Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Szegled; Szegzárd; Székely; Székely-Udvarhely; Székes Féjérvár; Szekler; Szekler-Eisenbahnen

565

Szegled - Szekler-Eisenbahnen

46. Infanterieregiments. Die Stadt ist nach der großen Überschwemmung vom 11. März 1879, bei der 2000 Menschen umkamen, durch einen Ringdamm von 12 m Höhe geschützt, glänzend wiederaufgebaut und mit breiten Radial- und Ringstraßen versehen, und hat zahlreiche palastartige Neubauten, sieben große Plätze, darunter der schöne Széchényiplatz und der schöne Theißquai, eine Unterstädtische Kirche mit Reliquien, eine griech.-orient. und eine Innerstädtische Pfarrkirche, ein großartiges Oberealschulgebäude, Klöster der Piaristen, Minoriten und Franziskaner, kath. Obergymnasium, Staats-Oberrealschule, Bürger-, Gewerbe- und Handelsschule, kath. Lehrerbildungsanstalt, staatliche Fachschule für Metall- und Holzindustrie, öffentliche Bibliothek (80 000 Bände), große Kaserne, Theater, Armenhospital und Kinderbewahranstalt. Die Industrie erstreckt sich auf Seifensiedereien, welche die berühmte Szegediner Seife liefern, ferner auf Fabrikation von Tuch und Zischmen (eng anliegende Stiefel), Paprika und Tarhonya (gedörrte Mehlspeise). Außerdem befindet sich hier die Hauptschiffswerft für die Theißschiffe. Der Handel mit siebenbürg. Salz, Weizen, Tabak, Wolle, Hornvieh, Schweinen und Holz ist bedeutend. Der Stadt gehört ein Gebiet von 867 qkm mit neun bevölkerten Puszten und zahlreichen Meiereien (Tanyen). - S. war bis 1879 eine starke Festung. Hier wurde 1444 durch König Wladislaw I. ein Reichstag abgehalten; 1541 fiel die Stadt in die Hände der Türken, die sie unter Suleiman II. neu befestigten und bis 1686 im Besitz hatten. 1715 wurde S. von neuem zur königl. Freistadt erhoben; 1849 flüchtete in der ersten Hälfte des Julis die revolutionäre ungar. Regierung und ihr Landtag hierher; am 2. Aug. desselben Jahres hielt Haynau seinen Einzug und vertrieb drei Tage später die bei Szöreg verschanzten Honvéds.

Szegled (spr. ßégg-), soviel wie Czegléd (s. d.).

Szegzárd (Szegszárd, spr. ßéggsahrd) oder Sexárd, Groß-Gemeinde und Hauptort des Komitats Tolna in Ungarn, Sitz eines königl. Gerichtshofes, am Sarvizkanal, über den eine schöne Brücke führt, an der Linie Sárbogárd-S. (65 km) der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 14 325 meist kath. magyar. E., ein großes Komitatshaus, die älteste Kleinkinderbewahranstalt des Landes und stark besuchte Jahrmärkte. An den Abhängen des Hügellandes, an dessen Fuß die Stadt S. liegt, wächst der treffliche Szegzarder Rotwein.

Székely- (auch Szitás-) Keresztúr (spr. ßehkelj kérrestuhr, Ungarisch-Kreuz), Groß-Gemeinde und Hauptort eines Stuhlbezirks (35 523 E.) im Komitat Udvarhely in Siebenbürgen, am Großen Kokelfluß und an der Linie Schäßburg-Székely-Udvarhely der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 5153 meist evang. magyar. E., ein unitarisches Gymnasium, eine Lehrerpräparandie und Volksbank; Siebflechterei.

Székely-Udvarhely (spr. ßehkelj údwahrhelj), Stadt mit geordnetem Magistrat und Hauptstadt des ungar. Komitats Udvarhely, an der Großen Kokel und der Linie Segesvár-S. (49 km) der Ungar. Staatsbahnen, Sitz der Komitatsbehörden, hat (1890) 5438 meist kath. magyar. E., darunter 2306 Evangelische, in Garnison 1 Bataillon des 82. ungar. Infanterieregiments, kath. und reform. Obergymnasium, Staatsoberrealschule und Sparkasse. Am Ende der Stadt die Ruinen des in der Geschichte Siebenbürgens denkwürdigen, 1563 von dem Fürsten Johann Zápolya erbauten und im Kuruczenkriege am Anfang des 18. Jahrh. zerstörten Schlosses. In S. soll Attila Hof gehalten haben (Udvarhelo bedeutet Hofstätte), und in frühern Jahrhunderten fanden hier verschiedene Nationalversammlungen statt.

