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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schulenburg (von der)
der Zeit verhinderten aber die Ausführung, und die
polit. Stürme und Kämpfe unter seinen Nachfolgern
sowie der Zustand der Kirche hemmten nicht nur den
Fortschritt, sondern veranlaßten auch den Verfall
der meisten von den zahlreichen S., die unter Karls
d. Gr. Regierung in allen Teilen des großen Fran-
kenreichs gegründet worden waren. Nur für die
Bildung der Geistlichen und der vornchmern Stände
war in den Klosterschulen durch Unterricht im Lesen,
schreiben, Eingen, Latein, mitunter auch in einigen
andern Wissenschaften notdürftig gesorgt. Für
die Bildung der Jugend des Volks wurde nichts
gethan. Dieser Zustand blieb bis zum 12. und
13. Jahrh., wo die Städte polit. Wichtigkeit erhiel-
ten und Handel und Gewerbfleiß aufblühten, so daß
das Bedürfnis der Bildung auch im Bürgerstande
erwachte. In den Städten wurden neben den kirch-
lichen Bildungsanstalten auch S. gegründet, die
aber meist nur das Lesen, Schreiben und Rechnen,
höchstens die lat. Sprache in ihren Unterricht auf-
nahmen. Die niederdeutfchen Schreibfchulen, die
aus dem Bedürfnis der Kaufleute hervorgingen und
als rein bürgerliche Institute frei von kirchlichem
Einfluß waren, können als die ersten Anfänge deut-
scher Bürgerschulen betrachtet werden. Im 14. Jahrh,
gingen durch GeertGroot und die geistliche Brüder-
schaft des gemeinsamen Lebens von Holland mächtige
Anregungen aus zur Bildung des Volks durch S.,
wäbrend in Italien durch die sog. Wiederherstellung
der Wissenschaften die höhern Studien eine neue An-
regung und Grundlage erhielten und eine neue Ge-
staltung des höhern Schulwesens vorbereitet wurde.
Von jetzt an entstanden bis zum Anfang des 16.Iabrh.
viele neue S., in denen der Geist des klassischen Alter-
tums sich geltend machte. Sie waren aber entweder
nur Privatunternehmungen einzelner Männer, oder
ihre Wirksamkeit beruhte doch ganz allein auf per-
sönlicher Tüchtigkeit. Das Schulwefen war noch
kein Gegenstand der staatlichen Fürsorge. Auch die
niedern S. mehrten sich, beschränkten sich aber nach
den Verhältnissen der Zeit nur auf die Mitteilung
der notdürftigsten Bildung. Ihre Lehrer waren
größtenteils unwissend, zogen oft von einem Orte
zum andern, genossen wenig Achtung und wurden
schlecht bezahlt. Wie in dem Gewerbswesen bildete
sich unter den Lehrern eine Abstufung nach Meistern
und Gesellen im Sinne des Zunftwesens und ein
Zunftgeist aus, und wie die Lehrer, so zogen auch
Schüler (fahrende Schüler oder Vachanten)
von einer Schule zur andern, wobei sie nicht nur
unwissend blieben, sondern auch meist zu sittlicher
Robeit herabsanken.
