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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Senckenberg (Joh. Christian) - Sendschirli
(6 Bde., Franks. 1734-42), "^orpu^uriI feuäa.Ii3
^ei-mHiiici" (Gieß. 1740), "^orpuZ ^'nris Fkrmlmici
znidlici" (2 Bde., Franks. 1760-65), "vs ^ui-6 pri-
inarum precum re^um <F6rmania6" sebd. 1784).
Senckenberg, Joh. Christian, Bruder des vo-
rigen, geb. 28. Febr. 1707 zu Frankfurt, lebte als prak-
tischer Arzt in seiner Vaterstadt und starb 15. Nov.
1772. Er hat sich um dieselbe ein bleibendes Ver-
dienst erworben durch die Begründung des nach ihm
benannten Stists. Es umfaßt ein Vürgerhospital,
mediz. Anstalt, botan. Garten und eine mediz.-natur-
wissenschaftliche Bibliothek. 1817 wurde S. zu
Ehren zu Frankfurt die S e n ck e n b er g s chenatur -
forschende Gesellschaft gestiftet und mit dem
Senckcnbergschen Stift vereinigt, die im Be-
sitz eines ausgezeichneten naturhistor. Museums
ist, das besonders durch Nüppell bereichert wurde.
Sie veranstaltet Vortragscyklen, giebt "Abhand-
lungen" heraus, schreibt Preise aus und veranlaßt
wissenschaftliche Reisen. - Vgl. Kriegk, Die Brü-
der S. Eine biogr. Darstellung (Franks. 1809).
Send, s. Sendgericht.
Sendai, Stadt auf der japan. Insel Nipon, an
der Ostseite, unweit der Küste, an der von Tokio
nach Norden führenden Eisenbahn, hat (1892)
70558 E. und war früher der Sitz eines der größten
Daimio, des Date Mntsu no Kami. S. ist bekannt
durch Lack- und Seidenwaren.
Senden-Bibran, Gustav, Freiherr von, Konter-
admiral, geb. 23. Juli 1847 zu Reisicht (Nicder-
schlcsien), besuchte das Vitzthumsche Gymnasium in
Dresden und trat 1862 in die preusi. Marine ein,
wurde 1867 Unterlieuteuant zur See, war während
des Krieges 1870/71 Kommandant eines der bei
Orleans genommenen Flußkanonenboote, machte
1874-77 Reisen nach China, Japan und der Süd-
see und besuchte später das Mittelmeer und Kon-
stantinopel als Kommandant des Kanonenboots
Komet. Nach einer Reise um die Erde (1881 - 83)
wurde S. in wichtigen Kommandos am Lande ver-
wendet. Nachdem S. 1888 als Panzerschiffskomman-
dant die Reise an die nordischen Höfe mitgemacht
hatte, wurde er 13. Nov. 1888 Flügeladjutant des
Kaisers, später zugleich Chef des Marinekabinetts.
Sendenhorst, Stadt im Kreis Veckum des
preuß. Reg.-Vez. Münster, hat (1890) 1927 meist
tath. E., Post, Telegraph, kath. Kirche, großes
Krankenhaus. ^1005 a).
Sender, s. Elektrische Telegraphen (Bd. 5, S.
Sendgericht, Send oder heilige Send (87-
lioäns), nicht zu verwechseln mit dem Centgericht
<s. Cent), das geistliche Gericht, welches im Mittel-
alter der Bischof für die Angesehenern und hinsicht-
lich schwerer Fälle, für geringe Leute der Archidiakon
periodisch in den zum bischöfl. Sprengel gehörigen
Städten und Dörfern öffentlich abhielt, um alle
Vergehungen wider die Sonntagsfeier und die
Zehn Gebote, Kirchenraub, Ketzerei, Simonie,
Wucher, Fried- und Eidesbruch festzustellen und zu
rügen. Später gelangte die Sendgerichtsdarkeit
ausschließlich in die Hände der Archidiakonen, welche
dadurch eine sehr hohe Machtstellung gewannen.
Sämtliche in den Bezirk gehörige Personen mußten
bei Vermeidung des Bannes vor dem S. erscheinen,
und den deshalb vereidetenSendschoffen siezte
synodales) lag es ob, die dahin gehörigen Übertre-
tungen zur Anzeige zu bringen. Später traten an
Stelle der S. in den roman. Ländern oft die Inqui-
sltionstribllnale. ^S. Inquisition.)
