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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Temperatur; Temperaturkurve; Temperatursinn; Temperatursprünge; Temperaturumkehr; Temperaturverteilung

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Temperatur - Temperaturverteilung

Enthaltsamkeitsmänner allerdings, da ihnen die Spirituosen verboten, hauptsächlich auf den Genuß des Thees oder Kaffees angewiesen sind. Die Entstehung des Wortes wird darauf zurückgeführt, daß einst ein Schmied aus Birmingham in einem Meeting anstatt "I am a totaler" mit stotternder Stimme gesagt haben soll: "I am a t-t-totaler".

Im J. 1838 begann in Irland die großartige Thätigkeit des Paters Mathew, eines Franziskaners, der 1838-41 Millionen seiner Landsleute das Enthaltsamkeitsgelübde abgenommen haben soll. Dagegen machte in England die Sache der T. nur langsame Fortschritte, bis endlich 1880 R. T.Booth die 1877 in Nordamerika begründete Blue Ribbon army (s. d.), die ihre Enthaltsamkeitsforderung besonders auf religiöse Motive gründete, dorthin verpflanzte. Obgleich der Name der Blue Ribbon army und das Blaue Band als Symbol der Abstinenz jetzt fast ganz verschwunden ist, so sind die Vereine jener christl. Temperenzler doch bestehen geblieben. Unterstützung finden ihre Bestrebungen durch den Independent Order of good Templars, der 1851 in Amerika begründet, 1868 in England eine neue Heimat fand, und besonders auch durch die Heilsarmee (s. d.), die ihren Mitgliedern beim Eintritt völlige Abstinenz auferlegt.

In Deutschland wurden Mäßigkeitsvereine in Nachahmung der amerik. und engl. Bestrebungen 1837 zunächst in Preußen aus Veranlassung König Friedrich Wilhelms III. ins Leben gerufen. Geistliche und Regierungsbeamte standen an der Spitze. 1845 betrug die Zahl der Mäßigkeitsvereine 375 mit 60 000 Mitgliedern, abgesehen von den bloß kirchlichen und örtlichen Gesellschaften gleichen Zweckes. Zwölf Mäßigkeitszeitungen wurden herausgegeben. Als Apostel zog Baron von Seld von Stadt zu Stadt. In diesen Vereinen wurde nur der Branntweingenuß bekämpft, und zwar mit solchem Erfolg, daß viele Brennereien den Betrieb einstellen mußten. Da man für die Landeskultur des Ostens darin einen schweren Schaden sah, erlahmte allmählich der Eifer angesehener Führer, die polit. Erregung der Zeit aber zerstreute die Vereine. Die wenigen übriggebliebenen entschlossen sich zu den strengsten Grundsätzen der Enthaltung. Sie bilden, 11 an der Zahl, seit 1884 einen Centralverband. Vergebens war der Versuch, durch einen Kontinentalen Mäßigkeitskongreß zu Hannover (1863) die stockende Bewegung in Fluß zu bringen. Die zahlreich in kath. Gemeinden Schlesiens vorhandenen Mäßigkeitsvereine stellte Pius IX. unter den besondern Schutz der Jungfrau Maria und erhob sie zu einer eigentlichen Sodalität oder Bruderschaft, die besondere Andachten, Festtage, Altäre und Ablässe hat. Der 1877 in Genf zur Bekämpfung der Trunksucht begründete Verein "Blaues Kreuz" (s. d.) hat auch in Deutschland Verbreitung gefunden. Größere Wirksamkeit hat der seit 1883 bestehende "Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" (s. d.) entfaltet. (S. auch Alkoholismus.)

