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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Struve

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Struve (Gustav von) - Struve (Wilh. von)

lensauren, nach verschiedenen Magistralformeln mit Eisensalzen und andern Arzneistoffen bereiteten arzneilichen Wässer erweitert und dem Geschäft durch Gründung von Zweiganstalten in Leipzig (1861 durch Dr. Oskar S.), Berlin, Breslau, Königsberg, Frankfurt a. M., Moskau u. s. w. große Ausdehnung gegeben. Die Dresdener und Leipziger Anstalten, deren jährlicher Umsatz gegen 3 Mill. Flaschen beträgt, sind im Besitz der Familie des Erfinders.

Struve, Gustav von, republikanischer Agitator und Schriftsteller, geb. 11. Okt. 1805 zu München, studierte 1824-26 in Göttingen und Heidelberg die Rechte und nahm dann als oldenb. Gesandtschaftssekretär an den Verhandlungen des Bundestags in Frankfurt teil. Doch geriet er seiner freien polit. Ansichten wegen bald in Konflikt mit den Diplomaten, nahm deshalb seine Entlassung und siedelte als Advokat 1832 nach Mannheim über, beschäftigte sich aber meist mit dem Studium der Staatswissenschaften und der Phrenologie. Als Redacteur des "Mannheimer Journals" hatte er vielfach hart unter der Censur zu leiden; 1847 gründete er den "Deutschen Zuschauer". Er trat lebhaft für die Gründung einer föderativen Republik ein, die er im April 1848 mit Hecker durch einen bewaffneten Aufstand herbeizuführen suchte. Nach Zerstreuung seiner Schar bei Freiburg 23. April flüchtete er nach Straßburg und ging dann in die Schweiz, wo er mit K. Heinzen einen "Plan zur Revolutionierung und Republikanisierung Deutschlands" herausgab. Am 21. Sept. machte er einen bewaffneten Einfall auf bad. Gebiete, ward nach dem Treffen in Staufen 25. Sept. verhaftet und 30. März 1849 wegen Versuchs des Hochverrats zu fünf Jahren vier Monaten Gefängnis verurteilt. Aber der Aufstand in Baden setzte ihn bereits in der Nacht zum 14. Mai wieder in Freiheit. Nach Auflösung der konstituierenden Versammlung in Baden, deren Mitglied er war, ging S. in die Schweiz, von wo er später ausgewiesen wurde. Er ging 1850 nach England und siedelte 1851 nach Nordamerika über, wo er 1861 und 1862 am Unionskriege teilnahm. 1863 kehrte S. nach Deutschland zurück, lebte zuerst in Stuttgart, dann einige Zeit in Coburg, seit 1869 in Wien und starb daselbst 21. Aug. 1870. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Geschichte der Phrenologie" (Heidelb. 1843), "Die Phrenologie innerhalb und außerhalb Deutschlands" (ebd. 1843), "Handbuch der Phrenologie" (Lpz. 1845), "Grundzüge der Staatswissenschaft" (4 Bde., Frankf. 1847-48), "Weltgeschichte in neun Büchern" (6 Bde., Neuyork 1856-59; 7. Aufl., 6 Bde., Coburg 1864-66), "Diesseits und jenseits des Oceans" (ebd. 1863-64), "Geschichte der Neuzeit" (Koblenz 1864), "Pflanzenkost, Grundlage einer neuen Weltanschauung" (Stuttg. 1869) und "Seelenleben" (Berl. 1869). Von seiner ersten Gattin Amalie S., geborene Düsar (gest. 1862 in Neuyork), die sich eifrig an seinen Bestrebungen beteiligte, erschienen: "Erinnerungen aus den bad. Freiheitskämpfen" (Hamb. 1850) und "Histor. Zeitbilder" (3 Bde., Brem. 1850).

Struve, Heinrich von, philos. Schriftsteller, s. Bd. 17.

