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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Slowenen
Österreich-Ungarn, Bd. 12, S. 718.) Ihre Zahl
beträgt etwa 2 Mill. Sie brachten es, nachdem die
Versuche Ludwigs des Deutschen, sie in festere Ab-
hängigkeit zu bringen, mißlungen waren, im 9. Jahrh,
in Verbindung mit den Mährern, namentlich unter
den Fürsten Nastnlaw und Swatopluk, zu einer kräf-
tigen polit. Entwicklung, dem sog. Großmährischen
Neiche, das durch den Einbruch der Magyaren in
der Schlacht bei Preßburg 907 vernichtet wurde.
Von den S. gehört das kleinere Drittel dem Pro-
testantismus, die übrigen der kath. Kirche an. -
Die Litteratur des slowak. Dialekts ist, abgesehen
von geringen Anfängen im Mittelalter, neuen Da-
tums. Vom 16. Jahrb. an herrschte infolge der von
Böhmen gebrachten Reformation das C;echische im
engern Sinne (Böhmische) als Schriftsprache; am
Ende des 18. Jahrh, begannen kath. Schriftsteller
eine eigene Litteratur im westslowak. Dialekt, nament-
lich unter der Leitung von Ant. Bernoläk; seit den
vierziger Jahren des 19. Jahrb. herrscht der von
dem Protestanten Ludevit Ktur und seiner Schule
zur Schriftsprache erhobene einbeimische Central-
dialekt vor. In neuester Zeit leidet die slowak. Lit-
teratur unter der gewaltsamen Unterdrückung durch
die Magyaren. Trotzdem weist sie eine Neibc von
guten Belletristen und populären Schriftstellern auf.
- Von Bearbeitungen der Sprache sind zu
nennen: A. Bernoläk, "(^i^iuinktica. 8iavicg." (Preßb.
1790; deutsch Ofen 1817); ders., "I^xicon Liavi-
Oum doksmico - latino - Fsrinaiiico - Iiui^^ricuiu "
(6 Tle., Ofen 1825-27); M. Hattala, "^ramma-
tick IiiiAug.6 8l<)v^nic9.6" ((^chemnch 1650); ders.,
"N1uvnicüM55)'1(:5 8i0V6Q8k6Q0" (Pcst 1864); I. Vic-
torin, "Grammatik der slowak. Sprache" (4. Aufl.,
Budapest 1878). - Die Zahl der Schriftsteller
ist beträchtlich; aus älterer Zeit sind erwähnenswert
Matth. Bei (gest. 1749), Dan. Krman (aest. 1740),
Paul Dolezal, Daniel Horcicka, Steph. LeZka (gest.
1818), der erste Herausgeber einer slowak. Zeitung,
Georg Palkovic (gest. 1850), Tablic u. a. Alle
diese schrieben übrigens czechisch. Unter den Schrift-
stellern in slowak. Sprache sind hervorzuheben:
A. Bernoläk, der beliebte Dichter I. Holly, Lud.
"Ktür, Slädkovic, ein bedeutendes lyrisches Talent,
die beiden Chalüpka, besonders Samuel, ein glück-
licher Balladendichter, Zello, Kuzmany, Ios. Hur-
ban, Hodza, Kalincäk, ein interessanter volkstüm-
licher Novellist, Kral, vielleicht der originellste slowak.
Dichter, Zäborskh, Pauliny-Toth, Nadlinskh, P.
DobZinskh, P. Kellner (Hostinskh); von den jüngern
besonders der Lyriker Hviezdoslav und dieNovellisten
Vajansky (Svetozar Hurban) und Kukucin. Von der
slowak. Volkspoesie sind Sammlungen erschienen
in Pest (2 Bde., 1823-27, von safarik). in Ofen
(von Kollär, 2 Bde., 1834 u. 1835), von der slowak.
Matica "sdoriiik 8^0v^n8^cli nkroäiiicii pi68ni"
(2 Hefte, 1870 - 74) in Turocz St. Martin, und
ebendort die noch nicht vollständige, seit 1880 von
einigen Freunden des einheimischen Liedes heraus-
gegebene SaMMluNg "8i0V6N8^6 8P6V)^".
Slowenen (in der neuesten Zeit nach 31ov6nci,
Singular 31ov6ii6c, gebildeter Name, der die bistor.
Bezeichnungen Winden, Wenden verdrängt
hat), der südwestlichste slaw. Volksstamm, der die
südl. Drittel von Kärnten und Steiermark, ganz
Krain (mit Ausnahme der deutschen Sprachinsel
Gottschee), Görz (Gradisca ist furlanifch), das Ter-
ritorium von Trieft und das nördl. Istrien be-
wohnt; nach Ungarn reicht eine weite Sprachzunge
von Nadkersburg an der Mur bis nach St. Gotthard,
nach Italien eine solche ins Resiathal von Cividale.
