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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Semioptera Wallacei - Semirjetschensk
Mississippi geführt wurden. Die ihnen dort einge-
räumte Reservation traten sie 1865 der Bundes-
regierung ab und erhielten neue Wohnsitze westlich
von den Maskoki im engern Sinne oder Creek.
Nächst diesen, den Tschachta (Choctaw) und Tsche-
roti, sind sie zur Zeit die verhältnismäßig civilisicr-
testen Indianer. Auf Grund der mit ihnen abge-
schlossenen Verträge (zuletzt 21. März 1866) erhalten
sie ein Jahrgcld von 25000 Doll., 2500 Doll. für
ihre Schulen und 1000 Doll. für ihre Regierung.
1881 zählten sie noch 2667 Seelen.
äsniioptsra. V/'a.iia.osi, s. Paradiesvögel.
Semiötik (grch.), Semiologie oder Phäno-
men ologie, die ärztliche Zeichenlehre, beschäftigt
sich mit der Beobachtung aller am menschlichen
Organismus wahrnehmbaren Erscheinungen und
mit den Schlüssen, die aus diesen auf den jeweiligen
gesunden oder krankhaften Zustand des Menschen
gemacht werden können. Man hat sonach physio -
l o gis ch e Zeichen, die dem Leben in seinem regelmäßi-
gen Gange eigentümlich sind und die also auf die
gesunde Beschaffenheit des betreffenden Organs
schließen lassen, und pathologische Zeichen oder
Symptome (s. d.), die bei totaler oder partieller Er-
krankung des Organismus hervortreten. Die Be-
deutung dieser Zeichen kann teils auf die vergangene
Zeit hinweisen (anamn estische Zeichen), teils auf
den gegenwärtigen Zustand (diagnostische), teils
auf den zu erwartenden Verlauf (prognostische
Zeichen), teils auf das, was der Arzt zu thun und
zu lassen hat (Indikationen). Die S. bildet im Ver-
ein mit der Physik. Nntersuchungsmethode, insbeson-
dere der Auskultation und Perkussion, die Grund-
lage der ärztlichen Diagnostik (s. Diagnose).
Semipalatinsk (spr. ße-). 1) Gebiet im russ.-
centralasiat. Steppen-Generalgouvernement, grenzt
im N. und NO. an die Gouvernements Tobolsk und
Tomsk, im SO. an die Mongolei, im S. an die
Gebiete Semirjetschensk und Syr-darja, im W. an
Akmolinsk und hat 478182 ykm, darunter 16 313,8
^m Seen, mit (1893) 614320 E., d. i. 1,3 auf 1 ykni
(s. die Karte: Russisch-Centralasien und Tür-
ke st an). Die Oberfläche ist zum großen Teil
Steppenland mit Schwarzerde oder Lehm-, Sand-
und salzhaltigem Boden, andernteils Hügel- und
sogar Hochgebirgsland, vom Altai, Tarbagatai,
Tschingistau, Kysyltasch u. a. durchzogen, mit Sil-
ber-, Blei-, Kupfererzen, Graphitu. a. Hauptfluß
ist der Irtysch mit seinen Nebenflüssen. Die Süd-
westgrenze bildet der Tschu. Hauptseen sind an der
Südgrenze der Balchasch und im SO. der Saisan.
Die Sommer pflegen sehr heiß, die Winter sehr kalt
(bis -40° (^.) zu sein. Die Bevölkerung besteht
aus Russen und besonders nomadisierenden Kirgisen
(538051). Hauptbeschäftigung istViehzucht (549645
Pferde, 274230 Stück Hornvieh, 1,66 Mill. Schafe
und Ziegen, 58407 Kamele) und an genügend be-
wässerten und fruchtbaren Stellen Ackerbau: ferner
Fischerei, Jagd, Bergbau, Tauschhandel mit den Kir-
gisen. Das seit 1732 zu Rußland gehörige Gebiet
zerfällt in vier Kreise: Karkaraly, Pawlodar, S., Ust-
Kamenogorsk, und in den Polizeibezirk (priZtavstvo)
Saisan. - 2) Kreis im mittlern Teil des Gebietes
S., durch den Irtysch in einen nördlichen ebenen
und einen südlichen gebirgigen Teil getrennt, hat
79142,6 hkm, darunter 1257,6 ykm Seen, 156185
E., meist Kirgisen. - 3) Hauptstadt des Gebietes
und des Kreises S., rechts am Irtysch, hat (1893)
