Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

942
Sidon - Sieb
burgh, Cambr. 1891, und von Flügel, s. unten).
1582 kehrte S. wieder an den Hof zurück. Unter
seinem Oheim, dem Grafen von Leicester, focht er
tapfer gegen die Spanier, wurde aber 22. Sept. 1586
im Gefecht bei Zütphen tödlich verwundet und starb
7. Okt. 1586 zu Arnhcim. Seine "^rcaäia" fand
trotz ihrer trostlosen Langeweile großen Beifall und
erlebte in 20 Jahren acht Auflagen; in stilistischer
Hinsicht hat sie um so mehr Bedeutung, als seine
Zeitgenossen und nächsten Nachfolger sich danach
bildeten. Als Dichter ist S. unbedeutend; am wert-
vollsten sind die Sonette. Seine "(^ompleto ^orics"
erschienen in drei Bänden (Lond. 1725); "Niscsi-
1an60u8 ^0i-1(3" gab William Gray (Orf. 1829; neue
Ausg., mit Biographie, Lond. 1893), "^N6 coiupikto
P06IN8 0k 8ir?Iii1ip 8." Grosart (3 Bde., Lond. 1877)
heraus. - Vgl. Zouch, Neinoii-Z ok tks lite ^nä
^vi-itin^g ok 8ii' I'liilip 8. (Lond. 1808); Vourne,
N6M0ir ok 3ir?1ii1ip 8. (ebd. 1802; neue Ausg.,
ebd.189y; Lloyd, I^iks 0k8ii-?IiNi9 8. (1862); Sy-
monds, 8ii-?1ii1iii 8. (Lond. 1887); Flügel, Sir
Philip S.s ^8ti'0pli6i imä 8to11ii und Dekence ok
P06316, nebst S.s Leben (Halle a. S. 1889); Bourne,
8ir riiilip 3. (Lond. 1891).
Sidon, die älteste und neben Tyrus wichtigste
Stadt Phöniziens, in einer schmalen Ebene am
Mittelmeer, 33° 34' nördl. Br., etwas östlickcr als
das heutige Ea'ida (s. d.), war schon zu Homers
Zeit wegen ibrer Kunstarbeiten berühmt und wurde
die Mutterstadt vieler phöniz. Anlagen in und außer
dem Lande, namentlich auch von Tyrus (s. d.). Die
Stadt blieb von großer Bedeutung, bis Tyrus seine
Übermacht geltend zu machen wußte. Vor 722
v. Chr. ergab sich E. dem assyr. König Salmanasfar.
Später kam es an das babylon. Reich, hatte aber
während dieser, wie während der asfyr. und pers.
Herrfchaft eigene Unterkönige. In der perf. Zeit
war es sogar wieder mächtiger als Tyrus. Im
4. Jahrh. v. Cbr. stand S. an der Spitze einer Em-
pörung gegen Artaxcrxes III., aber es wurde um
348 durch deu eigenen König an die Perser verraten
und danach von den Einwohnern selbst angezündet;
40 000 Menscken sollen dabei umgekommen sein.
Wiederhergestellt, unterwarf sich S. 333 v. Chr.
Alexander d. Gr. und erhielt von diesem einen neuen
König. Nach Alexanders Tode kam es zuerst an die
ägypt., dann an die svr. Könige und siel zuletzt den
Römern zu. Doch blieb S. auch in der christl. Zeit
noch eine bedeutende Stadt; es war der Sitz eines
Bischofs. 1111 wurde S. durch König Balduin I.
der Mohammed. Herrschaft entrissen, aber 1187 von
Saladin wiedcrgenommen. Später mehrmals zer-
stört und wieder aufgebaut, war S. in: 17. und
18. Jahrh, längere Zeit ein bedeutender Punkt für
den franz. Handel, der erst von Dschezzar Pascha
1791 vernichtet wurde. Besonders wichtig war im
Altertum S.s Handel mit Purpurfärbereien, Bern-
stein und Glas, dessen Erfindung der Stadt zuge-
schrieben wird. Schon 1855 wurde eins der be-
deutendsten Monumente, der mit phöniz. Inschrift
verfehene Sarkophag des Königs Esmunazar (jetzt
im Louvre in Paris), gefunden, was 1860 die Er-
pedition nach Syrien unter Renan (s. d.) veran-
laßte. Im Frühjahr 1887 hat man dazu 18 sido-
nische Fürstensarkophage (darunter den des Tabnit,
Vater des Esmuuazar) entdeckt. Inschriften fehlen,
aber die aus Kalkstein, weißem oder schwarzem
Marmor gemeißelten Sarkophage selbst (jetzt im
Museum in Konstantinopel) besitzen einen hohen
künstlerischen Wert wegen der Hochreliefs, die sie
schmücken; zum Teil ist sogar die Vemalung erhalten.
