Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

204

Sprocke - Spruner

weit in die Rachenhöhle hereinragenden Kehlkopf anlegt. Die Wale entleeren durch denselben kein Wasser, es ist vielmehr die von Wasserdampf gesättigte erwärmte ausgeatmete Luft, die bei kälterer Temperatur als eine weit sichtbare Dampfsäule emporsteigt. Dieser Akt, den man das Blasen nennt, vollzieht sich mit hörbarer Gewalt.

Sprocke, s. Köcherjungfern.

Sprödglaserz, Schwarzgültigerz, Stephanit oder Melanglanz, eins der reichsten Silbererze, krystallisiert rhombisch, aber in Kombinationen, die hexagonalen Formen ähneln (wie stark abgestumpften hexagonalen Pyramiden, dicken sechsseitigen Tafeln), ist eisenschwarz bis schwärzlich bleigrau, milde, von der Härte 2-2,5 und dem spec. Gewicht 6,2. Chemisch ist das S. Ag5SbS4, was sich deuten läßt als 5 Ag2S + Sb2S3 und einer Zusammensetzung von 68,5 Proz. Silber, 15,2 Antimon und 16,3 Schwefel entspricht; doch wird oft ein Teil Silber durch etwas Eisen und Kupfer, ein Teil des Antimons durch Arsen ersetzt. Es findet sich auf den Erzgängen von Freiberg, Schneeberg, Annaberg, Johanngeorgenstadt, Joachimsthal und Přibram in Böhmen, Andreasberg im Harz, Schemnitz und Kremnitz in Ungarn, Kongsberg in Norwegen, auf dem Comstockgang in Nevada, zu Zacatecas in Mexiko.

Sprödigkeit, die Eigenschaft harter Körper, durch einen Stoß oder geringe Verletzung ihrer Oberfläche in mehrere Stücke zu zerspringen.

Sprogö, kleine dän. Insel mit Leuchtturm, im Großen Belt, im W. von Korsör.

Sproß (botan.), s. Ast.

Sprossenkohl, s. Rosenkohl.

Sprossenrad, s. Tretwerke.

Sprossentanne, s. Hemlockstannen.

Sprosser, s. Nachtigall.

Sproßpilze, eine Gruppe von Pilzen, die sich durch Sproßbildung (Knospenbildung) fortpflanzt, jedoch auch Sporen zu bilden vermag. Hauptrepräsentant dieser Gruppe ist die Hefe (s. d.). (S. auch Blastomyceten, Bd. 17.)

Sprossung, s. Knospung.

Sprotzverbände, s. Hefe.

Sprott, Fisch, s. Sprotte.

Sprottau. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, hat 729,67 qkm und (1895) 37 002 (17 924 männl., 19 078 weibl.) E., 2 Städte, 58 Landgemeinden und 48 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis S., am Bober, in den hier die Sprotte mündet, und an der Linie Lissa-Hansdorf der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Glogau) und Bezirkskommandos, hat (1895) 7676 E., darunter 1725 Katholiken und 74 Israeliten, in Garnison die 2. und 3. Abteilung des Feldartillerieregiments von Podbielski (niederschles.) Nr. 5, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Denkmal (1895, von Pfuhl) des hier geborenen Heinr. Laube, evang. und kath. Kirche, ehemaliges Nonnenkloster, jetzt Amtsgericht, Rathaus, Realgymnasium, höhere Mädchenschule, evang. und kath. Bürgerschule, Wasserleitung, Kanalisation, Gasbeleuchtung, Schlachthof; Fabrikation von Zündwaren, Cigarren, Wachswaren, Schuhleisten, Brückenwagen, Strumpfwaren und Chemisetts, Kunst-, Ölmühlen, Brauereien, Dampfsägewerke, Ziegeleien und Holzhandel. Die Stadt hat ein beträchtliches Vermögen (7149 ha Forst, sieben Rittergüter u. s. w.). In der Umgebung liegen die Hüttenwerke Mallmitz (s. d.) und die Wilhelmshütte in Nieder-Eilau, eine der größten Maschinenfabriken Schlesiens; ferner die Wetterssche Knochenmühle und die Wichelsdorfer Stärkefabrik.

^[Abb.]

Sprotte, Sprott, Brisling oder Breitling (Clupea s. Harengula sprattus L., s. Tafel: Fische IV, Fig. 1), eine zur Gattung Hering (s. d.) gehörige Fischart, die in der Nord- und Ostsee gemein ist, aber nur 10-15 cm lang wird, keine Zähne auf dem Pflugscharbeine hat und auf dem einfarbigen Kiemendeckel nicht geädert, sondern strahlig gestreift ist. Am Bauchkiel bilden scharfe Schuppen eine Reihe von Sägezähnen. Zur Laichzeit tritt ein goldiger Seitenstrich deutlich hervor; die Rückenflosse hat 16 Strahlen. Während des Herbstes nähert die S. sich den Küsten, um zu laichen, und der außerordentlich ergiebige Fang beginnt in England im November und wird dort während des ganzen Winters fortgesetzt. Die S. ist zart und wohlschmeckend und wird im Innern Deutschlands gesalzen und geräuchert gegeben; besonders sind die Kieler S. (Flückheringe) geschätzt. In England benutzt man diese Fische wegen der übergroßen Menge als Düngemittel.

Spruch, in der deutschen Litteraturgeschichte ein von Simrock eingeführter Ausdruck für eine Gattung der altdeutschen Lyrik, einstrophige, lehrhafte oder polit. Gedichte aus meist langen Verszeilen, in denen Form und Melodie hinter dem Inhalt so zurücktritt, daß auf dieselbe Weise zahlreiche S. verschiedenen Themas gedichtet werden, während im Gegensatz dazu das mehrstrophige Lied mit seinem persönlichen, meist minniglichen Inhalt, seinen kürzern, aus kleinen Zeilen bunt und belebt zusammengesetzten Strophengebäuden jedesmal seine eigene Melodie für sich hatte, die nicht zu andern Liedern verwendet werden durfte. (S. Minnesang.)

Spruchband, s. Band.

Spruchdichtung, s. Spruch und Minnesang.

Sprüche des Herrn, s. Bibel I, B.

Sprüche Salomonis, s. Salomo.

Spruchgroschen, alte Groschen oder groschenförmige Münzen, mit kurzem biblischem oder Sinnspruch, im 17. Jahrh. namentlich von den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg viel geprägt.

Spruchkollegium, s. Dikasterion.

Spruchliste, s. Schwurgericht.

Spruchorakel, s. Orakel.

Spruchsprecher, s. Impromptu.

Sprüchwort, s. Sprichwort.

Sprudel, Sprudelsalz, Sprudelstein u. s. w., s. Karlsbad.

Spruner von Merz, Karl, Geschichtsforscher, Geograph und Dichter, geb. 15. Nov. 1803 zu Stuttgart, kam 1814 ins Kadettenkorps zu München, wurde 1825 Lieutenant, setzte aber auch in der Folgezeit seine histor.-geogr. Studien mit Eifer fort. 1852 wurde S. zum Major, 1855 zum Oberstlieutenant befördert und im selben Jahre von König Maximilian II. zu seinem Flügeladjutanten erwählt. S. gewann bald das besondere Vertrauen des Königs und vertrat am Hofe beharrlich großdeutsche und liberale Grundsätze. Auch gehörte er zu den ersten Mitgliedern der Historischen Kommission in München. Ludwig II. ernannte S. 1864 zu seinem Generaladjutanten und 1883 zum General der Infanterie. 1886 trat er in den Ruhestand und starb 24. Aug. 1892