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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sterblichkeitsstatistik

Berücksichtigung des Geburtsjahres der Verstorbenen erforderlich, obwohl dem in der Praxis bisher nur ausnahmsweise entsprochen worden ist. Weitere Nachweise über die Gestorbenen beziehen sich auf die Sterblichkeit in den einzelnen Monaten, den Beruf und die sociale Stellung der Gestorbenen sowie auf die Todesarten und Todeskrankheiten. Die Fragen in betreff der Totgeborenen werden zweckmäßiger von der Geburtsstatistik erledigt.

Unter den von der S. zu lösenden Aufgaben nimmt die Feststellung der Zahl der in jedem Jahre Verstorbenen das nächste Interesse in Anspruch. Die neuesten im Deutschen Reiche angestellten Ermittelungen ergeben folgendes Bild:

^[Tabellenanfang]

Jahre Mittlere Bevölkerung Gestorbene (einschließlich Totgeborene) Auf 1000 E. entfallen Gestorbene

1879 44 639 000 1 214 643 27,21

1830 45 093 000 1 241 126 27,52

1881 45 426 000 1 222 928 26,92

1882 45 717 000 1 244 006 27,21

1883 46 014 000 1 256 177 27,30

1884 46 334 000 1 271 859 27.45

1885 46 705 000 1 268 452 27,16

1886 47 132 000 1 302 103 27,64

1887 47 628 000 1 220 406 25,67

1888 48 166 000 1 209 798 25,19

1889 48 715 000 1 2l8 956 25,13

1890 49 239 000 1 260 017 25,59

1891 49 738 000 1 227 409 24,66

1892 50 287 000 1 272 430 25,31

1893 50 710 000 1 310 756 25,81

1894 51 301 000 1 207 423 23,50

1895 51970 000 1 215 854 23,40

^[Tabellenende]

In dem hier berechneten Verhältnis der Gestorbenen zur Gesamtbevölkerung findet die Sterblichkeit (Mortalität) der Bevölkerung einen ziffernmäßigen Ausdruck. Diese "allgemeine Sterblichkeitsziffer" entspricht der Heirats- und Geburtsziffer in der Ehestatistik (s. d.) und Geburtsstatistik (s. d.). Sie hat jedoch wegen der Nichtberücksichtigung der Altersunterschiede für die Erforschung der Mortalitätsverhältnisse nur sehr geringe Bedeutung. So wird allein schon eine starke Zunahme der Geburten, infolge der hierdurch veranlaßten größern Kindersterblichkeit, die Ziffer beträchtlich steigern, ohne daß der Gesundheitszustand der Bevölkerung ein anderer geworden ist. Immerhin ist es von Interesse zu erfahren, daß die Sterblichkeitsziffer für das Gebiet des Deutschen Reichs 1841-50: 28,2, 1851-60: 27,8, 1861-70: 28,4, 1871-80: 28,8 und 1881-90: 26,5 auf 1000 E. betragen hat. Überhaupt machen sich bei Betrachtung größerer Zeiträume in demselben Lande jene Bedenken weniger geltend als bei einem internationalen Vergleich. Auf 1000 E. entfielen Gestorbene (ausschließlich Totgeborene) in:

^[Tabellenanfang]

Länder 1891 1892 1893 1894 1895

Deutsches Reich 23,4 24,1 24,6 22,3 23,1

Frankreich 22,9 22,8 22,6 21,3 --

Großbritannien 20,3 19,0 19,2 16,7 18,8

Irland 18,4 19,4 18,0 18,2 18,4

Italien 26,3 26,4 25,4 25,2 --

Niederlande 20,7 21,0 19,2 18,5 18,7

Schweiz 20,7 19,3 20,5 20,9 19,7

Österreich 28,0 28,7 27,2 27,9 --

Ungarn 33,1 35,0 31,1 -- --

Belgien 21,1 21,7 20,2 18,8 --

^[Tabellenende]

Eine größere oder geringere Sterblichkeit ist unter allen Umständen ein ungünstiges oder günstiges Zeichen und giebt deshalb für die Beurteilung des Wohlbefindens einer Nation eine weit sicherere Grundlage ab als die Heirats- und Geburtenfrequenz.

