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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schuwalow - Schwab
aber ist nicht nur die freihändlerische Bewegung ins
Stocken und das S. in fast allen Ländern, außer
England, wieder in grösierm Umfange zur Anwen-
dung gekommen, sondern es ist auch theoretisch der
früher festgehaltene Unterschied zwischen industriellen
und landwirtschaftlichen Schutzzöllen aufgegeben
worden. Es ist in der That unter den heutigen
Verhältnissen kein stichhaltiger Grund vorbanden,
den Schutz, den man der Industrie gewähreu will,
der Landwirtschaft zu versagen, da der Betrieb der
letztern, zumal wenn er intensiv mit größerer .Napital-
Verwendung stattfindet, einen durchaus industriellen
Charakter erhalten hat. Die etwaige Erschwerung
der Ausfuhr von Fabrikaten infolge der landwirt-
schaftlichen Schutzzölle wäre in einem konsequenten
S. durch besondere Mittel, wie Ausfuhrvergütun-
gen, auszugleichen. Ob aber überhaupt das S. be-
rechtigt ist, läsit sich uicht im allgemeinen, sondern
nur für befondere Fälle beantworten, selbst A.
Smith (s. d.) will für einzelne Fälle, namentlich im
Interesse der militär. Selbständigkeit des Landes
und zum Zwecke einer Erfolg versprechenden Re-
torsion, Schutzzölle zulassen. Über die Anwendung
der Schutzzölle in der ueuern.Handelspolitik s. Frei-
handel. Insbesondere wird heute von den Schutz-
zöllnern für die Einführung oder Erhöhung der
Schutzzölle auch der Grund geltend gemacht, daß
die Goldwährungsländer durch das infolge des Rück-
gangs des Silberprcifes entstehende Goldagio für
Silberwühruugslünder diefen gegenüber beim Wa-
renexport in Nachteil geraten. Eine besondere Art
des Schutzzolls sind die Retorsionszölle (s. d.). -
Litteratur s. unter Freihandel und Freihandelspartei.
(S. auch Handelsverträge.)
Schuwalow, russ. Grafenfamilie. Alexander
und Peter S., Söhne von Iwan S., der unter
Peter d. Gr. Kommandant von Wiborg war, wur-
den 17. Sept. 1746 in den russ. Grafenstand und
beide von Peter III. später zu Reichsseldmarsckällen
erhoben. Der Graf Peter S. war zugleich General-
feldzeugmeister und (feit 1756) Kriegsminister. Er
starb 15. Jan. 1762.
Ein Vetter dieser beiden, Iwan Iwanowitsck
S., geb. 12. Nov. 1727, veranlaßte 1755 die Grün-
dung der Universität zu Moskau mit zwei zu ihr
gehörigen Gymnasien, 1758 die Gründung der Aka-
demie der Künste zu Petersburg und starb dort
25. Nov. 1798.
Ein Eeitenverwandter dieser Linie, Paul An-
drejewitsch, Graf S., geb. 31. Mai 1776, focht
unter Suworow in Polen und Italien und nahm
am Feldzug 1807 teil. Im finländ. Kriege 1809
war er der erste Russe, der über Tornea in Schwe-
den eindrang und durch eiuen kühnen Marsch über
das Eis Schelefta einnahm, 8000 Schweden zu Ge-
fangenen machte und 121 Kanonen erbeutete. An
der Seite dos Kaisers wohnte er 1813 drn Schlach-
ten gegen Napoleon bei und erhielt nach dem Ein-
marsch der Verbündeten in Paris den Auftrag, die
Kaiserin Maria Lonise nach Österreich zu geleiten
und Napoleon l. nach Fr^us zu führen. Er starb
13. Dez. 1823 zu Petersburg.
Sein Sohn, Graf Andreas S., starb 1876 als
Mitglied des Reichsrats und Oberbofmarschall.
Dessen Sobu Peter, Graf S., geb. 15. Juli 1827
zu Petersburg, trat in die taiserl. Garde, war 186l
-66 Geueralgouverneur von Livland, Esthland
und Kurland und wurde 1866 zum Ebes der polit.
