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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tassoni; Tassurt; Tassy; Tastatur; Taste

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Tassoni - Taste

nichts ging in Erfüllung, und er begab sich 1588 nach Neapel, um den vergeblichen Versuch zu machen, das eingezogene Vermögen seiner Eltern zu erhalten. Hier beschäftigte er sich mit einer gänzlichen Umarbeitung seines großen Gedichts, kehrte nach Rom zurück und lebte eine Zeit in Florenz, Mantua und Neapel, immer unstet und unruhig, sich und andern mißtrauend, krank und arm. Die Umarbeitung seines Werkes "Gerusalemma conquistata" (1593 gedruckt) und die Dichtung "Le sette giornate del mondo creato" entstanden in dieser unglücklichen Zeit. Da fand er einen neuen Gönner. Kardinal Cinzio Aldobrandini, Neffe Clemens' VIII., bewog ihn nach Rom zu kommen, um die feierliche Dichterkrönung auf dem Kapitol zu empfangen. Im Nov. 1594 langte T. an; man verschob aber die Feierlichkeit bis zum Frühjahr. Während des Winters schwand seine Gesundheit mehr und mehr. Er fühlte sein nahes Ende und ließ sich in das Hieronymitenkloster Sant' Onofrio auf dem Janiculum bringen, wo er an einem Fieber 25. April 1595 starb und in der Kirche des Klosters bestattet wurde. Der Kardinal Bevilacqua von Ferrara ließ ihm ein Denkmal setzen; ein glänzenderes wurde unter Pius IX. von De Fabris über seinem Grabe aufgeführt. Seine Vaterstadt Bergamo hat ihm ein Standbild errichtet.

Mit der "Gerusalemme liberata" gedachte T. ein wahres Epos nach den strengen Regeln der Kunst zu schaffen, wählte daher einen würdigen und ernsten histor. Stoff, den ersten Kreuzzug, der in den Zeiten der kath. Reaktion und der Türkenkriege mit den Empfindungen der Gegenwart eng verknüpft schien und dabei auch das Ideal des Rittertums in sich darstellte. Indessen, um dem größern Publikum zu gefallen, verband er damit episodisch die Elemente des Romans, phantastische Geschichten von Liebe und Zauberei. Allein die Religiosität der Zeit war abstrakt, ohne lebendiges Gefühl, das die Dichtung beseelen konnte, und dazu war die Nachahmung der Alten, die Befolgung der ihnen entnommenen Regeln eine Fessel, die alle freiere Bewegung hemmte. So ist von T.s großen Gedichten nicht eigentlich das Epos, sondern der episodische romantische Teil lebendig und anziehend geblieben. Nicht sein Gottfried, sondern Tancred, Clorinda, Erminia und vor allen die schöne Zauberin Armida sind seine unvergeßlichen Schöpfungen, alle erfüllt von seinem eigenen Geiste, von seiner zu Herzen gehenden Melancholie. Seine lyrischen Gedichte sind vielfach Gelegenheitsverse, Lobpreisungen, Galanterien, manche allerdings von großer Anmut, "Aminta" ist ein reizendes, zartes Idyll; ganz mißlungen ist die Tragödie "Trismondo". Die zahlreichen Dialoge in Prosa suchen Plato nachzuahmen, leiden aber an Breite und Schwerfälligkeit. Die Rosinische Ausgabe von T.s Werken (33 Bde., Pisa 1821-31) ist die vollständigste, sehr brauchbar die Mailänder der "Opere scelte" (5 Bde., 1823-25). Kritische Ausgaben von "Gerusalemme liberata" besorgten Orelli (Zur. 1838), Scartazzini (Lpz. 1871; 2. Aufl. 1882) und Spagnotti (Mail. 1895), die besten deutschen Übersetzungen Gries (14. Aufl., 2 Bde., Berl. 1880; auch in Reclams "Universalbibliothek") und Streckfuß (4. Aufl., 2 Bde., Halle 1847). "L'Aminta e rime scelte" wurden herausgegeben von Orlandini (Flor. 1862), "Il Rinaldo e l'Aminta" von Mazzoni (ebd. 1884), "I dialoghi" von Guasti (3 Bde., ebd. 1858-59), "Le prose diverse" von demselben (2 Bde., ebd. 1875). "Auserlesene lyrische Gedichte" übersetzte K. Förster (2. Aufl., Lpz. 1844). Eine vollständige chronol. Ausgabe seiner sehr wichtigen Briefe lieferte Guasti l5 Bde., Flor. 1853-55), mit wertvollen Abhandlungen über T. Die von Graf M. Alberti herausgegebenen "Manoscritti inediti di T. T." (Lucca 1837) sind unecht. - T.s Leben wurde von vielen beschrieben; so von G. Manso (Neap. 1619), am vollständigsten von P. A. Serassi (Rom 1785; neue Aufl., von Guasti, Flor. 1858). Vgl. ferner Ranke, Zur Geschichte der ital. Poesie (Berl. 1837); Streckfuß, T. T.s Leben (ebd. 1840); Milman, Life of T. T. (2 Bde., Lond. 1850); G. Voigt, T. T. am Hofe von Ferrara (in Sybels "Histor. Zeitschrift", Bd. 20, Münch. 1868); D'Ovidio, Il carattere, gli amori e le sventure di T. T. (Mail. 1875); Cecchi, T. T., il pensiere e le belle lettere nel secolo XVI (Flor. 1877; deutsch von Lebzeltern, Lpz. 1880); Ferrazzi, Torquato T. (Bassano 1880); Speyer, Torquato T. (im 10. Bd. des "Neuen Plutarch", Lpz. 1884); Corradi, Le infermità di T. T. (in den "Memorie dell' Istituto Lombardo", Mail. 1881); G. Campori und A. Soberti, Luigi, Lucrezia e Leonora d'Este (Tur. 1888).

