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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Silber (Verwendung)

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Silber

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Silber (Gewinnung)'

ren. Die Konzentration des S. im Werkblei erfolgt entweder durch das Pattinsonieren (s. d.), wobei ein fast silberleeres Verkaufsblei und silberreicheres (1,5 Proz. S.) Werkblei (Reichblei) entsteht, oder durch den in neuerer Zeit mehr zur Geltung kommenden Zinkentsilberungsprozeß (Parkesieren, Parkprozeß), der auf der Eigenschaft des Zinks, sich leicht mit S., aber fast garnicht mit Blei zu legieren, beruht und bei dem man durch Zusammenschmelzen von Werkblei mit einer dem Silbergehalt entsprechenden Menge Zink eine sehr silberreiche Legierung von Zink und S. erhält, die beim Erkalten an der Oberfläche des noch flüssigen, fast völlig silberfreien Bleies als Schaum oder Kuchen abgehoben werden kann. Das Zink wird dann vom S. durch Destillation geschieden, oder man oxydiert das Zink mittels überhitzter Wasserdämpfe. Neuerdings wird das S. und Zink auf elektrolytischem Wege verarbeitet. Das Abtreiben des Werkbleies ist ein oxydierendes Schmelzen in Flammöfen. Die letztern, speciell Treibherde genannt (Fig. 3 im Schnitt, Fig. 5 in äußerer Ansicht), arbeiten mit Gebläseluft. In Fig. 3 ist F die Feuerung; der Herd A ist mit einer Haube B bedeckt, die durch einen Hebel C abgehoben werden kann; aa sind die Einmündungen für die Gebläseluft; die Öffnung D dient zum Eintragen des Werkbleies und zum Schüren. Das entstehende flüssige Bleioxyd (Bleiglätte) wird durch Ablaufenlassen vom Bleibade entfernt und die Glättebildung so lange fortgesetzt, bis alles Blei oxydiert und nur noch S. auf dem Herde ist. Das Verschwinden der letzten Bleispuren und das Erstarren des kurz vorher noch flüssigen S. wird das Blicken genannt und das mehr oder weniger noch unreine S. als Blicksilber bezeichnet. Dieses Blicksilber enthält neben etwa 90–95 Proz. S. Blei und Kupfer und bedarf, um zu Feinsilber zu werden, einer Raffination, das sog. Feinbrennen. Dies geschieht, entsprechend der Feinprobe (s. d.), durch oxydierendes Schmelzen, wodurch die fremden Metalle verschlackt und von der porösen Herdmasse aufgesogen werden; das in dem schalenförmig vertieften Herde zurückbleibende Feinsilber wird mit eisernen Kellen in eiserne Schalen ausgegossen (Fig. 6). Auf trocknem Wege wurde früher dem silberhaltigen Schwarzkupfer (s. Kupfer) das S. durch die Operation des Saigerns (s. d.) entzogen. Man schmolz Kupfer mit Blei zusammen und ließ das hierbei entstandene leicht schmelzbare silberhaltige Blei beim langsamen Erkalten der Schmelze von dem schneller erstarrenden bleihaltigen Kupfer ablaufen (absaigern). Das Raffinieren des S. geschieht auch auf elektrolytischem Wege. Hängt man plattenförmiges S. als Anode in eine Lösung von Salpetersäure, so wird es davon aufgenommen und schlägt sich auf der Kathode nieder, während Gold, Antimon u.s.w. an der Anode in Beuteln aufgefangen werden. (S. auch Elektrometallurgie.)

