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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tierheilkunde

etlichen Heilmitteln gegen Tierkrankheiten sind uns aus dieser Zeit überliefert worden. Laurentius Rusius, Tierarzt in Rom, hat um die Mitte des 14. Jahrh. ein Werk über T. verfaßt, das auch deutsch u. d. T. "Das kleine roßartzneibüchlein" zu Erfurt 1630 erschien. Erst mit der Gründung der Universitäten und dem Beginn einer wissenschaftlichen Pflege der Medizin fing auch die T. wieder an beachtet zu werden. Eine nennenswerte Förderung als Wissenschaft hat sie indessen bis zur Gründung der Tierarzneischulen nicht erreicht. Doch thaten sich als tierärztliche Schriftsteller Geßner (1516-1655), ferner Ruini, Marx Fugger, Solleysel, Sind u. a. hervor. Die Werke dieser Autoren beschäftigen sich vorzugsweise mit Pferdeheilkunde (Hippiatrik).

Hervorragende Ärzte traten mit Hinsicht auf die verheerenden Tierseuchen, namentlich die wiederholten Ausbrüche der Rinderpest, im Anfang des 18. Jahrh. mit aller Energie für die Errichtung von Tierarzneischulen ein. Die erste dieser Anstalten entstand 1762 in Lyon, die zweite 1765 zu Alfort bei Paris. Hierauf folgten alle übrigen Länder Europas, und zwar wurden Tierarzneiinstitute eröffnet 1777 in Wien, 1778 in Hannover, 1780 in Dresden, 1790 in Berlin und München, 1821 in Stuttgart und 1829 in Gießen (als Anhängsel der mediz. Fakultät an der Universität). Erst seit Gründung der Tierarzneischulen wird die T. zielmäßig von berufenen Lehrern gepflegt. Durch die Erhebung sämtlicher Tierarzneischulen zu Tierärztlichen Hochschulen (s. d.) hat man in Deutschland der T. die verdiente Anerkennung zu teil werden lassen.

Durch die Gewerbeordnung ist in Deutschland festgesetzt, daß jeder, der den Titel Tierarzt führen will, sich einer Fachprüfung unterziehen muß. Die Bedingungen der Zulassung zu dieser Prüfung sind durch die Bekanntmachungen des Reichskanzleramtes vom 27. März 1878 und vom 13. Juli 1889 festgesetzt.

Jeder approbierte Tierarzt kann sich im Gebiete des Deutschen Reichs niederlassen, wo immer es ihm beliebt. Die Tierärzte werden je nach dem speciellen Zweige der Berufsausübung, dem sie sich zugewendet haben, eingeteilt in praktische und beamtete Tierärzte. Letztere zerfallen wieder je nach ihrer Anstellung von der Gemeinde oder vom Staate in städtische und Staatstierärzte und zwar führen die letztern in Preußen den Titel Kreis- und Departementstierärzte, in Bayern Bezirks- und Kreistierärzte, in Sachsen und Baden Bezirkstierärzte, in Württemberg Oberamtstierärzte, in Hessen Kreisveterinärärzte.

Vom Staate sind außerdem angestellt die Grenz- und Gestütstierärzte. Den tierärztlichen Dienst beider Armee versehen dieRoßärzte, Oberroßärzte und Korpsroßärzte, in Bayern die Veterinäre, Stabs- und Korpsstabsveterinäre.

Für die sociale Besserstellung des tierärztlichen Standes von grundlegender Bedeutung ist das Reichsgesetz vom 23. Juni 1880 (abgeändert durch die Novelle vom 1. Mai 1894) gewesen, betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, weil dieses die Anstellung beamteter Tierärzte zur Vorschrift machte und diesen die Ausführung des Gesetzes unter Leitung der Regierungen übertrug.