Die Monate des Jahres gefährden das menschliche Leben nicht in gleich starkem Maße. Während des Zeitraums 1872-88 kamen im Deutschen Reich bei einem Tagesmittel von 1000 Gestorbenen (mit Einschluß der Totgeborenen) für das ganze Jahr auf die Monate: Januar 1038, Februar 1079, März 1102, April 1061, Mai 1015, Juni 943, Juli 961, August 998, September 978, Oktober 920, November 933, Dezember 977. Hiernach erweisen sich der Winter, insbesondere der Übergang von diesem zum Frühling, in geringerm Maße auch der Spätsommer als gesundheitsschädlich, und zwar ist jene Jahreszeit vornehmlich den Greisen, diese den Kindern gefährlich.

Das Alter ist überhaupt von tiefgreifendstem Einfluß auf die Sterblichkeit. Unter 100 Gestorbenen (mit Ausschluß der Totgeborenen) standen

^[Tabellenanfang]

Im Alter von Jahren Preußen (1876-85) Italien (1872-85) Frankreich (1875-85) Schweden (1878-85)

0-1 31,01 26,61 18,68 19,88

1-5 16,52 20,93 9,56 13,92

5-10 4,35 4,47 2,64 5,50

10-15 1,71 1,95 1,62 2,47

15-20 1,85 2,13 2,30 2,51

20-30 4,75 5,26 6,24 5,50

30-40 5,37 4,90 6,18 5,06

40-50 5,78 5,24 6,86 5,90

50-60 7,38 6,68 9,04 8,24

60-70 9,59 9,04 13,45 11,27

70-80 8,27 8,87 15,31 12,05

80 und mehr 3,42 3,92 8,12 7,70

^[Tabellenende]

Hieraus erhellt die große Bedeutung der Kindersterblichkeit für die Mortalitätsverhältnisse eines Landes; in Preußen und Italien besteht fast die Hälfte, in Frankreich und Schweden etwa ein Drittel aller Verstorbenen aus Kindern unter 5 Jahren.

Nur die Sterbetafeln können ein hinreichend befriedigendes Ergebnis liefern. Die wissenschaftlichen Bestrebungen auf diesem Gebiete sind verhältnismäßig alt. Schon E. Halley brachte 1693 das allmähliche Absterben einer bestimmten Anzahl Neugeborener dadurch zur Darstellung, daß er die Gesamtheit aller Gestorbenen einer Periode mit Unterscheidung ihres Alters seiner Rechnung zu Grunde legte, die indes schon deshalb sehr mangelhaft sein mußte, weil sie von einer stillstehend gedachten Bevölkerung ausging und auf die Vermehrung der Bevölkerung keine Rücksicht nahm. Mit in der Hauptsache unerheblichen Verbesserungen sind seither eine Reihe von Sterbetafeln aufgestellt worden. Einen wesentlichen Erfolg stellte aber die ungleich zuverlässigere, von Hermann in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts eingeschlagene sog. direkte Methode dar, nach der die in einer Periode Geborenen bis zu ihrem Absterben statistisch verfolgt werden. Die Schwierigkeiten dieser Methode liegen teils in der langen Beobachtungszeit, teils in den durch die Wanderungen hervorgerufenen Fehlerquellen, welche Umstände sie nur als auf die jugendlichsten Altersklassen anwendbar erscheinen lassen. Eine neue, jetzt vorzugsweise angewendete sog. indirekte Methode, die zuerst von Karl Becker theoretisch begründet und praktisch durchgeführt, nachher von andern, wie Knapp und Zeuner, weiter ausgebildet wurde, ist sehr umständlich und leidet an dem Mangel, daß die Berechnung der Sterbenswahrscheinlichkeit nach Beschaffenheit der Unterlagen nicht ganz einwandfrei sein kann; sie hat aber der Hermannschen gegenüber den Vorzug der vollständigen Durchführbarkeit nach verhältnismäßig nur wenigen Beobachtungsjahren und der Geltung für die Gegen-^[folgende Seite]