Unter den Prozessen der Silbergewinnung auf nassem Wege nahm früher die Amalgamation (s. d.) die erste Stelle ein. Dieselbe ist auch bei sehr silberarmen Erzen und Hüttenprodukten (z. B. den Abbränden der Pyrite) anwendbar, sie gestattet ein sehr rasches Silberausbringen, verlangt aber reine, geschwefelte, möglichst blei-, arsen- und antimonfreie Erze, wenn Silber- und Quecksilberverluste nicht zu hoch werden sollen. Zum Amalgamieren dient die Amalgamierpfanne (Fig. 4). Sie besteht aus einer feststehenden Schüssel mit konischem Boden; über ↔ demselben dreht sich der ebenfalls konische sog. Läufer, der an seiner Unterseite Vorsprünge (sog. Schuhe) trägt, die das Amalgamiergut durcheinander reiben. Bei der Beschickung hebt man durch das obere Handrad den Läufer, läßt Wasser in die Pfanne und schüttet das Erzmehl hinein. Darauf läßt man Dampf hinzutreten; dann wird der Läufer in Gang gesetzt und allmählich nieder geschraubt, wodurch das Erzmehl zu einem feinen Brei zerrührt wird; alsdann wird das durch ein Tuch gepreßte fein zerteilte Quecksilber hinzugefügt. Fig. 7 zeigt einen Amalgamationshof in Mexiko (s. Amalgamation). An Stelle des Amalgamationsprozesses ist in neuerer Zeit vielfach der sog. Extraktionsprozeß getreten, der darauf beruht, daß man S. in Lösung bringt und aus der Lösung wieder abscheidet. Hierauf gründet sich zunächst das Verfahren von Augustin, die sog. Kochsalzlaugerei. Danach wird der aus den Sulfiden des Kupfers, S. und Eisens bestehende Kupferstein (s. Kupfer) einer oxydierenden und chlorierenden Röstung unterworfen und das hierbei gebildete Chlorsilber mit einer konzentrierten Kochsalzlösung ausgelaugt. Aus der Flüssigkeit scheidet man durch metallisches Kupfer das S. und aus der sich bildenden kupferhaltigen Lauge das Kupfer durch Eisen ab. Bei dem Verfahren von Ziervogel, der Wasserlaugerei, wird durch oxydierendes Rösten das S. des Kupfersteins oder der silberhaltigen Kiese in Silbersulfat umgewandelt und dieses dann durch angesäuertes heißes Wasser ausgelaugt. Die Lauge wird dann weiter in der oben angegebenen Weise verarbeitet. Bei der Laugerei mit unterschwefligsauren Salzen werden die mit Kochsalz gerösteten Gold- und Silbererze mit Calcium oder Natriumthiosulfat oder, wenn das S. an Arsen oder Antimon gebunden ist, mit Natriumkupferthiofulfat ausgelaugt und das gelöste S. mit Schwefelnatrium oder -Calcium als Schwefelsilber gefällt. Beim Cyanidverfahren oder Mac Arthur-Forrestprozeß können Gold und S. durch Behandlung ihrer Erze mit einer verdünnten Cyankaliumlösung in lösliches Cyanid übergeführt und durch Zink als Metalle ausgeschieden werden.

Geringe Spuren von S. (und Gold) lassen sich aus den bei der Darstellung von schwefliger Säure entstehenden Schwefelkiesabbränden dadurch gewinnen, daß man diese nach einer vorhergegangenen chlorierenden Röstung mit Wasser auslaugt und aus der erhaltenen Lösung das S. mit Jodzink niederschlägt (Claudets Verfahren). Gestützt auf die Beobachtung, daß aus einer silberhaltigen Kupferlösung Schwefelwasserstoff zuerst den größten Teil des S. fällt, kann man aus dieser Lauge statt durch Jodzink das S. auch durch eine teilweise Fällung mit Schwefelwasserstoff abscheiden (Gibbs Verfahren). Im Gegensatz zu den bisher erwähnten Extraktionsmethoden steht die Säurelaugerei, die zur Gewinnung von S. aus Kupferstein oder Schwarzkupfer angewendet wird. Kupfer geht dabei durch Schwefelsäure unter Mitwirkung von Luft in Lösung, während das S. und Gold im Rückstand verbleibt. Derselbe wird mit bleihaltigen Zuschlägen auf Reichblei verschmolzen.

IV. Verwendung. Außer als Münzmetall dient das S. besonders zu Schmuck- und Luxusgeräten aller Art (s. Goldschmiedekunst und Silberwaren). Dieselben sind entweder massiv oder durch Versilberung (s. d.) nur mit einem Überzug von S. versehen. Zum Überziehen von Gegenständen aus Holz, Leder,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 976.