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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schmidt (Ferd.) - Schmidt (Isaak Jak.)
mar von Hagenau und Heinrich vonNugge" (Straßb.
1874), ausschließlich der Erforschung und Dar-
stellung der neuern Litteraturgeschichte, besonders
der klassischen Periode gewidmet. Die Goetheschen
Kreise und die Goethesche Zeit behandeln die Arbei-
ten "Richardson, Rousseau und Goethe" (Jena
1875), "Keinrich Leopold Wagner" (2. Aufl., ebd.
1879), "Lenz und Klinger" (Berl. 1878); von den
"Schriften der Goethe-Gesellschaft" bearbeitete er
Band 2: "Tagebücher und Briefe Goethes aus
Italien" (Wesm. 1886) und Band 8: "Genien
1796" (ebd. 1893). 1887 veröffentlichte er den von
ihm in Dresden aufgefundenen "Urfaust", "Goethes
Faust in ursprünglicher Gestalt" (Z.Abdruck, Weim.
1894), bearbeitete für die Weimar. Goethe-Ausgabe
die beiden Teile des "Fanst" (14. u. 15. Bd.) und war
auch sonst an der Redaktion dieser Ausgabe vielfach
thätig. S. veröffentlichte ferner: "Beiträge zur
Kenntnis der Klopstockschen Iugendlyrik" (Straßb.
1880), schrieb die ausgezeichnete Biographie "Lessing.
Geschichte seines Lebeils und seiner Schriften" (2 Bde.,
Verl. 1884-91) und gab "Lessings Übersetzungen
aus dem Französischen Friedrichs d. Gr. und Vol-
taires" (ebd. 1892) und "Goezes Streitschrift gegen
Lessing" (Stuttg. 1893) heraus.
Schmidt, Ferd., Volks- und Jugendschriftsteller,
geb. 2. Okt. 1816 zu Frankfurt a. O., war Kommu-
nalschullehrer in Berlin und widmete sich seit 1815
neben seinem Veruse der Volks- und Jugendschrift-
stellers. Er starb 30. Juli 1890 in Berlin. S.s
Schriften, die volkstümliche Geschichtsbilder, Bio-
graphien hervorragender histor. Persönlichkeiten,
ferner Darstellungen aus den Mythologien und der
Heroengeschichte des klassischen und german. Alter-
tums, endlich frei erfundene Märchen und Erzäh-
lungen umfassen, zeichnen sich ebensowohl durch das
Edel-Menschliche und National-Sittliche ihres In-
halts, wie durch die Volkstümlichkeit und Friscke
ihrer Darstellungsart aus. Dieses gilt namentlich
von seinen biogr. Iugendschriften. Seine zahlreichen
Arbeiten sind in verschiedenen Sammlungen ver-
cinigt, so in der "Iugcndbibliothck" (73 Bde., Verl.
1855-85), in den "Volkserzählungen" (2. Aufl.,
6 Bde., ebd. 1867), in den "Volkserzählungcn und
Schilderungen aus dem Berliner Volksleben" (4 Bde.,
Bresl. 1868-69). Ferner erfchiencn von ihm:
"Weltgeschichte für Schule und Haus" (2. Aufl.,
4 Bde., Verl. 1876), "Preuh. Geschichte in Wort
und Bild" (5 Bde., ebd. 1862-74; 3. Aufl., 3 Bde.,
Lpz. 1879-83) und "Frauengestalten in der Sage
und der Geschichte aller Zeiten und Völker" (Jena
1881). S. gab Anregung zur Stiftung des "Ver-
eins zum Wohle der arbeitenden Klassen" und des
"Vereins zum Wohle der heranreifenden Jugend".
Schmidt, Friedr., Freiherr von, Baumeister,
geb. 22. Okt. 1825 zu Frickenhofen im württcmb.
