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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tiberiassee; Tiberinus; Tiberis; Tiberius Claudius Nero

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Tiberiassee - Tiberius (Claudius Nero, röm. Kaiser)

treter hier die Mischna (s. Talmud) zusammenstellten. Der Normannenfürst Tankred setzte sich 1099 in T. fest und wurde zum Fürsten von Galiläa ernannt. Doch schon 6. Juli 1187 fiel die Citadelle von T. in die Hände des siegreichen Saladin. Die Mauern der jetzigen Stadt wurden durch den Scheich Dahir el-Amr um 1750 wiederhergestellt. Durch die Erdbeben von 1759 und 1837 wurde T. stark verwüstet. In der neuesten Zeit beginnt sich T. wieder zu heben, besonders der Besuch der heißen Quellen (el-Hammi) im Süden von der Stadt.

Tiberiassee, soviel wie Genezareth (s. d.).

Tiberinus, Gott des Tiber. Er wurde in alten Gebetsformeln der Römer vielfach angerufen und besaß einen Tempel auf der Tiberinsel; sein Fest wurde 8. Dez. begangen. Die spätere Sage machte ihn zu einem Landeskönig von Latium.

Tiberis, s. Tiber.

Tiberius Claudius Nero, röm. Kaiser (14-37 n. Chr.), geb. 42 v. Chr. als der ältere Sohn der Livia Drusilla aus ihrer ersten Ehe mit seinem gleichnamigen Vater. Als Livia 38 Oktavian heiratete, blieb T. mit seinem Bruder Drusus im Hause des Vaters, bis dieser 34 starb. Dann wurden er und Drusus als Stiefsöhne in Oktavians Hause erzogen. Früh schon zeigte T. bedeutende, namentlich kriegerische Fähigkeiten, zugleich brennenden Ehrgeiz, einen stolzen, verschlossenen, ernsten Charakter, der sich auch in seinen Zügen und in der Haltung seines großen und kräftigen Körpers kundgab. Nachdem er als Tribun in Spanien gegen die Asturer und Cantabrer gedient hatte, wurde er 20 als Feldherr abgesandt, den Tigranes als König in Armenien einzusetzen. 15 v. Chr. unterwarf er mit Drusus die Rhätier und Vindelicier; 13 bekleidete er zum erstenmal das Konsulat. T. war in glücklicher Ehe verheiratet mit Vipsania Agrippina, einer Tochter des Agrippa. Da zwang ihn 12 Augustus nach Agrippas Tode aus dynastischen Rücksichten diese Ehe zu lösen und Agrippas Witwe zweiter Ehe, des Kaisers Tochter Julia (s. d.), zu heiraten (11 v. Chr.). Im J. 9 unterdrückte T. den Aufstand der Pannonier und Dalmatier; nach seines Bruders Drusus Tode im J. 8 war er in Germanien thätig. Im J. 6 wurde ihm die tribunizische Gewalt auf fünf Jahre und damit eine gewisse Anwartschaft auf den Thron verliehen; zugleich erhielt er den Auftrag, Armenien den Parthern zu entreißen. T. lehnte unter dem Vorwand, daß seine Gesundheit angegriffen sei, ab und begab sich in eine Art freiwilliger Verbannung nach Rhodus, wo er mehrere Jahre, mit griech. Litteratur und Astrologie beschäftigt, verlebte. Die wahren Gründe seiner Entfernung vom Hofe waren das Gefühl der Zurücksetzung gegenüber seinen Stiefsöhnen Gajus und Lucius Cäsar und das unerträgliche Verhältnis zu seiner Gattin Julia. Endlich wurde ihm 2 n. Chr. durch Livia, der Julias Sturz gelungen war, die Rückkehr nach Rom ausgewirkt, und 4 n. Chr. brachte sie ihren Gemahl dazu, T. trotz seiner Abneigung gegen ihn zu adoptieren. Zugleich freilich adoptierte Augustus auch seinen einzigen noch lebenden Enkel Agrippa Postumus, und T. selbst mußte seines Bruders Drusus Sohn Germanicus (s. d.) an Sohnes Statt annehmen. T. erhielt damals wieder die tribunizische Gewalt auf fünf oder wahrscheinlich gleich auf zehn Jahre. Im J. 5 befehligte er in Germanien und drang bis zur Elbe vor; dann beschäftigte ihn und Germanicus die Niederwerfung eines neuen gefährlichen Aufstandes der Pannonier und Dalmatier. Nach Varus' Niederlage (9) sicherte T. bis zum J. 11 abermals die Rheingrenze. Währenddessen war Agrippa Postumus seines ungezügelten rohen Wesens wegen, vielleicht unter Livias Einwirkung, verbannt worden. So blieb T. der einzige Thronerbe; 13 wurde ihm auf Lebenszeit die tribunizische und die prokonsularische und zugleich die censorische Regierungsgewalt und damit die Mitregentschaft verliehen. Augustus hatte jetzt endlich seinen Wert erkannt. Als bald darauf 14 Augustus starb, wurde T. vom Senat nach einigem Zögern als Kaiser anerkannt. Agrippa Postumus ward jedenfalls mit T.' Wissen beseitigt. Ein Militäraufstand der pannonischen und german. Legionen, die die Gelegenheit zur Erlangung günstigerer Dienstverhältnisse benutzen wollten, fand durch T.' Sohn Drusus mit dem einen Gardecommandeur Sejanus und durch Germanicus rasche Unterdrückung.

