenn
eine Tierart die Kräfte einer andern der Ortsver-
ändcrung wegen benutzt (Schiffshalter und Schild-
kröte, Seehasen auf großen Krabben, gewissermaßen
auch der Mensch und seine Reittiere), was man
Kommig rat orismus nennen könnte. Unter
K ommensalismus versteht man eine Art des S.,
bei dem die Parasiten ((^ommenZHli^) mit ihrem
Wirte die Nahrung teilen, also indirekt auf dessen
Kosten leben. Diese Art des S. geht ohne scharfe
Grenze in den echten Parasitismus über.
Ursprünglich waren alle Schmarotzer freilebende
Tiere, die sich an den Parasitismus in sehr verschie-
dener Weise angepaßt haben und noch anpassen, so
daß man alle Übergänge beobachten kann. Zunächst
muß man Außenschmarotzer (Ektoparasiten oder
Epizoen) und Binnen- oder Innenschmarotzer (E n -
toparasiten oderEntozoen) unterscheiden. Aber
anch diese beiden Kategorien enthalten sehr verschie-
denartig entwickelte Formen. Manche Außenschma-
rotzer (Vettwanze.Floh, Blutegel) besuchen ihren Wirt
bloß der Nahrung halber, leben aber nicht auf ibm.
Andere Muse, Federlinge, Käfermilben, zahlreiche
Krebse, Fischegel) wohnen zugleich auf ihrem Wirt,
können ibn aber nach Gefallen verlassen. Manche boh-
ren sich (Schmarotzerkrebse) von außen her ein, wobnen
in (Krätzmilben, Haarbalgmilben) oder unter (Mil-
ben bei Vögeln) der Haut. Manche, vorübergehend
entoparasitische Formen (Larven von Fliegen und
Schlupfwespen) werden als Eier von außen ber von
der Mutter an (Fliegen) oder in (Schlupfwespen)
den Wirt gelegt. Die Vinnenschmarotzer wandern
entweder (meist als Larven) durch die natürlichen
Körperösfnungen (After, Maul, Nasenlöcher, Kiemen-
spalten) ihres Wirtes ein, oder werden als Eier oder
ruhende Formen von diesem mit der Nahrung auf-
genommen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß viele
Binnenschmarotzer ihr S. als ganz freilebende Ekto-
parasiten anfingen, sich dann immer mebr an ibrcn
Wirt anschlössen, zunächst aber noch Außenschmarotzcr
blieben, später aber den Weg in ihn zu finden wuß-
ten und nun zu wahren Entoparasitcn wurden.
Das S. hat sowohl für die Parasiten wie sür die
Wirte verschiedene Folgen. Die für die erstcrn sind
teils positiv, teils negativ. Die positiven sind Haft-
apparate (Klammerkrallen bei ektoparasitischen Glie-
dertieren, Saugscheiben bei ekto- und entoparasiti-
schen Würmern, Hakenkränze bei Bandwürmern
u. s. w.) und Saugapparate zur Aufnahme der
Nahrung. Die negativen Folgen sind Verlust ent-
behrlicher Organe und Organteile, besonderer Far-
ben, der Bewegungs- und Sinnesorgane, selbst der
Verdauungsorgane. Oft vollziehen sich diese Ver-
luste während der Lebensdauer des Parasiten durch
rückschreitende Metamorphose, d. h. er hatte in der
Jugend, als er frei lebte, Glicdmahen, Sinnesorgane
u. s. w., die er aber einbüßte, als er sich endgültig an
seinen Wirt anschloß. Eine weitere Folge des S. zeigt
sich oft im Wesen der Fortpflanzung, indem durch cin-
geschobenen Generationswechsel (s. d.) die Fruchtbar-
keit vergrößert wird. Meist sind dabei die geschlecht-
lich und ungeschlechtlich sich fortpflanzenden Formen
auf verschiedene Tierarten als Wirte verteilt und fin-
den sich die ungeschlechtlichen bei solchen (Zwischen-
wirten genannten) Tieren, die von dem eigentlichen
Wirt, in dem sie geschlechtsreif werden, gefressen wer-
den. Der Einfluß der Schmarotzer auf ihre Wirte ist
ein sehr verschiedener: manche scheinen kaum, oder
nur wenn sie in sehr großen Massen auftreten,
scbädlick zu wirken, andere sind äußerst gefährlich,
führen Krankheiten und den Tod herbei.
