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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Spiegel

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Spiegel (zum Desenberg, Graf von) - Spiegel (Friedr. von)

Kaleidoskop (s. d.), zum Leiten des Lichts um Ecken, zur Erhellung dunkler Lokale mittels des reflektierten Lichts u. s. w. Große, durchsichtige, schief gestellte, unbelegte Spiegelgläser erzeugen vermöge ihrer glänzenden Oberfläche Spiegelbilder, die man nach dem Spiegelgesetze hinter dem Glase neben Gegenständen wahrnimmt, die man durch das unbelegte Glas direkt sieht. Dies führt zu optischen Täuschungen, worauf die Bühnenspiegel der Neuzeit (Pepper 1860) für theatralische Gespenstererscheinungen beruhen. Zu den S. mit gekrümmter Oberfläche gehören die Cylinder-, Kegel-, Paraboloid-, Ellipsoid- und sphärischen oder Kugelspiegel, welche letztere wieder Konvexspiegel oder Konkavspiegel (Hohlspiegel) sein können. Von ihnen finden aber nur die Hohlspiegel (s. d.) Anwendung.

Glastafeln aus Spiegelglas (s. d.) können zur Herstellung von S. auf drei Wegen mit reflektierenden Metallschichten versehen werden: durch Belegen mit Zinnamalgam, durch Belegen mit Silber nach dem Liebigschen Verfahren und durch Einbrennen einer dünnen Platinschicht (s. Glanzgold). Es scheint, daß das alte Verfahren (Belegen mit Zinnamalgam) allmählich durch das neuere Verfahren ganz verdrängt werden soll; die Gesellschaft St. Gobain in Frankreich, die auf dem Gebiet der Spiegelfabrikation eine hervorragende Stellung einnimmt, erzeugt gegenwärtig nur noch Silberspiegel. Diese werfen nämlich weißes Licht mit rötlichen Strahlen zurück, während im Quecksilberspiegel weißes Licht einen grünlichen Schein erhält, weshalb eine Person, im Silberspiegel betrachtet, eine frischere, dagegen im Quecksilberspiegel betrachtet, eine bleichere Gesichtsfarbe zeigt als in Wirklichkeit. Daher ist der schmeichelnde Silberspiegel nach und nach beliebter geworden. Auch ist die Herstellung der Quecksilberspiegel wegen der Giftigkeit der Quecksilberdämpfe der Gesundheit der Arbeiter im höchsten Grade schädlich, die Herstellung der Silberspiegel dagegen nicht. Platinspiegel haben nur untergeordnete Bedeutung.

Zur Herstellung der mit Zinnamalgam belegten S. breitet man auf einer vollkommen ebenen, horizontal liegenden Steinplatte Zinnfolie (Stanniol) glatt aus, übergießt sie wiederholt mit Quecksilber, das man jedesmal mittels eines Filzbausches verreibt, bis dasselbe eine 2-3 mm hohe Schicht bildet, und schiebt hierauf die geschliffene, gut gereinigte Glasplatte derart über das Quecksilber, daß der Rand der erstern stets in das letztere eintaucht. Alsdann beschwert man die Tafel mit Gewichten, um das überschüssige Quecksilber auszupressen, giebt der Steinplatte eine mehr und mehr geneigte Lage, hebt nach etwa 24 Stunden den S. ab und stellt ihn auf die Kante, damit das überschüssige Quecksilber abfließt. Nach 8-20 Tagen ist der S. fertig.

Zur Herstellung der Silberspiegel übergießt man das sorgfältig gereinigte Glas mit einer alkalische Reduktionsmittel enthaltenden Silbernitratlösung; nach kurzem Stehen in der Kälte scheidet sich erst ein rötlicher oder schwarzer Niederschlag, dann ein glänzender Spiegel von metallischem Silber festhaftend am Glase ab. Als Reduktionsmittel dienen Traubenzucker und Natronlauge oder Weinsäure und Ammoniak.

Über Celluloidspiegel s. Celluloid, Bd. 17.

Die Planspiegel zu astron. und physik. Zwecken sind entweder Metallspiegel aus Spiegelmetall (s. d.) oder Glasspiegel, aber mit geschwärzter Rückseite oder versilberter Vorderseite.