Sendgrafen, Königsboten <lat.mi33i, misgi
äominici), unter den Merowingern im 6. Jahrh, und
dann in der Verfassung des Karolingischen Reichs
Beamte, die vom Könige mit außerordentlichen Auf-
trägen in die Provinzen entsendet wurden. (S. Graf.)
Seit 802 wurde daraus eine regelmäßige Einrich-
tung, indem je ein geistlicher und ein weltlicher
Sendgraf zur Kontrolle der Grafen eines größern
Bezirks (Missatsprengels) bestellt zu werden pflegte.
Sie waren als Vertreter des Königs nur diesem
für ihre Amtshandlungen verantwortlich.
Sendliug (Unter'sendling), südwestl. Vorort
von München (s. d., Stadtplan), seit 1877 mit diesem
vereinigt. Hier erlitten 25. Dez. 1705 die aufständi-
schen Bayern eine Niederlage durch die Österreicher.
- Vgl. Sepp, Der bayr. Bauernkrieg mit den
Schlachten bei S. und Aidenbach (Münch. 1884).
Sendschi, Vorort vonTokio mit(1889) 13115E.
Sendfchirli, kleines Dorf in Nordsyrien, in
einer sumpfigen Ebene zwischen dem Giaur- und
dem Kurd-Dagh und in der Nähe einer großen,
1883 von Hamdy Bey, von Luschan und Puchstein
aufgefundenen Trümmerstätte gelegen, welche die
Form eines flachen Zügels von etwa 20 m Höhe
und unregelmäßig eiförmigen Grundriß hat und
ungefähr 230 in breit und 350 m lang ist. 1888
begannen die Ausgrabungen, zunächst im Auftrage
des Berliner Orientalischen Komitees und unter der
Leitung von Humann, Winter und von Luschan.
Später waren auch der Architekt Koldewey und
Professor Euting beteiligt. Der Schuttkegel von S.
ist als Burgberg (Akropolis) zu betrachten, der von
einer flachen Unterstadt umgeben war; diese war
von einem doppelten Zuge kreisförmiger Ring-
mauern eingeschlossen, deren jede 100 Türme uno
3 Thore hatte. Unter den zahlreich gefundenen Bild-
werken sind die Reliefs des süol. Stadtthors sicher
die ältesten; man hat versucht, sie bis in die myke-
nische Zeit, also bis in die Mitte des zweiten vor-
christl. Jahrtausends zurückzulegen. Nur wenig
jünger ist der Reliefschmuck des Burgthors mit
mächtigen Löwen und Stieren sowie großen Reihen
von andern Reliefs. Ein zweites, inneres Burg-
thor scheint nicht wesentlich jünger zu sein als das
äußere. Es war mit sechs großen Löwen geschmückt,
deren Köpfe schon in Rundskulptur gebildet waren.
Zwei dieser Löwen erwiesen sich als in einem spä-
tern, wahrscheinlich dem 8. Jahrh, überarbeitet, und
vermitteln so die ältesten syr. Kunstanfänge, wie sie
in den Thorreliefs entgegentreten, mit der hochent-
wickelten Kunst, die in S. an den Namen einer ein-
heimischen Dynastie, an das Fürstengeschlecht der
Pannamü geknüpft ist; von Luschan fand drei große
Inschriften, die dem 9. und dem 8. vorchristl.
Jahrhundert und Königen aus diesem Hause an-
gehören. Sie sind in altsemit. Buchstabenschrift,
vielfach an die des Königs Mefa von Moab erin-
nernd. Ein jener Dynastie angehörender Fürst,
Varreküb, ist der Erbauer einer großartigen Prunk-
facade, welche eine Reihe von wichtigen Bildwerken
geliefert bat; unter diesen sind die wichtigsten zwei
große Blöcke mit Neliefdarstellungen des Königs.
Einer noch spätern Zeit, dem 7. Jahrh. v. Chr., ge-
bort eine große Stele an, die von dem assyr. König
Asarhaddon zur Feier seiner Siege über Ägypten er-
richtet worden war. Der alte Name des Landes,
als dessen wohl gleichnamige Hauptstadt S. zu be-
trachten ist, war Schammäl, das "Nordland",' die
Bevölkerung gehörte zu den hech'üern ^. d.). Die