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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stärkemesser; Stärken; Starkenbach; Starkenburg

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Stärkemesser - Starkenburg (Provinz)

Während die Fabrikation der Kartoffel- und Weizenstärke, namentlich erstere, meist in kleinern Unternehmungen als landwirtschaftliches Gewerbe betrieben wird, ist die Gewinnung der Reis- und Maisstärke (weil komplizierter und mehr Hilfsmittel erfordernd) in der Regel der Gegenstand der Großindustrie. Der Reis wird gewöhnlich als Bruchreis, wie er aus den Reisschälereien kommt, auf Stärke verarbeitet. Um die Festigkeit des Reiskorns zu zerstören, wird das Rohprodukt in alkalischen Laugen eingeweicht, bevor es zur Zerkleinerung auf Mahlgänge oder besser Walzenstühle gelangt. Ein solcher von Uhland konstruierter Porzellanwalzenstuhl ist mit Mischwerken kombiniert, in denen das Mahlgut mit den Alkalien innig gemischt wird. Der Reis kommt unter Zufluß von Laugen zuerst in den oben gelagerten Vormahlwalzenstuhl, von diesem in das unter demselben befindliche Mischwerk und verteilt sich dann in die unten stehenden beiden Feinmahlwalzenstühle, welche ebenfalls mit Mischwerken versehen sind. Das feine Mahlgut wird hierauf gewöhnlich einem Macerationsprozeß unterworfen, damit sich in dem Alkali der Kleber, welcher die Stärkekörnchen zusammenkittet, löst und in der Flüssigkeit die Cellulose neben der Stärke suspendiert bleibt. Die Trennung der Stärke von der Cellulose erfolgt durch Dekantation oder Abziehen. Für diese Operation verwendet man Rührwerke, die in einem Bottich eingelagert sind; derselbe ist zum Zweck des Dekantierens mit einem Heberohr versehen. Die reine Stärkemilch wird in große Absetzbassins gepumpt und hier so lange der Ruhe überlassen, bis alle Stärke sich am Boden fest abgesetzt hat. Nachdem das über der Stärke befindliche Wasser abgelassen ist, wird erstere ausgestochen und in der Regel zum Zweck nochmaliger Reinigung auf die Raffiniercentrifuge gebracht, wo ähnlich wie bei der Weizenstärke Kleber und Faserstoffe u. s. w. von reiner Stärke getrennt werden. Die centrifugierte Stärke kann alsdann im Entwässerungsapparat in Blockform gebracht werden, wobei das oben für Weizenstärke angegebene Verfahren benutzt wird.

Bei der hauptsächlich in Amerika und Österreich-Ungarn betriebenen Fabrikation der Maisstärke (Maizena) sind gleichfalls chem. Agentien zur Aufschließung der Körner notwendig. Die großen und sehr festen Maiskörner müssen verschiedene Arbeitsphasen durchmachen, ehe sie genügend zerkleinert sind, wobei auf die Trennung der Hülsen und Keime von Maisschrot besondere Rücksicht genommen wird. Die erste Zerkleinerung des Maises erfolgt zwischen geriffelten Walzen oder in einer speciell zu diesem Zweck konstruierten Schrotmühle. Das beim ersten Zerkleinern erhaltene Maisschrot wird einer längern Maceration unterworfen, ehe die definitive Zerkleinerung stattfindet. Das eingeweichte Schrot wird naß zwischen Mühlsteinen oder in Uhlands Maismühle zu einem sehr feinen Brei zerrieben, aus welchem dann die Stärke ausgewaschen wird, worauf man dieselbe durch wiederholtes Sieben und Niederschlagen auf der Absetzrinne raffiniert. Die weitere Behandlung, die Entwässerung u. s. w. der Maisstärke stimmt mit derjenigen der Reis- und Weizenstärke überein.

