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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sonnenbäder - Sonnenfinsternis

mannsstande und gründete dann 1856 in Gemeinschaft mit andern die "Frankfurter Handelszeitung" (später "Frankfurter Zeitung", s. d.). 1859 beteiligte er sich an der Gründung des Nationalvereins, schied aus demselben aber bald wieder aus und schloß sich der föderalistischen Richtung der süddeutschen Demokratie an. Im Sinn dieser Partei bekämpfte er lebhaft die preuß. Politik in seiner Zeitung, die infolgedessen 1866 nach der Besetzung Frankfurts unterdrückt wurde, aber nach Aufhebung des Kriegszustandes wieder erschien. 1867 wurde S. alleiniger Eigentümer des Blattes. Für Frankfurt gehörte S. 1871-77 und 1878-84 dem Reichstag als Mitglied der Deutschen Volkspartei an. Er war ein Gegner des Kulturkampfes, trat aber mehr auf wirtschaftlichem Gebiet hervor, besonders bei der Ordnung des Münzwesens, bei Schaffung der Reichsbank und Regelung des Notenwesens. In Frankfurt ist S. seit 1868 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, dessen stellvertretender Vorsitzender er mit kurzer Unterbrechung seit 1885 ist. 1891 war er Präsident der Internationalen Elektrischen Ausstellung in Frankfurt. Seit 1885 giebt S. noch eine zweite Zeitung, das illustrierte polit. Volksblatt "Kleine Presse" heraus.

Sonnenbäder, s. Bad.

Sonnenbahn, s. Ekliptik.

Sonnenbalz, s. Balzen.

Sonnenbär, s. Bär (Raubtier).

Sonnenblume, s. Helianthus.

Sonnenblumenkuchen, die Preßrückstände aus den Samen der Sonnenblumen (s. Helianthus). Die S. werden in neuerer Zeit hauptsächlich aus Südrußland nach Deutschland in ansehnlichen Mengen eingeführt und enthalten etwa 27,9 Proz. Protein, 8,1 Proz. Fett, 21 Proz. stickstofffreie Extraktstoffe und 4,1 Proz. Rohfaser im verdaulichen Zustand. Fütterungsversuche an Milchkühen sind mit ihnen angestellt und bekannt geworden, doch lassen sich aus ihnen maßgebende, besonders günstige oder besonders ungünstige Resultate nicht entnehmen.

Sonnenblumenöl, das fette Öl der Samenkerne der Sonnenblume (s. Helianthus). Es ist hellgelb, schmeckt milde, trocknet langsam, hat ein spec. Gewicht von 0,926, wird schon bei mittlerer Temperatur trübe, erstarrt aber erst bei -16° C.; es findet Verwendung als Speiseöl.

Sonnenblumenrost, s. Puccinia.

Sonnenbrand, s. Hautkrankheiten (der Haustiere).

Sonnenbronze, s. Legierungen (Bd. 17).

Sonnenburg, Stadt im Kreis Oststernberg des preuß. Reg.-Bez. Frankfurt, an der Lenze und am südl. Rande des Warthebruchs, an der Kleinbahn nach Cüstrin (14,5 km), Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Frankfurt a. O.), hat (1895) 5848 E., darunter 83 Katholiken und 15 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, schönes Kriegerdenkmal, ein Schloß, 1514-1811 Sitz des Herrenmeistertums des Johanniterordens, mit Ordenskirche, in der noch jetzt alle zwei Jahre der Ritterschlag an den neuen Johanniterrittern durch den Herrenmeister Prinzen Albrecht von Preußen vollzogen wird, ferner ein vom Johanniterorden erbautes und erhaltenes Krankenhaus, eine königl. Strafanstalt, Stadtsparkasse; Fabriken für Neusilber, Cigarren, Plüsch, Teppiche, Filzschuhe, Luxuspapier, Blechwaren, Reißbrettstifte und Bilderrahmen, Seidenweberei, Dampfsägewerk, Brauereien, Ziegelei, Fischerei sowie starken Heuhandel.

