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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schuldverhältnisse - Schulen
Veitritt einen direkten Anspruch gegen den über-
nehmer, a. wenn ein Handelsgeschäft so veräußert
wird, daß der Erwerber die Geschäftsschulden über-
nimmt und dies öffentlich bekannt gemacht wird,
insbesondere durch Cirkulare; d. beim Kauf einer
Erbschaft; der Schenkung eines ganzen Vermögens,
oder der Veräußerung eines ganzen Vermögens
gegen eine Leibrente; c. bei dem Gutsübernahme-
vertrage, in welchem der Annehmer die Schulden
des bisherigen Wirts übernimmt. Für den Fall,
daß der Käufer eines Grundstücks eine auf demselben
haftende hypothekarische Schuld in Anrechnung auf
den Kaufpreis übernimmt, haben die neuern Grund-
buch- und Hypothekengesetze Bestimmungen getroffen.
Nach dem preuß. Gefetze vom 5. Mai 1872 erlangt
in diefem Falle der Gläubiger gegen den Erwerber
die persönliche Klage, auch wenn er dem übernahme-
vertrage nicht beigetreten ist. Der Veräuherer wird
von seiner persönlichen Verbindlichkeit frei, wenn der
Gläubiger nicht innerhalb eines Jahres, nachdem ihm
der Veräußerer die S. bekannt gemacht hat, bez.
nachdem die Kündbarkeit eintrat, gekündigt und bin-
nen sechs Monaten nach der Fälligkeit getilgt hat.
Der Deutsche Entwurf bezeichnet nur das als S.,
wenn der Dritte an Stelle des bisherigen Schuld-
ners treten, also dieser von seiner Verbindlichkeit frei
werden foll. Verpflichtet sich jemand einem andern
gegenüber zur Befriedigung von dessen Gläubiger,
ohne die Schuld (in diesem Sinne) zu übernehmen,
so sei im Zweifel nicht anzunehmen, daß der Gläu-
biger aus dem Vertrage unmittelbar das Recht er-
werben soll, die Befriedigung von ihm zu fordern
<§. 281). Wird die S. von dem Dritten mit dem
Schuldner vereinbart, fo foll ihre Wirkfamkeit von
der Genehmigung des Gläubigers auf Bekanntgabe
eines der Beiden abhängen. Bis diese erfolgt, können
die Parteien den Vertrag ändern oder aufheben. Dem
Gläubiger kann eine Frist für seine Erklärung gesetzt
werden (§. 361). Hat jemand durch Vertrag das
Vermögen eines andern übernommen, so können
ihn die Gläubiger neben ihrem bisherigen Schuldner
bis auf den Bestand des Vermögens direkt in An-
spruch nehmen (§. 362).
Schuldverhältniffe, s. Forderungsrecht, Ein-
seitige Schuldverhältnisse, Doppelseitige Schuldver-
hältnisse. Inis.
Schuldvermächtnis, s. Forderungsvermächt-
Schulen, Anstalten für gemeinsamen Unterricht.
Nach ihrem Zwecke kann man die S. einteilen in
solche, die eine allgemein menschliche Bildung, und
in solche, die eine bestimmte Berufs- oder Fachbil-
dung zum Ziel haben. Jene nehmen auf den zu-
künftigen Stand und Beruf der Schüler nur info-
sern Rücksicht, als dieser ein niederer oder höherer
ist, d. h. eine geringere oder größere wissenschaft-
liche Bildung vorausfetzt. Sie scheiden sich daher in
niedere, Elementar- oder Volksfchulen, und
in höhereS. oder, wie man in Süddeutfchland mit
Rücksicht auf die Hochschule oder Universität sagt,
in Mittelschulen, während man in Preußen als
Mittelschulen solche S. bezeichnet, die zwischen Volks-
schulen und höhern S. in der Mitte stehen. Die
Volksschule entläßt ihre Schüler in der Regel mit
dem 14. Lebensjahre; sie beschränkt sich daher auf
die allernotwendigste Bildung und sucht diese zu
einem gewissen Abschluß zu bringen. Zu den Vo lks -
schulen gehören die Land- und Dorfschulen, die
Armen- oder Freischulen, die Gemeinde- oder Be-
zirksschulen und die gewöhnlichen Bürgerschulen der
Städte, auch erweiterte Volksschulen genannt. Zu
den höhernS. gehören die Gymnasien, die Real-
gymnasien, die Oberrealschulen, die Realschulen,
die höhern Bürgerschulen. Zu den Berufsschulen
oder Fachschulen (s. d.) gehören die speciellen Ge
werb- und Gewerkschulen, alle technischen Vildungs-
anstalten, die Bau-, Forst-, Bergakademien, die
Kunstakademien, die landwirtschaftlichen Lehran-
stalten, die Militär- und Marineschulen, die Handels-
schulen, die Handwerkerschulen, die Kunstschulen
(Konservatorien für Musik, Theaterschulen u. s. w.),
aber auch die theol. und Lehrerseminare (s. Seminar).
