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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stoffwechselgleichung; Stoffwert des Geldes; Stohmann

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Stoffwechselgleichung - Stohmann

nen die verschiedenen stickstoffhaltigen Eiweißkörper (Albumin, Fibrin, Caseïn u. a.), die hauptsächlich zum Aufbau der Gewebe dienen und durch ihre Verbrennung die mannigfachen Kraftleistungen des tierischen Körpers entfalten, ferner die stickstofffreien Fette, fetten Öle und Kohlenhydrate (Stärke, Dextrin, Zucker), die namentlich zur Erzeugung der tierischen Wärme verwandt werden, sowie Wasser und eine Anzahl anorganischer, zur Zellbildung unerläßlicher Salze. Hinsichtlich ihrer Aufnahme nimmt der Körper eine doppelte sorgsame Auswahl vor, indem zunächst die eigentlichen Aufnahmsorgane (Blut-, Chylus- und Lymphgefäße samt zugehörigen Drüsen) eine konzentrierte, gleichartige, den weitern Stoffumsatz vermittelnde Ernährungsflüssigkeit, das Blut (s. d.), herstellen, und sodann die Elementarteile der einzelnen Gewebe und Organe eine weitere Sichtung vornehmen, von denen ein jedes nur die ihm homogenen Bestandteile dieser Ernährungsflüssigkeit anzieht, assimiliert und gegen zersetzte und unbrauchbar gewordene Stoffe umtauscht. Die letztern verlassen den Organismus auf verschiedenen Wegen: so z. B. werden der Harnstoff durch die Nieren, die reichlich gebildete Kohlensäure durch die Lungen, das Wasser durch die Nieren, Lungen und Schweißdrüsen und die schwefelhaltigen Zersetzungsprodukte durch die Leber aus dem Körper entfernt.

Die zahlreichen Oxydationsvorgänge, die das Wesen des tierischen S. ausmachen, bilden dadurch eine ausgiebige Quelle für die mannigfachen Kraftleistungen des tierischen Körpers, da die bei der Oxydation frei werdenden chem. Spannkräfte sich in die verschiedenen Formen der Lebendigen Kraft (s. d.) umwandeln. Der größere Teil der frei werdenden Kräfte wird bei Tieren von gleichwarmer Bluttemperatur (Homöotherme) zur Bildung der tierischen Wärme (s. d.) verwandt, die zu allen ihren tierisch-organischen Vorgängen unumgänglich erforderlich ist; ein anderer Teil geht in den Nervenzellen und Nervenfasern in Elektricität über, welche die Funktionen des Nervensystems vermittelt, während in den Muskelzellen neben diesen beiden Kräfteformen auch noch mechan. Arbeit geleistet wird. Jede Steigerung dieser Arbeitsleistungen erfordert auch eine vermehrte Zufuhr verbrennlicher Nahrungsstoffe, und zwar hat die Erfahrung gelehrt, daß dieser Mehrverbrauch vorzugsweise auf Kosten derjenigen Nährmaterialien (Fette und Kohlehydrate, in viel geringerm Grade der Eiweißkörper) geschieht, welche durch ihren Kohlenstoffreichtum bei der Verbrennung die größte Wärme oder Arbeitsmenge zu liefern vermögen.

