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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schmidt (Johs.) - Schmidt (Karl)
als russ. Staatsrat und Mitglied der Akademie zu
Petersburg. Unter seinen Schriften und Abhand-
lungen in den Schriften der Petersburger Akademie
sind hervorzuheben: die "Forschungen im Gebiete
der Vildungsgefchichte der Völker Mittelasiens"
(Petersb. 1824) sowie die "Philol.-kritische Zugabe
zu zwei mongol. Originalbriefen des Königs von
Persien" (ebd. 1824); ferner eine Ausgabe und
Übersetzung der 1662 von dem mongol. Chan
Ssanang-Ssetsen Chungtaidschi in mongol. Sprache
verfaßten "Gefchichte der Ostmongolen und ihres
Fürstenhauses" (ebd. 1829). Auch hat S. die erste
"Grammatik der mongol. Sprache" (Petcrsb. 1831)
und ein "Wörterbuch" (ebd. 1835) bearbeitet. Spater
gab er ein mongol. Heldengedicht: "Die Thaten
Gesser-Chans"(Petersb.1836; deutsch 1839),heraus.
Vorzüglich auf Csoma de Körös' Arbeiten gestützt
ist seine "Grammatik der tibetan.Spracke" (Petersb.
1839) und das "Tibetisch-Deutsche Wörterbuch"
sebd. 1841). Das Werk "Der Weise und der Thor",
Original nebst deutscher Übersetzung (2 Tle., Petersb.
1843) war das erste in tibetischer Sprache in Europa
gedruckte Vuch; ihm folgte "Der Index des Kandjur"
(ebd. 1845).
Schmidt, Johs., Sprachforscher, geb. 29. Juli
1843 zu Prenzlau, studierte in Bonn und Jena
klassische Philologie und indogerman. Sprachwissen-
schaft und habilitierte sich für letzteres Gebiet 1868
zu Bonn. 1873 wurde er daselbst außerord. Pro-
fessor und noch im Herbst desselben Jahres als ord.
Professor nach Graz berufen. 1876 folgte er einem
Rufe an die Universität zu Berlin, woselbst er seit-
dem den Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissen-
schaft innehat. 1884 wurde er zum Mitglied der
Königl. Preußischen Akademie der Wissenschaften er-
nannt. Von S.s sprachwissenschaftlichen Schriften
sind zu erwähnen: "Zur Geschichte des indogerman.
Vokalismus" (2 Bde., Weim. 1871-75), "Die Ver-
wandtschaftsverhältnisse der indogerman. Sprachen"
(ebd. 1872) und "Die Pluralbildungen der indo-
german. Neutra" (ebd. 1889). Zahlreiche Abhand-
lungen veröffentlichte er in der "Zeitschrift für ver-
gleichende Sprachforschung", deren Redaktion er seit
1875 angehört, und in den "Abhandlungen" der
Berliner Akademie, in welchen 1890 die Arbeit über
"Die Urheimat der Indogermanen und das europ.
Zahlsystcm" erschien.
Schmidt, Joh. Friedr. Iul., Astronom, geb.
26. Febr. 1825 zu Eutin, ging 1845 von Hamburg,
wo er sich mit astron. Studien beschäftigt hatte, als
Benzenbergs Assistent auf des letztern Privatstcrn-
warte nach Bilk bei Düsseldorf, 1846 als Assistent
zu Argelander nach Bonn, von hier 1853 als Di-
rektor der Privatsternwarte des Barons von Unk-
rechtsberg nach Olmütz. 1858 wurde er Direktor
der Sternwarte in Athen. Er starb daselbst 7. Febr.
1884. Von S. rührt die beste bis jetzt bekannte
Mondkarte her (s. Mond, Bd. 11, S. 990 a). Nicht
minder wertvoll sind seine Beobachtungen über ver-
änderliche Sterne, die Sonnenflecke, seine Unter-
suchungen über die Rotationszeitcn der großen Pla-
neten, über Nebelflecke, Sternschnuppen, das Zodia-
kallicbt u. s. w. Auch über die physiscbc Geographie
Griechenlands verfaßte er wertvolle Abbandlungen.
Seine Arbeiten sind meist in den "Astron. Nach-
richten" und in den "Berichten der Wiener Aka-
demie" veröffentlicht.
Schmidt, Julian, Literarhistoriker, geb. 7. März
1818 zu Manenwerder, studierte 1836 - 40 zu
Königsberg Geschichte und Philologie, wurde 1842
Lehrer an der Luisenstüdtischen Realschule zu Ber-
lin, siedelte im März 1847 nach Leipzig über,,
um sich an der Redaktion der "Grenzbotcn" zu be-
teiligen. Im Juli folgenden Jahres wurde S. mit
Gustav Freytag Eigentümer dieser Zeitschrift. Im
Dez. 1861 wandte er sich wieder nach Berlin, wo er
zwei Jahre hindurch die "Berliner Allgemeine Zei-
tung", das Organ der altliberalen Partei, redigierte.