Da trat mit der Reformation ein Wendepunkt
im Schulwesen ein. Die neue Kirche mußte ihrem gan-
zen Wesen nach in der verbesserten Iugendbildung
eine Stütze suchen. Daher sprachen die Reformato-
ren, namentlich Melanchthon, den schon seine Zeit
den I^ecLptoi' (^si-iiikiiiaL nannte, für Verbesse-
rung vorhandener und Anlegung neuer S. Die
frühern Anfänge eines Volksschulwefens erhielten
nun Befestigung und weitere Ausbildung. Auch die
Schulbildung des weiblichen Geschlechts wurde ins
Auge gefaßt. Die neuen Kirchenordnungen, die
überall eingeführt wurden, empfahlen die S. der
allgemeinen Fürsorge, und nach dem Muster der
von Mclanchthon in dem "Unterricht der Visitato-
ren" für die Einrichtung der S. gegebenen Vorschriften
wurde der Unterricht fast in allen prot. Ländern an-
geordnet. Während die höhern S. bald einen Auf-
schwung nahmen, ging cs freilich mit dem Volks-
schulwesen nur sehr langsam vorwärts. Unter den
Protestanten haben sich um das Schulwesen der
damaligen Zeit, außer Melanchthon, große Ver-
dienste erworben: für die S. überhaupt, besonders
die allgemeinen S., Joh. Bugenhagen (im Norden),
Job. Brcnz (im Süden); für die höhern S. Johannes
Sturm, Val. Friedland, gewöhnlich Trotzendorf ge-
nannt, Michael Neander, Nik. Hermann, später im
17. Iabrh. Ratich, Comenius u. s. w. Die kath.
Cbristenheit blieb in dem Eifer für die Verbesserung
des Schulunterrichts nicht zurück, und die Jesuiten -
scbulen ls. d.) erlangten Berühmtheit.
Die Volksschule nach jetzigen Begriffen, die sich
der Erziehung und Bildung eines jeden einzelnen
Kindes annimmt, war indes dem ganzen Mittel-
alter, sogar der Reformationszeit noch fremd. Sie
ist durchaus ein Produkt des 18. und 19. Jahrh.
Gegen das Ende des 17. Jahrh, und im 18. bildete
sich nach und nach die Ansicht aus, daß die Sorge
für die S. eine Verpflichtung der weltlichen Regie-
rung sei. Die Begründung von Schullehrersemina-
ricn, seit der Mitte des 18. Iabrh., mußte besonders
dem Volksschulwesen den größten Vorschub leisten;
wicktige Anfänge wurden unter Friedrich Wilhelm I.
in Preußen gemacht. Die schulreformatorischen Be-
strebungen Basedows ls. d.) und seiner Anhänger
riefen endlich eine allgemeine und für die Fortbil-
dung der S. böchst einflußreiche geistige Bewegung
bcrvor (f. Philanthropie), und die wiedererwachte
Pbilofophie verbreitete gleichfalls über den Unter-
richt bessere Ansichten. Außerdem warder Einfluß der
Pietisten lSpencr und Francke) auf die Entwicklung
des deutschen Schulwesens höchst bedeutend. Mit
dem Anfang des 19. Jahrh, wurden allmählich aus
srühern Zeiten bestehende lateinische S. in deutsche
Bürgerschulen umgewandelt. Auf die Hebung des
Volksschulunterrichts und dessen Methode hatten die
Bestrebungen Pestalozzis (s. d.) wesentlichen Einfluß.
In Deutschland ist der Schulbesuch obliga-
torisch (s. Schulzwang); daher müssen alle Kinder
vom 6. bis 14. Lebensjahre, wenn sie nicht ander-
weit den entsprechenden Unterricht erhalten, die
Volksschule besuchen, wo sie in der Religion, im
Lesen und Schreiben, im Rechnen, in den Elementen
der Raumlehre, den wichtigsten Realien (Geschichte,
Geograpbie, Naturkunde), im Singen und Turnen^
die Mädchen auch in Nadelarbeiten unterrichtet wer-
den. (S. auch Deutschland und Deutsches Reich,
Untcrrichtswesen, Bd. 5, S. 156.) - Über das Schul-
wesen in deutschen und nichtdeutschen Staaten-
s. außerdem die Abschnitte Geistige Kultur und Unter-
richtswesen bei den einzelnen Staaten. - (S. auch-
Deutsche Schulen im Auslande.) - Zur Littera-
tur über S. s. Erziehung und Unterrichtswesen.
Schulenburg, von der, altes Adelsgeschlecht
der Mark Brandenburg, seit 1187 in Urkunden ge-
nannt, dessen nachweisliche Stammreihe rnir dein
Ritter Werner II. (1280 - 1304) beginnt. Dessen
Söhne, Dietrich und Werner, stifteten die beiden
noch jetzt blühenden Hauptlinien des Geschlechts,,
nümlick ersterer die Schwarze, letzterer die Weiße.
- ^. Die Schwarze Linie besteht aus dem seit
1734 und wieder seit 1816 gräfl. Hause Lieberose,
mit erblichem Sitze im preuß. Herrenhause, und dem
adligen Hause Priemern. Gegenwärtiges Haupt
derselben ist Graf Dietrich von der S., geb. 15. Aug.
1849. L. Die Weihe Linie teilt sich in zwei Haupt-
linien. 1) Die ältere Weihe Linie wurde 1728 in