Die Energie und Intensität des S. schwankt in den verschiedenen Lebensaltern, Geschlechtern und Konstitutionen beträchtlich. Während beim Säugling die täglich zu verarbeitende Nahrungsmenge anfangs ein Siebentel, später ein Fünftel seines Körpergewichts beträgt, nimmt der Erwachsene in 24 Stunden an Nahrungsmitteln etwa ein Zwanzigstel seines Körpergewichts auf. Innerhalb gewisser Grenzen hängt die Intensität des S. von der Masse der stoffzerlegenden Zellen ab; je größer also die Zellenmasse, je größer das Körpergewicht des Individuums, desto bedeutender ist auch sein Stoffumsatz. Während des Schlafs ist der S. wesentlich vermindert, bei Bewegung und Arbeit beträchtlich erhöht. Auch im Hungerzustande findet ein reger Stoffumsatz in den Geweben statt; der hungernde Organismus lebt so lange auf Kosten seiner eigenen Bestandteile, bis der Tod durch Erschöpfung erfolgt. (S. Hunger.) Im allgemeinen nimmt der Organismus unter normalen Verhältnissen gerade so viel Material für seine Erhaltung und Ernährung aus den verdauten Nahrungsmitteln auf, als durch die Exkretionsorgane in den Auswurfsstoffen oder Endprodukten der regressiven Stoffmetamorphose aus dem Körper entfernt wird (sog. Gleichgewicht des S.), und zwar scheidet ein gesunder Erwachsener in 24 Stunden durchschnittlich mit der Atmung aus: Wasser 330, Kohlensäure 1230; mit dem Harn: Wasser 1700, Harnstoff 40, Salze 26; mit der Hautausdünstung: Wasser 660, Kohlensäure 9,8; mit dem Kot: Wasser 128, feste, meist organische Substanz 53 g. - Von dem Verhalten des S. im kranken Organismus ist bis jetzt wenig Sicheres bekannt; nur so viel steht fest, daß im Fieber (s. d.) eine abnorme Steigerung des S. und eine abnorme beschleunigte Verbrennung der Körpersubstanz stattfindet, wie namentlich aus der gesteigerten Harnstoffproduktion hervorgeht. (S. auch Ernährung, Leben und Nahrungsmittel.)

Litteratur. Moleschott, Der Kreislauf des Lebens (5. Aufl., Mainz 1875-78); Bischoff und Voit, Die Gesetze der Ernährung des Fleischfressers (Heidelb. 1860); ders., Theorien der Ernährung der tierischen Organismen (Münch. 1868); ders., Physiologie des allgemeinen S. und der Ernährung (Lpz. 1881); Munk und Uffelmann, Die Ernährung des gesunden und kranken Menschen (3. Aufl., Wien 1895); Seegen, Studien über den S. im tierischen Haushalt (Berl. 1887); Germain Sée, Die Lehre vom S. und von der Ernährung (deutsch, Lpz. 1888); von Noorden, Lehrbuch der Pathologie des S. (Berl. 1893).

Stoffwechselgleichung, Vergleich der im Futter oder bei der Atmung aufgenommenen Mengen Mineralstoffe, Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff mit den Mengen dieser selben Stoffe, die im festen, flüssigen oder gasförmigen Zustande als Endprodukte des Stoffwechsels vom Tier während der Versuchsdauer wieder ausgeschieden worden sind. Die Differenz ist vom Tier im Körper zurückbehalten (angesetzt) oder abgegeben (zugesetzt) worden. Aus den abgegebenen Elementarstoffen berechnet man den stattgefundenen Ansatz oder die Abgabe von Fleisch, Fett, Wasser u.s.w., erhält also einen klaren, detaillierten Einblick über den Effekt der innegehaltenen Fütterungsweise. - Vgl. E. Wolff, Die Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere (Berl. 1876).

Stoffwert des Geldes, s. Geld.

Stohmann, Friedr. Karl Adolf, Agrikulturchemiker und Technolog, geb. 25. April 1832 zu Bremen, studierte in Göttingen und London, war 1853-55 Assistent von Graham am University College in London, unternahm dann längere Reisen durch England, Frankreich und Deutschland und war in chem. Fabriken thätig. 1857 trat er zur Agrikulturchemie über und wurde 1862 nach Braunschweig berufen, wo er die Landwirtschaftliche Versuchsstation begründete. 1865 wurde er nach kürzerm Aufenthalt in München nach Halle und 1871 nach Leipzig berufen, an welcher Universität das Landwirtschaftlich-physiol. Institut und 1887 auch das Agrikulturchemische Institut seiner Leitung übergeben wurde. Seine Forschungen erstrecken sich auf alle Gebiete der Agrikulturchemie, vorzugsweise aber auf das der Ernährung der Tiere. Von besonderer Wichtigkeit sind seine kalorimetrischen Untersuchungen. Von litterar. Arbeiten sind zu erwähnen: "En-^[folgende Seite]