Eine ideelle Sprachgrenze bildet gegen die Deutschen
eine von Hermagor im Gailthal über Villach bis nach
Radkersburg gehende Linie, gegen die Italiener eine
ungefähre Linie von Capodistria über Monfalconc.
Cividale nach Taruis. (S. die Ethnographische
Karte von Österreich-Ungarn, Bd.12,S.718.)
Die Gesamtzahl der S. betrügt etwa 1^ Mil!.,' sic
gehören der kath. Kirche an, nur in Ungarn giebt
es vier prot. Pfarren und einzelne Gemeinden um
Arnoldstein in Kärnthen. - Die slowenische
Sprache, zu den sog. südslaw. Sprachen gehörig,
zerfällt in viele Dialekte und nähert sich gegen Osten
immer mehr der kroatisch-serbischen; sprachwissen,
schaftlich wird sogar der Dialekt der drei westl. Komi-
tate von Kroatien (Provinzial-Kroatien) zum Slo-
wenischen gerechnet. Die Schriftsprache gründet sich
auf keinen bestimmten Dialekt, doch war sowohl im
16. wie im 19. Jahrh, der Einfluß der Schriftsteller
und Grammatiker des Ostens überwiegend, was die
slowen. Schriftfprache der kroat.-serb. Litteratur-
sprache sehr nahe gebracht hat. Bei den ungarischen
S. hat sich noch eine Sonderlitteratur für kirchliche
Zwecke erhalten. Die S. gebrauchen das lat. Al-
phahet. Wissenschaftliche Vearbeitungender
Sprache sind: Kopitar, "Grammatik der slaw.
Sprache in Krain, Kärnten und Steiermark" (Laibach
1808); Mclelko, "Lehrgebäude der slaw. Sprache"
(ebd. 1825), und Miklosich in seiner "Vergleichenden
Grammatik der slaw. Sprachen"; auf dieser fußt
Zuman, "81.0V6N8KH 8iovnicH" (Laibach 1881); für
praktische und Schulzwecke: Ianezic, "81ov6U8kk
3ioviiica" in neuen Ausgaben von Sket (die letztc
Klagenf. 1894); Lehrbücher: Sket, "Slowen. Sprach-
und Übungsbuch" (ebd. 1893); Lendovsek, "Slowen.
Elementarbuch" (Wien 1890), nach der empirifch-
analytischen Methode; Pecnik, "Praktisches Lehrbuch
der slowen. Sprache für den Selbstunterricht" (in
Hartlebens "Kunst der Polyglottie", Bd. 31, ebd.
1891). Wörterbücher: Ianezic, slowenisch-deutsch,
bearbeitet von Hubad (3. Aufl., Klagenf. 1893),
deutsch-slowenisch, bearbeitet von Bartel (3. Aufl.,
ebd. 1887); von dem großen Wolffchen Wörterbuch
ist der deutsch-slowen. Teil (2 Bde., Laibach 1860)
teilweise veraltet, der slowen. - deutsche Teil von
Pletersnik erst im Erscheinen (ebd. 1893 fg.).
Slowenische Litteratur. Das ältesteSprach-
denkmal sind die aus einer öffentlichen Beichte, einer
Homilie und einem Beichtgebet bestehenden, auf
deutsckcn Vorbildern beruhenden "Freisinger Denk-
mäler", erhalten in einer Handschrift des 10. Jahrh,
(aufgefunden 1807 in oer Münchener Bibliothek, hg.
von Kopitar im "Ki^olita Oio^ianuZ", 1836); sie
sind überhaupt das älteste Denkmal der lehenden
slaw. Sprachen, aber nicht frei vom kirchenflaw.
Einfluß. Dann wurde die Volksfprache lange nicht
gepflegt. Erst das 15. Jahrh, hat wieder Sprach-
denkmäler aufzuweifen. Die eigentliche Begrün-
dung der slowen. Schriftsprache und Litteratur ist
ein Verdienst der Reformation. Primus Trüber (1508
-86) und seine Mitarbeiter fanden eine starke Stütze
nicht nur an den einheimischen Ständen, sondern auch
in Württemberg beim Herzog Christoph, dessen Kanz-
ler Michael Tiffernus ein Slowene war. Der erfts
Katechismus von Trüber erschien 1550 in Tübingen
(nur dieser und das Abecadarium von 1555 mit deut-
schen Lettern); es folgten die einzelnen Bücher der
Heiligen Schrift, Postillen, Gesangbücher und ähn-