Von großer Wichtigkeit in ökonomischer Hinsicht ist die Verarbeitung oder Verwertung der bei der Stärkefabrikation sich ergebenden Nebenprodukte und Rückstände. Der bei der Fabrikation der Weizenstärke erhaltene Kleber wird, nachdem er in der Kleberwaschmaschine von Hülsen und Keimen befreit und gehörig ausgewaschen ist, in Gärung versetzt und später in dünnen Schichten auf Bleche aufgestrichen und getrocknet; das Produkt dient als sog. Schusterpappe zum Kleben von Lederzeug. Die bei der Stärkefabrikation erhaltenen Rückstände werden sehr oft ohne weiteres als Viehfutter verwendet. Bei der ausgedehnten Mais- und Reisstärkefabrikation werden die Rückstände meist in Filterpressen entwässert und in Kuchenform getrocknet, um aufbewahrt und transportiert werden zu können. Sehr oft werden diese getrockneten Rückstände gemahlen und als Futtermehl in den Handel gebracht. Außer den festen Rückständen, welche bei der Darstellung des S. restieren, sind die Abwässer mit ihrem wertvollen Gehalt an Salzen und gelösten Eiweißstoffen teils als Düng-, teils als Futtermittel zu verwenden, zu welchem Zweck sie gewöhnlich gefüllt und komprimiert werden.

Man benutzt das S. bei der Bereitung mancher feinen Mehlspeisen, zur Verdickung von Saucen und Gelee, sowie den Kleber zur Herstellung von Nudeln und Maccaroni. Im Getreide und in den Kartoffeln ist das S. das Rohmaterial für die Spiritusbrennerei. Außerdem dient es zum Steifen der Wäsche, in der Leinen- und Baumwollindustrie zur Bereitung von Appreturmasse und Schlichte, ferner zum Verdicken der Farben in der Zeugdruckerei, zu Buchbinderkleister (Weizenstärke), zur Darstellung von Dextrin (s. d.), Stärkezucker und Stärkesirup (s. Traubenzucker) sowie von künstlichem Sago (s. d.). Fein gemahlenes S. dient auch als Puder. - Vgl. Stohmann, Die Stärkefabrikation (Berl. 1878); Rehwald, Die Stärke- und Traubenzuckerfabrikation (3. Aufl., Wien 1895); von Wagner, Die Stärke-, Dextrin- und Traubenzuckerfabrikation (2. Aufl., Braunschw. 1886); Saare, Die Industrie der Stärke und Stärkefabrikate in den Vereinigten Staaten von Amerika (Berl. 1896); ders., Die Fabrikation der Kartoffelstärke (ebd. 1897).

Stärkemesser, s. Fekulometer.

Stärken der Wäsche, s. Plätten.

Starkenbach. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 338,14 qkm und (1890) 50 402 (24 194 männl., 26 208 weibl.) meist czech. E. in 42 Gemeinden mit 63 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Hochstadt, Rochlitz und S. - 2) S., czech. Jilemnice, Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts (145,44 qkm, 26 208 E.),an den südl. Vorbergen des Riesengebirges, an der Linie Chlumetz-Parschnitz der Österr. Nordwestbahn, hat (1890) 2627, als Gemeinde 3345 czech. E., neues Rathaus (1893), eine k. k. Webschule; bedeutende Leinen- und Baumwollwarenfabrikation, Kattundruckerei, Brauerei, bedeutenden Leinwandhandel und in der Nähe Bleichen.

Starkenburg, Provinz des Großherzogtums Hessen, umfaßt als althess. Besitzung die Obergrafschaft Katzenelnbogen (s. d.) und einen Teil der Grafschaft Hanau, ferner Bezirke, die ehemals zur Pfalz, zu Kurmainz und zum Bistum Worms gehörten, und an mediatisierten Gebieten die fürstl. Isenburgischen Besitzungen, die Grafschaft Erbach und die Herrschaft Breuberg und grenzt im N. und NW. an die preuß. Provinz Hessen-Nassau, im W. an die Hess. Provinz Rheinhessen und die bayr. Pfalz, im S. an Baden und im O. an Bayern. Hauptflüsse sind Rhein und Main, welche die Provinz, deren Teile außerordentlich fruchtbar sind (Wein- und Obstbau), im W. und N. umschließen. Im SO. erhebt