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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Thomas a Becket; Thomas a Kempis; Thomas von Aquino

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Thomas (a Becket) - Thomas (von Aquino)

als Typus der Schwergläubigkeit und der Zweifelsucht. Nach den apokryphen "Akten des T." führte er den Namen Judas T., wurde von Christus als Sklave nach Indien verkauft, wo er dem König Gundaforus einen Palast erbauen sollte, aber die ihm dafür übergebenen Schätze verwendete, um den Armen Gutes zu thun. Als der König dies erfuhr, wollte er ihn hinrichten lassen, bis er hörte, daß T. ihm von jenen Schätzen einen Palast im Himmel erbaut habe. Nach derselben Legende wurde T., nachdem er viele Wunder gethan und eine große Menge zum christl. Glauben bekehrt hatte, auf Befehl eines Königs Mesdeus durch die Lanzen von vier Soldaten durchbohrt. Die Nachrichten der Kirchenväter sind von dieser Legende abhängig. Die "Acta Thomae" sind von Thilo (Lpz. 1823), Tischendorf ("Acta Apostolorum apocrypha", ebd. 1851), im syr. Text mit engl. Übersetzung von Wright ("Apocryphal acts of the Apostles", 2 Bde., Lond. 1871), zuletzt in vollständigem griech. Texte von Bonnet ("Supplementum codicis apokryphi", Lpz. 1883) herausgegeben. Die ind. Christen, die mit der syr. Kirche in Verbindung standen und seit dem 5. Jahrh. von der Reichskirche als Nestorianer (s. d.) getrennt wurden, betrachteten den T. als Stifter ihrer Kirche und nannten sich nach ihm Thomaschristen. Auch die pers. Nestorianer erklärten sich für Schüler des Apostels T. Dem Apostel T. wird auch ein "Evangelium infantiae Christi" (daher auch "Evangelium secundum Thomam" genannt) zugeschrieben, das die Lücken der evang. Geschichte für die Zeit von der Kindheit bis zum Auftreten Jesu auszufüllen sucht, doch stets als apokryph galt (abgedruckt in Tischendorfs "Evangelia apocrypha", 2. Ausg., Lpz. 1876). Dem T. ist in der röm. Kirche der 21. Dez., in der griech. Kirche der 6. Okt., daneben auch der erste Festtag des mit Ostern beginnenden Kirchenjahres (Thomassonntag) geweiht. In Abbildungen sieht man T. mit einem Winkelmaße, Lanze, Stab oder auch mit einer Meßschnur. Er ist der Patron der Architekten und Zimmerleute. - Vgl. Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten, Bd. 1 (Braunschw. 1882).

Thomas a Becket, s. Becket, Thomas a.

Thomas a Kempis, deutscher Mystiker, nach seinem im Erzstift Köln (nicht in Oberyssel) belegenen Geburtsort Kempen (Campen) genannt, eigentlich aber Hamerken oder Hämmerlein (lat. Malleolus), geb. 1380, besuchte 1392 die Schule der Brüder des gemeinsamen Lebens zu Deventer, wo er den Unterricht des Gerhard Groote und des Florentius Radewins erhielt, trat 1407 in das von der Brüderschaft gestiftete Augustinerkloster Agnetenberg bei Zwolle, wurde 1414 Priester, 1423 Subprior, später Prokurator und 1447 nochmals Subprior des Klosters, und starb, 91 J. alt, 25. Juli 1471. Ausgezeichnet durch Frömmigkeit und Gemütstiefe, wirkte T. höchst segensreich als Lehrer und Erzieher der Jugend. Seine sämtlich in lat. Sprache abgefaßten Schriften enthalten eine Chronik von Agnetenberg, eine Lebensbeschreibung von Gerh. Groote und zehn seiner Schüler, Predigten, Kirchengesänge, Soliloquien, moralische Abhandlungen und die viel umstrittene Schrift "Libri quattuor de imitatione Christi" (s. Nachfolge Christi), die den Ruhm seines Namens über die ganze Erde verbreitet haben. Die erste Ausgabe seiner sämtlichen Werke erschien ohne Angabe von Ort und Jahr (wahrscheinlich um 1474 zu Utrecht, ohne die "Imitatio"); die beste, aber auch nicht vollständige besorgte der Jesuit Sommalius (Antw. 1599 u. ö.; zuletzt Köln 1728,1757), eine neue wurde angefangen von Kraus (Bd. 1: "Oposcula", Trier 1868). Eine Übersetzung sämtlicher Werke hat Silbert besorgt (4 Bde., Wien 1838-40). - Vgl. Bähring, T. von Kempen, der Prediger der Nachfolge Christi, nach seinem äußern und innern Leben (2. Ausg., Lpz. 1872); Kettlewell, T. and the brothers of common life (2 Bde., Lond. 1881-84); Cruise, T. a Kempis (ebd. 1887) und die Litteratur beim Artikel Nachfolge Christi; ferner Hirsche, Prolegomena zu einer neuen Ausgabe der Imitatio (3 Bde., Berl. 1873-93).

