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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schwaben (Regierungsbezirk)

mehrmals wurden württemb. Grafen mit der Landvogtei Niederschwaben belehnt.

Die kleinern schwäb. reichsunmittelbaren Herren stifteten daher gegen Württemberg den sog. Schleglerbund, der seit 1367 ganz S. in einen blutigen Krieg verwickelte. Auch die Städte traten 1376 wieder in einen Bund, den Schwäbischen Bund, zusammen, der sich bald über die Rheinlande, Bayern und Franken ausdehnte und durch den Zutritt von Fürsten und Rittern 1384 zu Heidelberg sich zur Großen Einung umbildete. In den gleichzeitigen Kriegen Österreichs mit der Schweiz hielt es gewöhnlich der schwäb. Adel mit Österreich, die Städte mit der Schweiz. Auch dies vermehrte die innern Wirren in S. Die Bündnisse wechselten häufig; alle befehdeten einander; jeder Teil klagte den andern des Landfriedensbruchs an, bis durch den Sieg Eberhards Ⅱ. von Württemberg bei Döffingen (1388) die Macht des Schwäbischen Bundes gebrochen und durch den Landfrieden zu Eger (1389) alle städtischen Bündnisse verboten wurden. (Vgl. zur Geschichte des Schwäbischen Städtebundes von 1376 bis 1389 die Arbeiten von Vischer, Vochezer und Lindner in den «Forschungen zur deutschen Geschichte», Bd. 2, 3, 15 u. 19.) Als König Wenzel 1400 abgesetzt wurde, blieben die schwäb. Städte diesem treu und erlangten dadurch viele Befreiungen und Vorrechte. Da sie in ihren neuerworbenen Rechten von dem Gegenkönig Ruprecht verletzt wurden, schlossen Württemberg, Baden und 17 schwäb. Städte 1405 den Marbacher Bund zum Schutze gegen Ruprecht. Kaiser Sigismund, von den Hussiten gedrängt, verlieh und verpfändete für Geld den schwäb. Vasallen wichtige Rechte. Das Unwesen der Befehdungen untereinander hörte auch unter Albrecht Ⅱ. und Friedrich Ⅲ. nicht auf. Die Städte schlossen deshalb 1440 ein neues Bündnis. Dasselbe thaten die Fürsten, worauf jene zu Ulm 1449 einen immerwährenden Kriegsrat und ein stehendes Heer errichteten. Endlich vereinigten sich auf Betreiben des Kaisers 14. Febr. 1488 zu Eßlingen der Erzherzog Sigmund von Österreich, Graf Eberhard Ⅴ. von Württemberg, die St. Georgengesellschaft und 22 schwäb. Reichsstädte, denen später noch mehrere Fürsten und Städte beitraten, um den Landfrieden gemeinschaftlich zu behaupten, zu dem Großen Schwäbischen Bunde, der 12000 Fußknechte und 1200 Reiter aufstellte, sich eine förmliche Verfassung gab, eine richterliche Gewalt anordnete und eine vollziehende Macht einrichtete. (Vgl. Klüpfel, Urkunden zur Geschichte des Schwäbischen Bundes 1488‒1533, 2 Bde., in der «Bibliothek des Litterarischen Vereins», Stuttg. 1846‒53;Schweizer,Vorgeschichte und Gründung des Schwäbischen Bundes, Zür. 1876; Klüpfel, Der Schwäbische Bund, im «Histor. Taschenbuch», Ⅵ. Folge, Bd. 2, Lpz. 1883.) Dadurch ward der Ewige Landfriede (s. d.) vorbereitet, den der Kaiser Maximilian Ⅰ. 1495 zu stande brachte. In demselben Jahre wurde die Grafschaft Württemberg (s. d.) zu einem Herzogtum erhoben und trat damit gewissermaßen an die Stelle des schwäb. Herzogtums. Bei der Kreiseinteilung Deutschlands 1500 wurde S. als Schwäbischer Kreis (s. d.) bezeichnet. Der Große Schwäbische Bund nahm infolge der durch die Reformation herbeigeführten religiösen Spaltung 1533 ein Ende.

Vgl. Schöpflin, Historia Zaringo-Badensis (7 Bde., Karlsr. 1763‒66); Pfister, Pragmatische Geschichte von S. (5 Bde., Heilbr. und Stuttg. 1802‒27); Ch. Fr. Stälin, Wirtemb. Geschichte (4 Bde., Stuttg. 1841‒73); P. Fr. Stälin, Geschichte Württembergs, Bd. 1 (Gotha 1882‒87).