Tassoni, Alessandro, ital. Dichter, geb. 28. Sept. 1565 in Modena, studierte zu Bologna und Ferrara und ging 1597 nach Rom. Er begleitete als Sekretär den Kardinal Ascanio Colonna 1600 nach Spanien, lebte nach dessen Tode von schriftstellerischen Arbeiten in Rom, trat 1618 in den Dienst des Kardinals Moritz von Savoyen, 1626 in den des Kardinals Ludovisi, kam 1632 an den Hof seines Landesherrn Herzogs Franz I. von Este und starb 25. April 1635 in Modena. T. hat sich in manchen Fächern versucht, in allen mit Geschick, in mehrern mit Originalität, wenngleich nicht frei von Bizarrerie und Gesuchtheit. Mit den "Considerazioni sopra il Petrarca" (1609) trat er gegen die übertriebene Bewunderung dieses Dichters auf und erregte damit heftige Angriffe. Gewissermaßen eine neue Gattung, das komische Epos, als Gegensatz zum wiedererweckten Heldengedicht klassischen Stils, schuf er in "Secchia rapita" (Par. 1622; dann sehr oft, von Carducci, mit Biographie, Flor. 1861, und von Casini mit den "Filippiche", ebd. 1887; deutsch von Kritz, "Der geraubte Eimer", Lpz. 1842), das ein um die Mitte des 13. Jahrh. in einer Fehde zwischen Modena und Bologna vorgekommenes Ereignis mit Humor und Erfindungsgabe behandelt. Auch bezüglich der Sprache und des Versbaues ist dieses Gedicht mit Recht geschätzt. Als polit. Schriftsteller verfaßte er zur Zeit der Opposition Karl Emanuels von Savoyen gegen Spaniens Einfluß in Italien "Filippiche contra gli Spagnuoli" (Modena 1615; vollständig mit andern polit. Aufsätzen T.s, Flor. 1855), leidenschaftlich übertrieben, aber von Wert für die Kenntnis der ital. Zustände im ersten Drittel des 17. Jahrh., vom Verfasser verleugnet, aber doch einer der Anlässe zu seinem Ausscheiden aus dem piemont. Dienst, als der Herzog sich mit Spanien versöhnte. Fast vergessen sind seine übrigen Gedichte ("Rime", Bologna 1880), sowie sein kirchengeschichtliches Annalenwerk, das bis 1400 reicht und oft den Baronius widerlegt. - Vgl. Ronca, La Secchia rapita di Al. T. Studio critico (Caltanissetta 1884).

Tassurt, Handelsplatz in Marokko, s. Mogador.

Tassy, Garcin de, franz. Orientalist, s. Garcin de Tassy.

Tastatur (ital.), s. Klaviatur.

Taste oder Clavis, der hebelartige Teil an Klavierinstrumenten und Orgeln, durch dessen Nieder-[folgende Seite]