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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Setzregal - Seudre
wird. Der gebrauchte Saß wandert zurück in den
Schmelztiegel der kombinierten Gieß-Setzmaschine,
um umgegossen zu werden.
Die Linotype setzt flache Matern von der Dicke
des betreffenden Schriftzeichens, das vertieft auf der
Maternkante eingeprägt ist, vermittelst Tastenan-
schlags zu einer Maternzeile zusammen, schließt
diese Zeile durch Doppelkeilspatien, die beim Zu-
sammenschieben der beiden keilförmigen Teile sich
verbreitern, selbstthätig aus und gießt davon selbst-
thätig eine Typenzeile ab, d. h. ein Gußstück von
der Länge, Höhe und Kegelstärke einer Zeile, das
die erhabenen Buchstabenbilder auf seiner Oberkante
trägt. Die Matern der abgegossenen Maternzeilen
werden selbstthätig in ihre Behälter abgelegt, um den
Kreislauf von neuem zu beginnen. Die fertigen Guß-
zeilen sammeln sich in einem Schiff.
Abarten der Linotype sind der wesentlich ein-
fachere Typograph der Amerikaner Rogers &
Bright und die Monoline des Amerikaners
Scudder.
Auf anderm Wege als die S., nämlich durch Prä-
gung einer Pappmatrize zum gewöhnlichen Stereo-
typieren, suchen die Matrizenprä gmaschinen
Druckformen herzustellen. Sie unterscheiden sich
von Schreibmaschinen (s. d.) nur dadurch, daß die
Typen durch Stempel ersetzt sind und daß die Buch-
stabenschaltung jeweilig der Breite des geprägten
Zeichens entspricht. Eine Abart sind die Präg-
maschinen mit beweglichen Stempeln, die auf dem
Princip der Linotype beruhen, mit dem Unter-
schiede, daß die zusammengesetzte und ausgeschlos-
sene Stempelzeile nicht abgegossen, sondern ge-
prägt wird. >^S. 661).
Setzregal, Setzfchiff, s. Vuchdruckerkunst (Bd. 3,
Setzschiffer, ein Handelskapitän, der nicht sein
eigenes, sondern das Schiff eines Reeders führt.
Setzsieb, s. Aufbereitung.
Setztartsche, Pafese, Pavese, ein manns-
hoher, meist viereckiger schwerer Schild, mit einer
oder zwei eisernen Spitzen zum Einstoßen in die
Erde. Im Fall eines Angriffs bildeten eine Reihe
Krieger, die dicht nebeneinander ihre S. aufpflanz-
ten, hierdurch eine feste Wand, die mit Spieß, Schwert
oder Streitaxt verteidigt wurde. Die S., zuerst von
den Böhmen in den Hussitenkriegen angewendet,
fanden im 15. Jahrh, allgemeine Verbreitung.
Setzungsrecht, die Befugnis der Mitglieder
einer Reederei (s. d.), wenn sie bei gewissen wichti-
gen Beschlüssen (Antretung einer neuen Reise, Rc-
paratur u. s. w.) in der Minorität geblieben sind,
der Majorität ihrer Genossen "das Schiff zu setzen",
d. h. denselben freizustellen, ob sie das ganze Schiff
zu einem bestimmten Anschlag übernehmen und der
Minorität deren Anteile auszahlen wollen, oder ob
sie der Minorität das ganze Schiff überlassen und
ihrerseits die Anteile ausgezahlt erhalten wollen.
Dieses S., welches im Mittelalter weit verbreitet
war, gilt jetzt innerhalb Deutschlands gesetzlich nur
noch in Mecklenburg-Schwerin; im übrigen Deutsch-
land kann es nur vorkommen, wenn es im Reederei-
vertrage oder nachträglich vereinbart worden ist. -
Vgl. Wagner, Beiträge zum Seerecht (Riga 1880).
Setzwage, das Bleilot der Maurer, s. Lot.
Setzwirtschaft, soviel wie Interimswirtschaft
Setzzeit, foviel wie Schonzeit (s. d.). s(s. d.).
Seuche (I^u68), allgemeine Bezeichnung für weit
ausgebreitete Volkskrankheiten, sowohl Epidemien
(s. d.) als Endemien (s. d.).
