Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

828

Tiedm. - Tiefseeforschung

Die nach dem Tode T.s zu Dresden 1841 begründete Tiedge-Stiftung hat den Zweck, das Grab des Dichters zu erhalten und einzelnen Dichtern und Künstlern oder deren Witwen und Kindern Unterstützungen zu gewähren. 1896 betrug das Vermögen der Stiftung, das vom sächs. Kultusministerium verwaltet wird, 662 000 M.

Tiedm., hinter lat. Tiernamen Abkürzung für Friedr. Tiedemann (s. d.).

Tief, auch Tiefe, in der Nordsee die tiefern Fahrwasserrinnen zwischen den Watten (s. d.), die teilweise die Fortsetzungen von Flußläufen sind.

Tiefbahnen, s. Stadtbahnen.

Tiefbau, im Gegensatz zum Hochbau (s. d.), besonders in der Stadtbauverwaltung der Bau der Brücken und Straßen, unter Umständen auch der Straßenbahnen, sowie der Be- und Entwässerungsanlagen. - Über T. im Bergbau s. Grubenbau.

Tiefbau-Berufsgenossenschaft für das Gebiet des Deutschen Reichs. Sitz ist Berlin; ohne Sektionsbildung. Ende 1895 bestanden 8518 Betriebe mit durchschnittlich 167 476 versicherten Personen, deren anzurechnende Jahreslöhne 76 328 630 M. betrugen. Die Jahreseinnahmen beliefen sich auf 8 899 701, die Ausgaben auf 1 615 284 M., der Reservefonds (Ende 1895) auf 1 483 890 M. Entschädigt wurden 1294 Unfälle (7,73 auf 1000 versicherte Personen), darunter 106 Unfälle mit tödlichem Ausgang und 21 mit völliger Erwerbsunfähigkeit. Die Summe der gezahlten Entschädigungen, einschließlich der Renten für Unfälle aus frühern Jahren, betrug 1895: 1 218 877 M. Zur Versicherung nichtgewerblicher Tiefbauarbeiten ist mit der T. eine Versicherungsanstalt verbunden, die gegen feste Prämie versichert, eigene Verwaltung und eigenes Vermögen besitzt. (S. Berufsgenossenschaft.)

Tiefbaustein, s. Bernsteinindustrie.

Tiefblasen, s. Clarino.

Tiefbohrungen, durch Erdbohrer in das Erdinnere getriebene Bohrlöcher Zur Auffindung nutzbarer Mineralien, zur Aufklärung geolog. Verhältnisse, zum Messen der Erdwärme u. s. w. (S. Bergbohrer und Erdwärme.) - Vgl. Tecklenburg, Handbuch der Tiefbohrkunde (6 Bde., Lpz. 1886-96).

Tiefdruck, s. Graphische Künste.

Tiefe, s. Dimension. T. ist auch soviel wie Tief (s. d.)

Tiefebenen, s. Ebene.

Tiefenbach, Bad bei Oberstdorf (s. d.).

Tiefengesteine, s. Gesteinsbildung.

Tiefenstufe, geothermische, s. Erdwärme.

Tiefenthal, s. Rauenthal.

Tiefenwinkel, s. Vertikalwinkel.

Tieffenbrucker (Duiffopruggar), die älteste bekannte Geigenmacherfamilie, in Oberitalien ansässig. Der erste und berühmteste der Familie, Kaspar, geb. 1514 in Freising in Bayern, lebte längere Zeit in Bologna, dann in Paris und um 1553 in Lyon. Er starb 1572. Ob schon Violinen von ihm gebaut wurden, ist ungewiß, wohl aber sind größere Geigen (Violenarten) von ihm auf uns gekommen. Die spätern (Leonardo, Magno, Vendelino T.) wohnten, berühmt durch ihre Lauten, in Venedig. - Vgl. H. Coutaigne, Gaspard Douiffoproucart et les luthiers lyonnais du XVIe siècle (Par. 1893).