Die Fächer, welche die T. umfaßt, sind folgende: 1) Anatomie der Haustiere. Vgl. Franck, Handbuch der Anatomie der Haustiere (neu bearbeitet von Martin, 3. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1892-93); Ellenberger und Müller, Handbuch der vergleichenden Anatomie der Haussäugetiere (8. Aufl., Berl. 1896); Sußdorf, Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der Haustiere (Bd. 1, Stuttg. 1891-95). 2) Histologie. Vgl. Handbuch der vergleichenden Histologie der Haussäugetiere (hg. von Ellenberger, 2 Bde. in 4 Tln., Berl. 1884-92). 3) Physiologie. Vgl. Schmidt-Mülheim, Grundriß der speciellen Physiologie der Haussäugetiere (Lpz. 1879); Munk, Physiologie der Menschen und der Säugetiere (4. Aufl., Berl. 1897). 4) Botanik. 5) Chemie. 6) Physik. 7) Zoologie. 8) Allgemeine und specielle Pathologie und Therapie der Haustiere. Vgl. Gerlach, Lehrbuch der allgemeinen Therapie der Haustiere (2. Aufl., Berl. 1868); Ellenberger, Lehrbuch der allgemeinen Therapie der Haussäugetiere (2 Tle., ebd. 1884-85); Fröhner, Lehrbuch der allgemeinen Therapie für Tierärzte (Stuttg. 1893); Friedberger und Fröhner, Lehrbuch der speciellen Pathologie und Therapie der Haustiere (4. Aufl., 2 Bde., ebd. 1896); Dieckerhoff, Lehrbuch der speciellen Pathologie und Therapie (Bd. 1, 2. Aufl., Berl. 1892; Bd. 2, ebd. 1892 fg.); Harms, Erfahrungen über Rinderkrankheiten (2. Aufl., ebd. 1895); Haubner, Landwirtschaftliche T. (12. Aufl., hg. von Siedamgrotzky, ebd. 1897); Zürn, Die Schmarotzer in und auf dem Körper der Haustiere (2. Aufl., 2 Tle., Weim.1882-88); Pütz, Kompendium der praktischen T. (Stuttg. 1885); Walther. Landwirtschaftliche T. (6. Aufl., Bautzen 1897); Hoffmann, Merks vollständiges Handbuch der praktischen Haustier-Heilkunde (8. Aufl., Stuttg. 1897). 9) Materia medica nebst Toxikologie und Pharmakologie. Vgl. Vogel, Specielle Arzneimittellehre für Tierärzte (3. Aufl., Stuttg. 1886); Fröhner, Lehrbuch der Arzneimittellehre für Tierärzte (4. Aufl., ebd. 1896); ders., Arzneiverordnungslehre für Tierärzte (2. Aufl., ebd. 1894); ders., Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte (ebd. 1890); Arnold, Tierärztliches Arzneibuch. Tl. 1: Pharmacie und Arzneiverordnungslehre (Berl. 1890); G. Müller, Lehrbuch der Pharmakologie für Tierärzte (Dresd. 1894). 10) Pathologische Anatomie. Vgl. Bruckmüller, Pathol. Zootomie (Wien 1870); Johne in Birch-Hirschfelds "Lehrbuch der pathol. Anatomie" (Bd. 1,5. Aufl., Lpz. 1897; Bd. 2,4. Aufl., ebd. 1895); Kitt, Bakterienkunde und pathol. Mikroskopie (2. Aufl., Wien 1893); ders., Lehrbuch der pathol.-anatom. Diagnostik (2 Bde., Stuttg. 1894-95). 11) Chirurgie. Vgl. Bayer, Lehrbuch der Veterinär-Chirurgie (2. Aufl., Wien 1890); Hoffmann, Tierärztliche Chirurgie (2 Bde., Stuttg. 1892); Möller, Lehrbuch der Chirurgie (2 Bde.; Bd. 2 in 2. Aufl., ebd. 1893); Bayer und Fröhner, Handbuch der tierärztlichen Chirurgie und Geburtshilfe (4 Bde., Wien 1896-97). 12) Akiurgie. Vgl. Hering, Operationslehre für Tierärzte (6. Aufl., bearbeitet von Vogel, Stuttg. 1897). 13) Hufbeschlag (s. d.) und Hufkrankheiten. Vgl. Möller, Hufkrankheiten (2. Aufl., Berl. 1896). 14) Diätetik. Vgl. Haubner, Die Gesundheitspflege der landwirtschaftlichen Haussäugetiere (4. Aufl., Dresd. 1881); Zürn, Die Pflege der gesunden Haussäugetiere (2 Tle., Berl. und Lpz. 1875-77); Dammann, Die Gesundheitspflege der landwirtschaftlichen Haussäugetiere (2. Aufl., Berl. 1892). 15) Tierzuchtlehre (s. Viehzucht) nebst Gestütskunde (s. Pferdezucht). 16) Geburtshilfe. Vgl. Franck, Handbuch der tierärztlichen Geburtshilfe (2. Aufl., bearbeitet von Goering, Berl. 1887); Harms, Lehrbuch der tierärztlichen Geburts-^[folgende Seite]