Man gebrauchte im Altertum neben Metallspiegeln auch S. aus einem schwarzen obsidianähnlichen Gestein. Wenn man nach Plinius in Sidon ersonnen hatte, S. aus Glas zu machen, so waren diese höchst wahrscheinlich nur Nachahmungen jener Obsidianspiegel. Glasspiegel werden in keiner Schrift des Altertums erwähnt, auch nirgends vorgefunden. Erst seit dem 16. Jahrh. werden die alten Nürnberger Glasspiegel erwähnt. In dem nämlichen Jahrhundert ist aber auch schon die Anfertigung von mit Zinnamalgam belegten Glastafeln in Venedig im Gange. Von Venedig ging die Kunst zunächst nach Böhmen und Bayern (Nürnberg) und später (1665) unter Colbert nach Frankreich über. Damals wurden die S. ausschließlich aus geblasenem Glas hergestellt. Erst 1688 gelang es Louis Lucas de Néhou in Paris, gegossene Glastafeln herzustellen.

Für die Herstellung und Ausfuhr von S. sind Belgien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland (Rheinprovinz) am bedeutendsten. Die Ausfuhr Frankreichs, das wohl am meisten S. produziert, aber auch den größten Bedarf hat, ist geringer als die Deutschlands (1896: 2,3 Mill. M.).

In der Baukunst ist S. eine glatte umrahmte Fläche, z. B. an einem Quader, Gewölbe, daher auch Spiegelgewölbe (s. Gewölbe).

In übertragener Bedeutung jede glänzende oder auch nur glatte Fläche ohne den Begriff des Zurückwerfens der Lichtstrahlen, z. B. Wasserspiegel, der S. des Meers, an Gesteinen (s. Harnisch); ferner die glänzenden Flecken an Pfauenfedern, Schmetterlingen und andern Tieren, der weiße Fleck am After des Rehs; ferner der Mittelpunkt einer Scheibe (s. d.); die Treibscheibe der Spiegelgranaten (s. d.); die Hinterfläche eines Schiffs über Wasser (s. Heck). Endlich ist S. auch noch der Titel verschiedener Werke, besonders pädagogischen und moralischen Inhalts, in denen Beispiele aus dem Leben als Muster oder zur Warnung aufgestellt sind, z. B. Tugendspiegel, Jugendspiegel, Glaubensspiegel, Fürstenspiegel u. s. w.; auch für Sammlungen von Rechtsgewohnheiten und Gesetzen, z. B. Sachsenspiegel (s. d.), Schwabenspiegel (s. d.).

Spiegel zum Desenberg, Ferdinand August Maria Joseph Anton, Graf von, Erzbischof von Köln, geb. 25. Dez. 1764 auf Schloß Canstein in Westfalen, wurde 1782 Domherr zu Münster, 1790 Dompräbendarius zu Osnabrück, 1792 zu Hildesheim, 1799 Domdechant in Münster. Nachdem er 1813 von Napoleon zum Bischof von Münster ernannt, vom Papst aber nicht bestätigt war, wurde er 20. Dez. 1824 zum Erzbischof von Köln gewählt und 11. Juni 1825 konsekriert. S. war ein Freund und Förderer der hermesianischen Theologie (s. Hermes); um die Hebung der Bildung des Klerus und des kirchlichen Lebens seiner Diöcese, wie um das friedliche Verhältnis der Konfessionen erwarb er sich große Verdienste. Über die Frage der gemischten Ehen schloß er mit der preuß. Regierung 19. Juni 1834 eine geheime Konvention ab, wonach er auf das Versprechen der Erziehung sämtlicher Kinder in der kath. Religion verzichtete; die nach seinem Tode (2. Aug. 1835) erfolgte Aufhebung dieser Übereinkunft rief den Kölner Kirchenstreit hervor. - Vgl. Nippold, Die vertrauten Briefe des Erzbischofs S. von Köln (Barm. 1889).

Spiegel, Friedr. von, Orientalist, geb. 11. Juli 1820 in Kitzingen bei Würzburg, studierte in Erlangen, Leipzig und Bonn orient. Sprachen. Die J. 1842-47 brachte er größtenteils im Auslande,