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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sieb. - Siebenbürgen
mechan. Siebwerken unterscheidet man Plansiebe und rotierende Trommelsiebe. Das Plansieb besteht aus einem ebenen, beweglich und geneigt aufgehängten Nahmen mit Siebboden, über welchem ein oben offener Kasten (Schuh) mit einer nach der Siebfläche zu gerichteten, durch einen Schieber regulierbaren Öffnung angebracht ist. Das E. ist unter einem Winkel gegen den.Horizont aufgehängt, der kleiner ist als der Reibungswinkel, so daß, wenn das S. eine rüttelnde Bewegung (mittels einer kleinen Kurbel oder eines Daumenrädchens) erhält, das Material allmählich in den Schuh, dann durch die Öffnung desselben auf das S. gelangt und über letzterm unter beständiger hüpfender Bewegung fortgleitet, wobei diejenigen Teile, welche kleiner als die Sieböffnungen sind, hindurchfallen. Um ein längeres Verweilen des Sichteguts auf dem Plansieb zu erzielen und dadurch eine bessere Ausnutzung der Siebfläche zu bewirken, hat neuerdings Haggenmacher dasselbe wagrecht aufgehängt, mit partiell ausgeführten Querleisten und mit einer kreisförmigen Schiebungsbewegung in horizontaler Ebene ausgestattet. Die Trommelsiebe bestehen aus einem um eine geneigte Achse liegenden Trommelgerippe, das mit einer cylindrischen Siebfläche überzogen ist. Bei der Drehung der Achse wird das oben eingeschüttete Material vermöge der Reibung auf eine gewisse Höhe angehoben, um in einer Vertikalebene auf eine tiefer gelegene Stelle des Cylinders zu fallen, so daß es fortwährend unter Abscheidung der feinern Teile (des Durchfalls) das S. in seiner Längenrichtung durchläuft. - Näheres über einige Siebkonstruktionen s. Aufbereitung, Mühlenbeutelmaschinen.
Sieb., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Franz Wilhelm Sieber, geb. 1785 zu Prag, gest. 1844 im Irrenhause daselbst; er hatte zahlreiche botan. Reisen teils selbst ausgeführt, teils unter seiner Leitung ausführen lassen, und infolgedessen standen ihm bedeutende Sammlungen zur Verfügung. S. auch v. Sieb. und Siebold.
Siebbein, s. Riechbein.
Sieben, eine im hohen Altertum bei den Ägyptern, Hebräern und Griechen heilige Zahl. In der Siebenzahl erscheinen z. B. die Planeten, die Wochentage, das Sabbatjahr (s. Sabbat) der Juden; später die Sakramente der kath. Kirche, die Tugenden wie die Todsünden, die Freuden wie die Schmerzen Maria, die Freien Künste (s. d.).
Siebenbürgen, ungar. Erdély, rumän. Ardealu, lat. Transsilvania, Großfürstentum, hat seit der durch königl. Reskript vom 17. Febr. 1807 erfolgten Vereinigung mit Ungarn seine Selbständigkeit verloren. Es grenzt im N. an Ungarn, im Ö. an die Bukowina und Moldau, im S. an die Walachei, im W. an Ungarn und hat einen Flächenraum von 55731,16 qkm. (S. die Karte: Ungarn und Galizien, beim Artikel Ungarn.)
Oberflächengestaltung, Gewässer, Klima. Durch die Siebenbürgischen Karpaten (s. Karpaten, Bd. 10, S. 186 b) ringsum eingeschlossen und von deren Ausläufern im Innern durchzogen, erscheint S. als eine natürliche Bergfestung. Das Innere ist die Siebenburger Heide oder Mezöseg (s. d.). Gegen W. (nach Ungarn zu) öffnen sich die Thäler der Szamos, Körös und Maros sowie der "Királyhágó" oder "Königsteig". Ebenen finden sich fast nur längs der Flüsse; sie liegen 140-443 m hoch.