16889 E., mehrere Schulen, Stadtbank, Handel.
Semipelagianer (d. h. halbe Pelagianer), eine
erstim Mittelalter aufgekommene Bezeichnung für die
Anhänger einertheol.Richtung des 5. Jahrh., die zwi-
schen der strengen Lehre des Augustinus (s. d.) und
den Pelagianern (s. d.) zu vermitteln suchte. Schon
zu Lebzeiten des Augustinus regte sich unVn^mMon'
chen in Afrika und namentlich in Gallien eine Op-
position gegen dessen Ansicht, daß der menschliche
Wille völlig verdorben und zum Guten ganz un-
fähig sei. Diese Opposition, die ebenso sehr die
Notwendigkeit der göttlichen Gnade als die Freiheit
des menschlichen Willens betonte, und deren Haupt
Johs. Cassianus (s. d.), Klostervorsteher zu NaZsilia
(Marseille, weshalb die S. auch NÄ88i1i6ii868 heißen),
war, setzte schließlich auf den Synoden zu Arclate (472)
und Lyon (I^u^äunuiu, 475) die Verdammung des
Presbyters Lucidus, eines eifrigen Anhängers des
Augustinus, durch und nahm ein vom Bischof Fau-
stus von Reji verfaßtes semipelagianisches Glaubens-
bekenntnis an. In Afrika und Italien dagegen
hielt man am Augustinischen Lehrbegriff fest, und
auch in Gallien kam er in gemilderter Form auf der
Synode zu Arausio (529) wieder zum Durchbruch.
Aber der Sieg war doch nur ein äußerlicher; in
Wahrheit wurde in der kath. Kirche der sog. Semi-
pelagianismus immer mehr herrschend. (S.
Erbsünde.) - Vgl. Geffken, Historia. äömipLia.-
ssi^niZini Hnti<iiii88iinii (Gott. 1826); Niggers, Ver-
such einer pragmatischen Darstellung des Augusti-
nismus und Pelagianismus, Tl. 2 (Hamb. 1833).
3snxip1a.ntiFr3.Ha. (lat.), s. Halbsohlengänger.
Semirämis, sagenhafte Königin (ursprünglich
vielleicht Göttin) von Assyrien, nach der pers.-griech.
Legende die Gemahlin des Onnes, eines Feldherrn
des assyr. Königs Ninus, angeblich etwa2000v. Chr.
Nach Diodorus soll S. Ninus bei der Belagerung
von Baktra den Weg angegeben haben, auf welchem
er in die Stadt eindringen könne, und dadurch nach
dem Selbstmorde ihres Gemahls die Hand des Kö-
nigs gewonnen haben. Nach Ninus' Tode übernahm
sie die Regierung für ihren Sohn Ninyas und soll
Afrika bekriegt, Indien angegriffen und in Vabylo-
nien eine Menge Städte erbaut, Straßen und Kanäle
angelegt haben. Auch die hängenden Gärten
Babylons werden ibr zugeschrieben. Nach 42jähriger
Regierung wurde S. von ihrem Sohn Ninyas er-
mordet. - Nach Herodot (1,134) hieß E. c^ch eine
Königin Babyloniens, welche "fünf Generationen
vor Nitokris regierte".
Semirjetschensk (spr. ße>; russ., d. i. Sieben-
stromland), Gebiet im russ.-ccntralasiat. Steppen-
Generalgouvernement, zwischen dem Thian-schan
und dem Balchaschsee, grenzt im N. an das Gebiet
Semipalatinsk, im O. und S. an China (Mongolei
und Ostturkestan), im SW. und W. an die Gebiete
Ferghana und Syr-darja und hat 394395,8 ykin,
darunter 20019,2 <ikiu Seen, mit (1893) 720378 E.,
d. i. 1,8 auf l ykm (s. die Karte: Russisch-Cen-
tralasien und Turkestan). Die Oberfläche ist
im Norden Steppe, bewässert vom Ili, der Lepsa,
dem Ajagus u. a., im Süden gebirgig und waldig.
Die Bevölkerung besteht aus 174830 seßhaften E.
(Russen, Kosaken, Dunganen und Tarantscha) und
545548 Nomaden (139559 Kibitken, Kirgisen und
Kalmücken). Der Boden ist wenig fruchtbar, die
Hauptbeschäftigung Viehzucht (663617 Pferde,
383019 Stück Hornvieh, 4,02 Mill. Ziegen und
Schafe, 99648 Kamele, 2069 Efel und Maulesel,
9354 Schweine). Es giebt (1893) 104 Fabriken mit