Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stenay; Stenbock; Stendal; Stendhal; Stenemachos; Stengel

315

Stenay - Stengel

z. B. nach einem Regierungswechsel, oder wenn eine früher außer Kurs gesetzte Münze wieder gesetzlichen Umlauf erhielt, oder wenn der Tarif derselben herabgesetzt (wenn sie "devalviert") wurde.

Stenay (spr. -näh), Stadt und früher Festung im Arrondissement Montmédy des franz. Depart. Meuse, rechts an der Maas und an der Linie Verdun-Sedan der Ostbahn, hat (1896) 2546, als Gemeinde 4207 E., in Garnison Teile des 18. Jägerbataillons zu Fuß und reitende Artillerie; Eisenhütten, Ziegeleien, Mahl- und Schneidemühlen.

Stenbock, Magnus, Graf von, schwed. Feldherr, geb. 1664 zu Stockholm als der Sohn des Feldmarschalls Gustav Otto S. (geb. 1614, gest. 1685), studierte in Upsala, begab sich 1683 auf Reisen, trat dann in holländ. Dienste und focht unter den Prinzen von Baden und von Waldeck in den Niederlanden und am Rhein. 1697 wurde er zum Obersten eines deutschen Regiments in Wismar ernannt. Er begleitete Karl XII. auf dessen meisten Feldzügen im Nordischen Krieg (s. d.) und trug viel zu dem Siege bei Narwa bei. Auch im Feldzug gegen Polen führte er bis 1706 den Oberbefehl über ein Truppenkorps, eroberte Thorn und leitete dann die Verpflegung des Heers. S. begleitete den König nach Sachsen und wurde später Gouverneur in Schonen. Als der König von Dänemark, Friedrich IV., von dem Unglück der Schweden bei Poltawa benachrichtigt, in Schonen einfiel, stellte sich S. an die Spitze von 8000 Mann alter und 12 000 Mann neu ausgehobener Truppen und schlug den Feind 28. Febr. 1710 bei Helsingborg. Mit einem neuen schwed. Heer kam er 1712 nach Pommern, griff 20. Dez. bei Gadebusch im Mecklenburgischen die Dänen an, schlug sie abermals, rückte hierauf in Holstein ein und verbrannte 9. Jan. 1713 Altona. Da er sich zu tief in das Holsteinische wagte, wurde er von den dän., russ. und sächs. Truppen bei Oldenwort unweit Tönningen eingeschlossen und mußte sich mit 11 000 Mann 16. Mai 1713 kriegsgefangen ergeben. Er wurde nach Kopenhagen in Verwahrung gebracht. Ein Versuch zur Flucht führte zur engsten Kerkerhaft, in der er 1717 starb. - Vgl. Mémoires concernant Mr. le comte de S., par Mr. N. (Frankf. 1745) und seine Biographie von Laenborn (in den "Lebensbeschreibungen der berühmten schwed. Feldherren", schwedisch, Bd. 1, Stockh. 1821).