Alle Hauptflüsse entspringen fast mitten im Lande. Die Aluta flieht gegen Süden nach der Walachei in die Donau, die Maros mit Groß- und Klein-Kokel, Aranyos und Streel und der Körös gegen W. und die Szamos gegen N. nach Ungarn in die Theiß; alle drei sind schiffbar. Die Bistritza und mehrere andere kleine Gewässer gehen durch die Bukowina oder die Moldau in den Sereth. Der Giulu (Schyl) und der Bodza (Buzeu), die in S. entspringen, verlassen das Land bald, um in Rumänien in die Donau zu fallen. S. ist sehr fruchtbar und reich an Produkten und Mineralquellen.
Das Klima ist mild und gesund, die Vegetation, außer in den Gebirgsgegenden, üppig.
Bevölkerung. S. hatte 1880: 2084048, 1890: 2251210 E., d. i. 40 E. auf 1 qkm und eine Zunahme 1881-90 von 0,78 Proz. Der Nationalität nach waren 1276890 (56,72 Proz.) Rumänen, 697945 (31 Proz.) Magyaren, 217670 (9,07 Proz.) Deutsche, 1880 Slowaken, 604 Serben und Kroaten und 351 Ruthenen; dem Religionsbekenntnis nach 694890 (30,87 Proz.) Griechisch-Orientalische, 633570 (28,14 Proz.) Griechisch-Katholische, 328064 (14,57 Proz.) Evangelisch-Reformierte, 284808 (12,65 Proz.) Römisch-Katholische, 208758 (9,27 Proz.) Evangelische augsburgischen Bekenntnisses, 59287 Unitarier, 39148 Israeliten und 2691 Armenisch-Katholische. Zu den Magyaren gehören auch die Szekler; die Deutschen sind meist sog. Sachsen, welche 1143 vom König Geysall. zur Kultur und Verteidigung des Landes aus den Rheingegenden eingeführt wurden und besondere Privilegien erhielten. Ungarn, Szekler und Sachsen waren bis 1848 die herrschenden, sog. recipierten Nationen mit verschiedenen Vorrechten; gegenwärtig sind alle Volksstämme gleichberechtigt. Die Sachsen sind die fleißigsten und gebildetsten Bewohner des Landes. Ihre Ortschaften und Häuser haben regelmäßige Anlage; überall zeigt sich bei ihnen Wohlstand und Einfachheit der Sitten. Ihre Schriftsprache ist die hochdeutsche; ihre Mundarten aber nähern sich dem Niederdeutschen. Im allgemeinen bekennt sich die magyar. Bevölkerung zur röm.-kath., reform. und unitarischen, die deutsche vorzugsweise zur luth., die rumänische zur griech.-kath. und griech.-orient. Kirche. Die GriechischOrientalischen stehen unter dem Erzbischof (Metropolit) in Hermannstadt, die Römisch-Katholischen unter dem Bischof von Karlsburg, die Griechisch-Katholischen unter dem Erzbischof von Fogaras (Sitz in Blasendorf) und dem Bischof in Szamos-Ujvär, die Evangelischen Augsburger Konfession unter dem Landeskonsistorium (und Bischof) in Hermannstadt, die Evangelisch-Reformierten unter dem Diöcesan-Generalkonvent (und Bischof) in Klausenburg, die Unitarier unter Synode und Oberkonsistorium in Klausenburg. An Wohnorten giebt es 2 königl. Freistädte, 20 Städte mit geordnetem Magistrat, 215 Groß- und 2130 Klein-Gemeinden und 1052 Puszten und Ansiedelungen. Die größern Städte sind Klausenburg, Kronstadt, Hermannstadt und Maros-Vásárhely. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug (1891) 90138, der Eheschließungen 19565, der Sterbefälle 65918.
Land- und Forstwirtschaft. Trotz der großen Fruchtbarkeit ist das Land keineswegs seinem Flächeninhalt und seiner Ertragsfähigkeit gemäß angebaut, doch sind Land- und Forstwirtschaft die Hauptnahrungsquellen. Von der gesamten Bodenfläche (5763003 ha) waren 1525 604 ha Äcker, 87740 Gärten, 888 392 Neiden, 781405 Wiesen, 3390 Rohrgebiet, 26104 Weingärten, 2224607 Waldungen