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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sicilien (Königreich beider)

rend Karl von Durazzo, deshalb besorgt geworden, dem Rufe Urbans VI. folgte und aus Ungarn heranzog, adoptierte Giovanna 29. Juni 1380 Ludwig I. von Anjou. Karl aber, kräftig unterstützt von Urban, der ihn belehnt hatte, sah sich schon Juli 1381 im Besitz Neapels; die gefangen genommene Giovanna wurde 22. Mai 1382 erdrosselt, Ludwig I. im Kleinkrieg aufgerieben. Allein schon 24. Febr. 1386 ging Karl III. selbst zu Grunde bei dem Versuch, seine Erbfolge nun auch in Ungarn durchzusetzen. Seine Witwe Margarete ließ in Unteritalien ihr Söhnchen Wladislaw zum König ausrufen, während die Provence ganz in die Hände Marias von Blois, der Witwe des 1384 gestorbenen Ludwig I. und Mutter des jungen Ludwig II. geriet. Diese stellte alsbald den endlich aus seiner Gefangenschaft entronnenen Otto von Braunschweig an die Spitze einer Unternehmung gegen Neapel, welche Urban VI. begünstigte, um sich bei dieser Gelegenheit selbst Unteritaliens zu bemächtigen. Urbans Nachfolger Bonifacius IX. unterstützte dagegen Wladislaw, den er 1390 krönte, so daß dieser endlich 1400 Herr von Unteritalien wurde und den mit Glück vorgedrungenen Ludwig II. verdrängen konnte; gegen dessen Anhänger hatte er aber bis zu seinem Tode (1414) immer wieder zu kämpfen, was ihn daran hinderte, seine Macht auch nach Ungarn auszudehnen. In ganz Mittelitalien dagegen gewann er eine beherrschende Stellung und bedrohte ernstlich wieder S. Der Krieg gegen dieses war unter Giovanna I. eingeschlafen; diese hatte schon bei ihrer Flucht vor Ludwig von Ungarn die Aragonier in S. anerkannt. 1377 entsandte Peter IV. von Aragonien seinen zweiten Sohn Martin nach S., um dasselbe wieder mit den span. Ländern zu vereinigen. Dies gelang nicht; dagegen gelang es Martin, dem Sohn des ebengenannten Martin, sich gegen den widerspenstigen Adel zu behaupten bis zu seinem Tode (25. Juli 1409). Er überließ den Thron seiner zweiten Frau Bianca von Navarra; gegen diese Fremde erhoben sich sowohl die einheimischen Adligen als Wladislaw und Ludwig II.; S. aber entschied sich nun für Martins Schwestersohn, Ferdinand, den Sohn Juans von Castilien, welcher auch die Krone von Aragonien erhielt. Auf ihn folgte 1416 Alfons V., der zuerst Febr. 1420 die Insel betrat, um bald auch Neapel zu gewinnen. Hier folgte der kraftvollen Regierung Wladislaws eine wirrenreiche Zeit unter seiner 1414 zum Thron gelangten Schwester Giovanna II. Nach ihrem Tode (1435) stritten sich René von Anjou-Provence, Herzog von Lothringen und Bar, der Brudersohn und Rechtsnachfolger des 1434 gestorbenen Ludwig III., der schon 1420 von jener die Erbfolge zugesichert erhalten hatte, und Alfons V. um Unteritalien. Dieser Krieg endete 2. Juni 1442 mit der Einnahme von Neapel durch Alfons, worauf auch Eugen IV. Frieden mit Alfons schloß (14. Juni 1443).

