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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Thaumatropie; Thaumaturg; Thaumaturgos; Thaumops; Thausing; Thaya; Thayingen; Thb; Theater

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Thaumatropie - Theater

drücke am Stroboskop (s. d.) verwertet. Wenn die beiden Seiten eines T. verschiedene Farben haben, so sieht man bei der Drehung die Mischfarbe (thaumatropische Mischfarbe).

Thaumatropie, eine optische Täuschung, welche durch das Thaumatrop (s. d.) hervorgerufen wird und welche auch das alte Dädaleum (s. d.) zeigte.

Thaumaturg (grch., d. h. Wunderthäter), Beiname mehrerer Heiligen.

Thaumaturgos, Gregorios, griech. Kirchenlehrer, s. Gregorios Thaumaturgos.

Thaumops, neu aufgefundene Gattung der Flohkrebse (s. d.).

Thausing, Moritz, Kunstschriftsteller, geb. 3. Juni 1838 auf Schloß Tschischkowitz bei Leitmeritz in Böhmen, studierte in Prag, München und Wien, anfangs in der Absicht, sich der Germanistik zu widmen. Er veröffentlichte auch in Pfeiffers "Germania" und in der "Österr. Wochenschrift" 1861 und 1864 unter anderm Nibelungenstudien, wendete sich dann aber dem Studium der Kunstgeschichte zu. Er wurde 1864 Bibliothekar, 1868 Direktor des Handzeichnungen- und Kupferstichkabinetts des Erzherzogs Albrecht (Albertina) in Wien, 1873 Professor der Kunstgeschichte an der Universität, verfiel aber in Geistesstörung und starb 14. Aug. 1884 durch einen Sturz in die Elbe in Aussig. T. entfaltete eine fruchtbare litterar. Thätigkeit teils streng wissenschaftlicher, teils scharf polemischer Natur. Sein bedeutendstes Werk ist "Dürer, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst" (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1884).

Thaya, der größte Nebenfluß der March, entsteht aus zwei Quellbächen, der mährischen und deutschen T., von denen der erste im nordwestl. Teil von Niederösterreich, der andere im südwestl. Teil von Mähren entspringt, und die sich bei dem Schlosse Raabs in Niederösterreich vereinigen. Von dort an verfolgt der Fluß in geschlängeltem Laufe eine östl. Richtung, bis zu seinem Einfluß in die March größtenteils an der Grenze zwischen Niederösterreich und Mähren. Ihre Zuflüsse empfängt die A. meist von rechts. Die Länge von der Vereinigung der Quellbäche an beträgt 282 km.

Thayingen, Thaingen oder Thäyngen, Marktflecken und Hauptort des Bezirks Reyath im schweiz. Kanton Schaffhausen, 2 km nordöstlich von Schaffhausen, zu beiden Seiten der Biber in 452 m Höhe, an der Linie Konstanz-Singen-Schaffhausen der Bad. Staatsbahnen, hat (1888) 1181 E., darunter 57 Katholiken, Post, Telegraph; Getreide-, Hanf-, Gemüse- und Weinbau. 1874 wurden in der nahen Felshöhle des Keßlerlochs prähistor. Artefakte, namentlich mit Renntierfiguren gravierte Knochen gefunden.

Thb., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Karl Peter Thunberg (s. d.).