Polizei ernannt. 1873 mit einer außerordentlichen
Mission nach London beauftragt, vermittelte er die
Veileguug der wegeu der russ. Fortschritte in Tur-
kestan mit England ausgebrochenen Mißhelligkeiten,
und wurde Olt. 1874 an Brunnows Stelle Botschaf-
ter in London. Als im Frühjahr 1878 der Ausbruch
eines russ.-engl. Krieges unvermeidlich fchien, ging
S. nach Petersburg, wo es ihm gelang, den Kaifer
Alexander II. für Erhaltung des Friedens und zum
Verzickt auf die volle Aufrechterhaltung des Ver-
trags von San Stefano zu bestimmen. Darauf war
er russ. Bevollmächtigter beim Berliner Kongreß
(s. d.). Als Anhänger der Vismarckschen Politik
wurde S. im Nov. 1879 von London abberufen. Er
starb 22. März 1889 in Petersburg.
Dee. letztem Bruder, Graf Paul S., geb. 1830,
wurde 1873 Generallicuteuaut und zeichnete sich als
interimistischer Commandeur der 2. Gardeinfanterie-
division 1878 bei Philippopel aus. 1885 wurde er
zum russ. Botschafter in Berlin ernannt und Dez.
l^9i abberufen, um an Stelle Gurkos General-
gouvcrneur von Warschau zu werden.
Schvarcz, Iul., uugar. staatswissenschaftlicher
Sckriststeller, geb. 7. Dez. 1838 zu Stuhlweißen-
burg, studierte zu Pest, Müuchen und Berlin, wirkte
als ungar. Reichstagsabgeordnetcr (1868-79 und
1887 - 94) auf verfassungs- und besonders aus
unterrichtspolit. Gebiete für zeitgemäße und liberale
Reformen. Von 1867 bis 1879 veröffentlichte S.
mehrere Werke über die Reform des europ. und ins-
besondere des uugar. Unterrichtswesens. Später
widmete er sich ganz der staatswissenschaftlichen Lit-
teratur und veröffentlichte zahlreiche histor. - polit.
Studien in den "Abhandlungen der Ungarischen
Akademie", deren Mitglied er seit 1864 ist. Seit
1894 ist er Professor der alten Geschichte an der
Universität Budapest. Seine Hauptwerke sind: das
groß angelegte Buch "Die Demokratie" (Bd. 1 u.
Bd. 2, Abteil. 1, Lpz. 1882-91), "Kritik der Staats-
formcn des Aristoteles" (Hannov. 1890), "Montes-
quieu und die Verantwortlichkeit der Räte des Mon-
archen in England, Aragonien, Ungarn, Sieben-
bürgen und Schweden. 1189-1748" (Lpz. 1892)
und "Elemente der Politik, Versuch eiuer Staats-
lehre auf Grundlage der vergleichenden Staats-
rechtswissenschaft u^ Kulturgeschichte" (Berl. 1895).
- Vgl. Schwicker, Julius S. und feine Schriften
(Budapest und Lpz. 1882); Schrattenthal, H. Taine
uud I. S., eine Parallele (Eisenach 1888).
Ko/t"^., binter lat. naturwissenschaftlichen Namen
Abkürzung für August Friedrich Schweigger,
Arzt, Botaniker, Zoolog, geb. 1783 zu Erlangen,
Juni 1821 bei Camerata auf Sicilien ermordet.
Schwaan, Stadt im Herzogtum Güstrow des
Großberzogtums Mecklenburg-Schwcriu, links an
der Warnow und der Linie Güstrow - Rostock der
Mecklenb. Friedrich-Franz-Bahn, Sitz eines Amts-
gerichts (Landgericht Rostock), hat (1890) 3946 E.,
Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Kirche, Syna-
goge, Bürgerschule, Vorschußvereine, Sparkasse,
Schlachthaus; Ziegeleien, Windmühlen, Sägewerke,
Vieh- und Pferdemärkte.
Schwab, Gust. Benjamin, Dichter, geb. 19. Juni
1792 zu Stuttgart, studierte 1809- -14 m Tübingen
Philosopbie und Theologie, befreundete sich hier mit
Uhland, bereiste im Sommer 1815 Norddeutschland,
wo er namentlich in Berlin durch Fouquci und Franz
>>orn zu dichterischem Schaffen angeregt wurde, war
nack seiner Rücktebr Repetent am theol. Seminar zu
Tübingen, wurde 1817 Professor am obern Gymna-