Thomas von Aquino, Scholastiker, geb. 1225 oder 1227 auf dem Schlosse Roccasicca im Neapolitanischen, aus einem gräfl. Geschlecht, wurde erzogen von den Benediktinern zu Monte-Cassino und setzte dann seine Studien in Neapel fort. Wider den Willen seiner Familie trat er 1244 in den Dominikanerorden und war noch Schüler des berühmten Scholastikers Albert d. Gr. in Köln, wo er auch seit 1248 als Lehrer der scholastischen Philosophie auftrat. 1252 ging er nach Paris. Seine scharfsinnige Anwendung der Lehren des Aristoteles auf die wissenschaftliche Bearbeitung der Theologie verschaffte ihm bald einen ausgezeichneten Ruhm. Er verteidigte seinen Orden durch die Streitschrift "Contra impugnantes Dei cultum et religionem", und wurde von Urban IV. 1261 nach Italien berufen, um zu Rom, Bologna und Pisa Philosophie zu lehren, worauf er von seinem Orden zum Definitor der röm. Provinz ernannt wurde. Seit 1272 hielt er sich in dem Dominikanerkloster zu Neapel auf, um ganz seinen Studien und Vorträgen zu leben. Auf der Reise zur Kirchenversammlung nach Lyon starb er 7. März 1274 zu Fossanuova.

Noch während seines Lebens genoß T. das größte Ansehen in der Kirche; seine zahlreichen Schüler nannten ihn Doctor universalis, auch Doctor angelicus und den zweiten Augustinus. Johann XXII. versetzte ihn 1323 unter die Heiligen. Seine Hauptwerke sind der Kommentar über des Petrus Lombardus vier Bücher "Sententiarum", die "Summa de veritate fidei catholica contra gentiles" und die "Summa theologiae", denen die "Quaestiones disputatae et quodlibetales" und die "Opuscula theologica" sich anschließen. Sie zeichnen sich nicht nur durch einen staunenswerten Aufwand von Fleiß und dialektischer Kunst, sondern auch durch den darin unternommenen großartigen Versuch aus, das kirchliche Lehrsystem zu einer einheitlichen philos. Weltanschauung zu erheben. Die christl. Sittenlehre behandelte er in einer ihm eigentümlichen Anordnung und einem Umfang, wodurch er sich den Ehrennamen des Vaters der Moral erwarb. In der Reformationszeit wurde seine Autorität von den Protestanten ebenso eifrig bestritten, als von den Katholiken verteidigt. Das Tridentinische Konzil erhob eine Reihe von Lehren in der von T. vorgetragenen Form zu kirchlichen Glaubenssätzen, und noch heute gilt er als der angesehenste Dogmatiker der kath. Kirche, wie denn sowohl Pius IX., als ganz besonders Leo XIII. in seiner sog. Thomas-Encyklika ("Aeterni patris") vom 4. Aug. 1879 die Philosophie und Theologie des T. als Grundlage aller gelehrten Studien der kath. Christenheit erklärten. Aus dem Franziskanerorden trat im Anfange des 14. Jahrh. Duns Scotus (s. d.) als T.s Gegner auf und gründete die philos.-theol. Schule der Scotisten, denen