Vgl. van Veneden, Die Schmarotzer des Tier-
reichs (Bd. 18 der "Internationalen wissenschaftlichen
Bibliothek", Lpz. 1876); Leuckart, Die menschlichen
Parasiten (2 Bde., ebd. und Heidelb. 1863-67; in
2. Aufl. u. d. T. Die Parasiten des Menschen, 1. Bd.,
1. bis 4. Lfg., Lpz. 1879-89).
Schmarotzerwespen (NÄLarinak), Gruppe aus
der Familie der Faltenwcspen (s. d.), die meist nur
unvollkommen faltbare Flügel haben. Es giebt
unter ihnen bloß Männchen und vollkommen ent-
wickelte Weibchen, aber keine Arbeiterinnen. Die
^. bewohnen wärmere Länder von Südeuropa ab.
Schmarotzerwolken, Wolken, die die Gipfel
bober isolierter Berge oft einhüllen, wie z. B. den
Tafelberg am Kap der Guten Hoffnung, Rigi, Pi-
latus, St. Gotthard, Brocken u. a.
Schmarfow, Aug., Kunsthistoriker, geb. 26. Mai
1853 zu Schildfeld in Mecklenburg-Schwerin, stu-
dierte in Zürich, Straßburg und Bonn, machte Rei-
sen in Deutschland, Italien, England und Frankreich
und habilitierte sich 1881 an der Universität zu
Göttingen. 1882 wurde er daselbst, 1885 in Bres-
lau außerord. Professor der Kunstgeschichte; 1892
nach Florenz übergesiedelt, wurde er Okt. 1893 als
ord. Professor nach Leipzig berufen. Er veröffent-
lichte: "Raffael und Pinturicchio in Siena" (mit
1 l Lichtdrucktafeln, Stuttg. 1880), "Pinturicchio in
Nom" (ebd. 1882), "Melozzo da Forü" (mit 27 Ta-
feln, ebd. 1886), "I^ranc. ^Idkitini 0pu8cu1uin äs
miral)i1idu3 novas ui-dis liomae" (Heilbr. 1886),
"Donatello" (Lpz. 1886), "Giov. Santi, der Vater
Raffaels" (Berl. 1887), "S. Martin von Lucca
und die Anfänge der toscan. Skulptur im Mittel-
alter" (Vresl. 1890), "Meisterwerke deutscher Bild-
nerei des Mittelalters" (mit E. von Flottwell;
Bd. 1: "Die Bildwerke des Doms zu Naumburg
an der Saale", Magdeb. 1892). Ferner lieferte er
Beiträge zu Dohmes "Kunst und Künstler des
19. Jahrb."; er gab heraus "Ital. Forschungen zur
Kunstgeschichte" (Vresl. 1890 - 92) und "Studien
und Forschungen zur Kunstgeschichte" (Lpz. 1893 fg.).
Schmaschen, s. Lammfelle.
Schmätzer (saxicolinao), eine in mehr als 100
Arten in Europa, Afrika, Asien, Australien und im
nördlichsten Nordamerika verbreitete Unterfamilie
der sylvienartigen Singvögel, mit pfriemförmi-
gem, an der Wurzel dreikantigem Schnabel, kur-
zem, breitem Schwanz und langen, dünnen Bei-
nen. Sie nähren sich von Insekten und leben in
öden und wüstenartigen Gegenden. Der in Deutsch-
land überall gemeine Steinschmätzer (saxicola
s"enant1i6 Zee/isi., s. Tafel: Mitteleuropäische
Singvögel IV, Fig. 5, beim Artikel Singvögel)
ist oben hellgrau, unten hcllrotgelblich, hat schwarze
Flügelfedern mit bräunlichweißen Kanten und einen
rcinweißen, am Ende schwarz gerandeten Schwanz.
Er ist ein unruhiger scheuer Vogel, der sein Nest in
Fclsenhöblen, in Steinhaufen oder in Erdlöchern
anlegt. Seine 5-7 Eier sind blaß bläulichweiß.
Eine weitere Gattung sind die Wiesenschmätzer
ski-atwcow) von bunter Färbung, bei der Braun,
^ckwarz oder Weiß vorherrscht. In Bezug auf ihren
Aufenthalt weichen sie von den übrigen Steinschmät-
zern ab, indem sie Bewohner des Tieflandes sind
und die Wiesen besonders vorziehen. Ihr Nest legen