Sonnencyklus, s. Sonnenzirkel.

Sonnendarre, s. Samendarre.

Sonnenfackeln, s. Sonne.

Sonnenfels, Jos. von, Schriftsteller, geb. 1733 zu Nikolsburg in Mähren, Sohn des jüd. Gelehrten Lipmann Perlin, der zwischen 1735-41 Christ ward und dabei den Namen Aloys Wiener annahm, 1746 von Maria Theresia als "von Sonnenfels" geadelt wurde. Joseph von S., gleichzeitig mit dem Vater getauft, besuchte die Piaristenschule in Nikolsburg, dann in Wien, war 1749-54 Soldat, setzte dann in Wien seine Studien in der Rechtswissenschaft und im Hebräischen fort und wurde dem Vater als Dolmetscher des Hebräischen bei der niederösterr. Regierung beigegeben. 1761 wurde er Rechnungsführer bei der österr. Arcierengarde, 1763 Professor der Staatswissenschaften an der Universität zu Wien. Durch seine Schrift "Über Abschaffung der Tortur" (Zür. 1775; Nürnb. 1782) bewirkte S., daß in den österr. Staaten die Folter abgeschafft wurde. In seiner Wochenschrift "Der Mann ohne Vorurteil" (1765-67, 1769 und 1775) eiferte er im Sinne der Aufklärung heftig gegen gesellschaftliche und litterar. Mißstände. Trotz der Bemühungen seiner Feinde, ihn als Religionsspötter und Majestätsverbrecher zu stürzen, wurde er von Maria Theresia zum Rat, 1779 zum Wirkl. Hofrat der österr. Hofkanzlei und zum Beisitzer der Studien- und Censurkommission, 1811 zum Präsidenten der k. k. Akademie der bildenden Künste ernannt. Er starb 25. April 1817. Er hat im peinlichen Rechte, in der Polizei und im Finanzwesen manche Verbesserungen durchsetzen helfen. Durch seine "Briefe über die Wienerische Schaubühne" (4 Bde., Wien 1768; neu hg. von Sauer, ebd. 1884) und durch andere dramaturgische Arbeiten reformierte er die Bühne in Österreich, die vorher der Hanswurst beherrscht hatte. Ein reicher oder bedeutender Geist war S. durchaus nicht; aber seine glatte Korrektheit und Vernünftigkeit entsprach dem Geiste der Josephinischen Aufklärung. Seine "Gesammelten Schriften" erschienen in 10 Bänden (Wien 1783-87). - Vgl. Wilib. Müller, Joseph von S. (Wien 1882); F. Kopetzky, Joseph und Franz von S. (ebd. 1882); R. von Görner, Der Hanswurst-Streit in Wien und Jos. von S. (ebd. 1884); Simson, S. und seine Grundsätze der Polizei (Berl. 1885).

Sonnenferne, s. Perihel.

Sonnenfinsternis, diejenige Erscheinung, welche entsteht, wenn der Mond derartig zwischen Erde und Sonne tritt, daß dadurch die Sonne ganz oder zum Teil bedeckt, mithin einem Teil der Erde das Sonnenlicht ganz oder teilweise entzogen wird. S. sind nur möglich, wenn zur Zeit des Neumondes der Mond auch im Knoten seiner Bahn steht, da nur dann Sonne, Mond und Erde sich in der nämlichen geraden Linie befinden. Infolge ihrer Beleuchtung durch die Sonne S (s. umstehende Figur) wird hinter der an sich dunkeln Mondkugel M ein Kernschatten K und ein Halbschatten HH erzeugt; der Kernschatten ist völlig dunkel, der Halbschatten wird vom Kernschatten an nach und nach heller. Die Punkte der Erde E, welche vom Kernschatten getroffen werden, sehen die S. als totale, d. h. ihnen erscheint die ganze Sonnenscheibe verfinstert; für die im Halbschatten liegenden ist die S. eine teilweise oder partielle, d. h. die helle Sonnenscheibe wird von der dunkeln Mondscheibe nur zum Teil verdeckt. Da infolge der