Den Volksschulen schließen sich die Fortbildungs-
schulen (s. d.) an, die jetzt immer allgemeiner als
verbindliche eingeführt werden. Besondere S. sind
noch die Taubstummen-, Blinden- und Idioten-
anstalten. (S. die Einzelartikel.)
In betreff ihrer Gründung und Unterhaltung
teilt man die S. ein in Staats-, Gemeinde- und
Privatfchulen. Staats- und Gemeindeschulen
nennt man auch öffentliche S., d. h. aus öffent-
lichen Mitteln gegründete und erhaltene. (S. Schul-
lasten.) Schulgeld (s. d.) ist dabei nicht ausgeschlos-
sen. Die Volksschulen sind in Deutschland in
der Regel Gemeindeschulen, aus Mitteln der Ge-
meinde, zum Teil jedoch mit Staatszuschüssen unter-
halten. Die höhern S. sind in Deutschland vorwie-
gend Staatsschulen; wo sie, wie es öfter mit den
Gymnasien und Realschulen größerer Städte der
Fall ist, Gemeindeschulen sind, stehen doch ihre
innern, technischen Angelegenheiten meist unter un-
mittelbarer Leitung der Staatsschulbehörde. Die
Privatschulen (s. d.) sind in Deutschland in ge-
wissem Sinne auch öffentliche S.
Hinsichtlich des religiösen Verhältnisses giebt es
konfeffionelle S., d. h. solche, in welchen fast alle
Kinder (jedenfalls aber die Lehrer) demselben Be-
kenntnis angehören und darin unterrichtet werden,
konfessionslose und Simultanschulen, in
den Verordnungen des Ministers Falk (s. d.) pari-
tätische S. genannt, in welchen die Schüler der
verschiedenen Konfessionen den religiösen Unterricht
gesondert (unter Leitung der Kirche), den übrigen
aber gemeinsam erhalten.
Zur Aufrechterhaltung der die Schule betreffen-
den gesetzlichen Bestimmungen und zur Förderung
des Schulwesens eines Landes, einer Provinz und
der einzelnen Orte sind besondere Einrichtungen
nötig. Sofern diefe die Beaufsichtigung und Über-
wachung der einzelnen S. betreffen, werden sie als
Schulinspektion bezeichnet. (S. Schulaufsicht.)
In neuester Zeit hat man auch in gesundheitlicher
Hinsicht besondere Anforderungen an die S. gestellt.
(S. Schulhygieine.)
Geschichte des Schulwesens. Die Anfänge
unsers heutigen Schulwesens liegen in den in der
ersten christl. Kirche eingerichteten Katechumenen-
schulen. Später wurden mit den Klöstern, beson-
ders nach Benedikt von Nursia mit den Venediktiner-
klöstern, S. verbunden, die allerdings zunächst den
Zweck hatten, tüchtige Ordensglieder zu bilden, denen
aber auch Kinder lediglich zum Zwecke einer allge-
meinen Bildung zugeführt wurden. Daneben gab
es Parochialschulen, denen die Unterweisung der
Kinder in den Elementen der christl. Religion oblag.
Karl d. Gr. verfolgte zuerst den großartigen Plan,
Bildungsanstalten für alle Stände in seinem großen
Reich einzurichten, und suchte die hohe und niedrige
Geistlichkeit dafür zu gewinnen. Die Verhältnisse