Struve, Otto Wilh. von, Astronom, Sohn des folgenden, geb. 7. Mai 1819 zu Dorpat, wurde bereits 1837 Gehilfe seines Vaters zu Dorpat und seit 1839 zu Pulkowa, später zweiter Astronom und Vicedirektor und 1862 Direktor der letztgenannten Sternwarte. Daneben hatte er 1847-62 als beratender Astronom des kaiserl. Generalstabs und der Marine einen ausgedehnten Wirkungskreis auf geogr.-geodätischem Gebiet. Von seinen Arbeiten auf dem Gebiet der eigentlichen Astronomie sind hervorzuheben: eine neue Bestimmung der Präcessionskonstante, wobei er zugleich die Größe des Fortrückens unsers Sonnensystems im Weltraum berechnete; eine Durchmusterung des nördl. Himmels, welche gegen 500 neue, meist sehr enge Doppelsternsysteme lieferte; ferner Arbeiten über den Saturn und dessen Ringe, Bestimmung der Masse des Neptun, Entdeckung eines innern Uranusmondes, Untersuchungen über die Parallaxe verschiedener Fixsterne, Beobachtungen über Veränderlichkeiten im Nebel des Orion und kleiner in demselben verteilter Sterne. Außerdem stellte er noch zahlreiche sehr genaue Beobachtungen an Kometen und Doppelsternen an. Bei der totalen Sonnenfinsternis von 1851 hat er zuerst mit Sicherheit nachgewiesen, daß die roten Protuberanzen dem Sonnenkörper angehören. Die Ergebnisse seiner Arbeiten sind meist in den "Mémoires" der Petersburger Akademie, deren Mitglied er seit 1852 war, niedergelegt. Über die 1839-64 auf der Pulkowaer Sternwarte ausgeführten Arbeiten berichtete er in "Übersicht der Thätigkeit der Nikolai-Hauptsternwarte während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens" (Petersb. 1865). Eine Fortsetzung dieses Berichts erschien 1889 bei Gelegenheit des 50jährigen Jubiläums der Sternwarte. Auf S.s Betrieb ist die Sternwarte 1879-83 mit dem mächtigsten damals herstellbaren Sehwerkzeuge, einem Refraktor von 30 engl. Zoll freier Öffnung, versehen worden. Auch hat S. Anteil genommen an der großartigen Längengradmessung, die sich unter dem 52. Breitengrade über 69 Längengrade zwischen den äußersten Punkten Europas (Valentia in Irland und Orsk an der asiat. Grenze) erstreckt. Unter seiner Leitung erschien Band 1-14 der "Observations de Pulkova" (Petersb. 1869-89). In den J. 1867-78 war S. Vorsitzender der internationalen Astronomischen Gesellschaft. Desgleichen leitete er als Vorsitzender die Verhandlungen der 1872 und 1887 nach Paris berufenen Kongresse, von denen der erstere die Feststellung der Grundsätze für die Herstellung internationaler Normalmaßstäbe, der letztere die Organisation der Arbeiten für die durch vereinte Kräfte vieler Sternwarten auszuführende photogr. Karte des Himmels zum Zweck hatte. Im Winter 1889/90 zog er sich ins Privatleben zurück und lebt gegenwärtig in Karlsruhe. Zwei seiner Söhne, Hermann (geb. 3. Okt. 1854) und Ludwig (geb. 1. Nov. 1858), sind ebenfalls auf astron. Gebiete erfolgreich thätig.

Struve, Wilh. von, Astronom, geb. 15. April 1793 zu Altona, studierte 1808-11 in Dorpat Philologie, später Astronomie. S. wurde 1813 Observator und 1817 Direktor der Dorpater Sternwarte. Er wurde 1839 Direktor der 1834-39 nach seinen Angaben und unter seiner Leitung erbauten Nikolai-Hauptsternwarte zu Pulkowa bei Petersburg. Nachdem er 1858 wegen Kränklichkeit die Leitung derselben seinem Sohn Otto Wilhelm von Struve (s. d.) überlassen hatte, zog er sich 1862 ins Privatleben zurück und starb 23. (11.) Nov. 1864 zu Petersburg. S. widmete sich vorzugsweise der Beobachtung der Doppelsterne und veröffentlichte "Observationes Dorpatenses" (8 Bde., Dorp. 1817-39), "Catalogus novus stallarum duplicium" (ebd. 1827), "Stellarum duplicium mensurae micrometricae"