Unter aragonischer, spanischer und habsburgischer Herrschaft. Alfons V., der talentvollste unter den Beherrschern Neapels seit der Zeit Kaiser Friedrichs II. griff nun von hier aus kräftig ein in die ital. Angelegenheiten. Bei seinem Tode (27. Juni 1458) hinterließ Alfons Aragonien und S. seinem Bruder, Neapel seinem natürlichen Sohne Ferrante, und nun begann unter den unechten Aragoniern nochmals eine bewegte Zeit für Unteritalien. Ferrante erkämpfte 1458-64 sein Reich, das ihm Jean, der Sohn Renés von Anjou-Provence, streitig machte. Die innere Spaltung in Unteritalien erhielt jedoch fortwährend Nahrung durch Ferrantes Teilnahme an fast allen damaligen ital. Kriegen. Auf Ferrante I. folgte Jan. 1494 Alfons II., der alsbald angesichts des überraschend schnellen Vordringens Karls VIII. zu Gunsten seines Sohnes Ferrandino abdankte. Dieser sah sich aber durch den Ausbruch wüster Unruhen in Neapel bereits 20./21. Febr. 1495 zur Flucht nach der Insel Procida genötigt; doch die schweren Mißgriffe Karls VIII. gegen den einheimischen Adel ermöglichten Ferrandino, nach Karls Rückzug sein Reich wiederzugewinnen. Auf Ferrandino folgte 7. Okt. 1496 der letzte und beste der Aragonier, Federigo von Altamura, Ferrantes I. jüngerer Sohn. Verraten von Spanien, das insgeheim mit Frankreich 11. Nov. 1500 die Teilung Neapels vereinbart hatte, und von Spaniens Feldherrn Gonsalvo de Cordova, dem er sich anvertraut hatte, mußte Federigo 3. Aug. 1501 Neapel verlassen. Er starb 9. Okt. 1504 zu Tours; sein Stamm erlosch 1550.

Das franz.-span. Bündnis war aber von kurzer Dauer; die Franzosen mußten im Frieden von Segovia 1505 auf Unteritalien zu Gunsten Spaniens verzichten. Gegen angiovinische Ansprüche, die 1528 nochmals erhoben wurden von seiten des Grafen Vaudemont aus dem Hause Lothringen, verteidigte Unteritalien Charles de Lanoi; anfangs erfolgreich, erlag der franz. General Lautrec mit seinem Heere einer Seuche bei der Belagerung von Neapel, und nachdem Clemens VII. Neapel im Frieden von Barcelona (29. Juni 1529) Karl V. zuerkannt hatte, sah sich auch Frankreich zum Verzicht auf dasselbe im Damenfrieden von Cambray 5. Aug. 1529 gezwungen. Seitdem erschienen zwar die Franzosen noch mehrmals mit ihrer Flotte vor Neapel, es blieb aber mehr als zwei Jahrhunderte im Besitz der Spanier unter Vicekönigen. Eine innere Geschichte von Belang besitzt Unteritalien während der span. Herrschaft nicht. Außer der Erhebung von 1547 gegen die Inquisition und der von 1647, welche die Bedrückung durch Steuern hervorrief (s. Masaniello), ist der mißglückte Versuch des Vicekönigs Herzogs von Osuna (s. d.) hervorzuheben, welcher sich 1620 zum unabhängigen Herrn von Unteritalien machen wollte. Der Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges gab in Neapel das Zeichen zur Erhebung, da man hier fürchtete, unter Philipp V., wie bisher, als ferne span. Provinz weiter zu verkümmern. Doch endete die Verschwörung, welche 1701 von Gaëtano Gambacorta und dem Sanseverinen Carlo di Sangro in Unteritalien angezettelt worden war und welche darauf zielte, das Land an die österr. Habsburger zu bringen, mit der Verjagung und Hinrichtung der Führer, deren Aufruf unter den Massen keinen Widerhall gefunden hatte.

Die Siege der Österreicher in Oberitalien (Herbst 1706) ermöglichten aber dem Grafen Daun, das Land 1707 doch den Habsburgern zu unterwerfen; auch der Papst mußte, zuletzt selbst bedroht, diese Wendung anerkennen, welche im Frieden von Utrecht (1713) und dem von Rastatt und Baden (1714) bestätigt wurde. S. wies der Friede von Utrecht Victor Amadeus II. (s. d.) von Savoyen als Königreich zu. Der Versuch, die ital. Nebenländer für Spanien wiederzugewinnen, den Philipp V., welcher sich in diesen Friedensschlüssen mit Österreich nicht verständigt hatte, 1718 auf Antrieb Alberonis machte, scheiterte an dem Widerstand der Quadrupelallianz und hatte nur zur Folge, daß auch S., wieder mit