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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Thaer; Than-schui; Thanatologie; Thanatos; Thanet; Thang; Thankmar; Thann; Thannhausen; Thapsacus; Thapsia; Thapsus; Thar

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Thanatologie - Thaer (Albrecht)

Thanatologie (grch.), die Lehre von der Natur und den Ursachen des Todes.

Thanatos, bei den alten Griechen der Dämon des Todes, der Sohn der Nyx (Nacht) und Zwillingsbruder des Schlafs (Hypnos, s. d.). Bei Homer hat er noch keine bestimmte Gestalt, später erscheint er mit schwarzen Flügeln und finsterm Blicke, mit einem Opfermesser dem Sterbenden eine Locke abschneidend. Später erscheint T. als Sohn der Erde und des Tartaros, als Immerschläfer, meist ein schöner geflügelter Jüngling oder Knabe, welcher eine noch lodernde, aber gesenkte oder bereits ausgelöschte Fackel in der Hand hält. Nach einer Sage sandte Zeus den T. zu Sisyphos, der die Entführung der Aigina durch Zeus ihrem Vater verraten hatte; er ward aber von diesem gebunden und durch Ares wieder befreit. - Vgl. Robert, Thanatos (Berl. 1879).

Thanet (spr. thännet), s. Kent (Grafschaft).

Thang, Reismaß in Siam, s. Basket.

Thankmar, Sohn des deutschen Königs Heinrich I. und seiner ersten Gattin Hatheburg, war vor 906 geboren. Zu Gunsten der Kinder Heinrichs aus der spätern Ehe mit Mathilde zurückgesetzt, auch von seinem Halbbruder König Otto I. nicht mit der Verteidigung gegen die Wenden betraut, die er erstrebt hatte, beteiligte er sich 938 an der Empörung des Herzogs Eberhard von Franken und machte die alte Eresburg (Stadtberge) an der Diemel zum Stützpunkt seiner Unternehmungen. Als jedoch Otto selbst heranzog, wurde T. von seinen Leuten verlassen und, als er in die Kirche flüchtete, hier 28. Juli von den Mannen des Bruders nach tapferer Wehr erschlagen.

Thann. 1) Kreis im Bezirk Oberelsaß, hat 523,62 qkm, (1895) 59 175 (28 331 männl., 30 841 weibl.) E. in 53 Gemeinden und zerfällt in die Kantone Masmünster, St. Amarin, Sennheim und T. - 2) Kreisstadt im Kreis T. und Hauptort des Kantons T., an der Thür, am Eingang des schönen und industriereichen St. Amarinthals, an der Linie Mülhausen-Wesserling der Elsaß-Lothring. Eisenbahnen, Sitz der Kreisdirektion, eines Amtsgerichts (Landgericht Mülhausen) und Steueramtes, hat (1895) 7537 E., darunter etwa 700 Evangelische und 150 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Reste der alten Befestigungen, ein bedeutendes got. Münster St. Theobald, früher besuchter Wallfahrtsort, Progymnasium, höhere Mädchenschule, Waisenhäuser, Bürgerspital im ehemaligen Franziskanerkloster; Baumwollspinnerei. Maschinen- und chem. Fabriken, Bleichereien, Färbereien, Weinbau und Weinhandel; der Wein, der sog. Rangen, gilt als einer der besten des Elsaß.

Dicht bei T. liegt das Dorf Alt-Thann mit 2008 E. und Industrie; auf dem linken Ufer der Thür die Ruine der Engelburg, 1674 von den Franzosen zerstört. - T. gehörte zur Herrschaft Pfirt und kam mit dieser an die Habsburger, die der Stadt mehrfache Freiheiten verliehen; sie hatte von den Kriegen des 17. Jahrh. viel zu leiden, kam im Westfälischen Frieden an Frankreich und bildete einen Teil des von Ludwig XIV. dem Kardinal Mazarin geschenkten Herzogtums Mazarin. - Vgl. Kleine Thanner Chronik (Mülhausen 1855); Tschamser, Annales oder Jahrs-Geschichten der Barfüßer zu T. (Colmar 1864).

Thannhausen in Schwaben, bayr. Marktflecken, s. Bd. 17.

Than-schui, Hafen auf Formosa, s. Tam-sui.