Seuchengesetze. Vezüglick der Maßregeln aegen
die Cholera (s. d.), wurde 15. April 1893 eine Über-
einkunft zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-
Ungarn, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg,
Rußland und der Schweiz geschlossen, welcher nach-
träglich auch England beigetreten ist. Die Überein-
kunft (vgl. Deutsches Reichsgesetzblatt von 1894,
S. 343 fg.) verpflichtet jede einzelne Regierung, den
übrigen Regierungen Nachricht zu geben, wenn sich
in ihrem Lande ein Choleraherd gebildet hat, insonder-
heit von dem Orte, der Zeit, der Zahl der klinisch fest-
gestellten Krankheits- und Todesfälle, auch weitere
Mitteilungen über die Entwicklung der Epidemie und
der getroffenen Maßregeln mindestens wöchentlich
folgen zu lassen. Als verseucht wird jeder örtliche
Bezirk angesehen, in welchem das Vorhandensein
eines Choleraherdes amtlich festgestellt ist; als nicht
mehr verseucht wird der Bezirk angeschen, wenn zu-
folge amtlicher Feststellung seit 5 Tagen weder ein
Todesfall noch ein Krankheitsfall vorgekommen ist,
sofern die erforderlichen Desinfektionsmahregeln
ausgeführt sind. Die Schutzmaßregcln treten von da
ab in Wirksamkeit, wo der Ausbruch der Epidemie
amtlich festgestellt ist. Die Schutzmaßregeln sollen
nur für Herkünfte aus verseuchten Bezirken ange-
wendet werden. Von der Einfuhr sind als einzige
Gegenstände, welche Träger des Ansteckungsstoffes
sein können, ausgeschlossen: Leibwäsche, alte und
getragene Kleidungsstücke, gebrauchtes Bettzeug,
Hadern und Lumpen (nicht neue Abfülle und nicht
hydraulifch zufammengepreßte Lumpen, welche in
mit Eisenband verschnürten Ballen im Großhandel
versendet werden), über die Durchfuhr sind beson-
dere Bestimmungen getroffen. Briefe und Korre-
spondenzen, Drucksachen, Bücher, Zeitungen, Ge-
schäftspapiere (ausschließlich der Postpakete) sollen
weder einer Einfuhrbeschränkung noch einer Des-
infektion unterliegen. Vom Reisegepäck sollen in
allen Fällen schmutzige Wüsche, alte und getragene
Kleiderund sonstige Gegenstände, die zum Gepäck
eines Reisenden oder zum Mobiliar eines Umziehen-
den gehören und die aus einem für verseucht erklärten
örtlichen Bezirk stammen, desinfiziert werden. Auch
derartige Waren, ebenso solche Waren, deren Einfuhr
verboten werden kann, dürfen desinfiziert werden.
Die Übereinkunft hat Bestimmungen getroffen über
Maßregeln an den Landesgrenzen (Zurückhaltung
von Personen und deren ärztliche Untersuchung,
Desinfektion von Eisenbahnwagen). Für die Grenz-
bezirke sind besondere Vereinbarungen vorbehalten;
ebenso für die Flußläufe; in diefer Beziehung werden
die 1892 erlassenen deutschen Reglements empfohlen.
Endlich sind Bestimmungen über den Seeverkehr
und Mahregeln betreffs der aus einem verseuchten
Hafen kommenden, die Donau stromaufwärts fahren-
den Schiffe vereinbart. - Wegen der Gesetze, welche
die Viehseuchen betreffen, f. Viehseuchen.
Seuchenhaus, s. Siechenhaus.
Seucheupolizei. Die S. umfaßt diejenigen
Maßregeln, welche beim Ausbruch einer Seuche
zu ergreifen sind, um die weitere Verbreitung
derselben zu verhindern. Dieses geschieht durch Fern-
Haltung ertränkter Personen von gesunden (Absper-
rung), Vernichtung des Ansteckungsstoffs, und bei
Seuchen, die ihren Grund in der lokalen Boden-
beschaffenheit haben, durch Veränderung derselben.
(S. Hygieine, Seuchengesetze und Viehseuchen.)
Seudre (spr. höhdr), 85 km langer Küstenfluß
im franz. Depart. Charente-Infe'rieure, entspringt