Theater (grch. théatron, von théaomai, ich schaue), im klassischen Altertum das Schauspielhaus, insbesondere der Platz, wo die Zuschauer saßen, nicht aber die Schaubühne selbst. Im neuern Sprachgebrauch versteht man unter T. das Gebäude (Schauspielhaus, Opernhaus), sodann den innern Raum des Gebäudes, in dem die Zuschauer auf die verschiedenen Plätze (Parkett, Loge u. s. w.) verteilt sitzen und die Vorstellungen abgehalten werden (Bühne), endlich (in Zusammensetzungen) alles mit der Schaubühne und den Vorführungen auf ihr im Zusammenhang Stehende (Theaterbillets, Theatergarderobe, Theatervorhang, Theaterzettel u. s. w.). (Hierzu die Tafeln: Theater I und II.) Die Geschichte des Theaterwesens beginnt mit der höhern Ausbildung der dramat. Darstellungen im alten Griechenland, die ihren Ursprung von den Festen zu Ehren des Dionysos nahmen. Die Tragödien gingen aus den Dithyramben hervor, Chorgesängen, die anfangs von Dionysos' Leiden, Kämpfen und Siegen zu handeln pflegten und auf einem Platze (Orchestra) vorgetragen wurden, in dessen Mitte sich ein Altar (die Thymele) befand, um den herum der Chor sich im Tanzschritt bewegte. Mit der Zeit trat zu den Gesängen des Chors der Einzelvortrag hinzu, der Vortragende trat, wie der Redner in der Volksversammlung, auf einen erhöhten Platz; als solcher diente ein niedriger Untersatz, etwa ein hölzerner Tritt oder Tisch, in der Regel wohl die Stufe des Altars. In Thespis sah die antike Überlieferung den Vater des Schauspiels, weil er entweder selbst auftrat oder eine andere Person, die die Pausen zwischen den verschiedenen Chorgesängen durch darauf bezügliche Reden ausfüllte, dem Chor gegenüber stellte. Aus dieser ersten einfachen Gestaltung des T. erwuchs im 5. Jahrh. v. Chr. die Form, die für alle Folgezeit die Grundlage blieb. Äschylos führte die Errichtung eines Spielzeltes (skēnḕ, Scene) ein, das den auf- und abtretenden Schauspielern diente und dessen dekorierte Vorderwand (Proskenion) (Äschylos wurde durch den Maler Agatharchos, den Erfinder der Bühnenmalerei unterstützt) für das Spiel der Schauspieler und des Chors in der Orchestra den Hintergrund bildete. Durch die Dekoration des Proskenions wurde der Ort der Handlung des aufgeführten Stücks charakterisiert. Zu den Seiten des Proskenions schlössen sich Flügelbauten, Paraskenien, an, durch die das Spielhaus (bei verhältnismäßig geringer Tiefe) eine große Ausdehnung in der Breite erhielt. Auch in der Höhe wurde es allmählich durch Aufsetzen eines oder auch zweier Stockwerke, die sich hinter dem Proskenion erhoben, erweitert. Die Scenenwand nach der Orchestra hin enthielt drei Thüren, deren mittlere und größere die königliche hieß; die beiden andern wurden (nach Vitruv) Gastthüren genannt. Sollten Vorgänge im Innern des Palastes oder Tempels, dem gewöhnlichen Schauplatz in der Tragödie, oder des Bürgerhauses in der Komödie gezeigt werden, so wurde in älterer Zeit, was von solchen im Innern geschehenen Vorgängen sichtbar sein sollte, auf einem Gerüst auf die Bühne herausgeschoben. Später wurde die Scenenwand auseinander geschoben und so das Innere eines Gebäudes zur Schau gestellt. Außer den Zugängen im Hintergrunde führten zwischen den Paraskenien und den um das Rund der Orchestra ansteigenden Sitzstufen des Zuschauerraums seitliche Eingänge (Parodoi) in die Orchestra. Durch sie betraten die Zuschauer das T., sie dienten aber auch dem Chor und den Schauspielern zum Auftreten. Es bildete sich die künstlerische Übereinkunft aus, daß, wer von den Schauspielern, vom Zuschauer aus gesehen, von rechts her auftrat, aus der Stadt und dem Hafen, also der Heimat, wer von links her, aus der Fremde komme, während in der Mitte des Proskenions gewöhnlich der Haupteingang des Palastes oder Hauses oder bei Scenen im Freien wohl der Standort der Hauptperson des Dramas war. Der Altar in der Orchestra blieb bestehen. Der Spielplatz der Schauspieler war vornehmlich die von den Zuschauern aus gerechnet hin-^[folgende Seite]