Iagstkreise, besuchte 1839-43 das Polytechnikum
zu Stuttgart und wandte sich dann nach Köln, wo
er als Steinmetz beim Dombau seine Laufbahn be-
gann und 15 Jahre blieb. Nachdem er 1857 den
ersten Preis für einen Plan zum neuen Rathaus in
Berlin erhalten batte, folgte er 1858 einem Rufe als
Professor an die Akademie der bildenden Künste nach
Mailand. Infolge des Krieges von 1859 ließ er
sich in Wien nieder, wo er 1860 Professor an der
Kunstakademie, seit 1863 zugleich Dombaumeister
von St. Stephan wurde und 1865 nach dem Wieder-
aufbau des Turmhelmes den Titel Oberbaurat er-
hielt. Er wurde 1888 vom Kaiser von Österreich in
den erblichen Freiherrenstand erhoben und starb
23. Jan. 1891 in Wien. Unter seinen Wiener
Bauten sind hervorzuheben die Lazaristenkirche (1860
-62), die Pfarrkirchen in Fünshaus (1854-74),
unter den Weisigärbern (1866 - 73) und in der
Brigittenau (1867-73), fämtlich im got. Stil; ferner
das akademische Gymnasium mit got. Facade (1863
-66), das neue Rathaus (1872 - 83;' s. Tafel:
Rathäuser II, Fig. 1). Sein letztes Werk war
die Restauration der Domkirche zu Fünfkirchen in
Ungarn. - Vgl. Reichensperger, Zur Charakteri-
sierung des Baumeisters Friedrich Freiherr von S.
(Düsseld. 1891).
Schmidt, Friedr. Wilh. Aug., meist Schmidt
von Werneuchen genannt, geb. 23. Mai 1764
in Fahrland bei Potsdam, wurde zuerst Prediger
am Invalidenhanse in Berlin, dann 1795 zu Wer-
neuchen in der Mittelmark, wo er 26. April 1838
starb. Als Dichter pflegte er ausschließlich die von
Voß ausgebildete ländliche Idylle. In dem Gedicht
"Musen und Grazien in der Mark" parodierte Goethe
seine platte Manier witzig. S. gab heraus den
"Neuen Berlinischen Musenalmanach", mit E. C.
Bindemann (5 Bde., Verl. 1793-97), "Kalender der
Musen und Grazien" (2 Bde., 1796-97), auch einige
andere Almanache und "Neueste Gedichte" (Berl.
1815); einen Neudruck seiner Gedichte besorgte L.
Geiger (ebd. 1890).
Schmidt, Georg Friedr., Kupferstecher, geb.
24. Jan. 1712 in Berlin, wurde seit 1727 auf der
Akademie der Künste ausgebildet, ging 1736 nach
Paris, wo er sich unterLarmessin weiter bildete. Bald
erwarb er durch die von ihm gestochenen Bildnisse
des Grafen d'Evreur und des Erzbischofs vonCam-
brai nach Rigaud so viel Ruhm, daß er 1742 zum
Mitglied der Französischen und der Berliner Aka-
demie ernannt wurde. 1744 kehrte er nach Berlin
zurück, ging 1757 auf fünf Jahre an den Hof nach
Petersburg, wo er das Bild der Kaiserin Elisabeth
und mehrere andere Bilder stach, auch die Kupfer-
stecherfchule einrichtete. 1762 kam er nach Berlin
zurück und starb 25. Jan. 1775 daselbst. Er arbeitete
nicht allein in der strengsten Grabstichelmamer, son-
dern wußte auch die Nadel auf das freieste, geist-
reichste zu behandeln nach der Weise von Rembrandt,
Eastiglione und namentlich Cornelisz Visscher. Un-
ter den Vildnisstichen sind die des Malers Latour,
des Pierre Mignard, der Grafen Nasumowskij und
EsterhaN), der Kaiserin Elisabeth von Rußland die
vorzüglichsten. - Vgl. L. D. Iacoby, S.s Werke
(Berl. 1815); I. E. Wessely, G. F. S. Verzeichnis
seiner Stiche und Radierungen (Hamb. 1887).
Schmidt, Georg Philipp, genannt Schmidt
von Lübeck, Dichter, geb. 1. Jan. 1766 in Lübeck,
studierte 1786 - 90 in Jena und Göttingen die
Rechte, ging 1795 nach Kopenhagen, lebte 1799-
1803 aufTrollaburg in Fünen, feit 1806 als böherer
Bankbeamter in Altona, Kiel und wieder Altona,
wo er 28. Okt. 1849 starb. Seme in Zeitschriften und
Taschenbüchern zerstreuten Gedichte, in denen die
Reflexion zu sehr vorwaltet, wurden von Schumacher
u. d. T. "Lieder" (Altona 1821; 3. Aufl., von S.
selbst besorgt, 1847) gesammelt. Bekannt i'
lich sein "Paul Gerhardt", und manche
t nament-
einer Lie-
der (wie "Ich komme vom Gebirge her", "Von allen
Ländern in der Welt" u. a.) sind in den Volksmund
übergegangen.
Schmidt, Isaak Jak., Sprachforscher, geb.
14. Okt. 1779 in Amsterdam, gest. 8. Sept. 1847