1878 ward ihm vom Kaiser Wilhelm I. ein jähr-
licher Ehrengehalt bewilligt. Er starb 27. März 1886.
S.s erste Arbeit von Bedeutung war die "Ge-
schichte der Nomantik im Zeitalter der Reformation
und Revolution" (2 Bde., Lpz. 1848). Die zahl-
reichen kritischen Artikel, die er für die "Grenzboten"
verfaßte, bildeten die Grundlage für S.s "Geschichte
der deutscben Nationallitteratur im 19. Jahrh."
(2 Bde., Lpz. 1853; 4. Aufl. u. d. T. "Geschichte
der deutschen Litteratur seit Lessings Tod", 3 Bde.,
ebd. 1858); die scharfe Kritik trat in der vollständig
umgearbeiteten fünften Auflage des Werkes (3 Bde.,
ebd. 1865-67) hinter die streng histor. Forschung
zurück. Eine neue Auflage, in die S.s "Geschichte
des geistigen Lebens in Deutschland von Leibniz bis
auf Lessings Tod" (zuerst 2 Bde., Lpz. 1860-64)
hineingearbeitet ist, erschien u. d. T. "Geschichte der
deutschen Litteratur von Leibniz bis auf unfere Zeit"
lo Bde., Verl. 1886 fg.). Von Bedeutung ist auch
H.s "Geschichte der franz. Litteratur seit der Revo-
lution 1789" (Lpz. 1858; 2. Aufl. 1873-74). Seine
"Bilder aus dem geistigen Leben unsererZeit" (4 Vde.^
Lpz. 1870-75) und "Porträts aus dem 19. Jahrh."
(Berl. 1878) sind Sammluugen interessant und
geistvoll geschriebener Essays litterar- und kultur-
histor. Inhalts.
Schmidt, Karl, prot. Theolog, geb. 20. Juni
1812 in Strahburg, studierte daselbst und wurde
1837 Privatdocent am Seminar, 1839 ord. Pro-
fessor der Theologie. Seit 1872 bis zu seiner 1877
erfolgten Emeritierung gehörte er der theol. Fakultät
der Universität an. S. starb 11. März 1895 in
Strahburg. Er schrieb: "^333.1 8nr ^san ttsi-80n"
(Par. 1839), "Johann Tauler" (Hamb. 1841),
"I^83ai 8UI-16 M^8tici8ius äu 14^ 816016" (Straßb.
1836), "^Li-ai'ä Nou886i" (ebd. 1845), "ll^toiro
6t äocti'ins äs 1a 8scts (168 ^Ät1i3.r68 0U ^.11)1^6018""
(2 Bde., Par. 1849), "^333.1Ii^torihus 8ur 1a, 80-
cists civils älui3 1s monäs i-oiuain 6t 8iir Ik
ti'I,u8lormnti0ii pHl 1s Ci)ri8ti9,iii8iii6" (Straßb.
1853; deutsch, Lpz. 1857), "Die Gottesfreunde"
(Jena 1854), "Peter Martyr Vermigli. Leben und
ausgewählte Schriften" (Elberf. 1858), "Wilhelm
Farel und Peter Viret" (ebd. 1860), "PH. Melanch-
thon" (ebd. 1861), "Lebenund Schriften des Niko-
laus von Bafel" (Wien 1866), "^raits8 inMihus8"
(Par. 1876), "ll^toirs littsrairs äs I'^i^cs ö.
1a ün äu 15^ 6t an commsnosinsiit äu 16^ 8i6c1s"
(2 Bde., ebd. 1879), "I'os^isZ IiuFnsn0ts8" (ano-
nym, Straßb. 1881), "Zur Gefchichte der ältesten
Bibliotheken und der ersten Buchdrucker zu Strah-
burg" (ebd. 1882), "?i-eci3 äs I'i^toii-s äs I'^liss
ä'occiäsnt ^snäant Is ino^sn ä^s" (Par. 1885),
"Straßburger Gassen- und Häusernamen im Mittel-
alter" (2. Aufl., Strahb. 1888).
Schmidt, Karl, pädagogischer Schriftsteller, geb.
7. Juli 1819 zu Osternienburg in Anhalt, studierte
in Halle und Berlin Theologie und Philosophie,
wurde 1845 Gymnasiallehrer zu Cöthen und 1856,
! nachdem er gegen vier Jahre im Pfarramte thätig