Schwaben oder Schwaben und Neuburg, früher Oberdonaukreis, Regierungsbezirk des Königreichs Bayern, besteht aus dem alten August-, Fahlen-, Iller-, Nibel-, All-, Burg-, Oches- und Alpgau, dem Keltenstein, Ries und Brenz, nach späterer Ordnung aus den ehemaligen Reichsstädten Donauwörth, Kaufbeuren, Kempten, Memmingen, Nördlingen, Lindau und Augsburg, Teilen des Ulmer Gebieten und des Herzogtums Neuburg (der jungen Pfalz), dem Fürstentum Mindelheim, der Markgrafschaft Burgau, dem Hochstift Augsburg und zahlreichen Kloster- und Rittergebieten (Ottobeuren, Roggenburg, Ursberg, Kaisheim u. s. w.) und grenzt im W. an Württemberg und im S. an den Bodensee, an Vorarlberg und Tirol. Der Hauptfluß ist die Donau mit der Wörnitz links, Iller und Lech (nebst Wertach) rechts. Der nördl. Teil ist meist fruchtbare Ebene und welliges Hügelland, unterbrochen von sumpfigen Mooren (Donaumoos) und schattenlosen Flächen (Lechfeld); der südl. Teil bildet das waldreiche Allgäuer Alpengebiet mit Viehzucht (Allgäuer Rinder) und Käsefabrikation. Der Bergbau liefert Steinkohlen, Marmor, Eisen; die Industrie erstreckt sich auf Baumwollspinnerei, Woll- und Leinweberei, Kattundruckerei, Fabrikation von Maschinen, Papier, Glas, Metallwaren und Chemikalien und Brauerei. Hauptstadt ist Augsburg. Der Regierungsbezirk hat 9819,33 qkm und (1890) 668316 (325592 männl., 342724 weibl.) E., 1017 Gemeinden mit 4362 Ortschaften, 115934 Wohngebäude und 144589 Haushaltungen. Der Religion nach waren 567644 Katholiken, 94218 Evangelische und 4323 Israeliten.

Der Regierungsbezirk zerfällt in 11 unmittelbare Städte und 19 Bezirksämter:

Städte und Bezirksämter qkm Wohngebäude Einwohner Einw. auf 1 qkm Evangelische Katholische Israeliten

A. Unmittelbare Städte.

Augsburg 22,00 4721 75629 3436 ^[richtig: 3638] 22178 52186 1128

Dillingen 18,37 719 5775 314 367 5387 19

Donauwörth 3,19 562 3725 1168 410 3310 3

Günzburg 22,42 820 4114 183 202 3908 4

Kaufbeuren 15,88 706 7331 462 1911 5392 12

Kempten 7,25 1248 15760 2174 3600 11662 62

Lindau 0,43 505 5349 12440 2323 2999 18

Memmingen 15,78 1094 9600 608 6381 2969 203

Neuburg a. D. 17,50 832 7507 429 1450 6025 6

Neu-Ulm 20,54 524 7921 386 3324 4504 84

Nördlingen 14,26 1196 8004 561 6215 1308 469

B. Bezirksämter.

Augsburg 635,88 8974 54022 85 3808 50049 127

Dillingen 612,65 8125 37951 62 2293 35640 6

Donauwörth 657,50 6099 31010 47 3476 27448 64

Füssen 500,10 3017 16412 33 163 16236 2

Günzburg 392,13 6331 29307 75 3155 25426 719

Illertissen 299,68 4069 18294 61 309 17857 126

Kaufbeuren 508,57 4447 22370 44 244 22117 7

Kempten 598,53 5777 31008 52 422 30521 –

Krumbach 327,75 5066 22651 69 100 22220 206

Lindau 310,02 4820 25948 84 2313 23583 2

Memmingen 563,96 5882 28922 51 4880 23526 67

Mindelheim 575,40 6434 31315 54 363 30926 10

Neuburg a. D. 644,35 6134 29357 46 1691 27134 4

Neu-Ulm 329,73 4322 20494 62 3604 16873 3

Nördlingen 521,91 6796 31667 61 18078 13114 421

Oberdorf 540,22 4346 22216 41 140 22072 3

Sonthofen 1004,10 5469 30622 30 631 29957 1

Wertingen 317,10 3733 18248 58 104 17772 366

Zusmanshausen 322,10 3166 15787 49 83 15523 181