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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sklaverei
hob, oder eine durch öffentliche Erklärung gewährte, die das Recht der Freizügigkeit verlieh, jedoch den Freigelassenen einem Schutzherrn, meist dem bisherigen Herrn, überwies. Freigelassene waren durch Wergeld geschützt und konnten Eigentum für ihre Lebensdauer erwerben. Die volle Freiheit wurde erst durch die Freilassung durch den König erlangt. Mit der Eroberung Galliens mußte die große Menge der hier seit der Römerzeit gehaltenen Sklaven dem german. Staatsleben eingeordnet werden; besonders aber seit Beginn der Slawenkriege wuchs die Zahl der Unfreien außerordentlich, und es entstand ein schwunghafter Handel mit slaw. Gefangenen nach Frankreich, England, Italien, selbst bis Konstantinopel. (Das Wort Sklave = Slawe ging in alle europ. Sprachen über, engl. slave; frz. esclave; span. esclavo; ital. schiavo.) Mit dem Seßhaftwerden der Stämme nach der Völkerwanderung hatte der Begriff der Nation sich auf Unfreie und Freigelassene zu erweitern begonnen. In der Merowingerzeit erhielten die Sklaven eine beschränkte Rechts- und Vermögensfreiheit, seit dem 6. Jahrh. wurde ihnen das Wergeld zugestanden. Aus ihrerZahl hoben sich langsam heraus die Zinsbauern (Liten, Lassen), die mehr und mehr als unzertrennlich von der Hufe, auf der sie angesiedelt waren, galten, und die im persönlichen Dienste weltlicher und geistlicher Herren stehenden Knechte (pueri, ministeriales), die häufig die Schranken ihres Standes durchbrachen (s. Ministerialen). An die Klasse der Zinsbauern, mit der die der niedern Unfreien allmählich verschmolz, knüpft sich die Entwicklung zur Leibeigenschaft (s. d.), die im 13. Jahrh. abgeschlossen erscheint. Seitdem tritt nur der eine Stand der Unfreien, die eigenen Leute, in mittelalterlichen Rechtsquellen entgegen.
In England hatte unter der röm. Verwaltung die S. nach röm. Art bestanden. Bei der Besitznahme des Landes durch die Angelsachsen wurde die brit. Bevölkerung unfrei, und der größere Teil der Besiegten baute für die Überwinder das Land. Doch war die Lage dieser Unterworfenen nicht drückend und ihr Los weit weniger hart als das der Haussklaven, die man erhandelte. Schon in den ersten Jahrhunderten der normann. Epoche ging die S. in England in die Leibeigenschaft über. Die S. in Frankreich wurde nach der röm. Zeit durch Sklavenkauf wie durch Verwendung Kriegsgefangener als Sklaven unterhalten. Der große Sklavenmarkt von Frankreich war Lyon; hier trafen die Sklaven aus dem Osten Deutschlands mit den aus Spanien fortgeführten Mauren zusammen. Am Anfange des 12. Jahrh. setzte Ludwig VI. im Machtreiche der Krone Erleichterungen der drückenden Knechtschaft durch, und der erstarkenden Königsgewalt gelang es, der S. enge Grenzen zu ziehen. In Italien war Rom der Mittelpunkt des Menschenhandels geblieben, von wo aus die Venetianer Christensklaven nach dem Orient verhandelten, und wohin die Spanier die Kriegsgefangenen und im Seeraub erbeuteten maur. Sklaven zuführten. Während gegen Schluß des 13. Jahrh. S. und Sklavenhandel im christl. Europa zu Ende ging, blieb beides auf der Pyrenäischen Halbinsel noch lange in Gebrauch. In den über ein halbes Jahrtausend andauernden Kämpfen zwischen Christen und Mauren pflegten beide Parteien ihre Gefangenen zu Sklaven zu machen und bei dem tiefen Gegensatz der Rasse und Religion mit Härte zu behandeln. Der Überfluß an maur. Sklaven war bei den Spaniern so groß, daß sie Jahrhunderte hindurch die Sklavenmärkte des südl. und westl. Europas versorgen konnten. Noch zu Anfang des 16. Jahrh. waren in Spanien und Portugal Tausende von Mauren Sklaven.