Thapsacus (im Alten Testament Thiphsach, d. i. die Furt), alte berühmte Handelsstadt in der syr. Landschaft Chalybonitis in Asien, am rechten Ufer des Euphrat. Sie war die Grenzstadt des Salomonischen Reichs und bildete seit frühester Zeit den gewöhnlichen Übergangspunkt über den Euphrat, der hier auch von dem jüngern Cyrus und Alexander d. Gr. überschritten wurde. Einige Reste der alten Stadt sind bei der Furt von El-Hamman in der Nähe von Rakka. Durch T. zogen die alexandrinischen Gelehrten einen Parallelkreis; Eratosthenes rechnete von da die Distanzen in Asien.

Thapsia L., Pflanzengattung aus der Familie der Umbelliferen (s. d.) mit nur vier Arten in den Mediterranländern, krautartige Gewächse mit mehrfach gefiederten Blättern und reichblühenden Dolden. Die bekannteste ist T. silphium Viv. im nördl. Afrika, vermutlich bei Griechen und Römern jenes als Gewürz und Heilmittel hochgeschätzte Kraut, das bei erstern Silphium cyrenaicum, bei letztern Laser hieß. Von T. garganica L. wird der eingedickte Milchsaft oder das durch Alkohol aus der getrockneten Wurzel ausgezogene Harz noch heute in der Medizin zu hautreizenden und blasenziehenden Pflastern benutzt.

Thapsus, feste Stadt an der Nordküste von Afrika, nördlich von der sog. Kleinen Syrte auf einem Küstenvorsprunge (dem jetzigen Ras-Dimas, wo noch Ruinen) gelegen, berühmt durch die Entscheidungsschlacht, die hier Cäsar 6. April 46 v. Chr. der Pompejanischen Partei lieferte, und durch die er den Afrikanischen Krieg beendete.

Thar (Capra bubalina Hodgs.; s. Tafel: Ziegen II, Fig. 1), eine 1,10 m lang werdende Ziegenart, die die Gebirge von Nepal bewohnt. Auf dem Hals und Widerrist hat der T. eine struppige, dichte Mähne. Die Hörner sind kurz. Die Färbung ist individuellen Schwankungen unterworfen, oben rötlichgrau bis schwarz, an den Seiten dunkel kastanienbraun, unter dem Schwanze ist ein kleiner weißer Spiegel. Die Lebensweise des T. ist fast unbekannt.

Thaer, Albrecht, Landwirt, geb. 14. Mai 1752 zu Celle, studierte zu Göttingen Medizin und Philosophie. Nach dem Tode seines Vaters erhielt er dessen Stelle als Hofmedikus, wurde aber durch Beschäftigung mit Blumen- und Gartenbau bald der Landwirtschaft zugeführt. Er schrieb 1798 seine "Einleitung zur Kenntnis der engl. Landwirtschaft" (3. Aufl., 2 Bde., Hannov. 1816) und begann 1799 die Herausgabe der "Annalen der niedersächs. Landwirtschaft" (3 Bde., 1798-1804). 1804 erteilte ihm der König von Preußen den Titel eines Geh. Kriegsrates und gegen Zahlung eines Kanons einen Landbesitz von 400 Morgen im Oderbruch, den er aber bald veräußerte, um das Gut Möglin käuflich zu erwerben. Zu Möglin errichtete er 1807 eine landwirtschaftliche Lehranstalt, veröffentlichte die "Annalen des Ackerbaues" und schrieb sein großes Werk "Grundsätze der rationellen Landwirtschaft" (4 Bde., Berl. 1809-10; 6. Aufl., ebd. 1868; neue Ausg., ebd. 1880), das in fast alle europ. Sprachen übersetzt wurde. Bei der Reorganisation des preuß. Staates 1807 wurde T. Staatsrat und hatte bedeutenden Anteil an den agrarischen Gesetzen zur Regulierung der bäuerlichen Verhältnisse. Er wurde 1810 Professor der Landwirtschaft an der Universität zu Berlin und vortragender Rat im Ministerium des Innern. Im folgenden Jahre gründete er die berühmt gewordene Mögliner Schäferei, worauf er 1815 Generalintendant der königl. Stammschäfereien wurde. Nachdem er schon 18l8 seine Ent-^[folgende Seite]