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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Theben (in Ungarn) - Thee

316 wurde T. durch Kassander in dem frühern Umfange wiederhergestellt, gelangte aber nie wieder zur alten Blüte. Sulla nahm der Stadt 86 v. Chr. die Hälfte ihres Gebietes, und um den Beginn unserer Zeitrechnung erschien T. als ein bloßes Dorf; im 2. Jahrh. n. Chr. war sie vorwiegend auf den Raum der alten Kadmeia beschränkt. Im Mittelalter hob sich T. wieder und blühte durch seine Seidenweberei und Purpurfärberei. Unter den Türken sank es wieder zu einem Dorf (neugrch. Thivä oder Thiva, Phiva) herab, das sich erst neuerdings zu heben beginnt, obwohl es oft durch Erdbeben heimgesucht wurde. Es nimmt den Raum der alten Kadmeia ein, ist Hauptort der gleichnamigen Eparchie (29 730 E.) des Nomos Attika-Böotien, Sitz eines Bischofs, zählt (1896) 3469 E. und ist durch Fahrstraße mit Athen und Livadia verbunden. Auf dem Raum des alten T. befinden sich noch zwei Dörfer, Theodori und Pyrgi. - Vgl. Mor. Müller, Geschichte T.s (Lpz. 1879); E. Fabricius, Theben (Freib. i. Br. 1890); von Wilamowitz im "Hermes", Bd. 26 (1891).

Theben (vom slaw. Děvin, ungar. Dévény, d. i. Magdeburg), Groß-Gemeinde im ungar. Komitat Preßburg, am Einfluß der March in die Donau, am Fuß eines Berges (521 m), dessen Gipfel die Reste einer vorungar. Feste trägt, ist Dampferstation und hat (1890) 1867 E.; Schiffahrt, Wein-, Obst- und Gemüsebau.

Thebolaktinsäure, s. Milchsäure.

Thecla betulae, Schmetterling, s. Bläulinge.

Thecla rubi, s. Brombeerfalter.

Thed., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Knud Fredrik Thedenius, gest. 1894, Lektor der Botanik zu Stockholm; schrieb über die schwed. Flora.

The Dalles oder Dalles City, Hauptort des County Wasco im nordamerik. Staate Oregon, auf dem linken Ufer des Columbia, 64 km oberhalb der Kaskaden desselben, wo sich der Strom zu den T. D. genannten Stromschnellen verengt, an der Union-Pacific-Bahn. Der Ort hat beträchtlichen Lokalhandel, 5 Kirchen, 3 Banken, 4 Theater, 3 Zeitungen, eine Anzahl Mühlen, Wasserwerke, Fischfang und Lachsverpackung u. s. w., zählte 1880: 2232 und 1895 etwa 4000 E.

Thé dansant (spr. dangsáng), ein kleineres Tanzfest, bei dem Thee gereicht wird.

Thedenius, Knud Fredrik, s. Thed.

Thedensche Arkebusade, Wundwasser, s. Arkebusade.

Thedinghausen, Flecken im Herzogtum und Kreis Braunschweig, an der Eyter, welche 3 km unterhalb links zur Weser geht, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Braunschweig), besteht aus den Dörfern Bürgerei (510 E.), Hagen (759) und Westerwisch (372), die mit noch elf Ortschaften eine von der Provinz Hannover begrenzte Exklave des Herzogtums bilden, und hat (1895) 1651 evang. E., Post, Telegraph; Leinenweberei, Landwirtschaft und Handel mit Pferden, Schweinen und Milchkühen.