Székes Féjérvár (spr. ßehkesch), ungar. Name der Stadt Stuhlweißenburg (s. d.).

Szekler (spr. ße-), ungar. Székelyek, im Osten und Nordosten Siebenbürgens wohnender ungar. Volksstamm, dessen Ansiedelungszeit nicht mit histor. Gewißheit zu ermitteln ist. Gleichheit der Sprache, der körperlichen Beschaffenheit und des Charakters setzen die Stammzugehörigkeit der S. zu den Magyaren außer Zweifel. Die mittelalterliche Tradition betrachtete sie als Reste der nach Attilas Tode zersprengten Hunnen. An der Grenze wohnend, waren sie stets den feindlichen Einfällen zuerst ausgesetzt, so daß sie ihre geogr. Lage zu schlagfertigen Grenzwächtern machte. Sie waren in Vornehme (fö-népek, primores), Primipilen (ló-fök, Roßhäupter, weil sie Reiterdienste thaten) und Gemeine közneṕek oder pixidarii) eingeteilt, genossen aber sämtlich adlige Vorrechte und verteidigten auch ihre Privilegien mit den Waffen. Weil sie sich dem Rákóczyschen Aufstande angeschlossen hatten, wurden die "Gemeinen" 1. Mai 1711 zur Ablieferung der Waffen vermocht und der Steuer unterworfen. Als man aber 1764 auch unter ihnen Grenzregimenter bildete, erhob sich ein Aufstand, dessen Besiegung (lat. siculicidium) viel Blut kostete. In den Kämpfen von 1848 und 1849 erfocht Bem seine Siege in Siebenbürgen hauptsächlich durch die Tapferkeit der S. Durch die Reorganisation Ungarns und Siebenbürgens nach der Revolution verloren sie ihre Sonderverfassung und Vorrechte und wurden den übrigen Landesbewohnern gleich gestellt. Doch erfolgte 1865 die Wiederherstellung ihrer Stühle. Das Szeklerland war nämlich eins der drei Gebiete, in die Siebenbürgen nach der Nationalität seiner Bewohner zerfiel. Es umfaßte auf einem Flächenraum von 11 780 qkm die fünf Stühle Udvarhely, Háromszék, Csik, Maros und Aranyos. Gegenwärtig ist das frühere Szeklerland in die Komitate Csik, Háromszék, Udvarhely und Maros-Torda eingeteilt. Im Norden und Osten von hohen Gebirgen und dichten Waldungen bedeckt, gehört es im Süden und Westen zu den fruchtreichsten Teilen Siebenbürgens; Getreidebau und Viehzucht bilden fast die ausschließliche Nahrungsquelle der 532 110 Seelen starken Bevölkerung, von denen 415 000 dem Szeklerstamme angehören; die S. bekennen sich entweder zur röm.-kath. Kirche oder zur reform. Kirche, nur wenige sind Unitarier. Ihre Hauptstadt ist Maros-Vásarhely (s. d.). - Vgl. Kriza, Wilde Rosen. Sammlung von Szekler Volkspoesien (Klausenburg 1863); Hunfalvy, Ethnographie Ungarns (Lpz. 1877); von Herbich, Das Szeklerland, geologisch beschrieben (Pest 1878).

Szekler-Eisenbahnen, vom ungar. Staate in Aussicht genommenes etwa 330 km langes Eisenbahnnetz in Siebenbürgen, für welches 25 Mill. Fl. bewilligt sind. Die Hauptlinie soll von Szepsi-Szt.-György abzweigen und über Czikrakos, Gyergyo-Szt.-Miklos nach Szasz-Regen geführt werden. Die Anfangsstrecke (63,7 km) von Szepsi-Szt.-György nach Csik-Szereda wurde 4. April 1897 eröffnet, und diese Bahn muß nach der mit Rumänien abgeschlossenen Eisenbahnkonvention bis zum Gyimes-^[folgende Seite]