T.' Regierung bietet das Bild einer musterhaften, einheitlichen Verwaltung des gesamten Römischen Reichs. Dem Dienste des Staates hat sich T. mit rastloser selbstloser Energie und weitem staatsmännischem Blick gewidmet. Die auswärtigen und militär. Verhältnisse traten zurück. Abgesehen von den im ganzen erfolglosen demonstrativen Zügen des Germanicus nach Deutschland (14-16 n.Chr.), abgesehen von kleinern Aufständen in Gallien, Thrazien und Afrika (Tacfarinas), hat Ruhe geherrscht. Seine Erfolge nach auswärts (Deutschland, Armenien) verdankte T. wesentlich seiner ^[überzähliges Wort: seinen] Diplomatie. Im Innern ist T. der Vollender und Ausgestalter des von Augustus geschaffenen Principats. (S. Rom [unter den Kaisern].) Mehr noch als Augustus widmete T. seine Fürsorge den in der Republik arg vernachlässigten Provinzen. Eine vorzügliche, geordnete Finanzverwaltung gab ihm dafür die Mittel: der Staatsschatz betrug bei seinem Tode 2700 Mill. Sesterzien (an 600 Mill. M.).

Die Gesetze gegen Verletzung der Majestät wurden streng gehandhabt, ein ganzer Stand von Angebern (Delatoren) bildete sich aus und namentlich aus dem hohen republikanisch gesinnten Adel fielen zahlreiche Opfer. Nirgends fand T. für sein ehrliches Wollen und Arbeiten Anerkennung, sondern selbst in der eigenen Familie Haß, Widerstand und Intrigue. Sein einziger Sohn Drusus, der natürliche Thronerbe, starb eines plötzlichen Todes, wie T. später erfahren mußte, vergiftet durch den Gardepräfekten Älius Sejanus (s. d.). Während T. sich 26 vollständig in die Einsamkeit nach Capri zurückzog, überließ er Sejanus fast die ganze Regierung. Ihm fällt die systematische Verschärfung des Verhältnisses zwischen T. und Germanicus' Witwe, der ältern Agrippina, und deren Söhnen (Nero, Drusus), die mit dem traurigen Tode Agrippinas, des Nero und Drusus endete, zur Last. Sejans Verrat und Sturz (31) veranlaßte T. zu einem erneuten furchtbaren Gericht. Rom hat er seit dem J. 26 nicht wieder gesehen; er blieb in Capri. Die raffinierten Ausschweifungen, die ihm dort zugeschrieben werden, sind nur der Niederschlag des Klatsches der gegen ihn erbitterten röm. Aristokratie. Bei einem Ausfluge nach Kap Misenum starb T. an einer ihn plötzlich überfallenden Krankheit (die Gerüchte von seinem gewaltsamen Tode sind unwahr) 16. März 37 n. Chr. T. hinterließ, wie Augustus, Memoiren, die aber bis auf ein geringes Fragment verloren sind. Sein Leben beschrieben Tacitus und Sueton.