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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tangentenfläche; Tangentenkurve; Tangentialräder; Tangentometer; Tanger; Tangerhütte; Tangermann; Tangermünde

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Tangentenfläche - Tangermünde

Meridian stehende vertikale Stromkreis auf die sehr kurze (mit einem langen Zeiger versehene) Magnetnadel im Mittelpunkt des Kreises wirkt. Da alle Elemente des Stromkreises von der Nadel gleichweit entfernt sind, so wirkt der ganze Stromkreis proportional der Länge 2rπ, umgekehrt proportional dem Quadrat des Radius r und proportional der Stromstärke i (s. Fernwirkung [der galvanischen Ströme] auf die Nadel. Ist m das Magnetische Moment (s. d.) der Nadel, so ist i·(2rπ/r2)·m = (2πi/r)·m das vom Strom ausgeübte Drehungsmoment. Erreicht die Nadel, um den Winkel α aus dem magnetischen Meridian uu (Fig. 2) ausweichend, ihre Gleichgewichtslage, so besteht zwischen der ablenkenden Kraft A des Stroms und der Horizontalkomponente H des Erdmagnetismus die Gleichung A = H tan α und für die Drehungsmomente Am = Hm tan α oder 2πim/r = Hm tan α oder i = (rH/2π)· tan α. Die Stromstärke ist also proportional der Tangente des Ausschlagswinkels. Der Ausdruck in der Klammer heißt Reduktionsfaktor der T. Wäre z. B. H = 0,2 (cm(-1/2)·g(1/2)·sec(-1)), r = 10π = 31.4 cm, so wäre der Reduktionsfaktor 1, dem Ausschlag von 45° würde die absolute Einheit der Stromstärke entsprechen. Dreht man den Stromkreis der T. der ausweichenden Nadel nach, bis sie in der Ebene des Kreises im Gleichgewicht bleibt, so ist (nach Fig. 3) A = H sin α, d. h. die Stromstärken sind dem Sinus des Ausschlags proportional. Ein für diesen Zweck eingerichteter Apparat heißt Sinusbussole. Derselbe ist viel empfindlicher als die T., aber umständlicher zu handhaben.

^[Fig. 2.]

^[Fig. 3.]

Tangentenfläche, s. Abwickelbar.

Tangentenkurve, Tangentialebene, s. Tangente.

Tangentialräder, eine Art Turbinen (s. d.).

Tangentometer, ein Instrument zum Höhenmessen, d. h. zur unmittelbaren Ermittelung des Höhenunterschieds zwischen zwei Punkten auf trigonometrischem Wege. Ein solches Instrument wird durch ein Tachymeter (s. d.) gebildet, an dem man den Höhenunterschied zwischen den beiden Punkten unmittelbar am Instrument selbst, ohne Rechnung, ablesen kann.

Tanger (spr. tandsch-), Tandja, Tandscha, feste Seestadt im Sultanat Marokko, an der Meerenge von Gibraltar, 22 km östlich vom Kap Spartel, ist amphitheatralisch am Abhange eines kahlen,von einer halbverfallenen Kasbah gekrönten Kalkgebirges erbaut, hat unregelmäßige, steile Straßen, niedrige Häuser echt maur. Charakters, wenige europ. Häuser, darunter zwei Hotels, eine große Moschee, eine kath. Kapelle, ein Hospital, mehrere Synagogen, alte Ringmauern und Gartenanlagen in der Umgegend. Der Hafen ist klein, wenig tief und den Nordostwinden ausgesetzt. Die Reede ist geräumig, versandet aber gegen Süden immer mehr. Die Stadt zählt 30 000 E., darunter gegen 7000 Juden. Die Europäer sind meist Kaufleute. Die Neger leben in einer milden Sklaverei. T. ist der wichtigste Handelsplatz Marokkos und der Sitz des in Marokko beglaubigten diplomat. Korps. Die Einfuhr besteht aus engl. Baumwollwaren, Tuch, Rohseide, Stahl, Eisen, Thee, Kaffee, Zucker, Tabak. Ausgeführt werden lebende Rinder nach Gibraltar, Hühner, Eier, Häute, Pantoffeln, Wolle, Blutegel, Wachs, Datteln, Bohnen, Mais. - T., jedenfalls uralt, hieß bei den Römern Tingis, war unter Augustus eine freie Stadt, unter Claudius röm. Kolonie und Hauptstadt der Provinz Tingitana. Sie wurde dann von den Vandalen, Byzantinern, Arabern, Mauren wechselsweise erobert und besessen, bis sie 1471 in die Hände der Portugiesen fiel. Als Brautschatz der portug. Infantin kam T. 1660 an die Engländer, welche es 1684 verließen und beim Abzuge die Hauptbefestigungen zerstörten. Von den Mauren wieder in Besitz genommen, ward es von neuem befestigt. 1790 beschoß es eine span., 6. Aug. 1844 eine franz. Flotte, worauf 10. Sept. daselbst der Friede zwischen Frankreich und Marrokko zu stande kam.

Tangerhütte, Eisenwerk bei Tangermünde (s. d.).

Tangermann, Wilhelm, altkath. Theolog und Schriftsteller, geb. 6. Juli 1815 zu Essen. Technisch und kaufmännisch ausgebildet, war er in dem Harkortschen Maschinenbauetablissement zu Wetter angestellt, als er sich im 23. Lebensjahre entschloß, Geistlicher zu werden. Durch Privatunterricht vorbereitet, studierte er in Münster und München Theologie und wurde 1845 zum Priester geweiht. Er war dann acht Jahre Kaplan in Neuß und wurde 1864 Pfarrer in Unkel am Rhein. Wegen seiner Weigerung, die Vatikanischen Dekrete anzuerkennen, wurde er im Nov. 1870 von dem Erzbischof von Köln suspendiert, 1871 von der Pfarrei entfernt, 1872 exkommuniziert. Er übernahm 1872 die altkath. Pfarrei zu Köln; 1. Jan. 1888 wurde T. pensioniert. Auf seinen Konflikt mit dem Erzbischof beziehen sich die Schriften "Petrus und Paulus" (Bonn 1870), "Die röm.-jesuitische Neuerung" (ebd. 1871), "Zur Charakteristik der kirchlichen Zustände" (2. Aufl., Lpz. 1874). Von zahlreichen andern Schriften, die zum Teil unter dem Pseudonym Victor Granella erschienen, sind zu nennen: "Wahrheit, Schönheit und Liebe" (Lpz. 1867), "Patriotische Lieder und Zeitgedichte" (Bonn 1871), "Diotima, eine kulturhistor. Novelle" (Lpz. 1873), "Herz und Welt. Dichtungen" (ebd. 1876), "Philosophie und Christentum" (ebd. 1876), "Das liberale Princip" (Köln 1883; 3. Aufl. 1886), "Sions Harfenklänge" (Bonn 1886), "Philosophie und Poesie. Sonettenkränze" (2. Aufl., Lpz. 1887), "Zeitenwende" (anonym, Essen 1890), "Morgen- und Abenderinnerungen, Erlebnisse und Selbstbekenntnisse" (Lpz. 1895), "Blumen und Sterne" (Gedichte, ebd. 1896).

Tangermünde, Stadt im Kreis Stendal des preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, an der Elbe und der Privatbahn Stendal-T. (10,2 km, Nebenbahn), Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Stendal) und Steueramtes, hat (1895) 9059 E., darunter 817