Vgl. Dawson Burns, Temperance History (wovon bis jetzt 3 Bde., die Jahre 1826-42, 1843-61 und 1862-72 umfassend, 1889-91 erschienen sind); B. W. Richardson, Twenty-one years of scientific progress in the temperance reform (Lond. 1882); E. Blackwell, Booth of the Blue Ribbon movement (ebd. 1883); J. P. Lewis, Temperance or Teetotalism (3. Aufl., ebd. 1877); Martius, Die jetzigen deutschen Mäßigkeitsbestrebungen (Gütersloh 1888); Bode, Kurze Geschichte der Trinksitten und Mäßigkeitsbestrebungen in Deutschland (Münch. 1896). Unter den Zeitschriften seien erwähnt: Blue Ribbon Chronicle (Lond. 1882 fg.); Gospel Temperance Herald (ebd. 1882 fg.); The Jubilee Chronicle (ebd. 1883 fg.); Ephemerides, National Temperance Handbook.

Temperatur (lat.), der Wärmezustand eines Körpers. Man nimmt an, daß der größere oder geringere Wärmegrad eines Körpers von der stärkern oder schwächern Bewegung seiner kleinsten Teile (Moleküle, s. d.) abhängt. Wenn sich letztere ganz in Ruhe befinden, so hat nach dieser Vorstellung der Körper gar keine Wärme, ist absolut kalt. (S. Absolute Temperatur.) Als Maß für die T. benutzt man die mit der Bewegung der kleinsten Teile verbundene Ausdehnung der Körper, worauf die Temperaturmesser, die Thermometer (s. d.), beruhen. (S. auch Lufttemperatur und Atmosphäre.) - Über Kritische Temperatur s. d.

Temperaturkurve, s. Fieber.

Temperatursinn, s. Tastsinn.

Temperatursprünge, beträchtliche, rasch aufeinander folgende Unterschiede in der Lufttemperatur. Sie kommen in Europa besonders im Sommer bei Gewittern vor. Die herabstürzenden Wasser- und Hagelmassen können die Luft in kurzer Zeit um 10° C. und noch mehr abkühlen, während nachher manchmal eine ziemlich schnelle Erwärmung eintreten kann. Im Winter können nach starkem Frostwetter schnell hereinbrechende Cyklonen die Temperatur in kurzer Zeit beträchtlich erhöhen. Im allgemeinen stehen die T. mit raschen Änderungen in der Windrichtung im Zusammenhang. Bekannt durch bedeutende T. sind Westsibirien und noch mehr Nordamerika. Hier bewirken die Northers (s. d.) bedeutende Rückgänge der Luftwärme. Setzen dann südl. Winde ein, so steigt die Temperatur schnell wieder. Am 20. Jan. 1854 betrug in Washington z. B. die Temperatur 3 Uhr nachmittags +19°, am andern Morgen bei Sonnenaufgang -12°. Umgekehrt wurde an andern Orten bei Nordwestwind früh 7 Uhr -8°, um 2 Uhr nachmittags bei Südwind aber +13° vorgefunden.

Temperaturumkehr, s. Klima.

Temperaturverteilung, die Verteilung der Lufttemperatur (s. d.) auf der Erdoberfläche. Über die vertikale T. s. Atmosphäre. Zur Darstellung der horizontalen T. auf einem größern Bezirk pflegt man die an den einzelnen Stellen beobachteten Temperaturen auf das Niveau des Meers zu reduzieren, wobei man auf 100 m Erhebung je nach der Jahreszeit 0,4-0,7 °C., vielfach 0,5° C. durchschnittlich Temperaturabnahme annimmt. Die in Karten eingeschriebenen Zahlen pflegt man dann zur Konstruktion von Isothermen (s. d.) zu verwenden. Je nachdem man Beobachtungen in einem bestimmten Zeitmoment oder Monats- oder Jahresmittel u. s. w. zu Darstellung anwendet, erhält man Karten synchroner Monats- oder Jahresisothermen u. s. w. Zur vergleichenden Darstellung der T. auf der Erde pflegt man nur die Wärmeverhaltnisse im Winter, Sommer und im Durchschnitt des ganzen Jahres zu geben. So giebt die hierher gehörende Karte: Temperaturverteilung auf der Erde, die mittlern Wärmeverhältnisse für Januar und Juli als die beiden extremsten Monate sowie für das Jahr. Die Jahresisothermen lassen erkennen, daß im allgemeinen die Temperatur vom