Tiefgang, bei Schiffen das Maß des tiefsten Punktes des Kiels unter der Wasserlinie. Das größte ital. Panzerschiff Italia hat 9,9 m, das größte engl. Panzerschiff 8,8 m, der größte Handelsdampfer nur 8 m T. Der T. ist nach der Ladung, dem Kohlenvorrat u. s. w. verschieden. Die genaue Kenntnis des T. ist beim Befahren flacher Gewässer sehr wichtig und muß dem Lotsen (s. d.) angegeben werden. Zur Messung des T. dient die Ahming (s. d.).

Tiefkultur, eine Bearbeitung des Bodens und Vertiefung der Ackerkrume über 20 cm mit der Hand durch Rajolen, oder durch Gespannarbeit mittels der Tiefkulturpflüge (s. Pflug und Tafel: Landwirtschaftliche Geräte und Maschinen I, Fig. 10), oder endlich durch den Dampfpflug (s. Dampfbodenkultur).

Tiefladelinie, die gesetzliche Marke, die anzeigt, wie tief jedes Schiff beladen werden darf. Die T. bestimmt den Freibord des Schiffs, d. h. den senkrechten Abstand der Lademarke vom obersten Schiffsdeck; der Freibord ist nach der Form und Größe der Schiffe verschieden. Bis jetzt ist ein Gesetz über die T. nur in England eingeführt; es wurde 1876 auf Anregung des Parlamentsmitgliedes Plimsoll in die Merchant Shipping Act aufgenommen. Nach ihm wird die Marke der englischen T. auch Plimsollmarke genannt. Durch die Merchant Shipping Act vom 27. Juni 1892 ist die engl. Bestimmung über die T. noch wesentlich verschärft und auch auf fremde Schiffe ausgedehnt worden, die engl. Häfen anlaufen. (S. Tiefladelinie, Bd. 17.)

Tiefland, s. Ebene.

Tieflandsmoor, s. Moor.

Tieflot, s. Tiefseeforschung nebst Tafel, Fig. 1, 2, 3 und 10.

Tiefseeablagerungen, s. Meer.

Tiefseeforschung, die Summe der Untersuchungen, die unsere Kenntnis der Beschaffenheit des Meeresgrundes sowohl als auch der Verhältnisse der tiefern Schichten der Oceane zu erweitern geeignet sind. So gehören namentlich dahin alle Messungen über die Tiefen der Meeresbecken, über die in den verschiedenen Tiefen herrschenden Temperaturen, die Zusammensetzung des Wassers und dessen spec. Gewicht und endlich über das organische Leben am Meeresboden und in den größern Tiefen der Oceane. Hierzu die Tafel: Tiefseeforschung. Obgleich schon früher Schätzungen der Meerestiefen gemacht wurden (so z. B. gaben einige alte Schriftsteller die Tiefe des Mittelmeers zu etwa 15 Stadien (nahe 3000 m an), so kommen doch erst im Mittelalter ("Seebuch" der hansischen Seeleute) wirklich Messungen bis 800 m vor. Von den Lotleinen der Entdecker heißt es, daß sie höchstens 400 m lang gewesen seien. Noch lange begnügte man sich mit der aus dem Altertum stammenden Annahme, daß die größten Tiefen des Meers ebenso weit unter dessen Oberfläche liegen müßten, als die höchsten Erhebungen der Erdoberfläche darüber.

Die ersten, aber vereinzelten, wirklichen Tiefseemessungen sind erst im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrh. von Sir John Roß erzielt worden, welcher 1818 mit einer Tiefseezange von 6 Ctr. Gewicht in der Baffinbai den Meeresboden bei 1790 m berührte und von dort eine erhebliche Menge eiskalten Schlammes heraufbeförderte. Auf Grund dieser Messung glaubte man die größte Tiefe des Meers zu etwa 2000 m annehmen zu müssen; doch zeigte bald darauf James Clark Roß, daß dieses ein viel zu geringer Wert sei, indem er zwischen Brasilien und St. Helena 1843 eine Tiefe von 8412,4 m gelotet zu haben glaubte. Der engl. Kapitän Denham glaubte 1852 zwischen der Mündung des La Plata und Tristan da Cunha die Tiefe von 14 092 m gefunden zu haben, und in demselben Jahre fand