Die meisten gehören dem 4. Jahrh. v. Chr. an; die
schönsten sind der sog. Alexandersarkophag, der Sar-
kophag der klagenden Frauen (s. die Textsigur beim
Artikel Sarkophag) und der Satrapen) aiiv'phag. -
Vgl. Hamdi Bey und Th. Reinach, Ilne nLcropoIs
ro^l6 ü. 8. (Par. 1892-93). (S. Phönizien.)
Sidonienorden, königlich sächs. Frauenorden,
vom König Johann 14. März 1871 für Verdienste
auf dem Gebiete der freiwillig helfenden Liebe im
Krieg oder Frieden in einer Klasse gestiftet, benannt
nach Sidonie, der Stammmutter der Albertinischen
Linie des Haufes Sachfen. Ordenszeichen ist ein
achtspitziges weißemailliertes Kreuz, desfen rundes
Mittelschild mit acht goldenen Rautenblättern be-
setzt ist und innerhalb blauer Einfassung mit der
goldenen Umschrift "Sidonia" auf weißem Felde
das Bildnis der Herzogin Sidonie in Gold zeigt.
Das Kreuz hängt an gekrönter, goldeingefaßter
blauer Agraffe mit der Chiffre 3 und wird an vio-
lettem, beiderseits von weiß-grünen Streifen einge-
faßtem Bande getragen.^
Sidomus Apollinaris, eigentlich Casus
Sollius Apollinaris Modestus Sidonius,
christl. Schriftsteller, geb. etwa 430 zu Lyon, stammte
aus angesehener Familie, stieg in der Folge als
Schwiegersohn des Kaisers Avitus sowie durch seine
rednerischen und dichterischen Anlagen begünstig:
zu den höchsten Würden in Rom, zog sich aber plötz-
lich aus dem öffentlichen Leben zurück und wurde
472 Bischof von Clermont. Er starb um 487. Seine
24 Gedichte wie seine neun Bücher Briefe leiden an
einer geschmacklosen Überfüllung von Bildern; da-
gegen sind die Briefe wegen ihres geschichtlichen und
kulturgeschichtlichen Inhalts wichtig. Ausgaben
veranstalteten Sirmond (Par. 1614; 2. Aufl. 1652),
Varet (ebd. 1879), Lütjohann (in den "^lonumenta.
(^eriuaniHk kiLtorica.; au^ore" HQtiHiii83iNi", Bd.
8, Verl. 1888) und Mohr (Lpz. 1895). - Vgl. Kauf-
mann, Die Werke des S. A. (Gott. 1864); Caix,
8aint-8iäoin6 ^poiiin^ii-s 6t 8on 8iöci6 (2 Bde.,
Clermont 1867 - 68); Cbütelain, Nwcls 8ur 8. ^.
(Par. 1875); Vüdinger, S. A. als Politiker (Wien
1881); Max Müller, vs ^Miina^ 3iäonii lati-
nitiit6 (Halle 1888).
Sidra (hebr., "Ordnung"), auch Parascha,Pa-
rasche ("Abschnitt"), der für die sabbatlichen Vor-
lesungen in der Synagoge bestimmte Teil des Pen-,
tateuchs. Nach dem jetzt bei den Juden üblichen
Brauche, das genannte Buch in einem Jahre durch-
zulesen, zerfällt es in 54 Seiten, die, in den Aus-
gaben durch den Druck hervorgehoben, zuweilen in
einem Register am Ende zusammengestellt werden.
Wo der Pentateuch in einem Cyklus von 3 oder
3^/2 Jahren erledigt wurde, hatte man (der Masora
entsprechend) 154 oder 175 Seiten. (S. Haphtara.)
Sidra, Golf von, die große Syrte (f. Syrten).
31 üno la.oiunt iÄeiu .. ., f. Duo ^uum la
Sie, Anrede, s. Duzen. ^ciunt iäem-----
Sieb, ein Gerät zur Scheidung körniger Mate-
rialien nacb der Korngröße oder auch zum Durch-
seihen von Flüssigkeiten; es besteht teils aus Geweben
und Geflechten, teils aus gelochten Vlcchtafeln. Zu
den gewebten S. gehören diejenigen aus Beuteltuch
ls. d.), aus Roßhaargcwebe (s. d.), aus Drahtgewebe
(s. d.) und aus Holzgewebe (s. d.). Vlechsiebe werden
mittels der Lochstanze oder Ausschermaschine her-
gestellt. Bei den für technische Zwecke angewendeten