Seit der Besitznahme der Westküste von Afrika durch die Portugiesen und der Entdeckung von Amerika bemächtigten sich die abendländ. Nationen des Negersklavenhandels, und in dem Zeitraume des Beginns der modernen Civilisation bildete sich mit der Überführung von Negersklaven in europ. Kolonien ein neues System der S. heraus, das mit der Kolonialwirtschaft eng verwuchs und lange umkämpft erst in unserm Jahrhundert beseitigt werden konnte. Der Negerhandel reicht bis in die frühesten Zeiten zurück. Der Verkauf geraubter oder ertauschter Sklaven aus dem Innern Afrikas besonders nach Vorderasien hin war eine von alters her bestehende Einrichtung des afrik. Völkerlebens. Seit 1480 begannen die Portugiesen von der Küste von Guinea aus Negersklaven auszuführen; sie verwendeten sie mit Vorteil in den neu begründeten Zuckerpflanzungen der Inseln Fernando Po, Principe, Annobon und besonders St. Thomas. Seit 1506 schickten die Spanier Negersklaven in ihre amerik. Kolonien, nachdem sich herausgestellt hatte, daß die Eingeborenen den ihnen auferlegten Arbeiten nicht gewachsen waren. Die eingeführten Neger erwiesen sich als sehr brauchbar; 1511 erlaubte die Handelskammer zu Sevilla ihre direkte Einfuhr in die span. Kolonien, und 1517 wurde auf Betreiben des menschenfreundlichen Las Casas, des Beschützers und Apostels der Indianer, durch Karl V. die Verwendung der Eingeborenen in den Kolonien verboten und die Negereinfuhr als Privilegium dem Marquis de de la Bresa auf acht Jahre übertragen. Er verkaufte das Vorrecht an die Genueser, doch gelang es den Portugiesen noch vor Ablauf dieser Frist, sich der Negereinfuhr nach Amerika zu bemächtigen. Seit 1562 nahmen auch die Engländer an diesem Handel teil, und im Utrechter Frieden 1713 wirkten sie sich das Recht aus, auf 30 Jahre 144000 Negersklaven in die span. Kolonien einzuführen. Auch Frankreich wandte sich unter Ludwig XIII. dem Negerhandel zu und gründete zu dem Zwecke Niederlassungen an der afrik. Westküste. Der franz. Sklavenhandel wurde bedeutend, als der Englands durch den Krieg gegen die nordamerik. Kolonien lahmgelegt war. Spanien, das den Sklavenhandel den Fremden überließ, gab ihn 1784 gänzlich frei.
Die folgenreichste der Entwicklungen, die aus der Negereinfuhr hervorgingen, wurde diejenige in den engl. Kolonien Nordamerikas. Hier entstand und befestigte sich die S. mit der Kultur der Baumwolle in erster Linie, dann des Zuckers und des Reis; sie wuchs mit der Bedeutung, die diese Produkte im wirtschaftlichen Leben der Südstaaten gewannen. 1620 landeten die ersten Sklaven in Jamestown (Virginien), 1621 wurde die erste Baumwolle in Amerika gebaut. 1620-1740 sind nach Bancroft 130000, 1740-76 300000, nach Carey im ganzen 333000 Sklaven in die 13 Kolonien eingeführt. Der Widerstand, den die S. in den nördl. Staaten, deren wirtschaftliche Verhältnisse die freie Arbeit verlangten, von Anfang an fand, konnte ihre wachsende Ausbreitung nicht hindern. Seit 1727 waren es vornehmlich die Quäker, die diesen Widerstand thatkräftig vertraten; sie verboten unter sich den Sklavenhandel, entließen 1751 ihre Neger und stifteten 1774 die Pennsylvanische Gesellschaft, die eine erfolgreiche