Stendal. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, hat 897,84 qkm und (1895) 67 895 E., 4 Städte, 101 Landgemeinden und 37 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis S., früher Hauptstadt der Altmark, an der Üchte, an den Linien Berlin-S.-Hannover, Magdeburg-S.-Ülzen-Bremen, S.-Wittenberge (50,3 km) und der Nebenlinie S.-Tangermünde (10,2 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Landgerichts (Oberlandesgericht Naumburg) mit 15 Amtsgerichten (Arendsee, Beetzendorf, Bismark, Calbe a. d. Milde, Clötze, Gardelegen, Jerichow, Öbisfelde, Osterburg i. d. Altmark, Salzwedel, Sandau, Seehausen i. d. Altmark, S., Tangermünde, Weserlingen), eines Amtsgerichts, Hauptsteueramtes, Bezirkskommandos, einer Eisenbahnbetriebs-, Verkehrs- und Maschineninspektion und hat (1895) 20 666 (10 366 männl., 10 300 weibl.) E., darunter 698 Katholiken und 100 Israeliten, in Garnison das magdeburgische Husarenregiment Nr. 10, Postamt erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, alte Thore (Tangermünder und Ünglinger Thor), eine Rolandssäule, ein von Wichmann modelliertes Denkmal (1859) des hier geborenen Joh. Joachim Winckelmann und ein Denkmal des Afrikareisenden Nachtigal (1891), sechs Kirchen, darunter die Marienkirche und der 1188 gestiftete Dom, Gymnasium, höhere Mädchenschule, eine bedeutende Eisenbahn-Reparaturwerkstätte, Eisenmöbel-, Goldleisten-, Kartoffelstärkefabrik, Tuchfabriken, Ziegeleien, landwirtschaftliche Maschinenfabrik und Brauereien. Bei der 1258 erfolgten Teilung der Mark Brandenburg ward S. Regierungssitz der ältern oder Stendalschen Linie des Hauses Askanien, welche Johann I. stiftete, die aber schon 1320 wieder erlosch. Unter Johann Cicero wurde zu S. eine Buchdruckerei angelegt, aus der 1488 das erste in der Mark Brandenburg gedruckte Buch (eine Ausgabe des "Sachsenspiegels") hervorging. - Vgl. Götze, Urkundliche Geschichte der Stadt S. (Stendal 1873).

^[Abb.]

Stendhal (spr. stangdáll), Pseudonym des franz. Schriftstellers Marie Henri Beyle (s. d.).

Stenemachos, Stadt in Ostrumelien, s. Stanimaka.

Stengel (Caulis), jedes oberirdische Stammorgan (s. Stamm) der krautartigen oder strauchartigen Gewächse.

Stengel, Edmund Max, Philolog, geb. 5. April 1845 zu Halle a. S., studierte 1865-68 zu Halle und Bonn roman. und german. Philologie, hielt sich 1863-70 in Frankreich und England auf und habilitierte sich Winter 1870 in Basel für roman. und engl. Philologie. 1871-73 war er in Italien und 1873 wurde er als ord. Professor nach Marburg berufen, war hier 1875 auch zugleich Direktor des roman.-engl. Seminars und wurde 1895 nach Greifswald versetzt. S. veröffentlichte: "Vokalismus des lat. Elements in den wichtigsten roman. Dialekten von Graubünden und Tirol" (Bonn 1868), "Codicem manuscriptum Digby 86 in bibliotheca Bodleiana asservatum descripsit, excerpsit, illustravit" (Halle 1871); eine Ausgabe des altfranz. Ritterromans "Durmat" (1873), Studien über Oxforder und Turiner Handschriften (1873), eine Neuausgabe der zwei ältesten provençal. Grammatiken (Marb. 1878), diplomat. Abdruck des altfranz. Rolandsliedes (Heilbr. 1878). 1872 gründete S. mit Monaci und Manzoni die "Rivista de filologia romanza". Von 1881 an erschien die Sammlung der "Ausgaben und Abhandlungen aus dem Gebiete der roman. Philologie", von denen bisher 95 Hefte (bis 1897) veröffentlicht sind, sowie verschiedene Neuausgaben älterer franz. Schriftsteller.

Stengel, Karl, Freiherr von, Jurist, geb. 26. Juli 1840 zu Peulendorf (Bezirksamt Bamberg), studierte die Rechte in München, war eine Zeit lang im praktischen Justizdienst thätig, wurde 1871 zum kaiserl. Landgerichtsrat zu Mülhausen i. E. ernannt, kam 1879 in gleicher Eigenschaft nach Straßburg, wurde 1881 ord. Professor in Breslau, 1890 in Würzburg, 1895 in München. S. schrieb: "Die Organisation der preuß. Verwaltung" (Lpz. 1884), "Lehrbuch des deutschen Verwaltungsrechts" (Stuttg. 1886), "Deutsches Kolonialstaatsrecht" (in Hirths "Annalen", 1887), "Die Verfassung und Verwaltung der deutschen Schutzgebiete" (neu bearbeitet, Münch. 1897), "Die Deutschen Kolonialgesellschaften" (in "Schmollers Jahrbuch", 1888),