Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

898
Seychellennüsse - Seydelmann
Mauritius unterstellt, bedecken 264 hkiu. Sie be-
stehen aus Granit und Granulit und sind von Ko-
rallenrissen umrandet. Mit Ausnahme von zweien
sind sie hoch, bergig und gut bewässert. Das Klima
ist mild. Auch reichen Cyklone nur selten, z. B. 1862,
bis zu den S. Die Temperatur hält sich zwischen
26^ und 27° (^. Vom Mai bis November weht
der Südost-Monsum, vom November bis April der
Südwest-Monsum, welcher Regen, Hitze und. Ge-
witter bringt. Die größte Insel ist Mähe' (117 hkm).
Dieselbe steigt bis zu 280 m auf und besitzt an der
Ostseite einen guten Hafen, Port-Victoria, an
welchem die gleichnamige Hauptstadt liegt. Die (1891)
16 449 E. sind franz. Kreolen, Neger, ind. Kuli und
Chinesen. 13 500 E. sind katholisch. Erzeugnisse des
Plantagenbaues sind vortreffliche Nutz- und Farbe-
hölzer, Baumwolle, Zuckerrohr, Tabak, Reis, Mais,
Maniok, Kaffee, Kakao, Gewürznelken, Bananen
und Geflügel. Die Flora zeichnet sich durch den Besitz
sechs eigener Gattungen von Palmen aus, darunter
besonders die Seekokos (s. I^oäoicsa). Die Fauna
ist keineswegs arm, zwar zählt sie nur ein Säuge-
tier, einen Flederhund (?t6l0pu8 oäuli8 6eqF'.),
aber 12 Landvögel, darunter Tauben, Papageien,
Webervögel, und 11 sind originell. Es finden sich
ziemlich viel Eidechsen, einige auch auf dem afrik.
Kontinent vorkommende Schlangen und zweiVaum-
srösche, von denen der eine eigentümlich ist. Auf
der nördlich von den S. gelegenen Insel Aldabra
finden sich riesige bis 100 k^ schwer werdende
Landschildkröten, die auf den S. selbst ausgerot-
tet sind. Reich ist die Gruppe an meist afrik. oder
madagassischen Insekten und Landmollusken. Auch
das umgebende Meer besitzt eine ausgezeichnete
Fauna, besonders in den Korallenbänken. - Die S.
waren schon den Arabern bekannt, wurden aber erst
1506 von dem Portugiesen Suarez entdeckt. Der
franz. Kapitän Picault gab ihnen 1742 den Namen
Labourdonnave-Inseln. Damals erhielten sie die
ersten sranz. Ansiedler, später, nach dem Marine-
minister H^rault de Se'chelles, ihren gegenwärtigen
Namen. Sie wurden 1794 von einem cngl. Ge-
schwader in Besitz genommen, aber erst 1814 abge-
treten, haben aber franz. Sprache und Sitte noch
bis heute bewahrt. - Vgl. Hartmann, Madagaskar
und die Inseln S. u. s. w. (Lpz. 1886).
Seychellennüsse (spr. hasch-), s. I^äoicsa.
Seyches (spr. hasch), soviel wie Seiches (s.
Genfer See).
Seyda, Stadt im Kreis Schweinitz des preuß.
Reg.-Bez. Merseburg, hat (1890) 1659 evang. E.,
Post, Telegraph und eine Arbeiterkolonie.
Seydel, Max von, Jurist, geb. 7. Sept. 1846
zu Germersheim in der Pfalz, studierte die Rechte
zu München und Würzburg, trat dann in den
Staatsdienst, wurde 1879 in das Ministerium des
Innern berufen und Vorstand des Statistischen
Bureaus, 1881 ord. Professor des allgemeinen,
deutschen und bayr. Staatsrechts in München, nach-
dem er 1873-81 Staats- und Völkerrecht an der
bayr. Kriegsakademie gelehrt hatte. S. schrieb:
"Kommentar zur Verfassungsurkunde für das Deut-
sche Neich" (Würzb. 1873), "Grundzüqc einer allge-
meinen Staatslehre" (ebd. 1873), "Aas Gewerbe-
polizeirecht nach derReichsgewerbcordnung" (Münch.
und Lpz. 1881), "Vayr. Staatsrccht" (Bd. 1 - 7,
Münch., dannFreib. i. Vr. 1884-94), "Das Staats-
recht des Königreichs Bayern", in Marquardsens
und S.s "Handbuch des öffentlichen Rechts der
Gegenwart", III. (2. Aufl., Freib. i. Br. 1894),
"Staatsrechtliche und polit. Abhandlungen" (ebd.