Thee (Thea L.), Pflanzengattung aus der Familie der Ternströmiaceen (s. d.). Es giebt zwar verschiedene Theearten, doch ist es ziemlich sicher, daß alle in den Handel kommenden Theesorten nur von einer Art abstammen, die allerdings überaus variiert, und von der im Laufe einer mehr als tausendjährigen Kultur eine Menge Kulturvarietäten (z. B. Thea viridis L., Thea bohea L, Thea stricta Hayne) entstanden sind, die sich durch verschiedene Blattformen, Krümmung der Äste und Blattstiele u. s. w. unterscheiden. Diese einzige Art ist Thea chinensis L. (Camellia Thea Lk., s. Textfigur 1 beim Artikel Cistifloren), ein schöner immergrüner Strauch mit abwechselnden, lanzettförmigen, länglichen oder verkehrt-eiförmigen, grob gesägten, beiderseits kahlen, nur in der Jugend von einem seidigen Flaum bedeckten Blättern; die Blüten stehen einzeln oder zu zwei bis vier in den Blattachseln; sie haben ziemlich große wohlriechende weiße, meist rosa angehauchte Blumenblätter. Die Theepflanze ist im wilden Zustande ein 8-15 m hoher Baum, als Kulturstrauch wird er infolge des Beschneidens höchstens 3 m hoch. Wild findet sich der T. in den ndrdl. Teilen Hinterindiens, z. B. in Manipur, doch spricht manches dafür, daß er auch in den Gebirgsgegenden des südwestl. Chinas noch wild vorkommt. Ebenso ist in Ober-Assam eine kaum als besondere Art zu bezeichnende Theesorte (Thea assamica Mast.) wild aufgefunden worden die heute noch dort kultiviert wird.

Kultur und Erntebereitung. Die Theepflanze wächst und gedeiht in freier Luft zwischen dem Äquator und dem 45.° nördl. Br., am besten in den kühlern Gegenden der Tropen. Doch bedarf sie zu ihrer gesunden Entwicklung eines mindestens mäßig warmen, von starken Temperaturschwankungen und größern Dürreperioden freien und feuchten Klimas. Deshalb findet sich die Theekultur in Japan zwischen 30 und 40° nördl. Br., auf Ceylon und Java zwar näher am Äquator, aber in Höhe von 1000 bis 2000 m, in China und Assam, also auf dem Festlande, liegen sie zwischen 24 und 36° und 26 und 32° nördl. Br. Am verbreitetsten ist der kleinblätterige sog. chinesische T., der großblätterige und reichere Erträge gebende sog. Assamthee wird nur in Indien, Ceylon und Java kultiviert, und auch hier zusammen mit dem chinesischen, häufig auch Kreuzungen beider. Die Vermehrung geschieht am besten durch Aussaat in etwas beschatteten und feucht gehaltenen Saatbeeten, wobei ältere Samen vorher in lauwarmem Wasser zum Keimen gebracht werden. Die nach 6-8 Wochen zu Tage tretenden Keimlinge müssen vor Sonne und Frost geschützt werden. Wenn sie ungefähr 0,5 m hoch sind, werden sie mit dem Erdballen in Zwischenräumen von 1 bis 2 m auf die nach Art von Blumengärten tief und fein gelockerten Felder gepflanzt und bei trockner Witterung sofort begossen. An Schädlingen sind zu erwähnen Maulwurfsgrillen, Heuschrecken, verschiedene Blatt- und Schildläuse, eine fast mikroskopische rote Milbe (Teranychus bioculatus), sowie verschiedene Raupen, Engerlinge und Bohrkäferlarven, vor allem aber schadet die Hemiptere Helopeltis theivora (H. Antonii), die nebst den ungeflügelten Larven die jungen Blätter anbohrt, und fortwährend abgesammelt werden muß. Im übrigen beschränken sich die Arbeiten bis zur ersten Ernte auf Lockern des Bodens, gründliches Jäten und Einspitzen der Triebe, alles öfter wiederholt. Das Einspitzen richtet sich nach der gewünschten Höhe des Strauches. Niedriger Wuchs liefert frühere Ernten und zartere, aber weniger Blätter, schützt auch mehr vor den Wirkungen der Stürme. Nach der zweiten Ernte werden die alten holzigen Triebe regelmäßig ausgeschnitten; wenn aber (im 8. bis 10. Jahre) die ganze Krone so holzig und knollig ist, daß sie keine jungen Triebe mehr ausstoßen kann, wird sie bis zum Ansatz abgeschnitten, worauf dann