1893), außerdem zahlreiche Arbeiten in den "Anna-
len des Deutschen Reichs", deren Herausgeber mit
G.Hirth er seit 1881 ist, den "VerösseMvchv^^n des
bayr. Statistischen Bureaus" u. s. w. Seit 1881 ist er
auck Mitherausgeber der "Kritischen Vierteljahres-
schrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft",
seit 1895 der "Blätter für administrative Praxis".
Unter dem Pseudonym Max Schlierbach ver-
öffentlichte er "Gedichte" (Berl. 1872), "Neue Ge-
dichte" (ebd. 1880), unter feinem Namen eine Über-
setzung des "Lucretius" (Münch. und Lp',. 1881).
Seydel, Rudolf, Philosoph, geb. 27. Mai 1835
zu Dresden, studierte 1852 - 56 Philologie, dann
Theologie und Philosophie in Leipzig, habilitierte
sich daselbst 1860 für Philosophie, wurde 1867
außerord. Professor und starb 8. Dez. 1892. Seit
den ersten Anfängen des Deutschen Protestanteu-
vereins (1865), dessen engerm Ausschuß er längere
Zeit angehörte, war er an den Bestrebungen für
prot. Freisinn in Lebre und Verfassung der Kirche
beteiligt. Philosophisch schloß er sich an Chr. H.
Weiße (s. d.) an. Von seinen Werken sind her-
vorzuheben: "Schopenhauers philos. System, dar-
gestellt und beurteilt" (Lpz. 1857), "Reden über
Freimaurerei an denkende Nichtmaurer" (anonym,
ebd. 1859; 2. Aufl. 1860), "Der Fortschritt der Me-
taphysik unter den ältesten ion. Philosophen" (ebd.
1861), "Logik oder Wissenschaft vom Wissen" (ebd.
1866), "Die Religion und die Religionen" (ebd.
1872), "Ethik oder Wissenschaft vom Seinsollenden"
(ebd. 1874), "Das Evangelium von Jesu in seinen
Verhältnissen zu Vuddhasage und Vuddhalehre"
(ebd. 1882), "Die Buddhalegende und das Leben
Jesu nach den Evangelien" (ebd. 1884). In den
letztgenannten Werken sucht S. die Anlehnung vieler
Züge in den Evangelien über das Leben Jesu an
die Vuddhalegende auf Grund neuerer buddhist.
Quellen zu erweisen. Eine Anzahl Abhandlungen
erschien gesammelt u. d. T. "Religion und Wissen-
schaft" (Bresl. 1887). Nach feinem Tode erschien:
"ReligionsphilosopdieimUmrift" (Freib. i.Br.1893).
Seydelmann, Karl, Schauspieler, geb. 24. April
1793 zu Glatz in Schlesien, begann seine Lausbahn
als Schauspieler auf den Bühnen zu Vreslau, Grätz
und Olmütz; doch wollte es ihm nicht glücken, sich
Beifall zu erwerben. Erst in Prag (1820) gewann
er allgemeinern Ruf. Er war dann in Cassel, in
Darm'stadt, 1829 in Stuttgart, gab 1831 in Wien
und 1837 in Berlin mit großem Erfolge Gast-
rollen; 1838 nahm er eine lebenslängliche An-
stellung in Berlin an, wo er 17. März 1843 starb.
Seine Kunst war die des scharf berechnenden Ver-
standes. Von Hause aus stellte er seine Gestalten
mit starker Färbung in den schärfsten Umrissen hin
und sübrte sie mit strenger Konsequenz durch. Durch
starke Wirkungen, auf die sein Spiel hinausging,
gewann er das Publikum; durch eine Fülle feiner
und geistreicher Züge beschäftigte er die Kritik, die
in ihm den größten deutschen Schauspieler pries.
S.s Hauptrollen waren Shylock, Ossip, der Ad-
vokat Wellenberger in Ifflands "Advokaten", Iff-
lands "Essighändler", Richard Vrandon in Rellstabs
"Eugen Aram" u. a. - Vgl. Rötscher, S.s Leben
und Wirken (Berl. 1845).
Sein ältester Bruder Franz S., als Komponist
bekannt, geb. 8. Okt. 1748, war ein Schüler Nau-
manns, dem er 1765 nach Italien folgte, wo er sich